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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt" u. „Illustrirte landwirthschastliche Beilage".
Nr. 79.■Lieiistag Seil 9. Mi 1895.
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllllstrirtes Sonntagsblatt" und „Jllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen Aaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition Angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 4. Juli 1895.
Den Herren Bürgermeistern des Kreises geht in dea
nächsten Tagen ein „Zweiter Nachtrag zum Statut für die Hessen-Nassauische landwirthschaftliche Berufsgenossen- schaft" zu. Derselbe ist dem Statut, welches sich in den Händen der Vertrauensmänner befindet, alsbald einzu- verleiben. Der früher beschlossene und genehmigte erste Nachtrag, welcher nicht zur Drucklegung und Versendung gekommen ist, betrifft nur die Aenderung in der Zeit der Aufstellung der Jahresrechnung für den Genossen- schafts-Vorstand und enthält demgemäß nur folgende Bestimmung: „Im § 14 Absatz 1 Zeile 2 tritt an Stelle des Wortes: „vier" das Wort „acht".
J. a. 1850. Der Sektions-Uorstand:
__Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 5. Juli 1895.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung der Verfügung vorn 15. April 1879, Nr. 4433
(Kreisblatt Nr. 31), betreffend die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschaden, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist b i S z u m 1 2. b. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
I. Nr. 4433/79. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Der Herr Minister des Innern hat am 12ten v. M. dem Vereine zur Förderung der Hannoverschen Landes- Pferdezucht die Erlaubniß ertheilt, auch in diesem Jahre eine öffentliche Verloosung von silbernen Gegenständen zu veranstalten und me Loose — 100000 Stück zu je
1 Mark — im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Cassel am 1. Juli 1895.
Der Regierungs-Pmsident. I. V.: von Pawel.
Verzeichnis über die in der Zeit vom 1. April bis Ende Juni 1895 ertheilten Jagdscheine.
^ L Z 5 ^ §
Des Empfängers
Zeit der Ausstellung
Mit Ge-! bühr iw. Betrage von
J—> A)
5 £
*2" £
Des Empfängers
Zeit der Ausstellung
Mit Gebühr im Betrage von
Mk U.
Namen.
Wohnor t.
Jahr.
Mon.
Tag.
Mk.
N a m e r
Wohnort.
Jahr.
Mon.
Tag.
1
Hassenpflug, George, Bürgermeister
Biedeba'ch
1895! April
3.
7
50'
20
Franz, Karl, Volontair
Wilhelmshof
1895
Mai
18.
7
50
2
Allendorf, Heinrich, Landwirth
Allmershausen
7/
7/
6.
n
77
21
Hosbach, August, Verwalter
dto.
77
77
77
77
3
Gran, Leonhard
Heringen
77
//
27.
//
7/
22
von Osterhausen, Gutsbesitzer Wvlff, Hermann, Rentier
Hersfeld
77
77
21.
77
77
4
Rennert, Thielemaun
dto.
//
//
,/
7/
23
dto.
77
77
,/
77
77
5
Kirschner, Johs., Gastwirth .
Lautenhausen
77
29.
//
7/
24
Schick, Bruno, Oekonomieverwalter
Meisebach
7/
7/
22.
7/
77
6
Seybert, Karl Wilhelm, Gutsbes.
dto.
77
77
7/
25
Müller, L. F. E, Kaufmann und Gutsbesitzer
Thalhausen, Gem.
77
77
25.
77
77
7
Engelhardt, Heinrich, Bierbrauer
Hersfeld
77
7/
77
Wehrshausen
27.
8
Caselitz, Hermann, Zahntechniker
dto.
7/
Mai
1.
,/
77
26
Baumhard, Ernst, Vizebürgermstr.
Asbach
77
77
7/
77
9
Jericho, August, Kgl. Forstaufseher
Reilos
77
77
77
27
Köhler, Peter, Schuhmachermeister
dto.
7/
77
77
77
77
10
Volkenand, Ernst, Landwirth
Vengendorf
//
7/
2.
7/
77
28
Wolf, Mathias, Bürgermeister
Lampertsfeld
7/
7/
30.
77
77
11
Westermann, Adolf, Jagdaufseher Reuber, Valentin, Landwirth
Herfa
77
7/
4
7/
7/
29
Kaufmann, Konrad, Kgl. Förster
Mecklar
77
77
31.
77
7/
12
Hof Beyersgraben,
77
77
77
7/
7/
30
Fink, Jakob, Schuhmachermeister
Gershausen
77
Juni
1.
77
77
Gem. Rotterterode
-
31
Kehr, Robert, General-Agent
Hersfeld
77
77
77
77
7 7
13
Dehnhard, Peter, Verwalter
Hattenbach
7/
77
77
7/
77
32
Schüßler, P., Kupferschmiedemeister
dto.
77
77
5.
77
"
14
Broeher, Arthur, Oeconomie-Eleve
bo.
//
7/
W
7/
77
33
Wiegand, Johs., Müller
Untergeis
77
7/
77
77
7/
15
Kehr, Königl. Forstaufseher
Friedlos
H
//
6.
77
77
34
Neinecke, Oeconom
Hof Heisenstein
77
77
12.
77
77
16
Harnikel, Johs., Landwirth
Hof Hühlgans, Gem
7/
,/
77
7/
77
35
Schmidt, Rudolf, Oeconomieverw.
Unterweisenborn
7/
77
77
7/
77
Allmershausen
36
Ackert, Theodor, Lehrer
Hersfeld
77
77
18.
77
77
17
Reinhard, Adolf, Gutsbesitzer
Unterweisenborn
77
8.
7/
77
37
Schüler, Adam, Gutsbesitzer
Beiershausen
7/
77
26.
77
77
18
Seng, Johs., Lehrer
Mecklar
n
77
15.
7/
7/
38
Gerlach, Albert, Gutsbesitzer
Nippe, Gemeinde
77
77
29.
77
77
19
Köring, Paul, Königl. Förster
Meckbach
7/
18.
,/
77
Nöhrigshof
77
77
Wird veröffentlicht. Hersfeld, am 5. Juli 1895.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Am Scheidewege.
Erzählung von J. Jung.
(Fortsetzung.)
Ruhe und stilles Glück leuchtete dem Grafen aus diesem Blick entgegen. Es ist ihm so wohl, fast feierlich zu Muthe. Elisabeths Auge streifte den Schreibtisch.
„Onkel, hast Du die Briese noch nicht gelesen? Ich habe Dich wohl in Deiner Morgenbeschäftigung gestört? Verzeih'!"
„Nein, liebes Kind, so eilig habe ich's nicht. Besondere Nachrichten erwarte ich nicht!"
Elisabeth war ans Fenster getreten und blickte hinaus auf den nahen Wald.
„Onkel, Du wirst Dich wundern über die durch den Sturm a »gerichteten Verwüstungen. Mutter und ich haben gestern Umschau gehalten und —" „
Der Diener trat ein und rief zum Frühstück. Der Graf staub auf.
„Komm, Elisabeth," sagte er leise und reichte ihr die ^anb. Es war ein seltsamer Blick, dem das junge Mädchen begegnete. Eine Frage schwebte auf ihren Lippen, doch sie schwieg.
Es war am Abend desselben Tages. DaS^gedämpfte Licht der Lampe beleuchtete den zierlichen Schreibtisch Elisabeths. Ihre Züge sind sehr blaß. Vor einer Stunde hat sie ihre Mutter verlassen, um in der Einsamkeit ihres trauten Stäbchens über die letzte Unterredung mit derselben nachzudenken. Sie steht vor einer wichtigen Entscheidung.
Was war geschehen?
Herr von Braunfels hatte um ihre Hand geworben, und Viktor von Halden hatte durch ihren Onkel die Bitte seines Freundes warm unterstützt. Elisabeth stand vor einem Räthsel. —
Kalte Nebelschasier zogen durch das Thal, ein rauher Wind wehte um das Schloß. Zwischen den Gipfeln der Bäume kam der Mond hervor. Elisabeth steht am Fenster unb schaut zu seinem Licht empor. In ihren Augen glänzen Thränen. Da droben ist Friede, hier unten Erdenleid, ungestilltes Sehnen, Täuschung allerwärts. — Ein schöner Jugendtraum ist dahin. Elisabeth fühlt in diesem Augenblicke, daß sie Abschied nimmt von dem höchsten Glück dieser Erde. Auf den süßen Traum ihrer ersten Liebe ist ein schmerzliches Erwachen gefolgt. Viktor von Halden bittet um ihre Liebe für den Freund! Wie schmerzlich ist ihr dieser Gedanke!
Er selbst begehrt sie also nicht? — Bange Frage! —
Noch immer blickt sie in den Silberschein des Mondes. Tröstend blickte er hernieder. Sie wendet ihr Auge jetzt hinweg von dem milden Glanz. Ihr Zickmer ist hell erleuchtet, jeder einzelne Gegenstand deutlich zu erkennen. Da füllt ihr suchender Blick auf das Bild: Jsaaks Opferung. Immer dunkler wird ihr Auge, immer umflorter die Heldengestalt des schwergeprüften Patriarchen. Mit gefalteten Händen steht sie da. Ein inniges Herzensgebet steigt zu Gott empor. Der glaubensfrohe Blick Abrahams, der den Engel der Erlösung schant, ruft dem jungen Herzen Muth und Trost zu. Die Stunden vergehen. Mitternacht ist nahe. Leise öffnet sich die Thür.
Elisabeth!"
Mutter!"
Das Kind ruht in den Armen der besorgten Mutter. Wie gut ruht sich's hier!
In den Tagen der Kindheit finden wir hier unser höchstes Glück, und später, wenn die Wogen des Lebens hochgehen, dann eilt das Kind ans' Herz der Mutter. Hier findet es Trost, Ruhe und Frieden.
„Elisabeth, ruhe Du nun! Der Tag war lang und brächte Dir viel Aufregung!"
„Auch solche Stunden gehen vorüber, Mutter!"
Die Stimme zitterte leise.
„Elisabeth!" — Frau von Lenzen zeigte auf das Bild aus alter Zeit.
„Ich verstehe Dich, Mutter!"
„Denkst Du noch an die Abendstunde, als ich Dir vom Lieblingslied meiner seligen Mutter erzählte?"
„Ich habe die Stunde nicht vergessen, liebe Mutter!"
Beide schwiegen. — Wenn heftiger Seelenschmerz den Menschen durchbebt, dann schweigt der Mund. Das Herz redet die stille Sprache des Schmerzes und wird verstanden von dem Herzen, das die geheime Sprache versteht. Die Mutter hatte ihr Kind verstanden.
Die Strahlen des Mondes umleuchteten das Bild, das den Kampf und den Sieg des Glaubens darstellte. Mutter und Tochter hielten sich umschlungen. Die dumpfen Schlüge der Schloßuhr verkündeten die Mitternachtsstunde.
„Geh' zur Ruhe, Elisabeth, und lege Deine Sache in Gottes Hand!"