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Nr. 31

Imerstag Den 21. März

189».

Amtliches.

Hersfeld, den 14. März 1895.

Am Sonnabend den 30. März d. Js., Vor­mittags 9 Uhr, findet im Saale des hiesigen Nath- Haufes eine Kreistags-Sitzung statt.

Tagesordnung.

1, Prüfung der Verhandlungen über die gemäß § 64 und 65 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 im November 1894 vorgenommenen Ergänzungswahlen zum Kreistage, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen und Einführung der neu Gewählten in ihr Amt. (§ 71 der Kreisordnung und § 2 der Geschäftsordnung)

2. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für 1895/96. (§ 84 der Kreisordnung.)

3. Beschlubfasfung über etwaige Veränderungen in der Vertheilung der Kreissteuern in Folge der Bestim­mungen in den §§ 91 und 93 des Kommunalabgaben- gesetzes vom 1. April 1895 ab (im Anschluß an den Beschluß des Kreistages vom 10. September 1887 pos. 5 der Tagesordnung, wonach die Kreissteuer auf die sämmtlichen direkten Staats­steuern, mit Ausnahme der Gewerbesteuer vom Hau- sier-Gewerbe, gleichmäßig vertheilt und der Fiskus mit der Grund- und Gebäudesteuer um die Hälfte höher herangezogen werden soll).

4. Beschlußfassung über die Höhe der zu erhebenden Zinsen von den auf Ansuchen gestundeten Beträgen für die durch Vermittelung des Kreises Hersfeld empfangenen Futtermittel.

5. Berathung über eine Petition an den Herrn Landes- Direktor in Hessen zu Cassel um Uebernahme der Kosten der Unterhaltung der Landwege des Regie­rungsbezirks Cassel auf den Bezirksverband, analog einer solchen des Kreises Frankenberg.

6. Beschlußfassung über die vorliegenden UnterstützungS- gesuche. ,

7. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistages mit Prüfung der demnächst auf- zustellenden Kreiskommunalkassen - Rechnung für 1894/95. (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)

8. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Aus- schuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei

(Nachdruck verboten.)

3ioifi|tn Vater will Zahn.

Familienroman von P. H e n k e S. (Fortsetzung.)

Du marterst mich mit Deinen Worten", murmelte sie stöhnend, während sie die Linke gegen das Herz preßte. Ach, wenn doch Gott im Himmel ein Einsehen haben und mir die schwere Last leichter ertragen lassen wollte! Es ist mir gerade, als müßte ich zusammenbrechen!"

So sprichst Du und doch liegt Dir mein Vater- selbst zu Füßen!" sagte Max darauf, während er einen jämmerlichen Seufzer ausstieß. -Was soll ich erst dazu sagen?" Er lachte bitter auf und faßte bedeutungs­voll die junge Frau bei der einen Hand.Er ist ja auf einmal wie der Teufel, keine ruhige Stunde ver­gönnt er einem mehr. Ich sage Dir, Marianne, wenn es nicht eine Sünde wäre, ich hinge mich ^ am nächsten Nagel auf, so verleidet ist mir das Leben."

Erschreckt sah ihn die junge Frau an, dann faßte sie ihn von Neuem bei der Hand.Max", murmelte sie mit seltsam zitteriger Stimme,Du weißt, wem zu Liebe ich das schwere Opfer gebracht habe, es soll ge­ändert werden, verlasse Dich darauf, Du sollst es besser haben, ich werde es bei Deinem Vater durchsetzen!"

Aber mache nur schnell, Marianne," mahnte Max rücksichtslos,und gehe ihm hübsch säuberlich um den Bart, er ist ein Schlauer und macht uns sonst einen Strich durch die Rechnung." Er ballte plötzlich wüthend

der in 1895 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1896. (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877. Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichts­verfassungsgesetz vom 24. April 1878. Gesetz-Samm­lung Seite 237 von 1878).

9. Wahl von 3 Mitgliedern für die Gebäudesteuer- veranlagungs-Kommission sowie 3 Stellvertreter der­selben.

10. Wahl eines Mitgliedes der Körungs-Kommission für den Amtsgerichtsbezirk Schenklengsfeld an Stelle des Landwirths Ludwig Licht in Oberlengsfeld, welcher um Entbindung von diesem Amte nachgesucht hat (bis Ende 1897).

11. Berathung über den Ausbau des Hainwegs in Hers­feld bis zum Bahnhöfe.

I. A. Nr. 704. D.r Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 16. März 1895.

Die Herren Ortsvorstände zu Ausbach, Bengendorf, Biedebach, Bingarte«, Dünkelrode, Eichhof, Eitra, Goß- mannsrode, Harnrode, Hersfeld, Klernensee, Lampertsfeld, Lengers, Meisebach, Petersberg, Sieglos, Untechaun, Untergeis, Wilhelmshof werden an die Einsendung der am 1. Februar d. Js. fällig gewesenen Anzeigen über das Ableben bestrafter Personen pro zweites Kalender­halbjahr 1894 an Königliche Staatsanwaltschaft zu Cassel mit Frist bis zum 24. d. Mts. erinnert.

I. L 1198. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 16. März 1895.

Die Zinsen von den in Abtheilung VI des Staats­schuldbuches für Schulen des hiesigen Kreises eingetra­genen Forderungen, welche bisher von den Königlichen Steuerkassen gezahlt wurden, werden vom 1. April d. Js. ab durch die in hiesiger Stadt neu zu errichtende Kreis- lasse gezahlt werden.

Die Königlichen Herren Lokalschulinspektoren ersuche ich ergebenst, die Ihnen unterstellten betheiligten Herren Lehrer hiernach bescheiden zu wollen.

I. 1. 6334/94 Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

die Faust.O, ich wollte, ich könnte an ihn kommen," zischte er,wie ich ihm all' das Herzeleid heimzahlen wollte!"

Wie beschwörend hob Marianne die eine Hand. So sollst Du nicht sprechen," meinte sie,er bleibt immer Dein Vater!"

Das danke ich ihm nicht!" murmelte Max, während ein wüthender Ausdruck seine Züge verzerrte.Wie ich ihn hasse! Hochmüthig ist er wie kein Zweiter, die Backen bläst er auf . . . und ist doch alles hohl in seinem Herzen drinnen!"

Sprich nicht so zu mir, ich darf'S nicht anhören," murmelte die junge Frau erschauernd,er ist nun ein­mal vor Gott und der Welt mein Mann und Du thust ihm Unrecht; er mag gegen Dich grausam gewesen sein, er hat aber doch ein eines Herz."

Da stieg plölich mit elementarer Gewalt böse, ver­heerende Leidenschaft in dem Herzen des jungen Menschen auf; er faßte Marianne rücksichtslos bei der Hand und biß ingrimmig dabei die Zähne zusammen.Dein Mann, haha, Dein Mann stieß er gurgelnd hervor, sag' lieber, der Schurke, der Dich mir gestohlen hat, der Reiche, der des Armen einzig Schäflein noch zu seinem Wohlstand ergaunert hat!"

Max, Du redest irre," stammelte Marianne, er­schreckt ihn bei den Händen fassend.Was rollst Du so fürchterlich die Augen? Sag' es nicht, was Dir im Herzen lebt, sprich es nicht aus, man könnte sich fürchten vor Dir!"

Nichtamtliches.

jMns Friedrich Aarl von z-reuben.

Geboren den 20. März 1828.

Wenn wir uns anschicken, die 25jährige Erinnerung an jene glorreichen Siege zu begehen, die sich im Kriege 1870/71 gegen Frankreich an unsere Fahnen hefteten, dann wird der Name des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, des großen Heerführers aus dem Zollernstamm wieder iy strahlendem Glänze vor uns aufleuchten; in besonders treuer und dankbarer Verehrung werden des rothen Prinzen" diejenigen gedenken, die das Glück hatten, in so mancher heißen Schlacht seiner ruhmvollen Führung zu folgen. Wohl mancher Zug aus seinem Leben tritt uns dann vor unser geistiges Auge, von seiner Jugend an. Seht dort den muthigen Jüngling, wie er des Rheines Wogen mit kräftigem Arm zertheilt und den unvorsichtigen Knaben vom fast sicheren Tode errettet. Und seine Anlage zur späteren Führerschaft früh bekundend, wie führt der junge Hauptmann im Stäbe des Oberfeldherrn Wrangel in der Schlacht bei Schleswig am 23 April »848, mit schnellem Blick die Lage erfaffend, so kühn dre Pommern (Grenadier-Regi­ment Nr. 2) in die rechte Flanke des Feindes, durch diese That den Ausgang des Tages entscheidend. So erwarb sich der heldenmüthige junge Prinz den Orden pour le merite. Im nächsten Jahre erhielt er an der Spitze seiner Schwadron in glänzender Attacke gegen die badischen Aufrührer eine ehrenvolle Wunde, ein schönes Zeichen seiner persönlichen Tapferkeit. Bei dem siegreichen Einzüge des Heeres nach dem Feldzuge 1870/71 begrüßte die Hauptstadt den Prinzen mit den Worten: Feldherr, markig an Kraft, von vorwärtsstürmender Kühnheit, Dir folgt, treu bis zum Tod, freudig zum Siege die Schar." Uns will scheinen, hier ist in kurzen Worten bezeichnend der Thätigkeit des Prinzen Friedrich Karl als Feldherr und wie seine Truppen zu ihm standen gedacht.

Den glorreichen Kriegen, an denen der verewigte Prinz als Führer der II. Armee einen so hervorragenden Antheil na bin, ist ein nun bald 25 Jahre währender Friede gefolgt. Bald nach dem letzten Kriege ^at er die Worte gesprochen:Hauptsache ist, daß der Soldat sich nicht als Maschine, sondern als selbständiger Orga­nismus fühlen und ins Ganze verschmelzen lerne. Der

iSprich mir nicht mehr von ihm. Fort mit Dir, : sass' mich nicht an!" gellte er und stieß die Hand des jungen Weibes unsanft zurück.Mit derselben Hand hast Du ihm vielleicht die alten, verrunzelten Backen gestreichelt! Wenn ich daran denke, dann packt mich die Wuth an, es wird mir blutroth vor den Augen und ein Gedanke steigt mir auf, daß es eine Wollust fein müßte, ihm aufzulauern, ihn zu Boden zu schmettern, ihm's heimzuzahlen mit Wucherzins, was er mir an­gethan hat!"

Marianne war über den unerwarteten Wuthanfau des Burschen todtenbleich geworden; am ganzen ^Körper vor Schreck und Entsetzen bebend, trat sie einige schritte zurückMax, um Jesu willen, sei gut," stöhnte sie auf,welche entsetzlichen Worte sind's, die Du Ipnchst.

Da aber schien die Wuth des Burschen schon nneber verraucht zu sein. Er reckte sich trotzig in die Hohe und lachte dann grell auf.Fürchtest Dich am Ende gar vor mir, haha," versetzte er mit hohmsch verzerrten Lippen.Glaubst, ich stecke Dich an nut memer Toll­sucht daß Du so vor mir zuruckschreckst? Geh nur zu ihm, sag's ihm wieder, was ich Dir gesagt habe, er ist ja Dein Mann! Hast ihm ja Liebe und Treue geschworen, was kann's Dich kümmern, wenn ich's nicht mehr ertrage, Halt' nur zu ihm! Ich habe ja Niemand mehr, der mich lieb hat . . . ach, es ist alles so öd' und leer und todt in meiner Brust, daß ich umsinken möchte und am liebsten stürbe! . . . Geh' nur zu ihm," schrie er von Neuem und stampfte wieder mit dem Fuß