kommission über die Verwaltung des Staatsschulden- mesens im Rechnungsjahr 1893/94 am 31. März 1894 auf 6 368 098 953,54 Atark gegen 6 239 839 529,93 Mark am 31. März 1893.
Graf v. Mirbach hat im Herrenhause beantragt, die Königliche Staatsregierung aufzufordern, den Herrn Reichskanzler zn ersuchen, ungesäumt und nachdrücklich alle diejenigen Schritte zu thun, welche geeignet sinv, zu eine internationalen Regelung d e r W ä h r u n g s - « frage mit dem Endziel eines internationalen Bimetallismus zu führen.
Die „B. 6." schreibt: Ein hiesiges Blatt bringt die Mittheilung, in der Reichstagssitzung vorn letzten Donnerstag hätte der K r i e g s m i n i st e r an die Abgeordneten Bilder eines japanischen Hafens vertheilen lassen, vor dem drei mächtige englische Dampfer lagern, während im Hintergründe ein bescheidenes deutsches Schiff sich herumdrückt. An dieser Mittheilung ist richtig, daß eine Reproduktion aus einer englischen illustrirten Zeitung vertheilt wurde, welche nach den Skizzen eines Augenzeugen die Einnahme von Weihaiwei durch die japanische Flotte darstellt; das eine deutsche Kriegsschiff, welches neben drei großen modernen Panzern der englischen Marine diesem Ereigniß beiwohnt, zeigt einen gänzlich veralteten Typus und ist entschieden minderwerthig sowohl gegenüber den englischen, als auch den japanischen Kriegsschiffen. Diese Reproduktion, auf welcher außerdem eine handschriftliche Bemerkung Seiner Majestät des Kaisers und Königs wiedergegeben ist, wurde vertheilt, nachdem die neuen Kreuzer in dritter Lesung bewilligt waren. Die Bertheilung ging indessen nicht vom Kriegsminister aus, sondern von dem Staatssekretär des Reichs- marineamtes.
Der Mordanschlag auf Li-Hung-Tschang, den chinesischen nach Japan entsandten Friedensvermittler, dessen Befinden übrigens ein günstiges ist, verschiebt die Lage zu Ungunsten der Japaner. Der Kaiser von Japan hat sich, um den Chinesen eine Genugthuung zu geben, zum W a f f e n st i l l st a n d bereit erklärt, der auf drei Wochen abgeschlossen wurde. Die Japaner halten die bisher eingenommenen Stellungen besetzt; die Friedensverhandlungen nehmen ihren Fortgang.
Aus Provinz null Nachiarzchiet.
Hersfeld, den 3. April 1895.
* Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Königlichen Eisenbahndirektionen ermächtigt, denjenigen seit mehr als Jahresfrist bei der Verwallnng beschäftigten außerhalb des Beamtenverhältnisses stehenden Bediensteten im mittleren und unteren Dienste, welche aus Anlaß der Neuordnung der Verwaltung zum 1. April d. Js. Umzüge an andere Orte wegen Weiter- verwendung im Staatsechenbahndienste auszuführen genöthigt sind, soweit sie einen eigenen Hausstand führen, mit Rücksicht auf die durch die Umzüge aus dienstlicher Veranlassung erwachsenden außergewöhnlichen Unkosten ausnahmsweise einmalige Zulagen zu der Tagesbesoldung oder zum Lohne zu bewilligen. Diese Zulagen können nach Maßgabe der von den Einzelnen noth- wendigerweise aufzuwendenden besonderen Kosten bis zum Betrage von höchstens je 50 Mark bemessen werden und dürfen in geeigneten Fällen schon vor Ausführung des Umzuges bewilligt werden.
(:) Hersseld, 1, April. (Regelmäßige Bürger- A u s s ch u ß s i tz u n g im Rathhaussaale.) Punkt 1 der Tagesordnung betraf die Nachbewilligung von Mitteln zur Unterhaltung der Verpflegungsstation, für die Zeit vom 1. Oktober v. I. bis 1. April d. I. Seitens des Stadtrathes waren dieselben bewilligt worden, womit man sich einverstanden erklärte. Die Station soll vom 1. April an ihre Thätigkeit für die Sommermonate wieder einstellen. — Punkt 2 hatte die Bewilligung von Kosten für Herstellung der theilweise eingestürzten alten Todten- Hofsmauer zum Gegenstand. Dem Stadtrathsbeschlusse, wonach dieselben bewilligt worden waren, stimmte man zu. Punkt 3 betraf den Grundaustausch mit dem Eisenbahnfiskus. Vou dem vorliegenden Beschlusse des Stadtrathes nahm man Kenntniß und erklärte sich mit deni- selben einverstanden. Danach wird der Bahnverwaltung vorgeschlagen, den Austausch so zu bewirken, daß eine Kaufgeldsherauszahlung keinerseits stattfindet. — Es lag ein Beschluß des Stadtraths vor,, betreffend das Gesuch der Firma Georg Brauu um verkäufliche Ueberlassung einer städtischen Straßenfläche auf bem Eisfeld. Dem
selben war vom Stadtrath entsprochen worden, welches man billigte. — Dem vom Stadtrath in der Wasserleitungssache gefaßten Beschluß, betreffend die Erpachtung von Wasserquellen im Meisebachthale, vom Forstfiskus, stimmte man zu, ebenso einem Beschlusse, wonach die Kommission zur Vorberathung eines neuen Einquartierungsstatuts ergänzt worden ist.
D Hersfeld, 3. April. Dem heutigen, von gutem Wetter begünstigten Viehmarkt waren 453 Rinder und 668 Schweine zugetrieben. Die Viehpreise sind noch immer hoch, der Handel namentlich auf dem Schweinemarkt ging recht flott. Der Kram markt war mit 156 Ständen besetzt, doch fehlte es sehr an Kauflustigen.
V Gershausen, 1. April. Der sehr kalte Winter ist nun vorbei, und die Verheerungen, welche er namentlich unter den nützlichen Vögeln angerichtet hat, sind jetzt schon ziemlich zu übersehen. Während man in Frühlingen nach gelinden Wintern die bei uns bleibenden Singvögel, als Meise, Goldammer und Distelfink zahlreich auf Hecken und Bäumen umher -hüpfen sah und sie munter singen und zwitschern hörte, sind diese Thierchen jetzt nur spärlich zu sehen und zu hören. Ebenso ist auch im Walde der schöne Gesang der Amsel nur sehr vereinzelt wahrzunehmen. Weil die Vögel für den Menschen nun ungemein wichtig sind, so ist es auch während der Brütezeit die Aufgabe aller Edelgesinnten, dahin zu wirken, daß der durch den harten Winter sehr verringerte Vogelstand nicht durch rohe Hände und Raubthiere noch mehr verringert wird. Ach, welche Menge schädlicher Insekten vertilgen die Singvögel, wie z. B. die Meisen, Bachstelzen, Spechte und Nothschwänzchen. Wie beleben sie die Felder und Wälder durch ihren melodischen Gesang und durch die Schönheit ihres Gefieders. Was wäre für den Naturfreund das Leben, wenn die munteren Vögel nicht wären; sie tragen zur Erheiterung und Verschönerung des menschlichen Lebens wesentlich bei; man vergegenwärtige sich nur den Aufenthalt an einem schönen heiteren Sonntagmorgen in Garten, Feld uni Wald. Möchten daher die aufsichtführenden Beamten in der freien Natur in diesem Frühling mit doppelt scharfem Auge darauf sehen, daß rohe, eigennützige Gesellen während der Brütezeit den Bestand unserer nützlichen Singvögel nicht noch mehr schädigen, als ihn ohnehin der kalte Winter schon geschädigt hat. Auch möchten die Gartenbesitzer die Katzen aus ihren Gärten in diesem Jahre noch mehr als sonst fernhalten, damit durch dieselben die junge ausfliegende Brut nicht gefährdet wird. Es wird diese Fürsorge gewiß reichlich belohnt werden. — Vergangenen Freitag, den 29. März, war hier Nachmittags das erste Gewitter. Ungefähr 4—5 Donner waren hörbar und hatte der Wind die westliche Richtung.
Erfurt, 1. April. Folgendes Verbrechen wurde hier heute in der Morgenfrühe verübt. Ein bis jetzt noch nicht ermittelter Mann drang in die in der Schaf- gaffe belegene Wohnung der unverehelichten, etwa 50 Jahre alten Anna Huber, welche vor 14 Tagen aus Braunschweig nach Erfurt gezogen war, und fügte derselben mehrere Messerstiche zu. Dana raubte er einen Geldbetrag von über 100 Mark und entfloh. Man fand die Beraubte in ihrem Blute schwimmend, bewußtlos vor und brächte sie im städtischen Krankenhause unter. Sie hatte einen Messerstich in den Hals und einen zweiten in der linken Seite erhalten.
Rüdesheim a. RH., 31. März. Bei Hellem Sonnenschein, unter Betheiligung von Tausenden von Bewohnern des Rheinlandes, ist in Anwesenheit der P r i n z e s s i n L u i s e von Preußen, der Oberpräsidenten von Hessen-Nassau unb der Rheinprovinz sowie der Spitzen benachbarter Civil- und Militärbehörden sowie benachbarter Kriegervereine, die Bismarck- feier am Nationaldenkmal glänzend verlaufen. Der Oberpräsident Magdeburg- Cassel brächte das Hoch auf den Kaiser aus. Professor O u cken-Gießen hielt eine zündende Festrede, worin er Bismarck als den großen Patrioten feierte, der Anfangs umsonst nach dem Herzen der Nation gesucht. Jetzt habe das Volk ihn gefunden. Er schloß mit einem Hoch auf Bismarck. Gemeinsamer Gesang von „Heil Dir im Siegerkranz" und „Deutschland, Deutschland über Alles" und Vor- träge der Gesangvereine begleiteten die Feier. Nachmittags findet ein F e st k o m mers, Abends b e n galt sche Beleuchtung der Rheinufer bei Singen statt. Morgen wird die B i s in a r ck e i ch e auf dem Niederwald gepflanzt. (B. T)
Mainz, 1. April. Seit dem großen Ueber-
schwemmungsjahr 1882 haben Rhein und Main nicht solche Waffermassen gebracht wie diesmal. Wie vor 13 Jahren stellen die Nachbargemeinden von Mainz Nachtwachen, um bei einem etwaigen Durchbruch der Dämme die erforderlichen Schutzmaßregeln treffen zu können. Zum Glück scheint die Gefahr beseitigt zu sein, denn, das Wasser ist heute im Fallen; freilich merkt man davon nicht viel. Nach wie vor sind die hier am Ufer befindlichen Lagerhallen, Büreaus u. A. m. von dem sonst grünen, jegt aber gelblichen Rheinwaffer umgeben, so daß man nur auf Brettern in das Innere der Ge- bäulichkeiten gelangen kann. Mit verstärkten Kräften wird an den Pumpstationen gearbeitet.
Vermischtes.
— Augsburg, 2. April. Das Schwurgericht verurteilte den Müller Raupach aus Rudolstadt, welcher in Linden auf der Hochzeitsreise seine Frau in den Bodensee stürzte, zum Tode.
— Aus Görlitz wird berichtet: Vor ungefähr acht Jahren brächte der Afrikareisende Hauptmann Kund bei einem Besuch seiner hiesigen Verwandten zwei Knaben aus Kamerun mit, welche er auf einer Forschungsreise des schwarzen Erdtheils an stch genommen hatte, und vertraute dieselben seinen Görlitzer Angehörigen zur Erziehung an. Die Knaben, D e m b a und L u k e n j e mit Namen, besuchten die hiesige Realschule und traten nach Absolvirung derselben bei dem Zimmermeister Rathenburger und Schlossermeister Kirchoff in die Lehre. Lukenje, 18 Jahre alt, und Demba, im Alter von 16 Jahren, werden nunmehr Görlitz verlassen, um nach Kamerun zurückzukehren, wo ste die hier erworbenen Kenntnisse praktisch in einer Schiffbauanstalt zu verwerthen gedenken.
— Ueber d.ie beiden deut sch en Regie - rungsschulen in Kamerun. — Der „Pos. Lehrer-Ztg." liegt wieder ein interessanter Bericht vor, dem sie folgende Einzelheiten entnimmt: Die Schülerzahl der vom Lehrer Christaller geleiteten Schule in Bonaman- done (Bendorf) betrug am Schluffe des Schuljahres 60, von 80, die sie vor der Schulprüfung besuchten. Die Schule umfaßt drei Klaffen. Der Unterricht im Deutschen schließt sich an des Lehrers Manuskript einer deutschen Grammatik für Duala an, die er später drucken zu lassen beabsichtigt. Singen wird in allen drei Klassen gemeinschaftlich getrieben, da sich, ob sie gleich gern singen, doch höchstens zwei Drittel der Schüler dazu eignen. Die Lieder müssen sämmtlich drei bis vier Töne tiefer gesungen werden, als sie im Buche stehen, da auch die besseren Schüler nicht höher singen als „d". Auch die Mädchen haben keine hohen Stimmen, die meisten gar keine. Die Mädchen stehen überhaupt in allen Fächern hinter den Knaben zurück; selbst in der Haushaltung sind letztere unbedingt vorzuziehen. Die Lieder sind drei-, zum Theil vierstimmig, wobei wegen der Tonlage die gebrochenen Stimmen, die leider sehr zahlreich sind, als dritte Stimme verwendet werden können. Es wurden eingeübt: Es ist ein Reis entsprungen; O, du fröhliche; Stille Nacht; Wie sie so sanft ruh'n; Morgen marschiren wir 2C. — Aehnliches gilt von der vom Lehrer Betz geleiteten Schule in Bonebela (Deido-Dorf.) Auch diese besteht aus drei Klaffen und im Ganzen 55 Schülern, nur Knaben. Der Schulbesuch war regelmäßig. Störungen kommen nur in Folge der heftigen Regengüsse vor. Hauptsächlich die Schüler aus Bonaku waren am Schulbesuch verhindert, da sie bis zur Schule dreiviertel Stunden auf schlechtem Wege zu gehen und dabei ein derzeitig beträchtlich angeschwollenes Waffer zu passiren haben. Der Andrang zur Schule ist ziemlich stark; eine größere , Anzahl von Knaben, die aufgenommen werden wollten, mußte wegen Raummangels zurückgewiesen werden. Der Drang zum Lernen ist bei vielen Eingeborenen sehr ausgeprägt, das beweist schon der weite Schulweg, den gerade die regelmäßigen Schulbesucher zu machen haben.
— (Langlebigkeit in der Türkei.) Nach einer Mittheilung der türkischen Zeitung „Sabah" starb dieser Tage in Konstantinopel ein Türke Namens Möchlud Es endi, welcher 135 Jahre alt geworden ist.
Weizen (ä 100 Kilogr.) 11 Mk. 50 Pf. bis 12 Mk. 10 Pf. (Durchschnittspreis 11 Mk. 80 Pf.) Roggen (ä 100 Kilogr.) 10 Mk. 50 Pf. bis 11 Mk. — Pf. Durchschnittspreis 10 Mk. 75 Pf.)
von
6hDhn Mönch, Kassel
in bester, garantirt keimfähigster Waare
empfiehlt
J. H. Otto
Chemisch gereinigt werden alle Herren- und Damenkleider, Mäntel, Hüte, Shlipse u. s. w., ferner Vorhänge, Decken, Teppiche 20.
Frau Mathilde Plath, Hersfeld a. b. Obergeis 216, __________2 Treppen. _______
Prima
Tafelbutter ■ « Wd. 80 Pfg. ■ empfiehlt
Christian Sauer,
Webergaffe.*
Magformnlare
Stiefel
Confiriiiaiidtn
in
empfiehlt
großer Auswahl
Hrch. Göbel
Johannesstratze 128.
empfiehlt L. Fimk’sBuchdruckerei. K3XT2?KTaaäm3X3
aa/<