Einzelbild herunterladen
 

....... - " -^^--^-........ =v

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg, exel. Postansschlag.

f . ~i

T'e Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg.. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

>>........- -1A

Gratisbeilagen:Allustrirtes Sonntagsblatt" u.Allustrirte lanbwirthschaftliche Beilage".

Rr^T Lmtchß den 25.~^ril M.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den GratisbeilagenJllltstrirtes Sotttttags- bUtt" undJllustrirte landwirthschaftliche Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

In Moltkes Todestag. z gest. 24. Aprik 1891.

Gestorben ist der große Schlachtendenker, aber er lebt noch; sein Andenken wird nimmermehr im deutschen Vaterlande erlöschen, und es wird jetzt wieder besonders unter uns lebendig werden, wo wir bald in die 25 jäh­rige Erinnerung an die kriegerische Erhebung Alldeutsch­lands gegen französischen Uebermuth eintreten. Moltke weilte zu der Zeit jenes unerhörten Vorgangs in Eins im Juli 1870, der den Krieg zwischen Deutschland und Frankreich freventlich heraufbeschwor, auf seinem Landsitz Kreisau in Schlesien, der Erholung und Ruhe pflegend. Als ihn durch den elektrischen Funken seines Königs Befehl erreichte, an dessen Seite zu eilen, da verjüngte sich sein Antlitz. Die, welche Moltke in jenen Tagen gesehen, behaupten, er habe plötzlich um zehn Jahre jünger ausgesehen. Ruhig blickte er dem Kommenden entgegen, denn er konnte sich das Zeugniß geben:Es ist alles bereit!" Das entsprach der Wahrheit, während Frankreichs Kriegsminister dies inhaltsschwere Wort auch prahlerisch auf seine Lippen nahm, das aber im Hinblick auf die Wirklichkeit sich als Lüge erwies.

Der große Feldmarschall und Generalstabs-Chef war, wie bekannt, sehr bescheiden, was seine Verdienste anbe­langt; aber über einen Punkt hat er sich doch sehr klar ausgesprochen: über sein Verhältniß zu seinem Könige und gleichzeitigen Oberfeldherrn im Felde. Wir er­fahren durch Moltke selbst die bemerkensmerthe Thatsache, daß weder 1866 noch 1870/71 jemals ein Kriegsrath stattgefunden. Lassen wir den Feldmarschall selbst sprechen:Außer an Marsch- und Gefechtstagen war regelmäßig um 10 Uhr Vortrag bei Seiner Majestät, wobei ich, begleitet vom General-Quartiermeister die ein- gegangenen Nachrichten und Meldungen vorzutragen und auf Grund derselben neue Vorschläge zu machen hatte.

«.Unbefugter Nachdruck verboten.) R e; r L

Eine Dorfgeschichte von E. von der Decken.

(Fortsetzung.) Drittes Kapitel.

Der Bauer war beerdigt, und alles ging wieder seinen gewohnten Gang. Nur eines war ungewohnt: die Bäuerin hatte keine scheltenden Worte für Nezel, mit denen sie sonst nicht gekargt. Nezel fühlte an dem Zittern ihres Herzens, daß dies Böses bedeutet. Unb sie hatte recht.

Daß die Bäuerin jetzt nicht, wie sie das sonst gethan, bei jeder Gelegenheit zufuhr, um sie zu kränken, hatte seinen Grund darin, daß sie Nezel jetzt völlig in ihrer Macht wußte. Nur war keine Eile mehr von Nöthen; es gab jetzt Niemand mehr, vor dem sie mit ihren Quälereien zurückzuhalten brauchte, und sie konnte sich jetzt volle Genugthuung verschaffen für die Qual ge­kränkter Eitelkeit, die sie in ihrer Ehe erduldet hatte. Es war ihr nicht verborgen geblieben, daß sie die Liebe ihres Mannes nie besessen. Ihr Herz hatte darum nicht geblutet, aber ihre Eitelkeit hatte in heimlicher Qual gezuckt, und sie wußte nur zu gut, wer die Schuld daran trug. Und nun endlich, wo die Tochter dieser Gehaßten ihr ganz in die Hände gegeben war, wollte sie an ihr Rache nehmen für das, was die Mutter schuldlos ver­schuldet. Daß Nezel allen Launen und Lieblosigkeiten

Zugegen waren der Chef des Militär-Kabinets, der Kriegsminister und in Versailles, so lange das Haupt­quartier dort lag, auch der Kronprinz, alle jedoch nur als Zuhörer. Der König forderte von ihnen zuweilen Auskunft über das eine oder das andere, aber ich er­innere mich nicht, daß er sie jemals um Rath gefragt hätte, die Operationen oder die von mir gemachten Vor­schläge betreffend. Diese, welche ich stets zuvor mit meinen Offizieren besprochen, unterwarf vielmehr Seine Majestät selbst einer meist sehr eingehenden Erwägung. Derselbe bezeichnete mit militärischem Blick und stets richtiger Würdigung der Sachlage alle Bedenken, welche der Ausführung entgegenstehen konnten; aber da im Kriege jeder Schritt mit Gefahr verbunden ist, so blieb es schließlich ausnahmslos bei dem Vorgeschlagenen." Stellen diese Worte einerseits König Wilhelms Ver­halten als Oberfeldherr in ein sehr klares Licht, so zeigen sie andererseits auch, daß der Monarch von der mit ruhigster, ernstester Erwägung so wunderbar ge­paarten hohen Begabung seines Generalstabs-Chefs so durchdrungen war, daß er, ihm unbedingtes Vertrauen schenkend, ihm willig freie Hand ließ, seinen Rath- und Vorschlägen immer Folge gab. Durch dies beispiellose Verhältniß zwischen beiden großen Männern konnte Moltkes Größe auf ihrem eigensten Gebiete zur vollsten Entfaltung kommen, und das ist eins der Geheimnisse der deutschen Siege 1870/71. Moltke hätte aber nicht so kühn, wie er oft gethan, planen können, wenn er nicht fest davon überzeugt gewesen wäre, daß seine Pläne durch die deutschen Feldherrn, Führer und Truppen solche Ausführung finden würden, wie es geschehen.

Vereint mit unserm Kaiser stehen wir am 24. April dankbewegten Herzens im Geiste an der Ruhestätte des großen Mannes in der stillen Kruft zu Kreisau. Mögen auch von ihm, wie von allen großen Todten die Dichter­worte gelten:

Segnend waltet ihr Gedächtniß über uns Gestirnen gleich, Und in ihrer Kraft Vermächtniß fühlen wir uns groß und reich!"

Politische Nachrichten.

Berlin, 23. April.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r ist heute mittels Sonderzuges in Dresden eingetroffen und vom

i nicht weichen werde, wußte sie auch, denn sie errieth mit dem bei ihr durch Schuld verschärften Wahrnehmungs­vermögen des Weibes, daß sie die Sorge für den un­glücklichen Knaben wie ein Vermächtniß des Todten an- sehen und daran festhalten würde.

Der Tag der Testaments - Eröffnung kam. In schwerer Trauerkleidung, wie solche sich für die gehörte, die nun die Vertreterin des größten Gehöftes der Um­gegend war, bestieg. Frau Christine den Wagen, um zur Stadt zu fahren. Den Gruß der Leute im Dorf er­widerte sie mit maßvoller Würde, und die Nachblickenden sparten nicht an Vermuthungen über das, was die Hoheits- volle zu erwarten habe.

Freilich wird er ihr den Hof verschrieben haben. Wem sollt' er's denn, dem Jungen doch nicht."

Und der Nezel?"

Das thut er der Bäuerin nicht an."

Die Bäuerin hat viel zugebracht; so gehört ihr das Meiste von selber."

Je nun, ihr Zugebrachtes könnt' sie ja 'raus kriegen. Ich verschrieb ihr den Hof nicht. Nachher heirath' sie, und der Gustel kann sehen, wo er 'was zu essen herkriegt."

Nu, nu; ihr eigen Fleisch und Blut wird sie doch nicht vor die Thür thun."

Die? Die thut alles, wenn's ihr in ihren stolzen Kram paßt."

Spart Euch nur 's Reden.' Die mag erst gar keiner. Der Bauer hätt' sie auch nicht genommen, wenn's der Alte nicht so hart gewollt hätt'."

König und der K ö n i g i n auf das Herzlichste begrüßt worden. Das zahlreich angesammelte Publikum brächte Sr. Majestät dem Kaiser begeisterte Hochrufe dar. Der Kaiser nahm später in der Villa Strehlen mit dem Königspaare das Frühstück ein. An der Nachmittags stattgefundenen Familientafel nahmen auch die Prinzen und Prinzessinnen, die Herzogin von Schleswig-Holstein mit der Prinzessin Feodora Theil. Im Schlosse war Marschallstafel zu 20 Gedecken. Abends 10 Uhr hat der Kaiser nach herzlicher Verabschiedung von der König­lichen Familie mit dem Gefolge von Station Strehlen aus die Weiterreise nach Carlsruhe angetreten.

DerReichs- und Staatsanzeiger" schreibt:Von denBerliner Politischen Nachrichten" und demHam­burger Correspondenten" werden Andeutungen verbreitet, als ob an maßgebender Stelle eine Zurückziehung der Umsturzvorlage aus den Berathungen des Reichs­tags in Aussicht genommen sei. Es ist dem gegenüber darauf hinzuweisen, baß die Einbringung der Vorlage auf einem Beschluß der verbündeten Regierungen beruht. Eine Entschließung des Bundesraths, durch die jener frühere Beschluß rückgängig gemacht werden würde, steht nicht in Frage. Die verbündeten Regierungen dürfen an der Erwartung festhalten, daß es in den weiteren Berathungen des Reichstags gelingen wird, der durch die Kommissionsberathungen erheblich umgestalteten Vor­lage eine Form zu verschaffen, welche den von den ver­bündeten Regierungen bei der Einbringung verfolgten Absichten gerecht wird."

Wie dieKöln. Ztg." mittheilt, hätte der deutsche Gesandte in Japan im Verein mit den Ge­sandten Rußlands und Frankreichs gegen den Friedens­abschluß zwischen Japan und China, speziell gegen die Abtretung der Halbinsel Liao-tong Einspruch erhoben.

Bei der am 19. April stattgehabten Berathung des Landwirthschaftsministers mit den Vertretern der sieben östlichen Provinzen behufs Besserung der länd­lichen Kreditverhältnisse wurde es haupt­sächlich für wichtig gehalten, auch den kleineren Wirth­schaften mehr den Kredit der landwirthschaftlichen Kredit­institute zugänglich zu machen und sie von den hoch ver­zinslichen Privat- und Sparkassenhypotheken zu befreien.

Der Reichstag hat seine Ferien beendet. Die zweite Lesung der U m st u r z v o r l a g e dürfte in nächster Woche erfolgen. Die Kommission tritt schon am Mittwoch, den 24., zur Feststellung des fertigen Be­richts zusammen.

Du liebe Zeit ja! Geld hat sie in die Wirth­schaft gebracht, aber gute Tage hat sie dem Bauern nicht gemacht, und die Geschwister, um deren Auszahlung wegen er die Reiche hat heirathen müssen, sind wegge­storben bis auf den Jüngsten, und der hat sich vom Bruder abgesagt, um der Schwägerin willen."

Ja, richtig, der Andrees, auf den hat man schier vergessen. Bald an die acht Jahr hat man nichts von ihm gehört. Weiß einer, wo der ist?"

Knecht soll er damals geworden sein bei 'nem Groß­bauern in der Ebene. Lieber wollt' er 'nein Fremden den strengsten Dienst thun' als mit ansehn, daß auf seinem väterlichen Hof ein solches Weibsbild regiert, hat er dem Bruder gesagt, und so sind sie im Bösen aus­einander gegangen."

Ja, ja, ich besinn' mich, der Andrees hat immer so was Harsches gehabt. Recht war's schon nicht, daß er dem Bauern das gesagt, wo's doch nun mal seine Frau war, aber wer weiß, ich hätt's am End' auch gethan," L

Um Mittag fuhr der Wagen mit der Bäuerin wieder ins Dorf. Neugierig lugten die Leute hinter den Fenstern hervor und hätten es ihr gern vom Gesicht abgelesen, wie der Inhalt des Testamentes gelautet.

Sie hat ihn," sagten die Einen, denn sie saß auf­recht da mit fest aufeinander gepreßten Lippen, und wenn ein Gruß ihr geboten wurde, neigte sie stolz wie . immer das Haupt zum Tanke. -e

Sie hat ihn nicht," sagten die andern.Sonst säl