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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt" n.Allustrirte landwirthschaftliche Beilage".

Rr. ßü. IsmicrflW öcn Mai 1815.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJllttstrirtes SoNtttags- blatt" undJllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, Tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 15. Mai 1895.

Den Herren Ortsvorständen werden in den nächsten Tagen die genehmigten Ordnungen über die Erhebung der Lustbarkeitssteuern zugehen. Dieselben sind sorg­fältig auszubewahren und vorkommenden Falls die darin enthaltenen Bestimmungen zur Anwendung zu bringen.

J. A. Nr. 1310. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Hersfeld, den 18. Mai 1895.

Für den am 24. Oktober 1878 zu Jbra, Kreis Ziegenhain, geborenen Adam Heinrich Stutz zu Kemme- rode ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsver- bande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. I. Nr. 2917. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Zugelaufen: ein schwarzes Jährlingslamm. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.

^tmmelfa^i.

Verlasset die Erde, die Heimath zu sehn!" Jetzt, da die Erde so schön ist? Baum und Strauch haben sich in Grün gekleidet, Saaten sprießen, Vögel singen, Bienen summen und die ganze Luft ist voller Wohl­geruch. Verlangen wir noch etwas Besseres, ist es nickt hier schön genug, um sich heimisch zu fühlen und zu weilen? Aber die Erde trägt nicht immer ihr Festge­

(Unbefugter Nachdruck verboten.) R r; e l.

Eine Dorfgeschichte von E. von der Decken.

(Fortsetzung.)

Die Sonne schien mit strahlender Klarheit auf die schneeige Höhenwelt hernieder, als der Hainbauer den Rückweg über den Kamm antrat. Er hatte das Holz­hauerdorf schon hinter sich und und sann darüber nach, ob die'Vorsicht es gebiete, heute an Ursels Hütte vor- überzugehen oder ob er mit einem Dank für die gestrige Herberge dort vorsprechen 'möge. Er konnte mit sich nicht ins Reine kommen und wünschte einen Zufall wie den gestrigen herbei, der ihm den Weg dahin ermöglichte. Da hörte er ein munteres Lachen und eine frohe Stimme, die rief:Ich fang' den Gustel, ich fang ihn," und um ein Felsstück herum tastete sich die ungeschickte Gestalt des Knaben, von Rezel auf dem Fuße gefolgt. Durch den unversehens vor ihn Tretenden erschreckt, strauchelte der Knabe und wäre gefallen, allein der Bauer griff zu und hob ihn mit kräftigem Arm in die Höhe.

Oho, oho das hätt' amend' 'ne blutige Nase ge­setzt, hier au den Steinen."

NezelS erstes Gefühl war Schrecken; dann blickte sie freundlich zu dem Manne auf.

Schön'n Dank, da grifft Ihr rechtzeitig zu."

Der Bauer hielt den Knaben noch immer aus dem Arm, und es kam Rezel vor, als drückte er ihn leise an sich.

wand, und selbst wenn sie es angelegt hat, werden gar oft rauhe Tage mit Schneeflocken und Nächte mit tückischem Reif zwischen eingestreut. Das Gefühl, auf Etüden ein Fremdling zu sein, verläßt den Menschen nicht, und wer ihm die Hoffnung auf eine bessere Heimath raubt, macht ihn sehr arm. In irgend welcher Gestalt findet man diese Hoffnung überall und zu allen Zeiten, und es ist merkwürdig, daß die Ahnung einer zukünftigen ungetrübten Seligkeit uns gerade dann erfüllt, wenn die Erde sich bemüht, uns ihr Schönstes zu bieten, wie in den wonnigen Lenzestagen. Um die Heimath zu sehen, muß man die Erde verlaffen.

Aus jener Heimath, die wir ahnen, ist ein Fremd­ling zu uns aus Erden gekommen, Jesus Christus, der eingeborene Sohn Gottes. Zu Weihnacht meldeten himmlische Boten den Hirten auf Bethlehems Fluren seine Ankunft. Sein Reden und Thun war lauter Liebe, und man schlug ihn ans Kreuz! Aber am dritten Tage stand er wieder auf von den Todten und blieb noch vierzig Tage bei den auf Erden lebenden Menschen. Schon war sein Leib in dieser Zeit den Gesetzen irdischer Körperlichkeit entnommen, er ging durch verschlossene Thüren, erschien und verschwand vor den ihren Augen kaum trav- nd- r Jüngern Konnte ? aber bleiben? Er mußte dahin zurückkehren, von wo er gekommen, das ist nach dem christlichen Glauben die Bedeutung der Himmelfahrt Jesu. Dem engeren Kreise der Seinen, welchem er bisher angehört hatte, wurde seine sichtbare Gegenwart entzogen, damit er fortan im Geist allen Herzen in göttlicher Allgegenwart nahe sein und seine Verheißung erfüllen könnte: ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!

Nun verwandeln ^sich die bloßen Ahnungen des Menschenherzens von einer besseren Heimath in die freudige Gewißheit des Glaubens an ein ewiges Leben. Jesus ging zum Vater, von dem er ausgegangen, und wir werden auch im Vaterhause Aufnahme finden. O Menschenherz, so freue Dich an diesem Tage voll seligen Ausblicks auf heilige Freuden, die Du einst genießen sollst durch den, der Dir den Weg gezeigt und die Stätte bereitet hat. Auf Erden blühen Maiglöckchen und Himmelsschlüssel und Du kannst Dich recht innig freuen an dem, was Dein Gott Dir geschenkt hat, aber es ist noch nicht das Letzte und das Beste; das ist d»s Jeru­salem droben, von Golde erbaut!

Himmelfahrt war für Jesum wie ein stiller, sonniger

's ist ein armes Kind," sagte sie in aufguellender Wärme des Herzens.Habt nochmals Dank, daß Ihr es vor dem Fallen bewahrt."

Der Bauer sah ihr gerade in die Augen, und unter dem Blick, der so eigen war, stieg ihr das Blut in die Höhe, und mit beklommenem Herzen sagte sie:

Euer Heimweg wird besser als der Herweg. Habt Ihr weit bis zu Haus?"

Ein paar Stunden zu gehen. Hent' ist's aber 'ne Lust; die Luft, zumal hier oben, ist wie Stahl. Das. muß Kräfte geben, wenn man hier wohnt."

Das thut's auch," erklärte Rezel eifrig, und strah­lende Gesundheit lachte aus ihrem Gesicht,der Bub' da hat erst hier oben das Laufen gelernt."

So? hat er? Wie alt ist denn das Kind."

Zehn Jahr ist's schon, bald wird es elf. Wie er Euch mag! So thut er sonst keinem Fremden."

Der Knabe hatte seinen schwerfälligen Kopf auf die Schulter des Bauern gelegt und murrte behaglich vor sich hin.Er ist müde, sonst süß er nicht so still."

So trag' ich ihn Dir in-das Haus, er wiegt gerad' nicht so leicht/

Mir ist er nicht schwer, ich hab' ihn schon schlimmere Wege getragen."

Um die Lippen des Bauern zuckte es wie Lächeln. Er hätte sagen mögen:Das glaub' ich wohl,damals als Du bist mit ihm von meinem Hofe geflohen." Aber er drückte die Lust seines Herzens nieder und schritt ge- lassen dem Mädchen voran, auf die Hütte zu.

Die Ursel hat mir 'ne gute Nachtstätte bereitet beim

Abend nach einem Tage voll schwerer Arbeit und bitteren Leides; für die Jünger, die ihm nachschauten, wie er gen Himmel fuhr, sollte nun erst der Tag der Arbeit beginnen, denn sie sollten ausziehen, für den die Welt zu erobern, der sich zur Rechten des Vaters gesetzt hat. So lag es vor ihnen, wie Morgendämmerung, uns aber weist Himmelfahrt hin auf den Morgenglanz der Ewigkeit.

' Aus dem Reichstag.

Berlin, 21. Mai. Der Reichstag berieth heute die Novelle zum Branntweinsteuergesetz in zweiter Lesung. Abg. Richter (frs. VolkSp.) widerspricht bei § 2 des Artikels I der Verlängerung der Kontingen- tirungsperioden von 3 auf 5 Jahre und meint, daß dadurch die bay­rischen Reservatrechte verletzt würden. Bayrischer Ministerialrath v. Geiger erwidert, daß in Bezug auf die Kontingentirungsperioden ein Reservatrecht nicht bestehe. Der Zuwachs am Kontingent könne freilich nicht ohne Weiteres vertheilt werden, da dies unter das Reser- vatrecht falle. Abg. Weiß (frs. VolkSp.): Es handle sich bei diesem I Gesetz nicht um das Jnterehe der gesammten Landwirthschaft, und auch nicht um dasjenige der kleinen Landwirthe. Er sei gegen da« Gesetz, gebe aber eventuell der Regierungsvorlage vor der KommissionSfastung den Vorzug. Der Referent Abg. G a m p (Reichsp.) betont, daß die Linke alle Veranlassung habe, der Tendenz des Gesetzes zuzustimmen, und die Redner jener Seite hätten sich in der That mit ihren poli­tischen Freunden, die der Kommission anqehörtex. in W -erspruck ee« legt; denn diese leten für möglichste Beseitigung von Beschränkungen beim Brennen eingetreten. Auf Antrag des Abg. Meyer (frs. Ver.) wird über die Verlängerung der Kontingentirungsperiode auf 5 Jahre namentlich abgestimmt und die fünfjährige Kontingentirungsperiode mit 167 gegen 66 Stimmen angenommen. Der übrige Theil des Para­graphen wird nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Sodann wird eine Reihe von Paragraphen ohne Debatte erledigt. Bei Artikel II § 1 führt Abg. Fischbeck (frs. VolkSp.) aus, daß seine Partei diesen Artikel sowie das Gesetz überhaupt ablehne, weil sie keinem Stande, weder dem Großgrundbesitz noch den Börsenspekulan­ten, besondere Vortheile gewähren wolle. Abg. H o l tz (ReichSp.): In der Kommission sei die Vorlage nach allen Richtungen gründlich durchberathen worden, so daß jeder Abgeordnete über seine Stellung zu dem Gesetz klar sein könne. Die Gegner der Vorlage verträten übrigens großkapitalistische Interessen. Abz. Wurm (sozd.) warnt «das Centrum vor der Annahme des Gesetzes. da eS vor den Wäh­lern dafür die VerantÄvrtnng tragen müßte, und betont, daß die kleiuen Genossenschaftsbrennereien durch die Vorlage bcuachthciligt würden. Staatssekretär Graf Posadowsky: Die Partei, der die Warnung deS Vorredners gegolten, stehe so fest, daß eS überflüssig sei, sie mit den Wählern zu schrecken. Die Genossenschaftsbrennereien seien keineswegs, wie von den Gegnern der Vorlage vielfach angenommen werde, ganz kleine Brennereien. Wer der Landwirthschaft einen Dünst erweisen wolle, der nehme die Vorlage an. § 1 des Artikels II wird in namentlicher Abstimmung mit 161 gegen 91 Stimmen angenommen.

Mathes; da kann ich ihr gleich meinen Dank dafür sagen."

Die Ursel trefft Ihr heut' nicht, sie wollt mit Ge­sponnenem zu Thal."

Nicht? Nun, so sprech' ich ein andermal vor, wenn ich wieder des Weges komme. Ich muß oft 'mal hin­über."

Er trat in die Hütte ein und setzte den Knaben dort nieder. Dann ließ er den Blick durch den engen Raum streifen und bot nun lächelnd dem Mädchen die Hand.

Leb wohl, Marie-Anne, grüß' mir die Ursel. Wir sehen uns wohl wieder," und damit ging er hinaus.

Rezel kam in die Thür und blickte ihm iiach.

Ja, wohl mußte die Luft hier oben von Stahl sein; der Mann schritt daher wi^ ein Junger, dem die Lust au allem unb die Kraft so recht frisch durch die Adern geht. , .

Gefunden, Gefunden!" so jubelte es in deö yaur bauern Seele, und was der gestrige Tag noch an Zweifeln in ihm gelassen, der helle Sonnenschein hier auf der Höhe und das Mädchen mit seinen klugen, wahr­haftigen Augen hatten alles verscheucht. Der Tag sonnte nicht mehr fern sein, wo er beide Hände nach der Ver­lorenen ausstrecken würde und sagen:Kommt zu mir, bei mir ist Eure Heimstätte." Und dann würde ihm sein Leben erst lebenswerth sein.

Von nun au geschah es öfter, daß der fremde Bauer bei der Ursel eintrat, und bald wurde er willkommen geheißen wie ein alter Bekannter. Er setzte sich nieder und redete mit der Ursel, er spielte mit dem Knaben