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Nr. 81 SomlliKO h 20. Mi 1895.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 15. Juli 1895.

Der Bürgermeister Adam S ch m i t t zu Obergeis ist als Standesbeamter für den Standesamtsbezirk Obergeis bestellt und verpflichtet worden.

J. A. Nr. 1899. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleini-tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Wchtamtliches.

Die Ruhmestage des deutsch-fvanzesischen Rvieges. "in.

Die Grenz macht bei Saarbrücken 1870.

Noch ehe der Aufmarsch der deutschen Armee vollendet war, begannen sich die Franzosen an der Saar zu regen. In Saarbrücken standen das zweite Bataillon des Hohen- zollernschen Füsilier-Regiments Nr. 40 und die Schwa­dronen des rheinischen Ulanen-Regiments Nr. 7 unter dem Befehl des Majors v. Pestel von letzterem Regi­ment, eines Offiziers, der unermüdliche Wachsamkeit mit seltenem llnternehmungsgeiste verband. Immer neue Listen ersann er, um bie Franzosen über die Stärke seines Häufleins zu täuschen.

Um den Feind glauben zu machen, daß hier wer weiß wie viel Kavallerie-Regimenter ständen, ließ Pestel seine Ulanen leinene Röcke anziehen, deren Kragen und Aufschläge mit farbigem Papier beklebt waren, auf ihren Häuptern aber thronten kühn die Helme der Saarbrücker Feuerwehr; so gingen sie für Kürassiere. Dann wieder thaten die Ulanen die Röcke der 40er an, setzten auch deren Helme auf und wurden in diesem Aufzuge von den Franzosen gewiß für Dragoner angesehen.

Es blieb zunächst bei kleinen Plänkeleien; endlich am 2. August, bis wohin noch die beiden anderen Bataillone der 40er, sowie eine Schwadron Ulanen und eine leichte Batterie in Saarbrücken eingetroffen waren, schienen die Franzosen etwas Ernstliches unternehmen zu wollen. In der That rückte das Korps Frossard gegen die Saar vor, während Abtheilungen zweier anderer Korps sich ebenfalls gegen die preußische Grenze hin in Bewegung setzten. Alan hatte preußischerseits nicht die Ahsicht, Saarbrücken gegen stärkere feindliche Kräfte zu halten, weil es den Höhen von Spichern gegenüber schutzlos da- lag; aber die Kompagnien der 40er ließen es sich nicht nehmen, noch ein recht lebhaftes Gefecht mit bem Gegner zu führen, ehe sie sich, wie es befohlen war, in die Auf­nahmestellung jenseits der Saar zurückzogen. Da be­gann denn nun der wirkliche Ernst des Krieges, und; auch bei den 40ern, meist Kölnern,Kölschen Jnngens", gab es Todte. ,

Dort drüben bei den Franzosen war auch Kaiser Napoleou mit seinem Sohne. Er ließ eine Mitraillense schußfertig machen, um seinem Sohne die Ehre des ersten Versuchs mit der neuen Kugelspritze zukommen zu lassen, und der Prinz schoß sie denn auch richtig ab. Als das widrige Gerassel des neuen Geschützes zum ersten Male die deutschen Ohren traf, ließ Hanptmaim v. Blomberg seine Kompagnie der 40er eine völlig freie Aufstellung nehmen, die Mannschaften die Helme schwenken und ein dreimaliges Hoch auf König Wilhelm ausbringen.

General Frossard, der am 3. August Saarbrücken betrat, wollte so um glauben, daß so schwache preußische Kräfte dort gestanden hätten. So hatte die kleine Schar unter ihrem kühnen, unternehmenden Führer, der sofort zum Oberstlieutenant befördert wurde, fast vierzehn Tage lang fast unmittelbar der feindlichen Armee gegenüber gestanden, und das Gefecht am 2. August war ein wür­

diger Abschluß ihrer standhaften Ausdauer. Drei feind­liche -Korps waren, wie wir gesehen, gegen sie in Be- wegnng gesetzt worden; aber die Franzosen drangen nicht über die Saar hinaus vor, sie mochten sich wohl überzeugt haben, daß sie mit gewaltiger Wucht zu einem Lufthiebe ausgeholt und durch denselben irgend einen Aufschluß über die Verhältnisse ihrer Gegner nicht er­reicht hatten.

In ganz Deutschland aber sprach man begeistert von den Thaten Pestels und seiner Schar, und so wollen denn auch wir in diesen Tagen 25jähriger Erinnerung der Braven, die zuerst sich mit dem Feinde maßen und sich so ausgezeichnet hielten, besonders gedenken. Un­vergessen aber bleibe auch das standhafte, über alles Lob erhabene Verhalten der Saarbrücker Bürger und ihres braven Bürgermeisters Schmidborn in jenen Tagen.

Die Ermordung Stambulowsk

Der verdienstvolle frühere Ministerpräsident Bul­gariens Stambulow, der Führer der nationalen Partei jenes Landes, ist am Montag Abend das Opfer eines heimtückischen Mordanschlags geworden. Am Donnerstag Morgen ist er, eben 40 Jahre alt, nach unsäglichen Schmerzen den schweren Perlc^en, die noch unbe­kannte Mordbuben ihm aus bem Hinterhalte beigebracht hatten, erlegen.

Mit Stambulow, den man wegen seiner Thatkraft vielfach denBismarck Bulgariens" nannte, sinkt das Banner der bulgarischen Selbständigkeit in den Staub. Er war die Seele der nationalen Partei, die Bulgariens Selbständigkeit gegenüber bem mächtigen Rußland auf das entschiedenste vertheidigte. Mit eiserner Energie hielt er alle russenfreundlichen Elemente nieder, bis er am 30. Mai v. I. dem Einflüsse der russischen Partei weichen mußte. Von diesem Zeitpunkte ab war er ein politisch todter Alan». Aber es war ihm nicht vergönnt, in Ruhe unb Friede» feine Tage zu beschließen. Seine Feinde machten ihm den Prozeß und beschuldigten ihn aller möglichen Unthaten, und eine Anklage wegen Hoch- verraths schwebte über feinem Haupte. Er wurde unter dem Vorwande, daß man ihn schützen wollte, in strengem Hausarrest gehalten und stand unter polizeilicher Auf­sicht; niemand durfte zu ihm, ohne sich bei den Gen­darmen, die sein Haus umstanden, legitimiert zu haben. Sogar eine Badereise nach Karlsbad, die ihm von ärzt­licher Seite wegen seiner angegriffene» Gesundheit ver­ordnet worden war, wurde ihm verweigert. Nun hat der Gewaltige unter den Mordwaffen seiner Gegner das Leben ansgehaucht.

Es läßt sich begreifen, daß dieses schändliche Attentat weit über die Grenzen Bulgariens hinaus gewaltiges Aufsehen erregt und allgemeine Entrüstung hervorgerufen hat, und daß die Frage aufgeworfen ist, von wem die Gewaltthat ansgehe. Daß hier ein Akt der Privatrache vorliege, nimmt außer der bulgarischen Regierung nie­mand an. Dagegen herrscht fast überall die Ansicht, daß es sich um einen politischen Mord handele. Wie schon gesagt, herrscht in Bulgarien gegenwärtig eine russen- freundliche Partei, und am Mittwoch empfing der Czar eine bulgarische Deputation, die nach Petersburg ent­sandt worden war, um für den verstorbenen Czaren Alexander III. ein Gedenkkreuz zu überbringen und dem Czaren treue Dienste zu versprechen. Was Wunder, daß sich nun jemand fand, um den größten Feind Ruß­lands, der für die Selbständigkeit Bulgariens stets ein­getreten war, einige Tage vor dem Empfange aus bem Wege zu räumen.

Wenn die Mörder unb ihre Hintermänner ihre Schandthat in dem Glauben ausgeführt haben, Rußland damit einen Gefalle» z» thun, so sind sie im Irrthum. Gerade weil Stambulow unschädlich war und die russische Regierung die Anstellung russischer Agenten in Losia bereits ins Auge gefaßt hatte, wusste bie Blutthat in Sofia deu leitenden Kreisen Rußlands, insbesondere aber dem Czaren sehr unangenehm sein. Deshalb> ilt e» durchaus unangebracht, die russische Politik für i as Attentat verantwortlich zu machen.

Auch Prinz Ferdinand, das Ministerium Stoilow und die Sobranje haben ein großes Interesse, die That und deren Beweggründe aufgeklärt zu sehen, umsomehr, als ihnen wegen ihres Verhaltens Stambulow gegen­über vielfach die moralische Mitschuld an dem Morde zugeschrieben wird. Wir Deutschen haben keine Ursache, uns in die bulgarischen Angelegenheiten einzumischen. Uns kann, so sechr wir auch das schreckliche Schicksal Stambulows vom menschlichen Standpunkte aus beklagen, nur daran liegen, zu verhüten, daß das Attentat nicht zu einer Fackel werde, die möglichenfalls einen Weltbrand entzünden könnte.

Politische Nachrichten.

S e. M a j e st ä t der Kaiser hat während seiner Anwesenheit in Wisby auf der Insel Gotland einem Feste beigewohnt, das von einer gesellschaftlichen Ver­einigung verunstaltet war. Der Kaiser wurde mit dem vom Mäunerchor gesungenenHeil dir im Siegerkranz" begrüßt, dann folgte ein reichhaltiges Konzert. Hierauf gaben die Matrosen herHohenzollern" altholländische Lieder rum besten. Der Kaiser brächte in schwedischer Sprache ein Hoch auf König Oskar von Schweden aus. Später wurde der Strand glänzend illuminiert.

Der Unfall i in Kaiser-Wilhelm-Kanal ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, dadurch herbeigeführt worden, daß der französische DampferEmile", der ein dänisches Segelschiff anrannte, dem Steuer nicht ge­horchte. . Der Fall wird zur seegerichtlichen Entscheidung kommen.

Das deutsche KriegsschiffCondor", das in der Delagoabai in Portugiefisch-Ostafrika ankert, wurde anläßlich der Eröffnung der Delagoa-Eisenbahn vom Präsidenten der Boern-Republik Transvaal besucht. Präsident Krüger empfing an Bord desCondor" eine Begrüßungs-Depesche Kaiser Wilhelms und erwiderte diese umgehend.

Das Vorgehen Deutschlands in Ma­rokko bekanntlich hat Deutschland ein Geschwader entsandt, um endlich Genugthuung für die Ermordung des Deutsche» Rockstroh zu erlangen, erregt die Eifersucht Frankreichs. Die französische Presse hegt die Vesorgniß, Deutschland werde sich an der marokkanischen Küste festsetzen. Davon kann natürlich keine Rede sein, doch wird Deutschland mit aller Energie vorgehen, wie die Meldung beweist, daß auch der auf der Heimreise begriffene KreuzerMarie" zum Geschwader in Tanger stoßen wird.

Der bekannte Centrumsabgeordnete August Reichen- s p e r g e r, der langjährige parlamentarische Mitarbeiter Windthorsts, ist in hohem Alter in Köln gestorben, ge­rade an dem Tage, wo in Meppen das Windthorst- Denkmal enthüllt wurde.

Wegen Spionage ist in Straßburg i. E. eine ver­dächtige Persönlichkeit in der Nähe des neuerbauten Forts Molsheim verhaftet worden. Die Behauptung des Verhafteten, er sei italienischer Offizier, hat sich als unwahr erwiesen. ,

In D e u t s ch - O st a f r i k a und zwar im Bezirke Usambara, ist Gold gefunden. Man hat Schwemmgold in Flüssen entdeckt. Auch schließt man aus bestimmten Gründen auf das Vorhandensein von Diamanten. Dre Regierung hat die Entsendung eines bedeutenden geolo­gischen Sachverständigen beschlossen.

General Baratieri, der Höchstkommandrerende in der italienischen Kolonie Eritrea am Rothen Meer, ist in 9?oin eingetroffen. Wie verlautet, handelt es sich um Besprechungen über die Umtriebe Rußlands und Frankreichs in Ubessynien, dem Nachbarland Eritreas.

Die Truppen des K o n g o st a a t e S, der im Nordosten an das Gebiet der Mahdisten grenzt, haben wieder verschiedene ernste Kämpfe mit letzteren zu be­stehen gehabt, deren AnSgang ungünstig für die Kongo­truppen gewesen zu sein scheint.

Der ehemalige allmächtige Minister und große Staats-