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wärts blickten die dunklen Augen, heimwärts in die Welt des Lichts und des Friedens. Das fragende Herz wurde still, und ihre Lippen flüsterten innig:Viktor!"

VII.

Die warme Herbstsonne warf ihre letzten Strahlen auf das goldene Laub. Im Garten der Nosenvilla war heute Obsternte gewesene Ein reicher Segen schaute aus den gefüllten Körben hervor, und der alte Gärtner blickte noch einmal musternd von Korb zu Korb. Er schmunzelte zufrieden.

Schönes Obst, eine gesegnete Ernte!" sagte er und schaute nach dem Hause seines Herrn. In diesem Augen­blicke trat dieser auf den Balkon. Der Gärtner bemerkte ihn und lüftete grüßend seinen Hut.

Er war früher so ganz anders, viel freundlicher, jetzt spricht er kaum ein Wort mit seinen Dienstleuten!" Der Redende überzählte noch einmal die Körbe, dann ertheilte er einigen anwesenden Knaben Anweisung. Diese trugen die zunächst stehenden Körbe der Rosenvilla zu, Gärtner Franzen folgte ihnen.

Nun, Herr Franzen, sind Sie mit der diesjährigen Obsternte zufrieden?" Baron von Halden stand vor ihm.

Sehr- zufrieden, Herr Baron!"

Dieser nickte wohlwollend.

Herr Franzen, besorgen Sie doch so bald als mög­lich dem Grafen von Rodenburg einige Körbe von der besten Sorte Aepfel. Die Auswahl überlaste ich Ihnen. Sie kennen ja bereits die Liebhaberei des Grafen für den Obstbau.

Zu Befehl, Herr Baron!"

Es war ein seltsamer Blick, der diese Worte be­gleitete.

Gärtner Franzen hatte vor einiger Zeit einen ähn­lichen Auftrag des Baron ausgerichtet. Er hatte nur die Damen des Schlosses anwesend gefunden. Frau Professor von Lenzen war dem alten Diener der Rosen- - 4)t8a sehr freundlich entgegengekommen. Ihr schlichtes, ruhiges Wesen, das ihr sofort die Herzen gewann, hatte Gärtner Franzen geradezu begeistert. - Das Herz war ihm auf die Zunge getreten. Gefragt und ungefragt hatte er von feinem Herrn berichtet. Den alten, treuen Augen war das rege Jntereste, das die Damen bekundet hatten, nicht entgangen.

In diesem Augenblicke dachte er an diese« Besuch in Rodenburg und bemerkte mit ernstem Ausdruck in seinen Zügen:Herr Baron, nichts für ungut; ich glaube aber, Ihre Person, will sagen Ihr Besuch wäre den Be­

wohnern des Schlostes lieber als Ihr Obst!" '

Der Baron lachte.

Aber wie kommen Sie zu dieser Ansicht, lieber Herr Franzen?"

Der warme Ton des Sprechenden that dem alten Diener wohl.

Wie ich dazu komme, Ihnen dies zu sagen? Als ich vor Wochen auf dem Schlosse war, verwunderte sich die Schwester des Grafen darüber, daß der Herr Baron sich nicht mehr sehen ließen. Der Herr Graf könne sich dies nicht erklären!"

So?" sagte der Baron gedehnt und blickte nach der Richtung, in welcher Schloß Rodenburg lag. Der alte Franzen schien noch mehr auf dem Herzen zu haben,, doch er schwieg. Vorsicht schadet niemals, dachte er.

Also die Körbe werden besorgt!"

Ganz nach Wunsch, Herr Baron!"

Dieser nickte grüßend und schritt langsam der Villa zu. Gärtner Franzen verließ ebenfalls den Garten. Wie herrlich die Sonne unterging!

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

DerWestfäl. Merkur" veröffentlicht einen vom

5. Mai datirten Brief aus Mandera, Bezirk Usegua, der anscheinend von einem katholischen Missionar her- rührt und von der in «jenem Theile von Ostafrika herrschenden Hungersnoth folgendes ergreifende Bild entwirft:Zum dritten Male liegen die Pflan­zungen zerstört und sind die Erntehoffnungen vernichtet. Dreimal wurde gesäet und gepflanzt, dreimal haben sich ungeheure Heuschreckenschwärme über das Land ausge- gossen und Alles aufgefressen. Die vorgestern noch so üppig dastehenden Mais-, Mtama- und Bohnenfelder bieten heute bem Auge ein trauriges Bild der Verwü­stung dar. Ja, vorgestern noch standen die Pflanzungen so schön da. Um 2 Uhr verschleierte sich jedoch die Sonne; ein ziemlich starker Wind wehte aus der Land­schaft Ukwere herüber. Plötzlich erschien auf den Hügeln von Wanisa und über den hohen Felswänden, welche den Wamifluß einschließen, ein kleines Wölkchen. Nach und nach kam es näher und wurde immer größer. Ich war gerade mit den Missionsknaben auf dem Felde. Da auf einmal erscholl der Ruf:Heuschrecken! die Heu­schrecken kommen!" Sofort entfielen allen Händen Karst und Hacke. Aller Augen starrten dort hipauf, die un­geheuren Heuschreckenschwärme zu betrachten. Mehr als

Redaction, Druck und Verlag von Ludwig Fnuk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) in Hersfeld.

fünfzig Mal hörte ich die.Worte:Wenn sie nur vor­überziehen! Dieser Wunsch sollte jedoch nicht in Er­füllung gehen. Der erste Schwärm zog zwar vorüber, aber die nachfolgenden ließen sich vor der Missions- anstalt und in den im Thal gelegenen Feldern nieder. Alsbald bot sich dem Auge eine schmerzvolle Szene dar: Ueberall Heuschrecken und Heuschrecken; wie eine dunkle, Alles um sich verheerende Fluth ergossen sich die Schwärme über die Pflanzungen aus. Arme Weiber liefen hände­ringend und wie verzweifelt durch ihre Grundstücke, um die Heuschrecken zu verscheuchen; jedoch vergebens: Alles fiel der rasenden Neberschwemmung zum Opfer. 11 nb nun ist die Noth größer als je. Viele Leute sterben vor Hunger. Es ist bekannt, daß in einem in der Nähe von Mpuapua gelegenen Orte von 50 Einwohnern 46 dem Hungertode anheimfielen. Vor 14 Tagen kam ich in ein Dorf, wo von 17 erwachsenen Leuten neun in einer einzigen Woche vor Hunger starken. Heute Morgen kam wieder eine Frau und forderte von mir einen Fetzen Tuch, um ihren todten Mann einzuwickeln. Als ich sie fragte, an welcher Krankheit er gestorben sei, erwiderte sie mit thränenfeuchtem Blick:Er ist vor Hunger gestorben." Vor 14 Tagen führte man mir einen jungen Mann vor. Die Hände waren fest auf den Rücken gebunden, selbst um seinen Hals hatte man ein Seil geschlungen.Nun, was hast Du gethan?" fragte ich ihn.Vor einigen Tagen," erwiderte er mir,ging ich mit zwei anderen Leuten nach der Küste; denn bei uns zu Hause hatten wir nichts mehr zu essen. Unterwegs trafen wir einen Mann an, der sich auch mit seinem Sohne nach der Küste begeben wollte, um zwölf Ziegen zu verkaufen. Des andern Tages, von Hunger gequält, fielen wir über den Mann her und schlugen ihn todt. Seinen Sohn haben wir für 34 Rupien verkauft; auch die Ziegen haben wir verkauft und uns damit Lebensmittel verschafft. Der Hunger allein hat uns zu diesem Morde angetrieben." Ja,Hunger, Hunger", das ist der Klageruf, der wirklich durch die verödeten ostafrikanischen Galten hallt. Unlängst sind in der Karawane von Sewa Hadschi" 137 Mann unterwegs vor Hunger gestorben." Bekanntlich hat der Reichstag 50000 Mk. zur Linderung der Hungersnoth in Deutsch-Ostafrika bewilligt. Bereits vor dieser Bewilligung hatte das Kolonialamt 10 000 Mk. vorschußweise zur Bekämpfung des Nothstandes angewiesen.

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