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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt^^ n.Zllustrirte landwirthschaftliche Beilage".

O SÖiiÄT« M

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Schultheiß zu Hersfeld hat unter seiner völlen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Conrad Müller zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Kreis- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt. Cassel, den 2. Mai 1895.

Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten. 6.1. 4347. Schönian.

Hersseld, den 7. Mai 1895.

Zufolge höherer Verfügung nehme ich Veranlassung, die Ortspolizeibehörden auf die hinsichtlich der Anzeige­pflicht bestehenden Vorschriften, insbesondere die §§ 157 und 161 der Strafprozeß-Ordnung hinzuweisen, deren genaueste Beachtung unbedingt erwartet werden muß. Der Königlichen Staatsanwaltschaft ist namentlich auch von allen solchen in versicherungspflichtigen Betrieben vorkommenden und gemäß § 53 des. Unfallversicherungs­Gesetzes vom 6. Juli 1884 untersuchten. Unfälle zur strafrechtlichen Nachprüfung Anzeige zu erstatten, welche j nach der strafrechtlichen Seite hin zweifelhaft erscheinen | können.

J. L 2542. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Cassel, den 26. April 1895.

Im Kreise Eschwege hat seit mehreren Monaten der österreichische Unterthan Josef Brokesch aus Klanzow in Böhmen, angeblich Uhrmacher, von Ort zu Ort ziehend, die Bewohner veranlaßt, ihm Uhren in Reparatur zu geben, die Reparaturen aber meistens so schlecht ausge­führt, daß das Publikum um die bezahlten Reparatur- kosten geprellt ist.

Brokesch besitzt keinen Wandergewerbeschein und ist schon wiederholt wegen Gewerbesteuerkontravention bestraft.

Für den Fall, daß Brokesch in Ihrem Amtsbezirk auftauchen sollte, wollen ihn Ew. Hochwohlgeboren an der Fortsetzung seines gemeinschädlichen Treibens thun- lichst zu verhindern suchen.

Der Regierungs-Präsident, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath.

I. V.: von Pawel.

An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks rc.

A. II. 3602. * * *

Hersfeld, den 7. Mai 1895.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

Falls rc. Brokesch auch im hiesigen Kreise seine be­trügerischen Leistungen beginnen sollte, ist derselbe fest- zunehmeu und zur Anzeige zu bringen.

^ 2546. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 8. Mai 1895.

Für den am 22. Januar 1879 dahier geborenen Metzgerlehrling Ernst Schneider ist um Entlassung aus dem diesseitigen StaatSverbande behufs Aus- wanderung nach Amerika nachgesucht worden.

"^^ Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz ,

Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thumers bet dem Ortsvorstand zu Beiershausen.

Am 20. Mai, Vormi't ta g /' Uhr, soll im Gasthause von J. Stein dahier die Frühlings- Conserenz des Kreisschulinspectionsbezirks Hersfeld I abgehalten werden. Die Herren Ortsfchulinfpecloren und Lehrer werden dazu ergebenst eingeladen. Nieveraula, den 9. Mai 1895.

Der Kreisschulinspector: Gerl a ch.

Wchlamtliches.

Ae ziveite Lesiinz her IlmstW-Korkze.

Im Reichstage hat am Mittwoch die zweite Be­rathung der sogenannten Umsturzvorlage oder, wie der amtliche Titel lautet, desGesetzentwurfs, betreffend Aenderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuchs, des Militärstrafgesetzbuchs und des Gesetzes über die Presse" begonnen.

Bevor in die Berathung eingetreten wurde, ergriff der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe das Wort, um die Grundlage der Vorlage und den guten Zweck, den die verbündeten Regierungen damit verfolgen, zu vertheidigen. Einen besonderen Eindruck machte die Kritik, die der Reichskanzler an den von den Gegnern der Vorlage ver- anstalteten Entrüstungs-Versammlungen übte. Er habe, führte Fürst Hohenlohe aus, eine zu hohe Meinung von dem Volk der Denker, als daß er es wagen könnte, an- zunehmen, daß die geistige Arbeit eines deutschen Philo­sophen, daß der große weltbewegende Kampf der Geister, der Fortschritt der Menschheit gehemmt werden könnte durch gesetzliche Bestimmungen und Strafandrohungen Zum Schluß drückte der Reichskanzler die Erwartung aus, daß der Regierung die Mittel an die Hand gegeben würden, revolutionären Bestrebungen mehr als bisher entgegentreten zu können.

Die Debatte erstreckte sich nur auf den Paragraph 111, der von der Anpreisung und Verherrlichung von Verbrechen handelt. Da aber der Reichskanzler über die Vorlage im Ganzen gesprochen hatte, so legten auch die übrigen Redner ihre grundsächliche Stellung zu der Vorlage klar. Es kamen Redner aller Parteien zum Worte. Die Ausführungen, die als erster aus dem Hause der freisinnige Abgeordnete Dr. Barth machte, war ebenso lang wie nichtssagend. Es gelang ihm daher auch uicht, die allgemeine Aufmerksamkeit zu fesseln. Er suchte u. a. nachzuweisen, daß die Sozialdemokraten ihren revolutionären Charakter verloren und sich zu einer Reformpartei entwickelt hätten. Von dieser eigenthüm­lichen Voraussetzung aus gelangte er zu dem Schluß, daß man nichts Verkehrteres thun könnte, alsdurch strafgesetzliche Beschränkungen der allgemeinen Ent- wiLelungsfreiheit diesen naturgemäßen Gang der Ent­wickelung zu unterbrechen", und rieth, die ganze Um­sturzvorlage abzulehnen. Dem Redner der Konservativen, Herrn v. Manteuffel, fiel es leicht, die Ansichten seines Vorredners von der Ungesährlichkeit der Sozialdemokratie zu widerlegen. Im klebrigen betonte er, daß für seine Partei das ganze Gesetz unannehmbar sei,' wenn die Aufreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt nicht unter Strafe gestellt würde. Die vom Abgeordneten von Kardorff im Namen der Reichspartei verlesene Erklärung stimmte im Wesentlichen mit diesem Standpunkte überein.

Die Sozialdemokraten schickten den Abgeordneten Auer ins Gefecht, der natürlich die Vorlage in Bausch und Bogen ablehnte. Er gerieth dabei so in Harnisch, daß er sich einen Ordnungsruf zuzog, weil er den Par­teien des Hauses vorwarf, daß sie nach einer blutigen Auseinandersetzung strebten. Erfrischend waren die Worte des Kriegsministers Vronsart von Schellendorff, der in Bezug hierauf folgendes erwiderte:Der Vorredner wendete sich ah mich persönlich und sagte, die Sozial- bemofraten würden sich hüten, sich als Zielobjekt vor das 8 Millimetergewehr zu stellen. Er drückte das so aus, die Armee lege einen großen Werth darauf, solche Versuche zu machen. Ich muß erklären, daß die Armee es als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet, an die Grenze zu marschieren und, wenn es erforderlich ist, den Feind zu schlagen. Die Armee hat das Bewußtsein, daß der Lorbeer, mit dem sie ihre Fahnen schmückt, nicht auf den Straßen wächst, wo man unbotmäßige Dübelmassen zu Paaren treibt. Wir halten es für angemessener,^ baß der Polizei und der Fenerwehr zu überlassen!" (Stür­mische Heiterkeit.) Da der nationalliberale Abgeordnete Enneccerus die Vorlage für unannehmbar erklärte und

auch der Redner der Polen, der Abgeordnete von Wolsz- legier, gegen den § 111 in der Kommissionsfassung sprach, so stand das Centrum in der Vertheidigung der Kommissionsbeschlüsse allein da. Auch dem Centrum ge­fallen indessen nicht alle Beschlüsse der Kommission, es behält sich aber die Schlußabstimmung über die ganze Vorlage ausdrücklich vor. Ganz ablehnend verhält sich die freisinnige Volkspartei, theilweise ablehnend die deutsche Reformpartei. Erst aus der weiteren Ver­handlung wird sich das Schicksal der Vorlage ersehen lassen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 9. Mai.

Se. Majestät der Kaiser fuhr heute früh gegen 8 Uhr von der Wildparkstation nach Berlin, verließ am Bahnhöfe Großgörschenstraße den Zug, stieg hier zu Pferde und begab sich nebst Gefolge nach dem Tempel- Hofer Felde, wo Allerhöchstderselbe die Bataillone des 3. Garderegiments z. F. und das Garde-Pionierbataillon besichtigte. Nach der Besichtigung ritt Se. Majestät an der Spitze des genannten Regiments zur Stadt und nahm im DffiAe. / no dek^lbsn^das Frühstück ein. Im Laufe des Nachnsittags gebadete Se. Majestät nach dem Neuen Palais zurückzukehren.

Die Nordlandsreise des Kaisers wird sich, wie dieNationalztg." meldet, in diesem Jahre nicht nach Norwegen, sondern gutem Vernehmen nach, nach der Ostsee erstrecken. Dabei ist der Stadt Stock­holm ein Besuch zugesagt.

Aus Friedrichsruh wird über eine neue Huldi­gung des F ü r st e n B i s m a r ck berichtet. Am Mittwoch Morgen trafen 116 Vertreter von 72 fächsi- schen Städten dort ein. Der Oberbürgermeister Dr. Dittrich-Plauen hielt eine Ansprache an den Fürsten und überreichte sodann den gemeinsamen Ehrenbürger­brief. Der Fürst erinnerte in seiner Erwiderungsrede an den Krieg vom Jahre 1866, an die Machtstellung Sachsens mit Polen und wies darauf hin, daß das Deutsche Reich wieder als eine leitende Macht mit an der Spitze Europas stehe. Die Kämpfe deutscher Stämme miteinander seien in den Dynastien begründet gewesen, deren Einigkeit nunmehr auch die nationale Einigkeit sichere. Schließlich kritisierte der Fürst sehr lebhaft das heutige Parteiwesen, er sei versucht, den politischen Parteien ein Pereat zu bringen, ziehe aber ein Hoch auf den König von Sachsen, den Mitkämpfer von 1870/71 vor.

Die Einladungen an die Mitglieder des Reichstages und des Abgeordnetenhauses zur Theilnahme an der Feier der E r ö f f n u n g des N o r d o st s e e k a n a l s sind nunmehr ergangen. Das Programm hat noch eine Erweiterung dadurch erfahren, daß der Bremer Senat die Mitglieder zu einem Besuch Bremerhavens und Bremens und zu einer Festsitzung im Bremer Rathskeller eingeladen hat.

Die Reichstags-Kommission für die Novelle zum Zollvereinigungsvertrag, betreffend die Kommunal- b e st e u e r u n g von Wein, ist zusammengetreten. Ueber die Vorlage entspann sich eine längere General­debatte , in der im Wesentlichen die Ausführungen der ersten Lesung im Plenum wiederholt wurden.

Aus Philadelphia wird derTimes" vom 8. d. M. berichtet: 4500 Arbeiter haben wegen der Nicht- bewilligung höherer Löhne und verminderter Arbeitszeit in den Werken der Jllinois-Stahl-Kompagnie in Süd- Chicago und in Joliet-Jllinois die Arbeit eingestellt. Voraussichtlich werden sämmtliche Werke geschlossen. Die Ausständigen in Süd-Chicago griffen in der vergangenen Nacht die Werke an, wurden aber von der Polizei zu- rückgetrieben. Auf beiden Seiten wurden mehrere Per­sonen verwundet.

Die Ratifikationen des Friedensvertrags zwischen C h i n a und Japan sind am Mittwoch in Tschifu ausgetauscht worden. Aus Hongkong sind Nachrichten in London eingetroffen, wonach die japanische Regierung