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schöner Männlichkeit erschienen. Jetzt aber mußte ihr Herz trotz allen Widerstrebens sich eingestehen, daß doch ein himmelweiter Unterschied zwischen Max und seinem Vater bestand. Dieser letztere war in jeder seiner Bewegungen, seiner Aeußerungen, seiner Hand­lungen ein voller, zielbewußter echter Mann, wie ganz anders geberdete sich dagegen Max! Immer mehr fiel es, schuppengleich von Mariannens Augen und die Er­kenntniß dämmerte in ihr auf, daß sie in unerfahrener Jugendlichkeit einem Götzen Altäre errichtet hatte.

So standen die Dinge, als eines Morgens, kurz nach dem Frühstück, Max unbemerkt, wie er glaubte, seiner Stiefmutter einen Wink zu geben vermochte. Obwohl sein Vater sich in der Stube befand und mit dem Rücken gegen das Zimmer am Fenster lehnte, mit düster verzogenen Mienen auf den Hofraum hinunter- schaute, strich Max ganz dicht an der am Tische Sitzenden vorüber.Wenn Dir mein Leben lieb ist, sofort oben auf dem Dachboden!" raunte er.

Die junge Frau sah ihn mit erschreckten Blicken an, dann nickte sie zum Zeichen des Einverständnisses. Sie schloß mit zitternder Hand den Schränk und die Er­regung in ihr offenbarte sich so gewaltig, daß die Schlüffel in ihrer Hand laut erklirrten.

Sie wendete sich zur Thür und ging mit zögernden, langsamen Schritten aus dem Zimmer.

Just in demselben Augenblicke, als sie nach dem noch immer am Fenster sitzenden Gatten sich umschaute, geschah es, daß dieser, wie von einer unbezwinglichen Begierde getrieben, sich nach ihr umwandte. Ihre Blicke brannten nur einige Sekunden ineinander; dann wendete jedes den Kopf und gleich darauf schloß sich die Thür hinter der jungen Frau.

Eine flüchtige, jähe Nöthe stieg in den Wangen des Fuhrherrn auf. Es war ihm vorhin gewesen, als ' ob er seinen Sohn einige Worte mit Marianne in flüstern­dem Tone hatte wechseln hören. Jetzt sagte ihm der Blick seiner Gattin nichts Gutes und weckte das ohne­hin geschärfte Mißtrauen in seiner Brust von neuem.

Marianne ging inzwischen leise und verstohlen, da und dort stehen bleibend und sich scheu umsehend, auf jedem Treppenpodest Halt machend, nach dem Dachboden. Sie traf dort Max schon an. Dieser zog sich durch eine nur angelehnte Thür in einen Bodenverschlag, welcher für gewöhnlich zum Trockenen der sogenannten Hauswäsche diente, jetzt aber unbenutzt dalag.

Mache geschwind, Marianne!" flüsterte er.Ich habe Dir viel zu berichten!"

Die junge Frau schaute ihn erstarrt an.Was ist denn geschehen, daß Du mich in solcher Heimlichkeit hierher sprengst? Es gäbe ein Unglück, wenn Dein Vater dahinter käme," entgegnete sie angstvoll.

Der Bursche schaute wie ein Schulknabe, der seine Aufgabe schlecht gemacht hat, unter sich.Marianne, Du mußt mir helfen!" sagte er dann.

Gewiß, sehr gern, wenn ich kann, obwohl Du ja weißt, wie es in diesem Hause jetzt mit mir steht," ver­setzte die junge Frau.Aber rasch heraus damit, ich thue ein Unrecht, daß ich Dir folgte. Gott weiß, daß meineAbsicht eine ehrliche ist?"

Mariane, ich brauche Geld, viel Geld," entgegüete Max.

(Fortsetzung folgt.)

Visinarck und Kaiser Wilhelm I*

In den heutigen Tagen, wo es in den Maffen gährt und staatsfeindliche Bestrebungen an dem Hergebrachten rütteln, selbst an dem Herrscherthum, unter dessen Führung unser Vaterland so stark und mächtig geworden ist, gewährt ein Blik auf die markige Heldengestalt unseres Altreichskanzlers, der Verkörperung aller deutschen Tugenden, Erquickung und Beruhigung. Er war der treue Eckart für seinen Kaiser. Das Band der gemein­samen Arbeit in ernsten und schweren Tagen, welches ihn und Kaiser Wilhelm I. zusammenschloß, wurde zur innigsten Freundschaft bis über das Grab hinaus. Die Ergebenheit für seinen Landesherrn, das stete Be­streben, das Hohenzollernhaus und damit Deutschland hoch und herrlich hinzustellen/ ließen in diesem mächtigen Denkergeiste seine großartigen und welterschütternden Pläne entstehen und reifen. Das Jahr 1862 rief unseren Helden als Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten nach Berlin. Wie kraftvoll und bewunderungswürdig war da seine Haltung dem widerspenstigen Abgeordnetenhause gegen­über! In jener Zeit sprach er das denkwürdige Wort, daß die großen Zeitfragen nicht durch Reden, sondern nur durch Blut und Eisen gelöst würden! Man glaubte nicht daran; aber bald sollte die Geschichte die Wahrheit des kühnen Satzes beweisen. Er stand damals allein mit seinem König und Herrn, allein, aber fest und unerschütterlich wie ein Fels im brandenden Meer. Gegen den Willen der Volksvertretung wurde die Reor­ganisation des Heeres durchgeführt. Das Jahr 1864 brach an. Preußen that den ersten Schritt auf der

Bahn des Ruhmes. Nach dem Friedensschluß zu Wien äußerte der Kaiser von Oesterreich:Wenn ich nur diesen Bismarck besäße!" Schon das Jahr 1866 zeigte, wie berechtigt jener Wunsch gewesen war.

Bei Königgrätz finden Fwir - den^König'^und seinen Paladin auf dem Schlachtfelde wieder. Der Monarch harrt? bei den kämpfenden Truppen aus, ohne zu be­achten, daß der Tod um ihn herum seine Ernte hält. Nur Bismarck vermochte ihn von dem gefährdenden Platze fortzubringen. Hören wir, was er selbst darüber erzählt:Der König hatte seine ganze Aufmerksamkeit auf den Gang des Kampfes gerichtet und achtete nicht im geringsten auf die ihn umsausenden Granaten. Auf meine wiederholte Bitte, Majestät möge sich nicht so rücksichtslos dem mörderischen Feuer aussetzen, erhielt ich die königliche Antwort:Der oberste Kriegsherr steht dort, wo er hingehört!" Erst später, als der König das Vorgehen der Kavallerie beim Dorfe Lipa persönlich befohlen hatte, und die Granaten wieder um ihn nieder­fielen, wagte ich aufs neue zu bitten:Majestät, da Sie keine Rücksicht auf Ihre Person nehmen, so haben Sie wenigstens Mitleid mit Ihrem Ministerpräsidenten, von dem Ihr getreues preußisches Volk seinen König fordern wird. Im Namen des Volkes bitte ich: Verlassen Sie diese gefährliche Stelle!" Da reichte mir der König die Hand:Nun, Bismarck, so lassen Sie uns weiter reiten!" Der König wandte seine Rappstute und setzte sie in so langsamen Trab, als wär's ein Spazierritt die Linden hinunter. Da zuckte es mir doch in den Händen und Füßen Sie alle kennen den heißblütigen Bismarck ich ritt meinen Dunkelfuchs dicht an die Sadowa heran und versetzte ihm einen kräftigen Stoß mit meiner Stiefel­spitze; sie machte einen Satz vorwärts, und der König blickte sich verwundert um. Ich glaube, er hat es ge­merkt; aber er sagte nichts." Dies nur als Zeichen des innigen Verhältnisses, welches zwischen dem König und seinem Kanzler bestand. Der Friede zu Prag brächte Preußen die ihm gebührende Machtstellung, die erste Grundlage zu der Errungenschaft des 18. Januar 1871, der deutschen Kaiserkrone.

Aus Florenz berichtet: Durch einen Erd­rutsch am Forca-Berge in der Gemeinde Tredozio (Provinz Florenz) wurden 4 Häuser zerstört; unter den Trümmern wurden 12 Personen verschüttet. Das Schicksal der Verschütteten ist noch ungewiß, die Auf- räumungsarbeiten zu ihrer Rettung dauern noch fort.

Redaction, Druck und Verlag von Ludwig Funk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) in Hersfeld.