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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Gratisbeilagen: „Allustrivtes Ssnntagsblatt^^ u. „Illustrirte landwirthschaftliche Beilage".
IsmerstW Seil 11. Wi
1895.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jttustrirtes Sonntagsblatt" und „Jllnstrirte landwirthschaftliche Beilage" pro 2. Quartal werden von allen Kaiserlichen Poftanftaltcn, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersseld, den 10. April 1895.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten in diesen Tagen die festgesetzten Gemeindesteuerlisten für 1895/96 mit der Veranlassung, dieselben vom 1 6. bis einschließlich 30. April d. I S. in ihren Geschäftslokalen auszulegen und den Beginn der Auslegung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen, mit dem Bemerken, daß dem Steuerpflichtigen gegen die Veranlagung binnen einer Ausschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist die Berufung zusteht und zwar
a. wenn die Veranlagung durch die Voreinschätzungs- Kommiffion ohne Beanstandung erfolgt ist, an die VeranlagungS-Kommission,
b. wenn die Festsetzung des Steuersatzes durch die Veranlagungs - Kommission stattgefunden hat, an die Berufungs-Kommission.
Der Vorsitzende der Cinkommensieuer-Verantagnngs-Aomnnssion.
Freiherr von S ch l e i n i tz', Geheimer Regierungs-Rath.
I. III. Nr. 976. ' _______________________
Hersfeld, den 6. April 1895.
Die Herren Ortsvorstände mache ich darauf aufmerksam, daß die durch die Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsruhe (R. G. Bl. 1895 S. 11/59) vorgeschriebenen Aushänge nebst den von den Gewerbetreibenden zu führenden Verzeichnissen, ebenso wie die übrigen Formulare zur Ausführung der Gewerbe-Ordnung von der Kortkampf'schen Verlags
Ksischen Vater iinii Sohn.
Familienroman von P. H e n k e s. (Fortsetzung.)
„Gott sei'S geklagt, daß ich's gethan habe!" ächzte Marianne, während sie verzweistungsvoll die Hände zu- sammenfaltete. „Wie konnte ich aber auch glauben und ahnen, daß Du gar so schlecht zu sein vermagst . . . trägst Schuld an meines armen Vaters Ende im Herzen und wagtest es dennoch, mir nach wie vor Deine Liebe zu bekennen . . . Du schworest es mir zu, daß Du unschuldig seiest . . . denkst Du," setzte sie, sich unwillig ereifernd, hinzu, „ich habe es vergessen, wie falsch und ehrlos Du Dich mir in letzter, lieber Stunde gezeigt hast, als ich um Deiu Glück beschloß, Deines Vaters Weib zu werden? . . . ach, daß mir da die Augen schon auf- gegangen wären . . . geh' . . . geh', kein Funken Ehre lebt in Dir! Du bist ein schlechter Wicht ... es fit auch nicht wahr, daß Du mich lieb gehabt hast, denn in Deinem Herzen herrscht nur die Selbstsucht und nur Dich selbst betest Du au!"
Das war alles in gar wirrer, übersprudelnder Halt über ihre Lippen gekommen; jetzt brach sie, während plötzlich wieder ein Gefühl tiefer, muthloser Schwäche sie ankam, das siebererglüheude Angesicht in beiden Händen bergend, auf den Stuhl zurück. Sie konnte es nicht hindern, daß ein krampfhaftes Schluchzen mit einemmal sie überkam und bittere, schwere Thränentropfen ihr aus den Augen über die abgezehrten Wangen herab- rannen.
buchhandlung in Berlin — Charlottenburg, Hardenberg- straße 20 — bezogen werden können.
I. I. 1574. Der Königliche Landrath.
__I. V.: Heeg.
Zugelaufen: ein kleines Schaflämmchen. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenk- lengsfeld.
Nichtamtliches.
Lharsreitag.
Joh. 19, 30. Es ist vollbracht.
Niemals ist auf Erden ein ähnliches Wort gesprochen worden wie dieses: „Es ist vollbracht!" Auch wenn ein reiches Leben nach langer Arbeitszeit und mit Erfolgen gekrönt zum Abschluß kommt, — wie viel fehlt doch immer noch daran, daß es von ihm heißen könnte: Es ist vollbracht! Wie viel ist unvollendet, wie viel Stückwerk geblieben! Wo wäre der Sterbliche zu finden, dessen Lebenswerk ohne Nest abgeschlossen, dessen Ziel erreicht, dessen Hoffnungen erfüllt waren, wenn er von hinnen geht? Und hier sehen wir einen Mann, den feindliche Gewalt mitten in seinem Laufe aufgehalten hat, dessen Unternehmen nach menschlichem Urtheil an der Ueber- macht seiner Feinde gescheitert ist, der in der Kraft seiner Jahre durch einen gewaltsamen Tod aus seinem Wirken herausgerissen, und auf den alle Schmach und Schande gehäuft wird, so daß auch sein Andenken entehrt bleiben soll. Und dieser Mann scheidet in vollkommenem Frieden aus der Welt ab und spricht im Vollgefühl des errungenen Sieges: „Es ist vollbracht!"
Nicht Menschenurtheil spricht aus diesem Worte, sondern der Geist Gottes selbst. Denn dieser Geist mißt nicht mit dem Maßstabe irdischer Größe und des Äußeren Scheines glänzender Thaten. Ein Werk ist es, das vor ihm Werth hat über alles, das innere Werk der vollkommenen Hingabe der Seele an ihren Schöpfer, der Rückkehr des Geistes in seinen ewigen, göttlichen Ursprung. Das hat der Heiland vollbracht für die ganze Welt; sein Erdenwandel ist die Erfüllung bessert, was Gott von seinen' Menschenkindern zu fordern hatte; seinen Tod hat er für uns alle gelitten; in seinem Leben sind wir alle zum Leben erwacht.
Max stand mit hängender Unterlippe, einen b'ösen, gleißnerischen Blick in dem unverwandt auf Marianne gerichteten Augenpaare. Zorn und Enttäuschung prägten sich immer nachhaltiger in seinen verzerrten Zügen aus. Dann hob er plötzlich ein wenig den Kopf.
„Das ist ja die reine Predigt . . . das ist eine saubere Liebe, die einem den Abschied giebt, kaum daß man einmal fünftausend Mark fordert — ja, ja, sei nur still — darum handelt es sich ausschließlich!" fügte er hinzu, als ihn Marianne mit einem stolzen, verächtlichen Blicke maß. „Bist eben eine feige Knechtesseele . . . pfleg ihn nur fein sauber, den Mann, der mir das schlimmste Herzeleid zugefügt, mich schlimmer behandelt hat, wie einen räudigen Hund im Stalle ... er hat's ja um Dich verdient, haha!" fuhr er mit grimmem Höhne fort. „Deine Stirn sieht gut zugerichtet aus, das war der erste Streich, mit dem er Dir den Ehestand einge- segnet hat — es ist gerade wie beim Stehlen, das erste Mal geht's am schlimmsten — nun aber, da er Dich sein in der Zucht hat — paß' auf, wie bald ihm das Schlagen geläufig ist!"
„Er wird keine Gelegenheit dazu finden!" entgegnete Marianne, finster vor sich hinbrütend. „In wenigen Tagen ist Alles vorüber . . . Alles!" fetzte sie dann plötzlich aufschluchzend hinzu und streckte abwehrend beide Hände gegen den sie umschlingen Wollenden aus. „ „Geh' — weiche von mir, Du schlechter, ehrloser Bube!" schrie sie dann flammend auf. „Ich hasse Dich, ich verachte Dich, denn Du hast mit den Gefühlen meines Herzens falsch und treulos gespielt! Wenn ich Deinen Vater
Er darf sterbend sagen: „Es ist vollbracht!" Denn es ist das heiligste Leben, was hinter ihm liegt. Wir nennen heilig alles, was Gott angehört, und was hätte es je gegeben, das Gott vollkommener geweiht war, als das Leben des Herrn? War es doch ein Leben in dem vollkommensten Gehorsam, einem Gehorsam, der davon lebte, Gottes Willen zu thun und Gottes Werk zu vollenden , einen Gehorsam, der in der Versuchung durch Gottes Wort sich aufrecht hielt, im Leiden in Gottes Willen sich ergab und bis zum Tode am Kreuz demüthig sich unter Gottes Leitung beugte. Solch ein Gehorsam ist nur da möglich, wo das Herz völlig im Glauben mit Gott vereinigt ist. Der Geist aus Gott, der in ihm lebte, gab ihm allezeit das Zeugniß, daß er des Vaters Sohn fei, und am Ende, da alles für ihn verloren schien, hatte er alles gewonnen als er sprach: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!"
In diesem Werke ist vollbracht, was für alle Zeiten und alle Seelen der Menschen das nothwendigste und wichtigste ist. Die Thür ist Christus, in ihm ist der Zugang zum Vater aufgethau. Und Christus ist der Weg; er hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen. Das ruft uns das Fest seines Leidens und Sterbens raut und mahnend zu: „Ein jeder sei gesinnet, wie Jesus Christus war." Antheil an feinem, Werk hat nicht das Bekenntniß der Lippen, sondern die Vereinigung im Geiste. Sein Leben muß dein Leben, sein Kreuz dein Kreuz, seine Auferstehung deine neue Geburt werden. Es giebt nichts, was dich in deinem Wandel vor Gott aufhalten und hindern könnte, wenn du ihm, deinem Herrn und Meister, folgst. Sein Geist der Demuth ist mächtig, allen Hochmuth, sein Geist des Gehorsams stark, allen Eigenwillen in dir zu dämpfen. Sein himmlisches Reich löst dich ab von dem Dienst der Welt und der Knechtschaft des Fleisches. Seine Noth und Trübsal kann dich in aller Noth trösten und aufrecht halten. Und wenn die Wogen der Gewissensangst oder der Todesnoth dich umbranden, dann darfst du dem Geiste des Heilands lauschen, der durch sein Wort zu dir spricht: Es ist alles vollbracht, was zu deiner Rettung und Lösung, zu deiner Befreiung und Seligkeit nöthig ist. Fürchte dich nicht; glaube nur. Darum sind wir getrost allezeit und bekennen mit dem Apostel: „Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns."
anzuklagen habe, weil er hart und lieblos mit mir um« gegangen ist, so habe ich es eigentlich um ihn nicht anders verdient ... ja, ja ... es ist wahr, in einem irren, blöden Wahn verstrickt, bin ich zur Betrügerin an ihm geworden . . . und vor meinem Herzen will mir's keine Entschuldigung mehr gewähren, daß ich es ja nur aus Liebe zu Dir gethan. Denn nun ist mir's klar, ich habe Dich ebenfalls niemals geliebt . . . hätte mich nicht solch kurzsichtiger Wahn überkommen gehabt, ich hätte es Dir von jeher an Deinen Zügen ablesen müssen, weß' Geistes Kind Du eigentlich bist!"
Eine lange Weile sprach Max nichts. _ Seine Brust hob und senkte sich gewaltig und ein finsterer, unheilvoller Entschluß rang sich seinem Innern immer mehr ab. Immer deutlicher kam es in seinen Gesichtslunen zum Ausbruch. Dann beugte er sich plötzlich wieder zu der niedergekauert Sitzenden und brächte seine Lippen dicht an deren eines Ohr
Zehn Tropfen hat der Arzt gesagt — seinen mehr! Mste'rte er, „und Du bist bis zur Sinnlosigkeit erregt, wie leicht kann's kommen, daß — daß Du Dich oer« zählst — oder daß Du's nicht einhältst mit der Zeit — verstehst Du wohl?"
Ein eisiges Erschauern glitt durch die Glieder der jungen Frau. Wie gelähmt unter ..bem glühenden Blicke des über sie Gebeugten starrte sie diesem in die Augen.
„Was sagst Du da?" brächte sie endlich mit vertrockneter Stimme hervor.
„Ich meine: wenn sich die beiden Augen drinnen in der Kammer schließen, dann kann sich kein Arm mehr