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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Allustrirtes Sonntagsblatt" u. „Allustrirte lanbwirthschaftliche Beilage".
Nr. 8S. AtHiz Sei 23. 3uli 18V.
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mit den Gratisbeilagen „Jllttstrirtes Sotttttags- blatt" und „Jllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für die Monate August und September werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
, Amtliches.
Hersfeld, den 16. Juli 1895.
Zufolge eines von Allerhöchster Stelle kundgegebenen Wunsches hat das Kultusministerium die Herstellung eines Jubiläumsprachtwerkes aus Anlaß des bevorstehenden Ablaufes eines fünfundzwanzigjährigen Zeitraums seit dem Kriege in Angriff genommen. Mit der Herausgabe ist der ordentliche Professor der Geschichte an der Universität Halle Dr. Theodor Lindner betraut. Den Verlag des Werkes hat die Buchhandlung von A. । Asher & 6o. in Berlin, Unter den Linden 13, übernommen. Der illustrative Theil liegt in den Händen des Malers C. Röchling und anderer tüchtiger Schlachtenmaler. Der Druck, sowie die Reproduktion der Bilder und Pläne erfolgt durch die besten deutschen Firmen,> weshalb zu hoffen steht, daß das Werk auch der Ausstattung nach seinem Ziele entsprechen wird.
Die Lieferung von Probebogen mit Umschlag, welche das Nähere über Umfang und Inhalt ergeben, wird auf Wunsch seitens der Verlagsbuchhandlung erfolgen.
Der Preis des etwa 20 Bogen in Quartformat um- t fastenden Werkes für das in Prachtband gebundene Exemplar ist für den Buchhandel auf 4 Mk. festgesetzt.
An Behörden, Vereine und sonstige Körperschaften wird das Werk Seitens der Verlagshandlung in gleicher Ausstattung bei direkter Bestellung von mindestens zwanzig Exemplaren zum Preise von 2,50 Mk., bei geringeren Bestellungen zum Preise von 3 Mk. abgegeben werden, wobei allerdings Verpackungs- und Transportkosten den Empfängern zur Last fallen. Ein etwaiger Reinertrag ist für patriotische oder sonstige gemeinnützige Zwecke bestimmt.
Das Werk soll unter dem Titel: „Der Krieg gegen
Frankreich und die Einigung Deutschlands" rechtzeitig vor dem Sedantage ausgegeben werden. Indem ich auf das Erscheinen dieses Werkes hiermit aufmerksam mache, empfehle ich dasselbe zur Anschaffung und zum gemeinsamen Bezüge.
J. I. 4266. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, ______Geheimer Regieruugs-Rath.
Hersfeld, den 20. Juli 1895.
Die Herren Ortsvorstände, welche mit der Einreichung des neuen Verzeichnisses der land- und forstwirthschaft- lichen Betriebsunternehmer noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 28. d. Mts. erinnert.
Hierbei wird nochmals bemerkt, daß in Abtheilung A. desselben alle beitragspflichtigen, in Abtheilung B. die beitragsfreien Betriebe aufzunehmen sind. Der Obsterlös der Gemeinde nach dem Durchschnitt der letzten 3 Jahre ist ebenfalls in dem Verzeichniß zu vermerken.
a. 1741 ii. Der Sektionsvorstand:
Freiherr von Schleinitz.
Wir beabsichtigen in der mit dem pomologischen Garten zu Cassel verbundenen Obstverwerthungs-Station im Laufe dieses Sommers und Herbstes einen allgemein zugängigen Obst- und Gemüse-Verwerthungskursus unter der Leitung des Jnstitutsgärtners des pomologischen Gartens Obstbau-Techniker Karl Huber zu veranstalten.
-Der Kursus zerfällt in zwei Abschnitte von je einer Zeitdauer von 4 Tagen und umfaßt im
Abschnitt I (wird abgehalten zur Zeit der Ernte von Stein- und Beerenobst). Unterweisungen in der Ernte des Beerenobstes, Herstellung von Beerenweinen, Säften, Gellee, Marmelade, Pasten rc. Trocknen von Steinobst sowie Gemüsen, Einmachen und Conserviren letzterer.
Abschnitt II (wird abgehalten zur Zeit des Kernobstes). Unterweisungen in der Ernte, Aufbewahrung und dem Versande von Obst; Herstellung von Obstweinen, Marmeladen, Gellee, Säften, Conserven, Obstessig. Trocknen von Aepfeln und Birnen, Gemüsen und grünen Gewürzen.
Der bezw. die Kurse, welche in Männer- und Frauen- Kurse geschieden werden, verfolgen den Zweck, eine bessere und ausgiebigere Verwendung unserer Obst- und Garten-
erzeugniste besonders im landwirthschaftlichen Haushalt einzuführen.
Der Unterricht wird sowohl theoretisch als auch an den aufgestellten Verwerthungsapparaten praktisch ausgeführt, so daß die Theilnehmer Gelegenheit haben, sich in den verschiedenen Verwerthungsarten praktisch einzuüben.
Das Honorar für die Theilnehmer an den Obstverwerthungskursen beträgt für die beiden Abschnitte zusammen 6 Mk., je ein Abschnitt allein 4 Mk. und ist bei Beginn der Kurse zu entrichten. Unbemittelten kann auf Antrag die Honorar-Zahlung erlassen werden. Die Termine für ^ Kurse werden sowohl in den Fachschriften und öffentlichen Blättern sowie den vorher angemeldeten Personen schriftlich kundgegeben.
Anmeldungen und Anfragen dieserhalb sind zu richten an den Leiter der Kurse, Jnstitutsgärtner Karl Huber in Cassel.
Wir bringen vorstehende Bekanntmachung mit dem Zufügen in Erinnerung, daß Kursabschnitt I der diesjährigen Obstverwerthungskurse für Damen vom 16. Juli bis incl. 19. Juli, für Herren vom 23. Juli bis incl. 26. Juli stattfindet und empfehlen den Besuch derselben allen Interessenten angelegentlichst.
Direktion des ^"W. iZhschaftlichen Central-Vereins für den Regierungsbezirk Cassel. I. V.: Gerland.
Politische Nachrichten.
Berlin, 20. Juli.
Se. Majestät der Kaiser ist gestern Abend in H e r n ö s a n d nach guter Fahrt in bestem Wohlsein eingetroffen. Um 8 Uhr warf die „Hohenzollern" vor Hernösand Anker. Der während der Fahrt herrschende starke Nebel hatte sich gelegt. An Bord war Alles wohl.
Im Auftrage des Kaisers legte der Chef des Militärkabinets, General-Adjutant, General der Infanterie von Hahnke am Freitag, als dem 25jährigen Gedenktage der Kriegserklärung, an dem Sarge des Kaisers Wilhelm I. im Mausoleum zu Charlottenburg und am Sarge des Kaisers Friedrich III. im Mausoleum bei der Friedenskirche zu Potsdam Kränze nieder.
Laut Allerhöchster Cabinetsordre vom 27. Januar d. J. fand am Freitag in der Ruhmeshalle die Ausschmückung der Feldzeichen der Garde-Regimenter statt, welche den Feldzug von 1870/71 mitgemacht haben.
Unberrchtigter Nachdruck verboten.
Der zweite Sd?u£.
Dorfgeschichte aus dem Böhmerwalde.
Von Maximilian Schmidt. (Fortsetzung.)
In Nothenbaum verstand sich am besten zu solcher Kunstfertigkeit der Schneidergirgl. Er war der gesuchteste Frauenschneider in der ganzen Umgegend. In der geschmackvollen Verfertigung der Spenser für die Weiber und Deandlu that es ihm keiner gleich, aber ebenso wenig im Spiele der Klarinette, der die gewöhnlichen Landmusikanten meist nur gellende, ohrenzerreißende Töne zu entlocken wissen, mährend Girgl bei seinem Spiele einen Ton hervorzubringen verstand, der den Ohren der Zuhörer schmeichelte und der sogar bei mehr als einer der Rothenbaumer Dorfschönen den Weg zum Herzen fand. Dies besonders, wenn Girgl Feierabend gemacht, Nadel und Bügeleisen bei Seite gelegt und sein Instrument zur Hand genommen hatte, wenn die das Dörfchen umgebenden, tannendunklen Höhen im flimmernden Abendduft dalugen, oder der Mond über dieselben heraufgestiegen kam und unaussprechlicher Friede in der Runde waltete. Der hübsche, etwa dreißigjährige Bursche mit seinen großen, dunklen Augen, üppigem, braunem Haare, und kleinem Schnurrbärtchen spielte in solchen Stunden, unter dem Naßbaum seines Gärtchens sitzend, oft die einschmeichelndsten Weisen, welche in der Stille der Nacht von dem einen Ende des Dorfes, wo sein Häuschen stand, bis zum andern Ende
i drangen und von allen Leuten gern gehört wurden.
Ganz besonders gern aber lauschte diesen Weisen das schöne, schwarzäugige Häuslerseppen Katherl, ein „körnigs Deandl mit rösleter Waug," immer heiter und unermüdlich bei ihrer Arbeit, der Spitzenklöpplerei, einer im Böhmerwalde vielgepflegten Hausindustrie, worin es das weibliche Geschlecht zu einer großen Kunstfertigkeit gebracht hat.
Der Häuslersepp, Katherls Vater, hatte eine kleine Oekonomie, welche für zwei Kühe ausreichte, und beschäftigte sich im Winter mit Holzschnitzereien geringster Sorte, wie Nudelwalger, Kochlöffel und dergleichen. Sein Weib führte das Regiment in Haus und Stall. Neben dem sauberen Häuschen war ein kleiner Garten mit einigen Obstbäumen, Gemüse und Blumen, deren Pflege Kathi überlasten war. Der Feierabend versammelte die kleine Familie meist auf der Gredbank vor dem Hause, und da gewährte dem Mädchen das Spiel des Schneidergirgl stets das größte Vergnügen.
Daß sich die Beiden gern hatten, daö hatten sie sich noch nicht mit Worten gesagt, aber jeder wußte es; es verstand sich gleichsam von selbst. Sie waren von Jugend auf an einander gewöhnt, ihre Häuser trennte nur die Dorfgasse, sie konnten über diese hinweg zu einander sprechen und sich unterhalten, und stets hatte das freundlichste Einvernehmen zwischen den beiden Häusern geherrscht. Aber ein Geständniß hatten die Liebenden sich bis jetzt noch nicht gemacht. Da trat ein Ereignis; ein, welches den Beiden doch einmal die Zunge löste.
Der gräfliche Jagdgehilfe aus dem etwa eine halbe Stunde entfernten Forsthause, Benno Herter, kam auf seinen Waldgängen wohl öfter durch Rothenbaum, als es sein Dienst erforderte, und er wühlte dabei mit Vorliebe die Zeit des Feierabends, um sich neben Kathi auf die Gredbank zu setzen und mit ihr und ihrer Mutter zu plaudern.
Er war ein großer, starker Mann von echt waid- münnischem Aussehen, doch hatte sein Gesicht keine ansprechenden Züge. Er legte ein großes Selbstbewußtsein an den Tag, raisonnierte bei jeder Gelegenheit auf seine Vorgesetzten und betonte mit besonderer Wichtigkeit, daß er der Erste sei, welcher eine etwa frei werdende Försterei erhalte. Damit wollte er sagen, daß er dann imstande sei, sich einen eigenen Herd zu gründen und das Mädchen seiner Wahl als Hausfrau heimzuführen.
Kathis Mutter fühlte sich durch die Aufmerksamkeiten, welche der künftige Förster ihrer Tochter erwies, sehr geschmeichelt, dies um so mehr, wenn hin und wieder der Jäger etliche Rebhühner oder einen jungen Hasen für die'Küche des Häuslerseppen zurückließ.
Aber Kathi mochte ihn nicht verstehen, selbst dann nicht, als er ihr mit deutlichen Worten seine Liebe erklärte und die Absicht kund gab, sie zu heirathen, sobald er in die Lage käme, dies thun zu können. Die Eltern drängten in das Mädchen, die Werbung anzunehmen, Kathi aber wollte davon nichts missen.
Die Mutter vertröstete den ihr sehr genehmen Mann auf die Zeit, wo er als Förster kommen würde, und