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ersseliier Srei^latt

Gratisbeilagen:Illustrirtes Ksnntagsblatt^^ n.)llustrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 58.

SoniKitoii Seil 18. Mm

1895.

Amtliches.

Gaffel, den 21. April 1895.

Nachdem der Mobiliar - Feuer - Versicherungs-Gesell­schaftConcordia" in Hannover auf Grund ihres revi- dirten Statuts vom 28. Juni 1892 die landesherrliche Genehmigung ertheilt worden ist und da der Wirkungs­kreis der Gesellschaft sich gemäß §. .3 des genannten Statuts auf die ganze Monarchie erstreckt, ersuche ich Euer Hochwohlgeboren ^ebenst, dem Geschäftsbetriebe

Hochgeboren der von der genannten Gesellschaft bestellten Agenten im hiesigen Bezirke keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen.

Der Regierungs-Präfident. Wirklicher Geheimer Öber-Regierungs-Rath. Haussonville.

An die Herren Landräthe des Bezirks rc. I. A. II.Nr. 3402.

Hersftld, am 15. Mai 1895.

Wird veröffentlicht.

I. 2457. Der Königliche Landrath

Freiherr v o n S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 14. Mai 1895.

Bei Durchsicht der Tabellen über die polizeilichen und technischen Revisionen der Maaße und Gewichte seitens des Königlichen Provinzial-Aichungs-Jnspektors hat sich zu bemerken gefunden, daß die von den Orts- volizeibehörden getroffenen Entscheidungen nicht immer gesetzlich waren.

Ich nehme dieserhglb Veranlassung, auf die Be­stimmungen unter Ziffer 10 der Anleitung zur Aus­führung der polizeilichen Maaß- und Gewichtsrevisionen vom 12. Juni 1886 (rothes Heftchen) hinzuweisen, deren genaue Beachtung ich fortab erwarte.

J. I. 2648. Der Königliche Landrath.

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

f Vaterländische Feste.

In einem betrübenden Gegensatze zn der 25jährigen Wiederkehr der ruhmreichen Kriegsthaten von 1870 steht die Zerklüftung unseres inneren politischen Lebens. Erst wieder die letzten ReichstagSverhandlungen haben den Beweis geliefert, daß unsere Parteien im gegen­seitigen Hader sich lahmlegen, während der Feind aller staatlichen Ordnung vor den Thoren steht.

Vor den Vertretern der sächsischen Städte hat Fürst Vismarck vor einigen Tagen unser Parteiwesen als das hingestellt, was sich immer wieder einem sicheren Ge­deihen des Reiches entgegenstemmt:Was uns heutzu­tage trennt, das sind nicht die Stammesverschiedenheiten, es sind nur die politischen Parteien, und die sind dazu gar nicht berechtigt." Und weiter hat der Altreichs­kanzler in scharfen Strichen die Führer dieser Parteien als Sänlenheilige, als Styliten, gezeichnet:Jeder stand auf seiner Säule und sagte: Hier müßt Ihr Herkommen, ich gehe nicht runter; die Säule wird ge­bildet aus folgsamen Gesinnungsgenossen, ich möchte sagen hypnotisierten Gesinnungsgenoffen des Partei­leiters, der sie beherrscht und bindet mit einem Mörtel aus Principien, die in ihrer Allgemeinheit auf "das praktische Leben durchaus unanwendbar sind. Diese Art der Eintheilung in stylitische Herrschergebiete ist die Gefahr, die uns jetzt bedroht." Unser Parteiwesen und die Gefahr, die es bedeutet, kann nicht deutlicher ge- kennzeichnet werden, als es hier durch den Mund Bis- marcks geschehen ist.

In nicht zu ferner Zeit werden sich an allen Orten wahre Vaterlandsfreunde znsammensinden, um die be­vorstehenden kriegerischen Gedenktage festlich zu begehen.

Da wird sich die Gelegenheit bieten, die streitenden Parteien daran zu mahnen, zu Ehren unserer vor 25 Jahren ruhmvoll für das Vaterland gefallenen Brüder und Söhne, zur Aufrechterhaltung des durch ihre Tapferkeit und den Opfermuth der noch überlebenden Veteranen jener großen Zeit neuerstandenen Deutschen Reiches das voranzustellen und zu pflegen, was uns eint, nicht aber das Trennende. Wir feiern aber auch in diesem Jahre noch ein anderes vaterländisches Fest, die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals, eines Werkes, ! das ohne die 1870/71 vollzogen» Einigung der deutschen Stämme zum staatlichen Reich niemals vollendet wäre.

Auch dieser Ehrentag, welcher deutschen Untere nehmungsgeist und opferwillige Ausdauer krönt, sollte uns allen ein Mahnruf sein, dem jämmerlichen Zwie­spalt und Widerstreit in unseren inneren Parteikämpfen ein Ziel zu setzen und tret großartigen Erscheinung des neuen deutschen Reiches, als ebenbürtiger Weltmacht neben den anderen großen Nationen, dessen befriedigende Zustände im Innern an die Seite zu setzen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 16. Mai.

Se. Majestät der Kaiser brach am Dienstag früh um 4 Uhr zur Pürsche vou Schloß Wistschkowitz auf und erlegte auf derselben acht Rehböcke. Das Frühstück nahm Se. Majestät um 8'/2 Uhr im Walde ein und kehrte gegen 11 Uhr Vormittags nach dem Schlosse zu­rück, wo um 2 Uhr die Mittagstafel und nach Rückkehr Sr. Majestät von der Abendpürsche die Abendtafel statt- fand. Das Wetter war den ganzen Tag über prachtvoll. Am gestrigen Morgen brach Se. Majestät bereits um 3/, Uhr zur Pürsche auf, streckte auf derselben sechs Rehböcke und nahm das Frühstück wiederum im Walde ein. Gegen 11 Uhr erfolgte die Rückkehr nach dem gräflichen Schlosse. Nach den bisher getroffenen Bestimmungen gedachte Seine Majestät heute Abend Wirschkowitz zu verlassen und von Militsch um 10 Uhr die Reise nach Proekelwitz über Thorn, Osterode rc. mittelst Sonderzuges anzutreten, wo die Ankunft morgen früh um 8 Uhr in Aussicht genommen war.

Mit Rücksicht auf die Arbeiten der Justizkommission hat man eine Zeit lang erwogen, ob es sich nicht em­pfehle , den Reichstag nur zu vertagen, nicht zu schließen. Man ist von diesem Gedanken aber jetzt zu­rückgekommen; der Reichstag wird also geschloffen werden. Und zwar steht zu hoffen, daß die wichtigsten Arbeiten bis Mitte nächster Woche erledigt sein werden, der Schluß der Session also zu diesem Zeitpunkt erfolgen kann.

In der Kommission des Reichstags für die Novelle zum Brauntweinsteuergesetz wurden ant Donnerstag in vierstündiger Sitzung die Beschlüsse erster Berathung fast durchweg in zweiter Lesung bestätigt. Angenommen wurde noch ein Antrag der Abgg. Dr. Paasche (nl.) und Müller-Fulda (C.), der lautet:Die vor dem 22. März 1895 nachweislich abgeschlossenen Verkäufe an Spiritus, welche auf Grund von vor dem 22. März 1895 gemachten Einkäufen von Melaffe be­ruhen, können in der Zeit vom 1. Juli bis zum 30. September zu den nach dem bisherigen Gesetz geltenden Steuerbedingungen erledigt werden." Ferner wurde eine vom Abg. W u r m (Soz.) beantragte Resolution angenommen, welche die Regierung auffordert, Maßregeln gegen die Verfälschung des Trinkbranntweins zu ergreifen.

Zu den, wie gemeldet, am 18. d. M. stattfindenden Sachverständigen - Berathungen über die bessere O r - ganisirung des Kredits für die Mittel- st ä n d e auf dem Lande und in den Städten sind auch, wie diePost" hört, mehrere Handwerker eingeladen worden, welche auf dem in Frage stehenden Gebiete über langjährige Erfahrungen verfügen.

Im Reichstag kam am Mittwoch ein Antrag der freisinnigen Vereinigung auf Abänderung des R e i ch s t a g s w a h l g e s e tz e s , wonach das Wahl­geheimniß mehr gesichert werden soll, zur Berathung.

Wegen Veschlußunfähigkeit konnte die Abstimmung nicht zu Ende geführt werden. Im Lauf der Debatte erklärten die konservativen Abgeordneten von Buchka und Graf Limburg-Stirum, daß ihre Partei den von einzelnen Blättern und Persönlichkeiten der Rechten geäußerten Wünschen, betreffend Aufhebung des allgemeinen Wahl­rechts, fern stehe.

Die Grundsteinlegung zum Rational-Denkmal für Kaiser Wilhelm I. in Berlin wird mit großer Feier­lichkeit voraussichtlich am 15. Juli stattfinden. Der Grundstein wird in einem hallenartigen Raum unter­halb des späteren Sockels gelegt.

Bei Berathung über den Antrag K a n i tz in der Kommission äußerte am Mittwoch der sozialdemokratische Abgeordnete von Vollmar, den Gedanken der Verstaat­lichung der Getreideeinfuhr könne er prinzipiell nicht zurückweisen, da diese ein Weg zum sozialdemokratischen Staat sei. Graf Arnim entgegnete, es handle sich nur um einen Versuch auf dem Boden der bestehenden Ge­sellschaftsordnung; zum Sozialismus würde derselbe nicht führen.

Die Berichte aus Cuba widersprechen sich fortwährend. Bald wollen die Regierungstruppen, bald die Aufständischen einen großen Sieg erfochten haben. Man wird erst nuner*' ^Ic^?.Nachrichten abw>rten ehe man sich ein Urtheil bilden kann.

Auch in Syrien ist es zwischen Christen und Muhammedanern zu Thätlichkeiten gekommen. Es sind Truppen nach Sur (Tyrus) abgegangen.

Die Regierung der südafrikanischen Boern-Republik Transvaal, die erst vor wenigen Monaten den Feldzug gegen den Häuptling Malaboch mit Glück be­endete , steht vor einem neuen großen Kriege mit den Eingeborenen im Bezirke Zoutpansberg. Es ist dies der nördlichste Distrikt der südafrikanischen Republik. Die Boern behaupten, die Eingeborenen hätten durch die Engländer Gewehre erhalten.

Der Fehlbetrag des Schatzes der Vereinigten Staaten von Nordamerika für dieses Jahr beträgt bis jetzt über 50 000 000 Dollars; für das ganze Jahr wird der Fehlbetrag wahrscheinlich mehr als 55 Millionen Dollars betragen.

In Arizona haben I n d i a n e r b a n d e n verschie­dene Bergarbeitergesellschaften angegriffen; Kavallerie ist entsendet worden, um die Indianer zu verfolgen. Es wird ein allgemeiner Aufstand befürchtet.

Aus Provinz und ftujfaitiitL

Hersfeld, den 17. Mai 1895.

* Dem Entwurf des Zuckersteuer-Nothgesetzes sind statistische Materialien beigefügt, welche für die Zeit vom Jahre 1871/72 bis 1894/95 einen Ueberblick der Entwickelung der Z u ck e r i n d u st r i e gewähren. Wäh­rend in diesem 23jährigen Zeitraum die Zahl der Zucker­fabriken von 311 auf 405 wuchs, hat sich die Menge der verarbeiteten Rüben von 21 auf 195 Millionen Doppelzentner, die Menge des daraus gewonnenen Roh­zuckers, einschließlich des durch Melasseeutzuckerung ge­wonnenen, von 186419 auf 17 191559 Doppelzentner vermehrt. Am Anfänge der Periode waren zur Her­stellung eines Zentners Zucker 12,07, am Schlüsse nur noch 8,43 Zentner Rüben erforderlich. Gleichzeitig sank die Einfuhr von Zucker, Syrup und Melasse von 497 556 auf 9242 Doppelzentner, während die Ausfuhr von Zucker in Rohzucker berechnet von 140605 aus 5 670 357, an Syrup und Melasse von 8563 auf 227592 Doppelzentner stieg. Unter Berücksichtigung der Ein­und Ausfuhr standen 1871/72 zur Verwendung im Jn- lande 2 221 370, 1894/95 aber 11 530 444 Doppelzentner Rohzucker oder per Kopf der Bevölkerung 5,52 resp. 6,93 Kilogramm. Der Preis für Rohzucker stellte sich im August 1890 auf 37,10, im Februar 1895 auf 19,75 Mark für den Doppelzentner und betrug im Jahresdurch­schnitt 1890/91: 35,50 Mark, 1891/92: 36,47 Mark, 1892/93: 31,47 Mark, 1893/9 4: 27,22 Mark.

* Folgende Gebiete Süd-Afrikas: Basuto-