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Nr. 65.
Iömlerßag ton 6. Juni
1865.
Amtliches.
Berlin, den 19. März 1895.
Um denjenigen Deutschen, die sich der Fahnenflucht oder der Verletzung der Wehrpflicht schuldig machen, den Aufenthalt im Auslande zu erschweren und sie dadurch zur Rückkehr zu bewegen, ordnen mir nach Benehmen mit dem Herrn Justizminister hiermit an, daß die Ge- meinbebebörben sich der Bekanntmachung des Aufgebots zum Zweck der Eheschließung für die bezeichneten Personen zu enthalten haben. Etwaigen Anforderungen wegen Bekanntmachung des Eheaufgebots für im Auslande sich aufhaltende Deutsche ist von den Gemeindebehörden daher nur dann zu entsprechen, wenn der Nachweis geliefert wird, daß es sich um andere als die bezeichneten Personen handelt.
Der Kriegs-Minister. Der Minister des Innern.
Im Austrage. Im Auftrage.
gez.: von Spitz. gez.: H a a s e.
An ben Königlichen Negierungs-Präsidenten Herrn Grasen Clairon d'Haussonville, Hochgeboren zu Cassel.
M. d. J. I. M. J. 620. Kriegsminist. 661. 2. C. 3.
* *
Cassel, den 16. Mai 1895.
Abschrift hiervon wird zur gefälligen Kenntnißnahme und Beachtung bezw. Mittheilung au die betreffenden Gemeindebsamten ergebenst übersandt.
Der Regierungs-Präsident.
Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath H a u s s o n v i l l e.
An die Herren Oberbürgermeister hier, in Fulda, Hanau und Marburg, sowie die Herren Bürgermeister der übrigen Städte und die Herren Landräthe des Bezirks.
A. 1.2737. * * * s
Hersfeld, den 31. Mai 1895.
Wird den Herren Ortsvorständen zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 3067 Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 4. Juni.
Se. Majestät der Kaiser kehrte am Sonnabend,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Nezel.
Eine Dorfgeschichte von E. von der Decken.
(Schluß )
„Drüben im Dorf, wo der Hainbauer ist, sind die <töpfe jetzt heiß. Der neue Bauer ist so ein Unwirscher, in der Wirthschaft versieht er's unb überhastet'S mit seinem Trotz und gegen die Leute ist er ausgeberdisch und hart; sie sind alle gegen ihn. Da hat er ohnlängll eine, die früher Magd ist gewesen auf dem Gehöft und der jetzt der Mann ist gestorben, — daß sie für sich und ihre fünf Kinder allein muß sorgen — ganz gotteslästerlich angelassen, wie sie gekommen ist unb gebeten hat, er möcht' ihr für dies Jahr den Pachtzins erlassen. So ein reicher Bauer und um ein paar Groschen von so einer armen Wittwe! Ein rechter Unmensch muß es schon sein."
„Nu da, nu da," verwunderte die Bäuerin sich. „Es hat doch immer geheißen, die vom Hainbauernhof wären solche Redliche. Da kann man seh'n."
„Der frühere Bauer ist's auch gewesen, und der neue" im Anfänge auch. Etwas barsch wäre er wohl immer drein gefahren, aber sonst doch verständig und gut. Jetzt aber wär's so, daß keiner mehr mit ihm auskäm'." .. c _ „ . . ., „
Die junge Magd, bie nahend am Fenster saß, schreckte bei den Worten zusammen. Die Hand, welche die Nadel
Nachts 12 Uhr 35 Min., von der Pürsche in Madlitz, auf welcher Allerhöchstderselbe 7 Rehböcke erlegte, nach dem Neuen Palais zurück. — Am ersten Pfingstfeiertage, besucht?« beide Majestäten den Vormittagsgottesdienst in der Friedenskirche. Abends 7'/., empfing Se. Majestät der Kaiser den Prinzen Albert von Belgien, Höchstwelcher sich anläßlich seiner Stellung ä la suite des Hannoverschen Dragonerregiments Nr. 16 bei Seiner Majestät meldete. — Gellern wurde im Neuen Palais das Stiftungsfest des Lehr-Jnfanteriebataillons gefeiert. Nachmittags um 4 Uhr empfing Seine Majestät den Reichskanzler, Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, zum Vortrage.
Se. Majestät der K a i s e r unb Ihre Majestät die Kaiserin haben Sich heute Vormittag um 9 Uhr 20 Min. mittelst Sonderzuges nach Pasewalk begeben, um daselbst der Feier des 150jährigen Bestehens des Kürassierregiments Königin, - essen Chef bekanntlich Ihre Majestät die Kaiserin ist, sonne der feierlichen Enthüllung des dem hochseligen Kaiser Friedrich errichteten Denkmals beizuwohnen.
Das S t a a t s m i n i st e r i u m trat am Sonnabend Nachmittag wiederum zu eine Sitzung zusammen. Dem Vernehmen nach ist ein Nach.ragsetat berathen worden, der u. A. Forderungen wegen Verstaatlichung der Wei- mar-Geraer Bahn und der Saalebahn enthält. Die j Vorlage soll unverweilt dem Landtage zugehen.
Durch Erlaß vom 27. Mai hat der Minister der öffentlichen Arbeiten mit Rücksicht auf den zeitweise starken Ver- ! kehr an Sonn- ».Festtagen den kgl. Eisenbahndirek- , Honen zur Pflicht gemacht, soweit nöthig, durch eine reichlichere Besetzung der Fahrkartenkoutrolle auf den Bahnsteigen
1 u. durch Vermehrung der Ab- u. Zugänge dafür Sorge zu ; tragen, daß die Räumung der Bahnsteige nach Ankunft der i Zuge sich ohne Störung vollzieht «.Beschwerden über Stockungen an den Ein- u. Ausgängen möglichst vermieden werden.
Aus der Nudelsburg ist am 1. Juni der Grundstein zu dem B i s m a r ck - D e n k m a l gelegt worden , das dem Alt-Reichskanzler von den deutschen Korpsstudenten erbaut wird.
Das griechische K r o n p r i n z e n p a a r ist mit den beiden kronprinzlichen SöhNtN Georg und Alexander zum Besuche der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichshof bei Cronberg am Taunus eingetroffen.
Wie bereits seiner Zeit mitgetheilt worden, ist am 18. April d. Js. im Reichs-Justizamt unter dem Vorsitze des Staatssekretairs eine überwiegend aus den
führte, zitterte heftig, und das Mädchen lehnte sich einen Augenblick zurück, als verginge» ihr die Sinne.
„Lukretia, geh', sieh, ob draußen die Gössel auch nicht zu schaden kommen," sagte die Bäuerin, und die Angesprochene ging hinaus wie eine Träumende.
„Seid Ihr zufrieden mit der Magd?" fragte der Mattbes, weil er gewohnt war, nach allem zu fragen.
„O ja, sie thut ihre Arbeit schon recht; nur für so i ein Junges ist sie zu sehr für sich," meinte die Bäuerin.
„Wo ist sie denn her?"
„Die Beate, die jetzt droben in der Ursel ihrem ' Hanse wohnt, hat sie mir zugewiesen. Sie ist vordem der Ursel zur Hand gegangen, aus Freundschaft, sagt die Beate, und wie die gestorben ist, hat sich das Mädel nach einem Dienst umgesehen."
„Bei der Ursel? So? — Das hab' ich gar nicht gewußt, daß die Eins bei sich hätt' gehabt. So hat sie's wohl auch von der, das Fürsichsein."
„Das denk' ich mir auch. Wir hätten sie gerad' nicht gebraucht, aber ihre Mutter ist 'ne Tochter hier vom Enderhof gewesen, mit meinem Mann ander Geschwisterkind, unb da hat der sie genommen, daß sie nicht tollt' so bei Fremden 'rumgestoßen werden. — Vater und Mutter sind ihr lange gestorben; da nimmt man sich seiner Sippe schon an," erklärte die behäbige Wirthin, zufrieden mit ihrer guten That.
Nach einigen Tagen kam Lukretia zur Bäuerin und fragte: „Vergönnt Jhr'S mir wohl, daß ich am nächllen Sonntag 'nübergeh' ins andere Dorf? Ich habe noch i
Kreisen bewährter Praktiker berufene Kommission zusammengetreten, um die für eine Revision der Civil- prozeßordnung hauptsächlich in Betracht kommenden Fragen der Berathung zu unterziehen. Die Sitzungen dieser Kommission haben in bet Zeit vom 18. bis 27. April und vom 27. bis 31. Mai täglich stattgefunden. Die nunmehr einstweilen abgeschlossene Berathung hat sich auf die sämmtlichen von der Reichs-Justizverwaltung in das Programm aufgenommenen Punkte erstreckt. Außerdem ist noch eine beträchtliche Reihe von Anregungen, die von den Mitgliedern der Kommission gegeben wurden, einer eingehenden Erörterung unterzogen worden. Das Ergebniß wird jedenfalls für das in Aussicht genommene Gesetzgebungswerk fruchtbringend sein.
Der Staatsminister und frühere Justizminister Dr. von F r i e d b e r g ist am Sonntag Abend 8 Uhr hier gestorben.
Die Zahl der aus preußischen Häfen im Jahre 1893 abgegangenen Handelsschiffe betrug 27 775 Segelschiffe mit 1 196 736 Registertons und 21 899 Dampfschiffe mit 5 268 931 Registertons. Davon gingen nach Häfen des deutschen Reiches 20793 Segelschiffe (74,86 v H.) mit 540 783 Registertons (45,19 v. H.) und 15 541 Dompfschiffe (70,97 v. H mit 2 013 805 Registertons (88,22 v. H.); nach dem übrigen Europa 6 742 Segelschiffe (24,28 v. H.) mit 579 944 Registertons (48,46 v. H.) und 6 216 Dampfschiffe (28,38 v. H.) mit 2 959 591 Registertons (56,17 v. H.); nach außereuropäischen Ländern 62 Segelschiffe (0,22 v. H.) mit 66 746 Registertons (5,58 v. H.) und 142 Dampfschiffe (0,65 v. H.) mit 295 535 Registertons (5,61 v. H.); nach See zum Heringsfange 178 Segelschiffe (0,64 v. H ) mit 9 263 Registertons (0,77 v. H.).
In der Presse stieß man während der letzten Tage öfter auf Gerüchte, wonach das Einvernehmen zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich bezüglich Ostasiens getrübt sei. Diese Gerüchte sind nach einer Meldung der „Polit. Korresp." aus St. Petersburg unbegründet. Die in Tokio eingeleitete gemeinsame Aktion der drei Mächte wird vielmehr in vollem gegenseitigen Einverständnisse fortgesetzt.
Um die Absendung der französischen Schiffe nach Kiel zu verhindern, war von chauvinistischer Seite das Gerücht aufgebracht worden, in Brest sei die Cholera ausgebrochen. Diese Meldung wird jetzt in aller Form dementirt.
Ein dem Panama-Skandal kaum nachstehender Riesen-
Freundschaft da drüben."
„Ja geh'. Mich freut's, wenn Du Dich 'mal zu Andern hältst. Aber ist Dir nicht recht, Mädel? Du siehst wie 'ne Kreide so weiß und hast ganz wächserne Lippen."
„Mir ist nicht ganz recht, aber 's wird schon wieder werden," sagte die Magd und ging eilig hinaus.
Aus allen Dörfern klangen die Kirchenglocken, und die Leute schritten in ihrem Sonntagsstaat von den Hohen zu Thal. Es dauerte nicht lange, so war es stille im Dorf; nur ab und zu drangen Orgelklänge und der Gemeindegesang aus den geöffneten Kirchen- fenstern, und ein leiser Wind trug die Klänge hinaus in die feiernde Natur. Ueber den Gehöften lag träumende Ruhe. Auf dem Dache gurrten die Tauben, und im Sande scharrten die Hühner und lagen in Gruben, die sie gemacht, sich blähend im Sonnenschein. Der Kettenhund blinzelte schläfrig aus seiner Hütte hervor, und aus den Ställen drang ab und zu das Rasseln einer Kette, wenn ein wiederkäuendes Rind in seiner trägen Arbeit sich regte.
In die Wohnstube des Hainbauernhofes schien die Sonne, doch erreichte sie den Platz nicht, auf dem der Bauer in finsterem Brüten saß.
Da schlug draußen der Hofhund an, und dann ging die hintere Hausthür. Der Bauer achtete es nicht. — Am klopfte es, einmal, ein zweites Mal. Ohne auf- zusehen, rief der Bauer ein verdrossenes Herein. Doch der Besucher blieb an der Thür stehen und bot auch