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, betragen für den Raum einer Spaltzeile * 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.
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Nr. 77. IMnerstas Ki« 4. Hli 1895.
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „SHitfitirk landwirthschaftliche Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. Juli 1895.
In dem laufenden Jahre sind die Unternehmer- Verzeichnisse der Hessen-Nassairischen landwirthschaftlichenBerufsgenossen- schaft neu a u s z u st e l l e n.
Zu diesem Zwecke wird den Herren Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen das erforderliche Formularpapier nebst einer gedruckten Anleitung zugehen. Mit den Vorschriften der Letzteren ist sich alsbald eingehend vertraut zu machen und sodann unter Zuhülfenahme des im Besitze der Herren Ortsvorstände befindlichen älteren Unternehmer-Verzeichnisses mit der Neu- aufstellung zu beginnen.
Die vorerwähnte Anleitung nebst dem derselben beigegebenen Muster (Anlage IV) mit dem gegebenen Beispiele ist so klar und deutlich, daß Zweifel wohl kaum auftauchen können, füllte jedoch über irgend einen Punkt dennoch Zweifel bestehen, ist dahier Aufklärung zu erbitten.
Hierbei mache ich noch ganz besonders darauf auf-, merksam, daß
1. die Spalten 5, 8, 10, 12, 14, 16, 18 und 21 des Verzeichnisses nicht ausgefüllt werden, weil solches demnächst von hier aus zu geschehen hat;
2. der Grundbesitz einschließlich des etwaigen Pachtlandes bei jedem einzelnen Betriebsunternehmer genau festzustellen und in die betreffenden Spalten, getrennt nach , Ackerland und Wiesen, Gärten, Weide rc., einzutragen ist. Es empfiehlt sich hierbei die in der Gemeinde -Repositur vorhandene Grundsteuer-Mutterrolle zur Hand zu
Am Scheidewege.
Erzählung von J. Jung. (Fortsetzung.)
VIII.
Ein heftiger Novembersturm war durchs Land gezogen. Ueberall waren seine Spuren sichtbar. Beschädigte Dächer und Thürme, gebrochene Aeste, entwurzelte Tannen zeugten von der Wuth des Sturmes der vergangenen Nacht. Auch in den Forsten, die in der Nähe des Schlosses Rodenburg lagen, war das Zerstörungswerk deutlich genug wahrzunehmen. Eine Tannengruppe am Ende des Schloßwaldes war fast vernichtet. Mit verdrießlicher Miene kehrte der Graf von seinem Morgengange zurück.
„Ja, die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand nicht nur, sondern auch die Erzeugnisse der Natur," sagte er vor sich hin und blickte auf eine junge Tanne, die vor seinen Füßen lag, hingerafft in zartem Alter. — Jetzt war's still und friedlich in der Natur. War es auch nur ein müder, bleicher Sounenblick, er genügte, das Auge empor zu heben nach der Quelle des ewigen Lichts. Glockentöne klangen das Thal herauf, es war Sonntag und Todtenfest. Der Graf horchte. Der Ausdruck seines Gesichts wurde verdrießlicher, fast düster. „Todtenfest!" Er sprach nur dieses eine Wort und blieb stehen. Ein leises Stöhnen hob seine Brust. Thränen standen in seinen Augen. Der letzte Glockenton war leise verklungen. Ohne zu wissen, was er that, verfolgte er den schmalen Fußsteg und gelaugte nach wenigen
nehmen, aus welcher die Flächen-Größe des Grundbesitzes entnommen werden kann, jedoch müssen die in benachbarten Gemarkungen liegenden Grundstücke besonders ermittelt und mitberücksichtigt, auch dürfen die Pachtländereien nicht außer Betracht gelassen werden. Vielleicht kann auch das Material der Berufs- und Gewerbe- zählung, soweit dasselbe noch in den Händen der Herren Ortsvorstände ist, bei der Neuaufstellung des Unternehmer-Verzeichnisses benutzt werden;
3. die Gemeinde selbst mit etwaiger Forst- w ir t h s ch a ft (Gemeinde-Waldung) und dem O b st g e w i n n u n g s b e t r i e b sowie die Jn- tereffenten - Genossenschaften in das Verzeichniß mit aufzunehmen sind. In den älteren Listen kommen diese Einträge nur in vereinzelten Fällen vor. Zur Benutzung für die demnächstige Abschätzung der Obstgewinnungsbetriebe ist außerdem in Spalte 22 mit Bleistift anzu- geben, welchen Erlös durch Verkauf des Obstes die Gemeinde nach dem Durchschnitt der letzten 3 Jahre gehabt hat;
4. die Nebenbetriebe (Fuhrwerksbetrieb, Ziegelei, Brennereibetrieb, siehe Ziff. 12 der Anleitung) soweit dieselben in oe» älteren Unternehmer-Verzeichnissen nicht bereits Aufnahme gefunden haben, noch alsbald dahier zur Anmeldung zu bringen sind.
Das hiernach vorgerichtete neue Unternehmer-Verzeichniß ist mir bis spätestens zum 1 8. J u l i d. Js. berichtlich einzureichen.
Der Dorschende des SektwnsUorstandes: Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
I. A. Nr. 1741II.
Hersfeld, den 1. Juli 1895.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 29. Juni 1880 Nr. 7650, im Kreisblatt Nr. 52, betreffend die von Privathengsten abstammenden Füllen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10* d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
I. Nr. 7650/80. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Minuten auf den Fahrweg, der nach dem Schlosse führte. Der Graf blieb stehen und schien nachzudenken.
„Was soll ich dort? Meine Schwester und Elisabeth wollten nach der Kirche fahren, ich bin also allein, ob hier oder im engen Zimmer. Besser ist's, ich bleibe hier unter Gottes freiem Himmel, da kann man freier athmen und auch — freier denken!"
So dachte und sprach Graf von Rodenburg halblaut vor sich hin und ging weiter. Doch seine Gedanken waren nicht frei, sondern gefesselt von dem einen Wort: „Tod!"
„Sie sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten!" Wie kam es nur, daß dieses Dichterwort dem Grafen in den Sinn kam? Er blickte auf, um, wie es schien, etwas zu entdecken, was seinen düsteren Gedanken eine andere Richtung geben könnte. Was er suchte, fand er nicht. Der Sturm der vergangenen Nacht hatte sein ernstes: „Memento mori“ überall hinterlassen. Enttäuscht wandte sich der Graf dem Schlosse zu. „Auf meinem Zimmer ist es still und gemüthlich!"
Wie, hatte sich denn heute alles gegen ihn verschworen?"
Zeitungen und Briese warteten auf ihn. Sorgfältig prüfte er die Adressen und Siegel der Letzteren. Ein Brief ohne Poststempel lag seitwärts von den übrigen. Die Schriftzüge der Adresse waren dem Grafen bekannt.
„Von Doktor Bode?" Mit zitternder Hand öffnete er da« Schreiben und las:
Hersfeld, den 3. Juli 1895.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Einreichung der Controllisten und der Gemeindebogen über die Berufs- und Gewerbezählung vom 14, Juni 1895 noch rückständig sind, werden hieran erinnert und zwar mit Frist von 3 Tagen.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, ____Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 2. Juli 1895.
Mein Ersuchen vom 31. Mai bezse. 10. Juni d. I. (Kreisblatt Nr. 64 und 67), betreffend Nachforschung nach dem Verbleib der Ehefrau des Johannes Frank zu Reckerode, hat durch Auffindung deren Leiche im Forstorte Jllersrück Erledigung gefunden.
I. 4018. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, __Geheimer Regierungs-Rath.
Am 26. d. Mts., Vormittags, erschien in einem hiesigen Goldgeschäfte ein Unbekannter und ließ sich zur Auswahl verschiedene goldne Ringe und Brochen vorlegen. Die ausgesuchte Waare beabsichtigte er am Nachmittage desselben Tages in Empfang zu nehmen. Nachdem der Unbekannte das Geschäft verlassen, war mit ihm ein goldner Herrenring mit blatzgrünem Smaragd tu der Mitte, und 6 Brillanten besetzt, im Werthe von 700 Mk. verschwunden.
Der Unbekannte nannte sich Karl Bloch, oder Block, Reisender aus Rosenheim i/Württemberg und wird beschrieben wie folgt: 38 bis 42 Jahre alt, 1,62—64 m groß, von schmaler Statur, bräunlichgraue, wollige, kurzgeschnittene Haare, dunklen Schnurrbart, schmales, spitzes, sonnenverbranntes Gesicht, spitze Nase, trug dunklen Anzug mit Sackrock, rehbraunen Ueberzieher mit dunklem Futter, schw.-weichen Filzhut, graue Handschuhe, hat schleppenden, vornüberfallenden Gang, als wenn er schwach auf den Füßen wäre, spricht bayerischen oder österreichischen Dialekt und trug blaue Brille, welch' letztere jedenfalls mehr zur Entstellung des Gesichts, als zur Schonung der Augen dienen soll, denn auf der Straße wurde er ohne Brille gesehen.
Um Anstellung der eingehendsten Recherchen nach dem Unbekannten bezw. dem Ringe, Anhaltung im Ermittelungsfalle und Drahtnachricht anher wird ergebenst ersucht.
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Das Ausschreiben vom 25. Oktober v. Js. I. Nr.
Hochverehrtester Herr Graf!
Im Auftrage des Herrn Baron von Halden, der gestern Abend in Folge des schrecklichen Unwetters durch einen Sturz vom Pferde verwundet worden ist, ersuche ich Sie ganz ergebenst, ihn, wenn Ihnen möglich, im Laufe dieses Tages zu besuchen. Es ist dies der besondere Wunsch des Verwundeten. Obgleich der Zustand des Herrn Baron augenblicklich nicht unbedenklich ist und ihm Schonung zu wünschen wäre, so möchte ich doch dem ausgesprochenen Wunsche Ihres Freundes aus ärztlichen Gründen nicht im Wege stehen. Vielleicht beruhigt ihn dessen Erfüllung. Mit hochachtungsvollem Gruße Ihr
Dr. Bode.
Der Graf legte den Brief mit zitternder Hand vor sich auf den Schreibtisch. Sein Gesicht war bleich. Suchend ging sein Auge umher. Nirgends fand es einen Ruhepunkt. Die neben -ihm liegenden Briefe beachtete er nicht. Die Schloßuhr schlug elf. Der Graf erhob sich. Sein Gesicht war noch immer bleich, fast verstört. War es die unruhige Mcht, die ihm den Schlaf geraubt hatte? Er zog die Klingel und gab dem Diener die nöthigen Befehle für die Abreise. Den Brief des Dr^ Bode versiegelte er und übergab ihn dem Diener zur Besorgung an Frau von Lenzen. Eine Viertelstunde später verließ der Graf das Schloß.
Der Kutscher schaute verwundert auf feinen Herrn. „Das wird eine schöne Fahrt werden!" brummte er und öffnete die Thür des Wagens. — Auch in dem