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ersWer Kreisblatt.

Gvatisbeilagen:Illttstkirtes Sonntagsblatt" n.Illustvirte landwirthsehastliche Veilago^^.

Nr. 80.I-NtOji K« 11. W 18V.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJllustrirtes Sonntags­blatt" undJllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 8. Juli 1895.

Die Ehefrau des Leiser Wallach zu Schenklengs- feld hat für sich und ihre 3 Kinder um Entlastung aus dem preußischen Unterthanenverbande behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht.

J. 1. Nr. 4131. Der Königliche Landrath

Freiherr von Sch l e i n i tz ,

Geheimer Negierungs-Rath.

Der Goldarbeiter Wilhelm Donno. aus Hanau hat sich am 3. d. Mts., Abends 10 Uhr, aus seiner Woh­nung hierselbst entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurück­gekehrt. Die angestellten Nachforschungen sind bisher ohne Erfolg gewesen und ist nach den vorliegenden Um­ständen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich der­selbe ein Leid angethan hat.

Der Vermißte ist am 5. April 1849 zu Hanau ge­boren, ungefähr 1,64 -68 m groß, von untersetzter Statur, hat schwarz- und graumelirte, kurzgeschnittene Haare, schwarzen Schnurrbart, schmales Gesicht, dunkle' Augen, gute Zähne, trug dunkelkarrirten Sackrock, dunkelgraue Hose, dunkle Weste, weißes Hemd mit Um­legekragen und kleiner schwarzer Binde, schwarzen weichen Filzhut, braune Hauspantoffeln und grauwollene Socken.

Um Anstellung von Nachforschungen nach dem rc. Donn6, Anhaltung im Betretungsfalle und Nachricht hierher wird ergebenst ersucht.

Das Ausschreiben vom 22. Februar 1894 I. Nr. P. 1901, betreffend den angeblichen Adolf Föller al. Paul Schönherr aus Berlin ist erledigt. Der Thäter

Am Scheidewege.

Erzählung von J. I u n g.

(Fortsetzung.) .

Am Scheidewege!" Dies Wort klang durch seine Seele. Hatte es auch Bedeutung für ihn?

Ja, Baron von Halden stand am Scheidewege.

-Elisabeth!" . .

Der Name kam leise über seine Lippen. Ein Gefühl des Glücks durchströmte ihn. , \

War ihm noch beschieden, was er längst verloren geglaubt?

Er nahm noch einmal den Brief zur Hand und be­gann zu lesen. In seinen Augen wurde es feucht.

Der so lange und sehnsüchtig erwartete Brief des treuen Kameraden hatte ihm die Ruhe, wie er gehofft hatte, nicht gebracht. Er hatte fest an Elisabeths Zu­sage geglaubt, weil er aus Alberts Worten die beider­seitige Liebe vermuthete. Warum hatte Elisabeth die Werbung des Freundes zurückgewiesen? Warum. Ein Wagen fuhr vor.

Graf von Rodenburg!"

Wie Sonnenschein stog es über das Gesicht des Baron.

Der Graf war ausgestiegen und blickte nach den Fenstern des Arbeitszimmers des Baron, wo er ihn vermuthete. Dieser grüßte lächelnd herab. Auf dem Gesicht des Grafen zeigte sich Verwunderung und Zu­friedenheit.

Gott sei Dank! Der finstere Ernst ist endlich ge­schwunden. Was mag geschehen sein?"

ist in der Person des Reitknechts Paul Schönfelder aus Eibenstock ermittelt und in Görlitz zur Haft gebracht worden.

Hanau, am 6. Juli 1895.

J. Nr. P. 6572/95. Königl. Polizei-Direktion.

Nichtamtliches.

2lu$ dem Abgeordnetenhaus«.

Berlin, 8. Juli. Das Abgeordnetenhaus ertheilte heute in erster, zweiter und dritter Berathung dem Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken, in der vom Herrenhause beschlossenen Fassung die Zustimmung. Der Entwurf eines GesetzeS, betreffend die Abänderung und Ergänzung einiger Bestimmungen des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 (Beseitigung der Doppelbesteuerung für Handels- und Gewerbeunternchmungen in autzei preußischen Gemeinden, wurde in der Fassung des Herrenhauses endgiltig angenommen. Auf die Mittheilung deS Präsidenten von Koller, daß Tag und Tagesordnung der nächsten Sitzung mit Rück­sicht auf die Arbeiten des Herrenhauses wiederum noch nicht festgestellt werden könnten, sprach Abg. Frhr. v. Heereman (Centr.) wie er annehmen dürfe, Namens der Mehrheit deS Hauses die Bitte aus, daß die StaatSregierung künftighin mit Einbringung wichtiger Vor­lagen nicht bis zum Ende der Session warten möge, damit sie gründ­lich durchberathen werden könnten, und den Wunsch, daß künftighin die Schwerinstage strenger innegehale. werden möchten, damit nicht, wie gegenwärtig, wichtige Petitionen, z. B. die der Bauhandwerker, unerledigt bleiben müßten. Präsident v. Koller erwiderte, daß ausge­fallene SchwerinStage stets wieder eingebracht und manchmal mehrere SitznngStage in der Woche Petitionen und Initiativanträgen gewidmet worden seien. Die Menge der Anträge aus dem Hause habe indessen die Reihenfolge zu Ungunsten der Petitionen verschoben, und bei dem engen Rahmen der Geschäftsordnung hätten nicht mehr der letzteren erledigt werden können. Hieran schloß sich eine Debatte zur Geschäfts­ordnung, worin von verschiedenen Seiten betont wurde, daß die StaatSregierung künftighin ihre Vorlagen zeitiger einbringen und wo­möglich vor Schluß der gegenwärtigen Session noch ein SchwerinStag stattfinden möge.

Die Ruhmestage des deutsch-franzesischen Arieges.

i.

Der Ausbruch des Krieges 1870.

Selten ist ein Volk in maßloserer Weise zum Streite gereizt und gedrängt, als im Sommer 1870 das deutsche, selten ist die Ursache zum Kriege in frevelhafterer Weise vom Zaune gebrochen, als vor nun 25 Jahren vom französischen Volke.

Das ist eine höchst angenehme Ueberraschung, mein lieber Graf. Schönen guten Morgen!"

Der Graf blickte freundlich und doch fragend in das Gesicht des Baron.

Aber, warum sehen Sie mich so seltsam fragend an, lieber Graf?"

Ich freue mich über Ihr vortreffliches Aussehen. Das ist wieder der alte, frohe Blick. Jetzt kennt man Sie wieder!"

Der Baron öffnete die Thür zum Salon.Bitte!"

Nein, nein, mein Lieber, in Ihrem Zimmer ist mir's am wohlsten!"

Die beiden Herren saßen einander gegenüber. Viktors. Augen streiften den Schreibtisch. Da lag der Brief des Freundes. Der Sonnenschein verschwand von seiner Stirn. Der Graf bemerkte die Veränderung.

Ahnen Sie, weshalb ich heute gekommen bin?"

Wie wäre dies möglich, Herr Graf?"

Wirklich nicht? Nun, ich wollte Sie einmal wieder unter Menschen bringen. Die fortdauernde Einsamkeit taugt nicht. In M. wird es jetzt wirklich lebendig, man gewinnt Interesse an allem. Die neue Straße ist fertig, der Bau des Krankenhauses schreitet rüstig vorwärts, und heute Abend findet in der Schützenburg ein Konzert statt, wie Sie wohl im Kreisblatt gelesen haben werden. Wir müssen hin und uns nach langer Abwesenheit dort einmal wieder blicken lassen. Die Herren vom Militär werden uns sonst gram!"

Der Baron lachte.

Es war auch Zeit, daß unsere Bürger einmal er

Weder König Wilhelm, noch Bismarck, noch Moltke dachten an den nahen Ausbruch eines Krieges; sie waren von Berlin abwesend; der König weilte zur Kur in Ems, Bismarck in Varzin, Moltke in Kreisau. Da ge­schah das Ungeheuerliche; die Annahme der Krone Spaniens durch den Prinzen Leopold von Hohenzollern, mußte Kaiser Napoleon, insonderheit aber seinem von fanatischen Rachegedanken gegen Preußen erfüllten Rath­geber, dem Herzog von Gramont, dazu dienen, einen Kriegsfall heraufzubeschmören. Die französischen Minister in der Kammer, aber mit ihnen auch das Volk geber- deten sich plötzlich wie wahnwitzig, erklärten es als eine Beleidigung der Ehre Frankreichs, wenn ein preußischer Prinz, wie man sich auszudrücken beliebte, den spanischen Thron bestiege.

Aber noch mehr: der französische Botschafter am preußischen Hofe, Benedetti, erhielt von seiner Regierung den Auftrag, sich nach Ems zu begeben und an König Wilhelm die anmaßende Forderung zu stellen, den Prinzen Leopold zu veranlassen, auf die bereits angenommene Krone Verzicht zu leisten. Der Botschafter wurde zwar vom Könige in Audienz empfangen, aber von ihm dahin bedeutet, daß er, der König, dem Prinzen nichts zu be­fehlen und nichts -4 verbieten und diese spanische Frage ihn nie etwas angegangen habe. Inzwischen hatte Prinz Leopold aus eigenem Entschluß verzichtet, und die fran­zösische Regierung war durch die spanische Witschaft in Pvris sofort davon in Kenntniß gesetzt worden. Trotz­dem wagte es Benedetti, von Gramont dazu veranlaßt, am 13. Juli König Wilhelm auf der Kurpromenade so­zusagen zu stellen und von ihm nicht nur eine öffent­liche Billigung des Rücktritts des Prinzen, sondern auch die Abgabe des Versprechens zu erlangen, daß er nie wieder seine Zustimmung ertheilen würde, falls Prinz Leopold noch einmal für die Krone Spaniens in Frage käme. Ernst wies der Monarch diese beispiellos uner­hörte Zumuthung zurück und ließ dem Botschafter auf seine wiederholten Versuche, weiter mit ihm in dieser Bache zu verkehren, immer wieder entschieden erklären: er hätte ihm weiter nichts zu sagen!"

Schon am 12. Juli hatte der König Bismarck an seine Seite gerufen, der noch am selben Tage in Berlin anlangte und am 13. Juli nach Ems weiterreisen wollte. Inzwischen war aber der Verzicht des Prinzen Leopold amtlich zu seiner Kenntniß gelangt, und da er damit den Zwischenfall für erledigt hielt, gedachte er wieder

wachten. Es hat Mühe genug gekostet, die Säumigen zu wecken!"

Der Graf nickte.

Es ist dies die kleinstädtische Bedenklichkeit, die stets zu spät kommt. Freuen wir uns über das neu­erwachte Leben in M. Sie gehen also heute Abend mit?"

Baron von Halden nickte zustimmend.

Lächelnd fragte er dann:Und dies ist der Grund Ihres Morgenbesuches?"

Der Graf wich dem fragenden Blick Viktors aus. Dann trat er aus Fenster und blickte auf die beleuchtete Schneelandschaft. Es blieb einige Minuten still im Zimmer.

Haben Sie mir keine.Mittheilung zu machen?"

Wie seltsam eigenartig' klang der Ton!

Der Baron schien diese Frage erwartet zu haben. Er erhob sich und überreichte dem Fragenden den Brief des Freundes. Der Graf nahm das Schreiben in die Hand. Plötzlich fühlte er seinen Arm ergriffen.

Es war übereilt gehandelt, Herr Graf! Darf ich bitten?"

Dieser blickte befremdend auf. Ein prüfender Blick war es, der den Baron traf.

Ein Geheimniß? Hier, nehmen Sie Ihr Eigenthum zurück!"

Nein, Herr Graf! Lesen Sie lesen Sie alles!"

Der Graf las. Baron von Halden betrachtete einige Minuten lang die Züge des Lesenden, dann setzte er sich nieder und schaute vor sich. Ein Sonnenstrahl spielte auf dem Fußboden. Wieder vergingen Minuten; der