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Gratisbeilagen:Illnstrirtes Sonntagsblatt" u.Illustrirte lanbwirthschaftliche Verlage".

Nr. 76.

Iitnftlig den 2. Wi

1895.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJllttst^irtes SOtttttags- blatt" undJüustrirte landwirthschaftliche Beilage" für das 3. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Cassel, den 20. Juni 1895.

Die Königliche NegierungS-Hauptkasse ist angewiesen worden, den Standesämtern des diesseitigen Bezirks die Seitens des Königlichen statistischen Bureaus festgestellten Kopialienentschädigungen für die im Etatsjahr 1894/95 aufgestellten und eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle gegen Quittung zu zahlen.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, die Standesbeamten im dortigen Kreise hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß zu setzen, daß, wenn die Ab­hebung bei den betreffenden Kreiskassen nicht binnen 4 Wochen erfolge, die Zustellung durch die Post portofrei stattfinden werde.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

An die sämmtlichen Königlichen Herren Landräthe und die Herren Oberbürgermeister hier und in Hanau. A. I. 4359, * * *

Hersfeld, den 28. Juni 1895.

Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnißnahme milgetheilt.

A. 1800. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

Warnung. Ein Schwindler, welcher sich Manuel S a n ch e z nennt und im Militärgefängniß in Madrid weilen will, fordert mittels überall gleichlautender Briefe die Empfänger derselben auf, ihm zur Hebung eines angeblich von ihm in der Nähe des Wohnortes des Adressaten vergrabenen Schatzes behülflich zu sein.

Am Scheidewege.

Erzählung von I. Jun g.

(Fortsetzung.)

Das Abendlicht ruhte so freundlich und friedlich auf der Herbstflur. Im Abendfrieden kehrten die Arbeiter heim von den Erntefeldern. Die frohen, zufriedenen Gesichter redeten die Sprache des Dankes, des Lobes, und die Töne der Abendglocken verkündigten:Gütig und freundlich ist Gott!"

Baron von Halden stand auf dem Balkon und blickte hinein in den leuchtenden Abendhimmel. Die Abendlandschaft, die vor seinen Augen ausgebreitet da schien auch auf sein Gemüth zu wirken. Wohl neu noch in seinen Ohren die Worte des alten on und führten ihn zurück in die Vergangenheit, Sie/ein Gesicht hatte den Ausdruck der Ruhe. Der rieden der Natur, der ihn umwehte, schien sich »spiegeln in den ruhigen stillen Augen des Be- ö.

rs erste Begegne» mit Elisabeth von Lenzen stand vor seiner Seele.

Wie damals glühten auch heute hie fernen Bergeö- fpitzen im Abendlicht. Er sah die liebe Gestalt vor sich. Warum blieb er dem Orte fern, wo sie weilte?

Ob sie meiner wohl gedenkt? Es war eine stille Frage seines Herzens.

Hatte er denn ein Recht zu einer solchen Frage? Schlag ihr Herz nicht doch vielleicht einem anderen entgegen? War dieser andere nicht vielleicht sein Freund?

Gegen Zahlung eines Vorschusses, dessen er behufs Ent­sendung einer mit der Lage des Schatzes vertrauten Person benöthige, verspricht er einen Antheil an dem vergrabenen Gelde. Es wird davor gewarnt, dem Brief­schreiber Geld zu senden, da es nur auf einen Betrug abgesehen ist.

Die Verwaltungsbehörden werden um Weiterver- breitung dieser Warnung durch die Presse ihres Amts­bezirks ersucht.

Cassel am 25. Juni 1895.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

Nichtamtliches.

^erssnalkre-it für den Mittelstand,

ii.

DiePreußische Centralgenoffenschaftskasse" soll nach dem Gesetzentwurf folgende Organisation erhalten:

Sie steht unter Aufsicht und Leitung des Staates, um vorzubeugen, daß ihre Entwickelung nicht dahin geht, die Rücksicht auf Gewinn mehr in den Vordergrund zu drängen. Dies würde der Stuftet der Regierung in keiner Weise entsprechen. Anderseits ist ihr juristische Persönlichkeit verliehen, damit sie sich völlig frei bewegen kann. Auch ist von vornherein was der Herr Finanz- Minister bei der ersten Lesung des Entwurfs ausdrücklich erklärte der Ansicht entgegen zu treten, als ob die Kasse sich in die inneren Angelegenheiten der Genossen­schaften hineindrängen oder auch nur für die eine oder andere Art von Genossenschaften Partei ergreifen wolle.

_ Der Geschäftsverkehr der Kasse beschränkt sich zunächst auf Vereinigungen von Genossenschaften und Verbandskassen, soweit sie vor Gericht klagen und verklagt werden können, sodann auf die dem Per­sonalkredit dienenden landschaftlichen Darlehnskassen und auf die von den Provinzen errichteten gleichartigen In­stitute. Ein Verkehr mit den einzelnen Genossenschaften findet nicht statt, weil dadurch die Verwaltung der KWse und die Beurtheilung der Kreditwürdigkeit der einzelnen Genossenschaft überaus erschwert würde. Gegenüber den auch in der Presse wiederkehrenden Wünschen mehrerer Abgeordneter, die Kreis- und Gemeindesparkassen eben­falls in den Geschäftsbereich der Kasse einzubeziehen, betonte der Herr Finanz-Minister, daß man den Versuch

Die letzten Fragen wirkten beunruhigend. Er wandte den Blick hinweg von dem Leuchten im Westen. Er horchte. Die Hufschläge eines heransprengenden Pferdes tönten an sein Ohr. Im nächsten Augenblicke wurde ein Reiter sichtbar. Da war er selbst, an den er ge­dacht. Baron «von Halden verließ den Balkon und ging dem Freunde entgegen.

Da bin ich, Viktor, unerwartet, unangemeldet!"

Unerwartet zwar, doch herzlich willkommen!"

Die Freunde reichten sich grüßend die Hand. Herr von Braunfels bemerkte Viktors fragenden Blick.

Hast du Urlaub? Wo kommst du her?"

Zu viele Fragen auf einmal, lieber Viktor. Komm, du sollst alles hören. Auf deinem Zimmer ist es ja so gemüthlich!"

Die Freunde schritten Arm in Arm durch den Garten, während ein Diener das Pferd besorgte. Schweigend betraten sie das Haus.

In dem Arbeitszimmer des Baron herrschte Dämmer­licht.Es ist so angenehm, in der Dämmerung zu plaudern, lieber Viktor. Wie oft haben wir in trauter Abendstunde neben einander sitzend gemeinsam berathen, geplant, gehofft!"

Während Herr von Braunfels diese Worte sprach, hatte Viktor seinem Gaste ein Glas Rothwein einge­schenkt.

Du liebst diesen Tropfen, Albert!"

Hub du, Viktor?"

Ach ja, sieb, ich hatte mich selbst vergessen!"

Ein zweites Glas wurde gefüllt.

zunächst in dem vorgeschlagenen Umfange machen solle, welcher eventuell später leicht zu erweitern wäre, wenn sich die Erwartungen erfüllten und ein Bedürfniß, auch die Sparkassen an dem Verkehr mit der Kasse sich be- theiligen zu lassen, hervortrete. Auch müsse man be- denken, daß es sich hier lediglich um die Unterstützung des Person« lkredits handle, während die Sparkassen meist dem Realkredit dienten.

Die Kasse soll den genannten Vereinigungen u. s. w. zinsbare Darlehne gewähren und von ihnen Gelder ver­zinslich annehmen. Die weitere Befugniß, sonstige Gelder im Depositen- und Chekverkehr, sowie Sparein­lagen anzunehmen, ferner Wechsel zu lombardieren, zu verkaufen und zu acceptieren, Darlehne aufzunehmen und schließlich für fremde Rechnung Effekten zu kaufen und zu verkaufen, ist der Kasse nur ertheilt, soweit sie derselben zur Erfüllung ihrer Aufgaben bedarf.

Obwohl nun vorgesehen ist, daß sich die mehrfach erwähnten Vereinigungen u. s. w. an der Gründung der Central-Anstalt mit Vermögenseinlagen betheiligen können, so bedarf es doch zur Fundierung derselben eines Kapi­tals, welches der Staat in Höhe von 5 Millionen in dreiprozentigen Schuldverschreibungen gewährt. Den Reichstitel zur Hing^e.-dieser Summe sieht die Regierung in ihrer Verpflichtung "zur Unterstützung eines derartigen gemeinwohlthätigen Unternehmens. Außerdem soll dies Darlehn, nachdem die Hälfte des Reingewinnes zur Bildung eines Reservefonds verwendet ist, dem Staate bis zu 3 Prozent verzinst werden. Ein etwaiger Ueber- rest fließt gleichfalls dem Reservefonds zu. Sobald letzterer ein Viertel der Einlagen ausmacht, werden dieselben bis zu 5 Prozent verzinst. Ein etwaiger Ueberschuß wird dem Reservefonds bis zur Erreichung der vollen Höhe der Einlagen und darüber hinaus den allgemeinen Staatsfonds zugeführt.

Der Staat hat sich das Recht vorbehalten, Geschäfts­anweisungen für das Direktorium, sowie Diensiinstruk- tionen für die Beamten der Anstalt zu erlassen. Ein kollegialisches Direktorium, bestehend aus einem Direktor und der erforderlichen Anzahl von Mitgliedern soll die Geschäfte leiten. Von einer der Verwaltung der Reichs­bank ähnlichen Organisation hat man im Interesse der größeren Beweglichkeit in der Geschäftsführung abgesehen.

Die Kasse soll sich selbst erhalten, und dem Parlament ist eine Mitwirkung insofern eingeräumt, als der Etat der Anstalt alljährlich dem^Landtage zur Genehmigung

Die Freunde stießen an. Ein letzter Abendstrahl er­hellte matt das Zimmer.

So, nun kannst du beginnen, Albert!" Der An­geredete schwieg. Was wollte er denn eigentlich dem Freunde mittheilen? Was hatte ihn in die Rosenvilla geführt?

Er schwieg noch immer und war froh, daß das Dämmerlicht dem Freunde sein bedenkliches Gesicht ver­barg.

Nun?" drängte dieser, und der Ton verrieth eine gewisse Erregung.

Ich muß reden," sagte sich Herr von Braunfels, leerte sein Glas und fuhr in zögerndem Ton fort: Ich komme von dem Schlosse Rodenburg, Viktor. Eine Einladung des Herrn von Lenzen war die Veranlassung zu meinem Besuche!"

Viktor nickte und erwiderte:Erzähle weiter, lieber Freund!"

Am Scheidewege," murmelte dieser leise und schloß die Augen. Es war still im Zimmer. Der nächste Augenblick konnte verhängnibvoll werden.

Viktor von Halden war aufgestanden. Das Schweigen des Freundes beunruhigte ihn. Er legte seine Hand auf dessen Schulter und fragte mit gedämpfter Stimme: Mein lieber Kamerad, warum bist du gekommen? '

War das die ihm so wohlbekannte Freundesstimme? Hatte sie heute einen befremdenden Klang?

Setze dich, Viktor, und höre mir zu!"

Dieser folgte dem ausgesprochenen Wunsche, nahm die Hand des Kameraden und drückte sie warm.