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Gratisbeilagen: „Allnstrirtes Sonntagsblatt" n. „Illustrirte lanbwirthschaftliche Beilage".
Nr. 83.
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1895.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntags- blatt" und „Jlluftrirte landwirthschaftliche Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Candbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Berlin, den 18. Mai 1895.
Am 1 4. Iuni d. Js., an welchem Tage auf Grund des Reichsgesetzes vom 8. April d. Js. — Neichs-Ges. Bl. S. 225 — eine Berufs- und Gewerbezählung im Deutschen Reiche stattfindet, soll, wie bei früheren statistischen Erhebungen, der Unterricht in sämmtlichen Schulen ausfallen.
Ich darf erwarten, daß die Lehrer bereit sein werden, sich an dem Zählgeschäft mithelfend in der einen oder anderen Weise zu betheiligen. -Daß Schüler dazu herangezogen werden, ist nicht statthaft.
.. , „ das Königl. Provinzial-Schulkollegium Hiernach wolle---.. - —;------------- dre Konrglrche Regierung
Seinem in — Ressort das Erforderliche anordnen.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.
In Vertretung. gez. v. W e y r a u ch.
An sämmtliche Kgl. Provinzial-Schulkollegien und sämmtliche Kgl. Regierungen. G. III. Nr. 1375. 21 II. 21 lila.
* *
Cassel, den 25. Mai 1895.
Abschriftlich mit dem Ersuchen, demgemäß alsbald die erforderliche Anordnung für sämmtliche Schulen Ihres Kreises bezw. Aufsichtsbezirks zu treffen. Königl. Regierung, Abtheilung für Kirchen- u. Schulsachen.
F l i e d n e r.
An die Herrn Landräthe als geschäftsleitende Mitglieder der Schulvorstände und die Stadtschuldeputationen.
B 6591. * *
Hersfeld, den 27. Mai 1895.
Indem ich den Herren Ortsschulinspektoren von dem
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Nerv L
Eine Dorfgeschichte von E. von der Decken.
(Fortsetzung.)
Daß sie den Gustel hier oben lassen könnte, auetn bei der Ursel, war undenkbar, und sie war es ja auch so gewohnt, daß sie den Knaben überall bei sich hatte.
Um die Abendstunde machte sich der Wind auf und stieg rasch bis zum Sturm. In den beiden Tannen ächzte und sauste es, und der Regen schlug klatschend auf das Dach. So tobte es fort die ganze Nacht. Als der Morgen kam, rang sich die Sonne wieder durch das Gewölk und schien stechend herab auf die schneebe- lasteten Hänge und Wälder.
„Weiß Gott, wie wir den Weg überstehen," dachte Rezel und überlegte, ob es nicht besser wäre, Ursel noch einige Tage mit der Erfüllung ihres Wunsches hinzuhalten.
Allein Ursel verlangte so dringend nach der Beate und war so unruhig — Speise zu nehmen ^verweigerte sie ganz — daß Rezel nicht den Muth hatte ihr auch nur um einen Tag den Trost zu entziehen, nach dem sie verlangte. So rüstete sie sich um die zehnte Stunde zum Gange, nachdem sie sich und den Gustel mit einem herzhaften Mahle gestärkt. Abend würde es so wie so werden, bis sie wieder hinauf käm'.
Im Walde rieselte und rann es. Von den Bäumen
obigen Ministerial-Erlaß hiermit Kenntniß gebe, ersuche ich ergebenst, das hiernach weiter Erforderliche gefl. veranlassen zu wollen.
I. 8042. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Berlin, den 6. Mai 1895.
Auf den Bericht vom 9. v. Mts. — 0. III. 886 — wird der Königlichen Regierung erwidert, daß nach Lage der Gesetzgebung die Gemeinden des dortigen Verwaltungsbezirks zur Einzelerhebung der Gebühren für ka- tasteramtliche Vermessungsarbeiten nicht verpflichtet sind. Wenn aber die Gemeinden im Interesse der Zahlungspflichtigen die Einzelerhebung dieser Gebühren und die Abführung der erhobenen Beträge an die Kreiskasse unentgeltlich bewirken wollen, so würde sich gegen eine solche Einrichtung diesseits nichts zu erinnern finden.
Der Finanz-Minister, gez.: Miguel.
An die Königliche Regierung zu Caflel. II. 7780.
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Caflel, den 17. Mai 1895.
Die Grundeigenthümer, welche genöthigt sind, Vermessungen durch das Katasteramt ausführen zu lassen, haben jedenfalls ein Interesse daran, daß sie die Ver- messungsgebühren an die Gemeinde-Hebestellen ihrer Wohnorte einzahlen können, weil die sonst erforderliche Abführung dieser Gebühren an die Kreiskasse in den meisten Fällen Porto- oder andere Kosten verursachen wird.
Euer Hochwohlgeboren ersuchen wir daher ergebenst, Sich mit den Gemeinde-Vorständen Ihres Verwaltungsbezirks über die Angelegenheit in Verbindung zu setzen und wenn möglich eine Erklärung derselben darüber herbeizuführen, nach der sie bereit sind, die betreffenden Gebühren durch die Gemeinde-Steuerkassen unentgeltlich einziehen und an die Kreiskasse abliefern zu lassen.
x Da die Fälle, wo Vermeflungs-Gebühren erhoben werden müssen, nicht zu oft, in manchen Gemeinden auch nur vereinzelt vorkommen, so hoffen wir, daß die Gemeinde-Vorstände sich willfährig zeigen werden.
Bericht erwarten wir binnen 4 Wochen.
Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domänen und Forsten. 0. III. Nr. 1461. Blobel.
An die Königlichen Landräthe des Bezirks.
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tropfte es, und ab und zu fiel eine Schneelast mit dumpfem Ton herab. Die Mooskissen waren aufge- schwollen von eingesogenem Wafler, und das Gesträuch stand gebückt von der Schwere der Nässe, die es belastete. In den Wegen trieb eine lehmige Fluth. Zwischen Gestein bahnte sie sich den Weg, bald an einem Hinderniß aufschäumend, bald es mit sich fortwälzend, bis es an einem stärkeren haften blieb. So schoflen die Wasser zu Thal. Es rauschte und strömte, es sickerte und floß, immer neues quoll nach, aus den Bäumen, aus der Erde, unerschöpflich, überwältigend drang es hinab.
Rezel hatte Mühe, auf den zerrissenen Wegen fort- zukommen. Bald mußte sie hier ein Rinnsal überspringen, bald da vorsichtig über Steinen das Wafler durchschreiten. Dann wieder glitt sie auf dem schlüpfrigen Erdreich aus, und obwohl es nicht regnete, waren ihre Kleider von der feuchten Luft und den tropfenden Bäumen so durchnäßt, daß sie ihr schwer am Körper herabhingen. Den Knaben trug sie auf dem Rücken; so konnte sie ihr Gleichgewicht besser halten, und eine Hand blieb ihr frei, nach einem Halt zu greifen, wenn es noth that.
Anfangs that ihr die Anstrengung wohl. Nach dem müßig verbrachten Winter war es ihr eine Lust, sich so hart zit mühen. Aber eben, weil sie solches lange nicht gethan, erlahmten ihr die Kräfte eher, als sie es gedacht. Sie mußte sich mit Gewalt wieder aufraffen, wenn Jte einen Augenblick, an einen Baum gelehnt, gerastet
Hersfeld, den 27. Mai 1895.
Vorstehend abgedruckten Erlaß des Herrn Finanz- Ministers, sowie die Verfügung der Königlichen Regierung bringe ich hiermit zur Kenntniß der Herren Orts» Vorstände des Kreises mit der Auflage, mir bis zum 8. Juni d. Js. Bericht erstatten zu wollen, ob vor- kommendenfalls die Erhebung der Gebühren für kataster- amtliche Vermeffungsarbeiten durch die Gelderheber unentgeltlich eingezogen und an die Kreiskasse abgeliefert werden sollen, evtl. aber weshalb nicht.
I. Nr. 3020. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, __Geheimer Regierungs-Rath.
Bekanntmachung.
Wir haben genehmigt, daß der Forstkaflen-Nendant Creds zu Friedewald als Verwalter der Königlichen Forstkaffe zu Friedewald sich bei Behinderungs- fällen unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit durch' seine Ehefrau bei den inneren Kassengeschäften, besonders bei Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Forstkaffe zu Friedewald vertreten läßt.
Caflel, den 16. Mai 1895.
Königliche Regierung, Abtheilung für direcK Steuern, Romainen und Forsten. Schönian. H i n tz.
C. II./07970.
Politische Nachrichten.
Berlin, 28. Mai.
Se. Majestät der Kaiser begab sich heute früh um 7 Uhr 35 Min. von der Wildparkstation nach Jüterbog, um daselbst den.Schießversuchen beizuwohnen. Um 4 Uhr 5 Min. gedachte Allerhöchstderselbe in Wildpark wieder einzutreffen.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde das Gesetz über den Kredit für Arbeiterwohnungen in staatlichen Betrieben am 25. in dritter Lesung endgiltig angenommen, ebenso wurde die Novelle zum Kommunal- abgaben-Gesetz, welche die Doppelbesteuerung des äußer- preußischen deutschen Einkommens beseitigt, endgiltig verabschiedet. Eine längere Debatte erregte eine Petition des Pfarrers Szymanski in Groß-Dammer um Erthei- lung des Religionsunterrichts in polnischer Sprache an die Kinder polnischer Natio-
hatte. Doch jetzt hatte sie das Ende des Waldes erreicht. Aecker und Wiesen lagen vor ihr und unten das Dorf. Unwillkürlich that sie einen Schritt zurück. Es kam ihr erst jetzt wieder zum Bewußtsein, iK>hin sie sollte. Hernieder ins Dorf, wo der Hainbauernhof lag. Und sie mußte sogar daran vorbei; es gab keinen andern Weg zur Beate. Der Hainbauer suchte sie noch. Die Leute werden sie kennen, wenn sie mit dem Gustel her- abkommt und werden es ihm sagen; er kann ihr begegnen und den Knaben von ihr nehmen, er hat ja das Recht dazu, und hat auch das Recht, zu verlangen, daß sie kommt und auf seinem Hofe bleibt. Wieder flammte in ihrem Herzen der ganze Haß gegen den Gefürchteten auf. Sie ging einige Schritte zurück in den Wald und ! setzte sich dort auf ein Felsstück am Weg. Was sollte sie nur machen? Doch lange Zeit zum Denken hatte sie nicht; es mußte schon Nachmittag sein. Hinter ihr bewegte sich das Geäst. Ein Häher flog auf und ltrich durch die Bäume. Bei dem Geräusche schreckte sie. zusammen. Wenn jemand käme! Und doch, einen wünschte sie her, der würde ihr helfen. Aber nein, nicht hier unten, oben auf der Höhe wollte sie ihn wiedersehen. Ob er wohl noch weit von hier wohnte? Er hatte ihr von der Ebene erzählt, und wie die Leute es da halten; von dort her also mußte er sein. Aber — und neuer Muth ging ihr durchs Herz — was brauchte sie sich jetzt noch so vor dem Hainbauer zu fürchten. Der andere wird nicht zulassen, daß man ihr den Gustel nimmt, und um6 Hainbäuerin werden —!