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ersWer SreidMatt
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Nr. 8mckn- -eil 29. Siini 1895.
DmMck-KMUz.
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Die Expedition.
Amtliches.
Gefunden: eine Pferdedecke und ein Portemonnaie, enthaltend 1 Mk. 50 Pfg. — Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu SchenklengSfeld.
Nichtamtliches.
Oer sonalkredit für den Mittelstand,
i.
Die bedrängte Lage der Landwirthschaft und des Handwerks ist nicht zum geringsten Theil dem Umstände zuzuschreiben, daß es bisher an geeigneten Einrichtungen zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Personalkredit fehlte. Sowohl der bäuerliche Besitzer, als auch der Handwerker bedarf eines soliden und billigen Personalkredits. Denn ersterer ist im wesentlichen auf den Ertrag aus dem Verkauf der Ernte angewiesen und braucht für die Zwischenzeit des Kredits zur Fortführung seiner Wirthschaft. Letzterer benöthigt öfters der Mittel zum Ankauf von Rohmaterialien, welche er erst nach Verkauf der fertiggestellten Produkte zu bezahlen in der Lage ist. Beide sahen sich daher gezwungen, Personalkredit bei Privatpersonen zu suchen, in deren völlige wirthschaft- liche Abhängigkeit sie nur zu leicht geriethen; oder aber sie nahmen den Realkredit in Anspruch, welcher die große Versuchung in sich birgt, eine dauernde Belastung des Besitzes herbeizuführen. Um diesem Uebelstande ab- zuhelfen, haben sich, etwa um die Mitte des Jahrhunderts, die beteiligten produktiven Stände zu Kreditgenossenschaften zusammengeschlossen, welche an die Namen Schulze-Delitzsch und Raiffeisen anknüpfen und von der Regierung nach jeder Richtung hin kräftig unterstützt werden.
So segensreich nun auch diese Genossenschaften gewirkt haben und obwohl sie sich zu Vereinigungen und Verbandskassen zusammenschlosseti, welche als Geldaus- gleichsstelleu für die angeschlossenen Genossenschaften dienen, d. h. diesen die für ib*en Geschäftsbetrieb zeitweilig mangelnden Mittel überweisen, anderseits die überschüssigen Baarbestände zinstragend unterbringen, so fehlte es doch bisher an einer Centralausgleichstelle. Diese soll unter bem Namen einer „Centra 5a nstalt zur Förderung des genossenschaftlichen Personalkredits" im Bedarfsfälle den einzelnen Vereinbarungen und Verbandskasten und durch diese den Genossenschaften zu billigen Bedingungen Geldmittel gewähren, und auf der anderen Seite die überschüssigen Bestände dieser Vereinigungen nutzbringend anlegen. Die Genossenschaften waren zu
diesem Zwecke bisher größtentheils auf Privatbanken angewiesen, welche ihnen einen verhältnißmäßig hohen Zinsfuß berechneten, während die Reichsbank und die Seehandlung nach der Natur der von ihnen betriebenen Geschäfte als hierfür ungeeignet angesehen werden müssen, wie dies der Herr Finanz-Minister auch bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs hervorhob.
Nur wenn der Staat, welcher nicht wie die Privatbanken ein Geschäft dabei machen will, helfend eingreift, ist es möglich, den Vereinigungen und dadurch den einzelnen Genossenschaften Gelegenheit zur Erlangung eines billigen Personalkredits zu verschaffen. Der Staat erhofft aber gleichzeitig durch die Gründung der Central- anstalt eine Kräftigung und namentlich Weiterausbrei- tung der Kredit-Genossenschaften. Denn ein so großes Gebiet sich letztere auch bereits erobert haben, so beweist doch der Umstand, daß bisher noch fast 500 Städte einer solchen Genossenschaft entbehren, daß die Kreditorganisation noch einer bedeutenden Steigerung fähig und bedürftig ist. Und daß ein Bedürfniß für die Schaffung einer derartigen Centralausgleichstelle vorhanden ist, ergiebt sich daraus, daß sich die aus den Reihen der Genossenschafter befragten Sachverständigen — mit einer Ausnahme — für die Errichtung der durch den augenblicklich der Budgetkommission des Abgeorone- tenhauses zur Berathung vorliegenden Gesetzentwurf in Aussicht genommenen Anstalt ausgesprochen haben.
Die Bedeutung derselben liegt aber nicht allein auf wirthschaftlichem Gebiete, sondern ist auch von großer politischer Wichtigkeit. Denn durch den Entwurf erkennt der »Staat seine Verpflichtung zur Unterstützung der wirthschastlich Schwachen ausdrMlich an. Die Vorlage muß aber auch deshalb mit Freuden begrüßt werden, weil sie einen Versuch darstellt, der Verschuldung der kleineren bäuerlichen Besitzer und Handwerker zu steuern, der, wenn er die Erwartungen erfüllt, weiteren segensreichen Maßnahmen der Regierung zur Wiederkräftigüng der Landwirthschaft und des Handwerks die Wege ebnet.
Alsen — Gitschin.
29. Juni 1864 — 1866.
Zwei bedeutungsvolle preußische Siege an einem Tage! Dort am 29. Juni 1864 jener kühne nächtliche Ueber- gang der Preußen über den Meeresarm nach der Insel Alsen, die sich dem Düppelsturm würdig an die Seite stellte. Als Boot auf Boot in der Morgendämmerung hinüberruderte, wafs als schwäffimen Züge wilder Enten über das Wasser. Alles still, peinlichste Erwartung, die Ruderer griffen rascher ein; da mit einem Male brach vom jenseitigen Ufer wie ein Donnerwetter Granaten-, Kartätsch- und Gewehrfeuer über die Preußen los Wohl fand mancher Brave den Tod; ja ein Boot mit aller Mannschaft sank in die Tiefe; aber dennoch gelang der Uebergang; die Dänen wurden nicht nur vom Ufer vertrieben, sondern weit zurück in die Insel hinein, die sie dann bald verließen.
Der Tag von Alsen war immer ein Ruhmestag für die daran betheiligten brandenburgischen und westfälischen Regimenter unter der Führung Herwarths und Mansteins. Und wie hier die Mürker und Westfalen vereint die Dänen schlugen, so reichten sich am 29. Juni 1866 im österreichischen Kriege bei Gitschin Brandenburger und Jammern am späten Abend die Hand zur Eroberung dieser Stadt, nachdem sie vorher, auf verschiedenen Wegen vorgesandt, ein jeder an seinem Theile, den Feind, die Oesterreicher und Sachsen, ans festen Stellungen geworfen hatten. Es waren die 5. Division des Brandenburgischen 3. Korps unter General von Dümmling und die 3. Division des 2. pommerschen Korps unter General v. Werder, die solches vollbrachten, obgleich ihnen der Feind an Zahl weit überlegen war. Die gerade dem Brandenburger Soldaten eigene Ver- bindung von Keckheit und Zähigkeit kam an diesem Tage zu ruhmreicher Geltung; mit großem Ruhm bedeckte sich das Grenadier-Regiment Nr. 12, als wollte es den Ge- burtötag seines hohen Chefs, des Prinzen Karl von Preußen, besonders ehren.
Aber auch die Pommern standen ihren Mann, und es war besonders das Grenadier-Regiment Nr. 2, dem es, freilich unter großen Verlusten, vergönnt war, reiche Lorbeeren an diesem Tage zu pflücken. Die Oesterreicher zogen sich in immer mehr gesteigerter Auflösung bis unter die Kanonen von Königgrätz zurück, die Sachsen dagegen bewahrten unter der Führung ihres Helden- müthigen Kronprinzen Albert Zusammenhalt und Ordnung. Von größter Bedeutung war der^ Sieg von Gitschin für die preußischen Operationen; nun stand dem Vormarsch des Prinzen Friedrich Karl an die Elbe und seiner Vereinigung mit der Armee des Kronprinzen Friedrich Wilhelm kein Hinderniß mehr im Wege. Auch dort hatten an diesem Tage siegreiche Gefechte, der Garden bei Königinhof, des 5. Korps bei Schweinschädel stattgefunden, und am 30. Juni gewannen in der That Truppen beider Armeen Fühlung. Die gefahrvolle Vereinigung aller prußischen Dreitkräfte war in rühmlichster Weise gelöst.
König Wilhelm weilte am 29. Juni noch in Berlin; am nächsten Tage wollte er zur Armee nach Böhmen gehen. Am Abend stand eine unabsehbare Menge vor seinem Palais; die Bürger Berlins überreichten dem Könige eine Adresse uns draußen brauste tausendstimmig gesungen das alte ^uiherlied: „Ein' feste Burg ist unser Gott" zu den Fenstern des Schlosses empor. Der greise Monarch trat auf den Balkon, alle Häupter entblößten sich, und unter lautloser Stille nahm er, selbst tief ergriffen , mit den Worten Abschied von seinem Volke: „Habt Dank, habt Dank für euren Jubelruf, den nehme ich mit zur Armee. Mit Gottes Hülfe haben wir den ersten Sieg errungen, es steht uns aber noch vieles bevor. Harret aus und denkt an den Wahlspruch: Mit Gott für König und Vaterland! Ein Hoch der Armee!" Jubelndes, nicht enden wollendes Hurra folgte diesen königlichen Worten.
Am anderen Tage eilte der Kriegsherr zur Armee, die nun vereinigt schon in den nächsten Tagen unter seiner Führung jenen gewaltigen Sieg bei Königgrätz erringen sollte, der den Feldzug entschied und Europa in Staunen und Bewunderung versetzte. T.
Politische Nachrichten.
Berlin, 27. Juni.
Se. Majestät der Kaiser gedachte noch bis zum 28. Juni in Kiel zu verbleiben, dann nach Berlin bezw. Potsdam zurückzukehren und am 1. Juli die Seereise nach den schwedischen Gewässern anzutreten. Das Befinden Ihrer Majestät der K a i s e r i n ist andauernd günstig. Am 24. fand eine Seeregatta, am 26. Abends ein Blumenkorso im Kieler Hafen statt.
Die Verhaitdlungen im Hause der Abgeordneten über die A n st e l l u n g s - V e r h ä l t n i s s e der C i v i l - F o r st - A s s e s s o r e n im Vergleich zu den Anwärtern des reitenden Feldjäger-Korps haben in der Presse zu mehrfachen unzutreffenden und zum Theil gehässigen Auslassungen gegen die Staatsforstverwaltung geführt. Es ist dabei von der Unterstellung ausgegangen, es hänge von dem Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten ab, das Feldjäger-Korps aufzu- lösen, anders zu organisiren oder wenigstens die Mitglieder desselben auf eine geringere Zahl der zur Erledigung gelangenden Oberförsterstellen zu beschränken. Dem gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß das Feld- jäger-Korps in erster Linie dem KriegSministerium und demnächst dem Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten unterstellt ist. Mit dem Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten sttht es nur insofern in Verbindung, als dieses die forstliche Ausbildung der Mitglieder zu überwachen, die forstlichen Prüfungen zu veranlassen und dem Chef des Korps die festgesetzte Anzahl der für dasselbe bestimmten Oberförstereien zur Besetzung durch Offiziere des Feldjäger-Korps zur Verfügung zu stellen hat. Insbesondere hat der Minister für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten nicht das Befugniß,