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Maßgabe erhöht, daß bei der Feststellung der hiernach zu berechuenden Jahressteuersätze jeder überschießende nicht durch 20 theilbare Pfennigbetrag auf den nächsten in dieser Weise theilbaren Betrag abzurunden ist. Da die Steuererhebung für das Vierteljahr AprilJuni 1895 bereits begonnen hat, so ist die auf dieses Viertel­jahr treffende Mehrsteuer zugleich mit der Steuer für das zweite Vierteljahr JuliSeptember 1895 zu ent­richten.

(§) Hersfeld, 8. Juli. Der gestern Nachmittag von dem hiesigen evangelischen Arbeiterverein verunstaltete Ausflug nach dem Tageberg nahm, von gutem Wetter begünstigt, einen recht befriedigenden Verlauf. Die nach den vergangenen heißen Tagen doppelt erfrischende Kühle der Luft begünstigte den Auf­stieg. Auf dem Festplatz erfreute zunächst der Posauneu- Chor des Jünglingsvereins, der in anerkennenswertster Weise seine Mitwirkung zugesagt hatte, die zahlreich Er­schienenen durch den Vortrag einiger Choräle und geist­licher Musikstücke, worauf der Vorsitzende des ev. Arbeiter­vereins, Herr Professor Lic. D e r t e t, das Wort ergriff, um die Versammelten zu begrüßen und zugleich in längerer Rede die Zwecke und Ziele des Vereins aufs eingehendste darzulegen. Dabei unterlies er nicht, die Mitglieder zu ermähnen, den von ihnen für richtig er­kannten Grundsätzen treu zu bleiben und den Verein nach Kräften zu fördern und zu mehren, sich auch ebenso­wenig von der Gleichgültigkeit der Einen und dem dünkelhaften Hochmuth der Anderen, wie von der offenen Feindseligkeit der Gegner irre machen zu lassen, sondern fest und unentwegt die Fahne hoch zu halten, denn nur dann sei der Sieg der guten Sache gewiß. Redner betonte besonders, daß diejenigen, die am lau­testen gegen die evangel. Arbeitervereine schreien, am wenigsten mit den Grundsätzen derselben bekannt seien, und ersuchte die noch Fernstehenden, sich zunächst über die Bestrebungen des Vereins ein richtiges Urtheil zu verschaffen. Letztere ließen sich in die kurzen Worte zu­sammenfassen :Stärkung des evangelischen (Staubend, Förderung der Liebe zu Kaiser undVaterland und Unterdrückung der auf Störung des sozialen Friedens abzielenden Bestrebungen derUmsturz- -parte i." Großer Beifall wurde dem Redner für seinen ausgezeichneten Vortrag zu Theil; er hatte den Versammelten aus bem Herzen gesprochen und man brächte ihm, als Zeichen des Dankes, ein dreifaches Hoch. Hierauf wurde dem Vergnügungsbedürfniß der anwesen­den Jugend durch Veranstaltung einiger Spiele, ver­bunden mit Preisvertheilung, Rechnung getragen und erst gegen 8 Uhr Abends verließ die Versammlung unter Vorantritt des Posaunen-Chors den Tageberg. Die Stimmung war eine recht animirte und. wurde durch nichts getrübt. Alle Festtheilnehmer waren voller Be­friedigung über den so schön verlaufenen Ausflug und wünschten dessen baldige Wiederholung. Dem hiesigen evang. Arbeiterverein wünschen wir von Herzen ferneres Wachsen und Gedeihen.

Hersfeld, 8. Juli. In diesem Monat nimmt die Feier der fünfundzwanzigjährigen Ge­denktage des Jahres 1870/71 ihren An - fang. Am 15. Juli früh verließ Kaiser Wilhelm Ems, in Brandenburg erwarteten ihn Fürst Bismarck und Graf Moltke, den zahlreichen auf dem Bahnhof in Ber­lin versammelten Offizieren rief der Kronprinz zu: Es wird mobil gemacht!" Die Mobilmachungsordre erging in der Nacht vom 15. zum 16. Juli. Den Tag der Mobilmachung (16. Juli) wird bereits das in Brandenburg garnisonirende 35. Infanterie - Regiment (Prinz Heinrich von Preußen) festlich begehen. Den Tag von Weißenburg wird das 7. Infanterie-Regiment (2. westpreußisches) nicht ohne Gedenkfeier vorübergehen lassen. Der 6. August bringt uns dann die Schlachten von Spichern und Wörth; soweit bekannt, sind bereits von den Infanterie-Regimentern 8, 12, 39, 48 und 52 Vorbereitungen getroffen, um den erstgenannten Schlacht­tag würdig zu begehen. Die Infanterie-Regimenter Nr. 46, 50, 59, 82, 83, 87, 88, 94, 95, 120 (2. württembergifches) sowie die Feld-Artillerie-Regimenter Nr. 5 und 11 werden die Schlacht von Wörth feiern. Die heißen Schlachttage um Metz folgen; da ist zunächst der 14. August (Courcelles), hier waren es die In­fanterie-Regimenter Nr. 1 und 15, die sich mit Ruhm bedeckten und darum Grund genug haben, sich ihrer Waffenthaten durch eine glänzende Feier zu erinnern. Der 16. August (Vionville-Mars-La Tour) hat bekannt­lich nicht nur der Infanterie Gelegenheit geboten (16., 78., 79., 91. Infanterie-Regiment), sich hervorzuthun, sondern auch der Cavallerie, vor allen Dingen, den 16. Ulanen und den 7. Kürassieren (Chef Fürst Bismarck), die den durch die Poesie verherrlichten Todesritt unter­nahmen. Es ist schon bekannt geworden, daß diese beiden Regimenter an ihrem Ruhmestage in Salzwedel zum Brigade-Exerciren versammelt sind. Auch die 13. Dragoner haben Ursache, mit Stolz auf diesen -rag zu- rückzublicken. Der 18. August (Gravelotte-St. Privat) sah unsere Garde bluten und siegen; die Franzer und die Gardefüsiliere vollbrachten Wunder der Tapferkeit.

Hersfeld, 7. Juli. Aus Interessentenkreisen sind neuerdings Klagen über den steigenden Vertrieb ver­fälschten Honigs, welcher zum Theil sogar ge­sundheitsschädliche Eigenschaften besitzen soll, geführt worden. Auf Antrag des Kaiserlichen Gesundheitsamts hat der Reichskanzler Veranlassung genommen, mit den Bundesregierungen ;u dem Zwecke in Benehmen zu treten, um eine schärfere Ueberwachung des Verkehrs

mit Honig durch die Polizeibehörden nach Maßgabe der Vorschriften des Nahrungsmittelgesetzes eintreten zu lassen. Es darf erwartet werden, daß die strenge Hand­habung dieser Bestimmungen genügen wird, um den er­wähnten Gesetzwidrigkeiten mit Erfolg entgegenzutreten.

Hersfeld, 8. Juli. Das Husaren-Regiment Land­graf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Hess.) Nr. 14 erläßt folgende Bekanntmachung: Das Regiment wird am Jahrestage der Schlacht bei Wörth eine Regi- m e n t s - F e i e r begehen. Unteroffiziere und Mann­schaften, welche beim Regiment den Feldzug mitgemacht haben und an der Feier theilzunehmen wünschen, werden aufgefordert, sich im Geschäftszimmer des Regiments mündlich oder schriftlich anzumelden. Letzterenfalls ist außer der Adresse noch anzugeben, bei welcher Escadron sie gestanden haben.

Hersfeld, 8. Juli. Beurlaubung von Soldaten zur Ernte. Wie in früheren Jahren, sind auch für dieses die Regiments- und Bataillons- Kommandeure angewiesen, Soldaten zur Unterstützung ihrer Angehörigen bei der Ernte, soweit die dienstlichen Interessen dies gestatten, in die Heimath zu beurlauben. Gesuche von Privatleuten um zeitweise Beurlaubung von Soldaten, sind an die Regiments- bezw. Bataillons- Kommandos, als an die zur Gewährung solcher Gesuche zunächst berechtigten Stellen zu richten.

Hersfeld, 8. Juli. (Für die angehenden Aerzte bemerkenswerth.) Ueber eine Ver­schärfung der Studienbedingungen für angehende Aerzte schreibt man derKöln. Volksztg." Folgendes:Auf Veranlassung des Reichskanzlers fand am 15. v. M. in Berlin eine Sitzung statt, an welcher u. A. Vertreter aller Universitäten theilnahmen. In derselben wurde vereinbart, daß das für Studirende der Medizin bisher am Schlüsse des vierten Semesters vorgeschriebene tentamen physicum erst nach fünf academischen Se­mestern gemacht werden darf. In demselben soll in Anatomie und Physiologie so streng geprüft werden, wie jetzt im Staatsexamen. Dann folgen fünf klinische Semester. Das Staatsexamen kann erst nach zehn Semestern (jetzt nach neun) gemacht werden. Ferner darf der Doctor medicinae nicht mehr vor dem , Staatsexamen gemacht werden. Außerdem ist nach dem : Staatsexamen noch ein praktisches Jahr obligatorisch an den größeren Krankenhäusern. Die meisten Krankenhäuser, Hospitäler 2c. haben sich freiwillig angeboten, so daß jährlich 800 Candidaten unterg bracht werden können. Das halbe ; Jahr als einjähriger Arzt wird angerechnet. Außerdem schwe­ben Verhandlungen betreffs Regelung des Titels Special- arzt. Es ist der Vorschlag gemacht worden, denselben von einer mindestens zweijährigen Assistentenzeit ab­hängig zu machen."

* Hersfeld, 8, Juli. In einer der nächsten Nummern unseres Blattes werden wir mit dem Abdruck von Arti­keln beginnen , welche die f ü n f u n d z w a n z i g st e Wiederkehr der Haupttage des deutsch-fran­zösischen Krieges zum Gegenstand haben.

)( Hersfeld, 8. Juli. Der wegen des Verdachts, die Dienstmagd Elisabeth Bach in Conrode ermordet zu haben, verhaftete Dienstknecht Jacob Licht von Landers­hausen wurde gestern Nachmittag in das Landgerichts­gefängniß zu Cassel abgeliefert.

t Niederaula^ 6. Juli. Am 3. d. Mts. Nach­mittags machte der 46 Jahre alte ledige Schneider Johannes Pfalzgraf dahier in der Wohnung seines Bruders durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Pfalzgraf, welcher schon unter Kuratel gestanden und dem Trunke zeitweise ergeben war, hat wahrschein­lich in einem Anfall von Geistesgestörtheit die That begangen.

Cassel, 8. Juli. Am Sonnabend Nachmittag wurde in der Nähe der Fuchslöcher die Leiche eines gut ge- kleideten Mannes gefunden, der sich wenige Stunden vorher selbst entleibt hatte. Der Selbstmörder hielt noch die Tod bringende Waffe einen Revolver in der rechten Hand, in der linken ein Rasirmesser. Die Kugel war in die rechte Schläfe gedrungen.

Reichensachseu, 4. Juli. Zu dem am 14. und 15. d. Mts. Hier stattfindenden 8. Bundesfest des Fulda- Werra-SängerbundesOrpheus" werden 12 Bundes­vereine und 11 dem Bunde nicht angehörige Gesang­vereine mit zusammen ca. 600 Sängern sich beteiligen.

Hammevmühle bei Rotenburg, 7. Juli. Der ; Knecht W. der Hammermühle war vorgestern beauftragt, : ein Fuder Stammholz aus dem nahe gelegenen Wald zu holen. Plötzlich sprang die Spannkette, und fiel hierdurch ein gelockerter Stamm dem Knecht so unglück­lich auf den Leib, daß er eine schwere innere Verletzung erlitt. Der herbeigerufene Arzt aus Rosenthal ordnete die sofortige Uebersührung des Knechtes nach Marburg an. Auch wurde hier die Operation alsbald vorge­nommen. Es trat danach leider Fieber ein, so daß der Knecht nach zwei Stunden, gerade am Tage seines 20. Geburtstages, verstarb.

Lauchröden, 5. Juli. Schon wieder hat ein junges Menschenleben ein frühzeitiges und unerwartetes Ende gefunden. Der Sohn des Gastwirths K. von hier, ein 26jähriger Mensch, fuhr heute Morgen in den Wald, um das gestern Abend submittirte Schulholz zu holen. Auf dem Heimwege kam er auf bis jetzt unauf­geklärte Weise an einem steilen Abhang unter den Wagen, der ihn am Halse überfuhr, was den sofortigen Tod zur Folge hatte. . .

Frankfurt a. M., 5. Juli. Den gemeinsamen Tod durch den Revolver suchte und fand ein Liebespaar Fritz Ungelin und Margaretha Hensel im nahen Nieder-

rad. Zuerst erschoß Ungelin die Hensel, dann sich. Als Motiv der Aufsehen machenden That wird angegeben, daß die beabsichtigte Verheirathung der Beiden auf Widerstand bei den Eltern gestoßen sei.

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Berlin, 5. Juli. Bezüglich des Alten- tates gegen den Polizeiober st Braun ist nunmehr festgestellt, daß die Höllenmaschine von einer Frauensperson in Männerkleidern in Fürstenwalde auf die Post gegeben wurde. Die Person, welche den Bahnbeamten auf der Rückfahrt nach Berlin aufgefallen war, ist bei ihrer Ankunft dortfelbst plötzlich verschwunden.

Berlin, 6. Juli. Zum Austrag gekommen ist am Donnerstag eine Wette, welche vor einem halben Jahr Lieutenant v. E. vom 2. Garde-Ulanenregiment bezüglich derDressureinesOchsens eingegangen war. Herr v. E. hatte sich verpflichtet, in der oben­erwähnten Zeit einen Ochsen so abzurichten, daß das Thier für die Front zugeritten werden konnte. Der Ochse wurde nun am Donnerstag einer großen Anzahl MN Kavallerieoffizieren auf der Reitbahn der Ulanen- raserne in der Juvalidenstraße vorgeführt, und es schien Anfangs, als ob Herr v. E. feine Wette es handelte sich dabei um 2000 Mk. gewinnen würde. Das junge Thier war in seiner Ausbildung ziemlich weit vorgeschritten; der Ochse ging Schritt, Galopp und folgte jedem Schenkeldruck seines Reiters, war aber und damit war der Verlust der Wette besiegelt, nicht im Stande, Volte zu rennen. Nach alledem kann Herr v. E. mit dem Erfolge seiner Dressur ganz zufrieden sein.

Um eine Storchenbrut vor dem Hungertode zu retten, unternahmen zu Mainz der städtische Thürmer von St. Quintin und ein bei der Feuerwehr dienender Dachdecker dieser Tage eine halsbrecherische Arbeit. Meister Langbein hatte, wie seit vielen Jahren, sein Nest auf einem thurmhohen unbenutzten Fabrik­schornstein erbaut und daselbst zwei Junge ausgebracht, die schon beinahe flügge waren. Diese streckten hungrig die Hälse in die Höhe, denn die Storcheltern waren schon zwei Tage nicht mehr gesehen worden, und es wurde angenommen, es sei ihnen ein Unfall passirt. Thierfreunde setzten Preise aus für die Rettung der jungen Störche. Der Hausbesitzer gestattete aber nicht den Aufstieg im Innern des Schornsteins. Die beiden genannten Männer kletterten deshalb außen an einem Dunstabzugsrohr zur schwindelnden Höhe empor, banden oben eine Leiter fest, um zu dem Reste zu gelangen, steckten die jungen Störche in einen mitgebrachten Sack und brachten sie glücklich zur Erde. Als das Rettungs­werk gelungen, kehrte der Storchvater zurück und fand das Nest leer.

Als am 1. d. Mts. das sechs Wochen alte Kind des Ackerwirths Simon Forbich zu Zajonskowo- Abbau wegen vorübergehender Beschäftigung der Mutter in einem kleinen Wagen auf dem Hofe einge­bettet war, hat sich in einem unbewachten Augenblick die Sau des Ackerwirths über das Kind hergemacht, daflelbe getödtet und an Gesicht und Kopf angefressen.

In L e ngwethen beging dieser Tage Herr Werner die diamantene Hochzeit. Der Jubilar ist der älteste Lehrer im preußischen Staat. Im Alter von 80 Jahren erfüllt er nicht nur seinen schweren Beruf in der überfüllten Schule mit größter Pünktlich­keit , sondern leitet auch noch den Kirchengesang mit bestem Erfolge.

Zwei verheirathete Frauen waren im vergangenen Jahre in die psychiatrische Abtheilung des Kischi - n e w s ch e n Landschaftshospitals gebracht, die eine aus bem Kreise Belzy, die andere aus dem Kreise Chotin gebürtig. Im Bureau der Hospitalverwaltung verwech­selte man nun die Legitimations-Papiere der beiden Kranken, und als die eine von ihnen starb, schickte man den Todten- und den Beerdigungsschein dem Gemahl der noch lebenden Patientin. Der vermeintliche Wittwer heirathete nach kurzer Zeit, und groß war das Erstaunen der Neuvermählten, als jüngst die inzwischen gesundete erste Frau in das Haus ihres Gatten zurückkehrte. Der Mann und alle Bekannten hielten die Unglückliche für einen Schatten aus dem Reiche der Todten, und die Einmischung der Polizei war erforderlich, um die irdische Existenzberechtigung der Erscheinung sestzustellen.

In Bristol (Jndiana) stürzte eine Brücke ein, wodurch 600 Personen, welche einer Boots-Regatta zu- saheu, aus einer Höhe von 40 Fuß ins Wasser fielen.

Stand esamtsbezirk Friedewald.

Monate Mai und Juni 1895. Eheschließungen.

Am 18. Mai. Schreiner Wilhelm Hoffmann zu Fricdtwald, mit Anna Katharina Träger zu Friedewald. - 29. Bahnarbeiter Johann George Landsiedel zu Heisa, mit Elisabeth Malkomcs zu Unterneurode.

Geburtsanzeigen.

Am 18. Mai Thekla, T. des Geschäftsführers Alexander Erdmann zu Cassel. Am 6. Juni. Hartmann Wilhelm, S. des Arbeiters Ge­orge Ries zu Friedewald.

S t e r b e f 8 l l e.

Am 4. Juni. Schuhmacher Friedrich Schumann, 49 Jahre 11. Monate alt.

3®* Die im Jnjkratenthak der heutigen Nummer mißeyißte Versteigerung zu Gethsemane, findet, wie uns soeben mit­getheilt wird, nicht statt.