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Nr. 28. Imnechz Üen 7. März M

Dmmiik-MMg.

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Amtliches.

Hersfeld, den 27. Februar 1895.

Die Herren Ortsvorstände der Kirchspiels- gemeinden haben mir bis zum 1 8. M är z d. J. zu berichten, ob in nächster Zeit größere Reparaturen an Kirchen und Pfarrgebäuden oder auch Neubauten der­selben in Aussicht stehen, deren Kosten nicht aus dem Kirchenkasten bestritten werden können und zu welchem Fiskus als Besitzer von im Sprengel der betreffenden Kirchengemeinde belegenen Domänen oder Oberförstereien mit herangezogen werden wird.

Bejahenden Falles sind die auf den Domänen- und Forstfiskus entfallenden Beträge annähernd zu ermitteln und getrennt anzugeben.

Für die Berechnung der fiskalischen Beiträge bemerke ich noch, daß Fiskus als Forense nur nach Verhältniß der fingirten Grund- und Gebäudesteuern zur Beitrags­leistung verpflichtet ist.

I. I. Nr. 882. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 4. März. In der heutigen Sitzung de« Reichstag« wurde die zweite Berathung des M i l i t ä r e t a t« fortgesetzt. Abg. Liebknecht (sozd.) befürwortet nochmals die Einführung eines Miliz­

(Nachdruck verboten.)

3wtf$(it Vater und Sahn.

Familienroman von P. H e n k e «.

(Fortsetzung.)

Max athmete auf.Wenn ich mir's überlege, dann haben Sie recht," murmelte er.Marianne ist wirklich verliebt in mich, sie hat mir's erst neulich geschworen, daß sie keinen Anderen lieb haben könnte als mich und was es sonst noch für dummes Zeug war. Wir haben ja auch vom Heirathen gesprochen, aber schließlich wurde mir's langweilig, weil sie immer so ehrbar und streng that wiene Nonne und es nicht litt, daß man selbst im Tanzsaal nicht ein lustiges Wort in ihrer Gegen­wart sagte und darum . . ." Er unterbrach sich wieder und sann eine Weile nach. Dann erhob er sich plötzlich. Ich habe mir's überlegt," sagte er.Jedenfalls muß ich mit Marianne darüber sprechen ... es ist so viel neues plötzlich auf mich eingestürmt, daß ich erst klar sehen muß. Wenn ich ihm den Spaß versalzen könnte, wenn ich's ihm heimzahlen dürfte, was er mir anthut!" brach er dann plötzlich voll ungestümer Wuth los, dann soll er sich hüten vor mir!"

Ein geradezu dämonischer Haß blitzte bei diesen Worten aus seinen Zügen. Er athmete gepreßt, rief den Kellner herbei, bezahlte seine Zeche und brach mit kurzem Gruße auf.

Draußen angelangt, schlug er den Weg nach dem unweit entfernt gelegenen Wohnhause Luisens ein.

heeres. Abg. EnnecceruS (natlib.) führt aus, daß Scharnhorst, auf den sich der Abg. Liebknecht berufen habe, gerade das Gegentheil von den Ideen, die der genannte Abgeordnete vorgetragen, gesagt habe. Abg. Graf O r i o l o (natlib.) wünscht eine Verbesserung deS JnvalidenwesenS und richtet an den Krieg-minister eine Anfrage be­treffs der Verlegung der Garnisen von Butzbach. Kriegsminister BronsartvonSchellendorff erwidert, daß die Verlegung im dienstlichen Interesse in Aussicht genommen sei; eine Schwadron werde demnächst nach Darmstadt verlegt werden. Generallieutnant v. Spitz erklärt, e« lägen so viele als berechtigt anzuerkennende Forderungen von Invaliden vor, daß zu ihrer Befriedigung über 200 Millionen Mark nothwendig wären. Der Reichsinvalidenfonds könne da nicht auShelfen; denn wenn dieser das erfülle, was jetzt gesetzlich auf ihn laste, so blieben nur 3 Millionen zur Disposition. Abg. Bebel zsoz.) bespricht den Erlaß deS Kriegsministers, nach welchem sozialdemokratische Arbeiter in der Militärverwaltung nicht beschäftigt werden dürfen, betont, daß auch die mit der Militärver­waltung in Geschäftsverbindung stehenden Unternehmer veranlaßt würden, in ihren Betrieben keine Sozialdemokratin zu beschäftigen, und bringt einige Beschwerdesälle in Militärangelegenbciten vor. Kriegsminister BronsartvonSchellendorff erwidert, er halte an seinen Erlassen bezüglich der Arbeiter fest. Daß diese und andere Erlasse in Zeitungen veröffentlicht werden konnten, beweise leider, daß unter dem Bureaupersonal der Militärverwaltung schlechte unzuver­lässige Subjekte zu finden seien. Solche Leute seien im Stande, jeden Augenblick LandeSverrath zu verüben. Die Armeeverwaltung thue mit den Leuten dasselbe, wie die Sozialdemokraten mit ihren Ange­stellten, die ihre Redaktion«- oder ExpedilionSgeheimnisse verriethen. Der Redner klärt die vorgebrachten Beschwerdefälle auf, hebt dabei hervor, daß, wie selbst der soziaN'-nokratische Abg. v. Vollmar im bayerischen Landtage anerkannt habe, die Armee nicht die hauptsächliche Trägerin der Duelle sei, und fügt schließlich hinzu, daß, wenn der Abg. Bebel gegen die Militärverwaltung nicht Andere« vorzubringen habe, als die von ihm erwähnten Fälle, die Mehrheit der Bevölkerung sagen werde, der Kriegsminister habe doch Richt. Abg. Pach nicke (steif. Ver.) hält die Erlasse betreff« der sozialdemokratischen Arbeiter für unbillig. Abg. Bebel (sozd.) führt auS, er wisse nicht, woher die in sozialdemokratischen Zeitungen veröffentlichten Erlasse kämen, und bestreikt, daß sich die Aeußerungen de« Abg. v. Vollmar im bayerischen Landtage über die Duelle mit den Anführungen des Kriegs­ministers dem Sinne nach vollkommen deckten. Kriegsminister B r o n - sart von Schellendorff weist au« dem stenographischen Protokoll des bayerischen Landtags nach, daß seine Auffassung richtig sei. Abg. Rickert (frcis. Ver.) wünscht eine Erleichterung des FestungSrayon- GesetzeS. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff er­widert, er werde für kleine Festungen Erleichterungen in Erwägung ziehen. Darauf wird der TitelKriegsminister" bewilligt und der sozialdemokratische Milizantrag abgelehnt. Bei dem KapitelMilitär- geistlichkeit" bedauert der Abg. Lin gen« (Ctr.), daß die Bestimmungen über den freiwilligen Besuch deS Gottesdienstes nicht genügend durch­geführt würden. Abg. Schall (fonf.) bestreitet, daß bei der Aus­führung dieser Bestimmungen die Parität der Konfessionen nicht ge­wahrt werde.

Elftes Kapitel.

Als Max sich in der Dunkelheit dem stattlichen Ge­höft Luisens näherte, da sah er schon vor diesem Marianne seiner harren. Jetzt kam sie ihm schon voll Erregung entgegen, als sie ihn die Straße herauf­kommen sah.

Ach, wie lange mußte ich auf Dich warten," murmelte sie, nachdem sie sich begrüßt hatten und nun miteinander die Straße verfolgten, welche vor den Ort führte. Dein Vater kommt heute Abend wieder zu uns, ich habe mich von Hause geradezu fortstehlen müssen. Ich habe fast gar keine Zeit, mit Dir zu sprechen. Denke Dir nur, er will, daß heute alles zwischen uns in Ordnung gebracht wird."

Es war so dunkel rings um sie, daß das junge Mädchen, trotzdem es dicht neben Max einherschritt und diesem ins Gesicht sah, dessen Züge nicht zu unter­scheiden vermochte. Der junge Mann war stehen ge­blieben und stieß jetzt einen schweren Seufzer aus, aber er sprach kein Wort.

Wenn ich mir nur einen Rath wüßte," stammelte Marianne und rang die Hände.Onkel Sixtus liegt mir auch immer in den Ohren, ja, er hat mich schon mißhandelt, weil ich nicht nach seinem und der Mutter Willen thun will. Aber sieh, ich kann es nicht, wenn ich Dich auch nicht so lieb hätte, ich kann Deinen Vater nicht heirathen!"

Schluchzend unterbrach sie sich und warf sich an die Brust des jungen Mannes, an ihr das vor Erregung geröthete Gesicht bergend. Wohl jeder Andere hätte

Politische Nachrichten.

Berlin 5. März.

S e. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher gestern Abend um 11 Uhr vom Lehrter Bahnhöfe aus die Reise nach Wilhelmshaven angetreten hatte, ist heute Vormittag gegen 9 Uhr im besten Wohlsein in Olden­burg eingetroffen, wurde daselbst von dem Großherzoge empfangen und nahm mit Höchstdemselben im großher­zoglichen Schlosse das Frühstück ein. Gegen 10'/, Uhr Vormittags setzte Se. Majestät die Reise von dort nach Wilhelmshaven fort, wo die Ankunft kurz vor 12 Uhr Mittags erfolgte. Vom Bahnhöfe in Wilhelmshaven begab sich Allerhochstderselbe direkt nach dem Exerzir- schuppen, wo alsbald die Vereidigung der Rekruten statt- fand. Das PanzerschiffKurfürst Friedrich Wilhelm", auf welchem der Kaiser übernachtet, liegt in der Schleuse unter Dampf. Die Fahrt nach Helgoland und Bruns­büttel erfolgt morgen 6 Uhr.

Während der im Exerzirhause vorgenommenen Ver­eidigung der Marine-Rekruten stand Se. Majestät der Kaiser auf einem für Allerhöchstdenselben errichteten, mit Flaggen und Laub ge^'^n Podium, zu dessen Seiten sich das gesammte Seeosfizierkorps aufgestellt hatte. Der evangelische Stationspfarrer, Marineoberpfarrer Goedel, und der katholische Stationspfarrer, Marinepfarrer D. Ernste hielten Ansprachen, worauf Lieutenant zur See Bertram unter der gehißten Kriegsflagge die Vereidigung vornahm. Nach der Vereidigung hielt Se. Majestät der Kaiser eine Ansprache, worauf Kontre-Admiral Oldekop ein Hoch auf Se. Majestät ausbrachte. Nachdem die Feierlichkeit beendet war, begab Se. Majestät der Kaiser sich im offenen Wagen nach dem Marinekasino, wo das Frühstück eingenommen wurde. An dem Frühstück nahmen die beiden Marinegeistlichen und und die zur Vereidigung befohlenen Offiziere Theil.

DieNordd. Allg Ztg." schreibt: In einigen Blättern begegnen wir der folgenden Berliner Mittheilung: Von bester Seite geht uns eine Meldung zu, die, wenn sie fich, wie wir hoffen, bestätigen wird, überall im Reiche freudige Genugthuung wecken müßte. Wie wir erfahren, ist nämlich die auffällige Thatsache, daß Kaiser Wilhelm sofort nach seiner Rückkehr von Wien, unmittelbar vom Bahnhof aus, zum Reichs­kanzler Fürsten Hohenlohe fuhr, darauf zurück-

das Mädchen umfaßt, geküßt, getröstet und ihm mit tausend Betheuerungen seine Gegenliebe gelobt. Max that es nicht; steif und still stand er vor der Schluchzen­den und zermarterte sich das Hirn, wie er am besten von den Plänen, die er vorher erst im tabakqualmer- füllten Wirthszimmer in ihm wachgerufen worden waren, zu reden anzufangen vermochte.

Marianne," begann er nach einer kurzen Weile, währeno er von Neuem wieder aufseufzte.Es führt zwischen uns Beiden doch zu keinem guten Ende; am besten wär's ich läge im Grab und die Erde deckte mich!"

Mein Himmel, wie verzagt Du sprichst!" flüsterte das junge Mädchen.Wir haben uns lieb, das ist doch ein Trost in unserm Unglück."

Aber Max seufzte von neuem auf.Ich weiß es anders," versetzte er dann mit gepreßt klingender Summe.Es ist gerade, als ob mein Vater mich zum Sterben bringen wollte. Er gönnt mir keine Ruhe mehr, nicht bei Tage, nicht bei Nacht. Der erste muß ich auf dem Posten sein, als der letzte darf ich mich erst vom Pulte wieder erheben. Gestern wurde ich in der Schreibstube ohnmächtig, so entsetzlich hatte ich schaffen, rechnen und schreiben müssen, da ließ er mich aus den Hof hinaus schaffen und mit Wasser begießen. Dann habe ich weiter arbeiten müssen, wie ein Stück Vieh. Heute noch rasselt es mir auf der Brust und ein Fieber durchschauert meinen Leib. Es ist mir, als ob ich mir etwas zugezogen hätte und es nun schnell mit mir zu Ende ginge."

Es gelang dem Burschen vortrefflich, seiner Stimme