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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonntagsblatt^^ u. „Allustrirte landwirthsehaftliche Beilage".
Nr. 24.■Aensill- -en 28. Februar 1Ä
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Aus dem Reichstag.
Berlin, 22. Februar. Heute wurde die erste Lesung der Tabacksteuer-Vorlage beendigt. Abg. Bassermann (natlib.) spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen die Vorlage aus, weil ihr schwere wirthschaftliche Bedenken entgegenstünden, insbesondere weil durch sie eine große Zahl kleiner Existenzen vernichtet würde. ES sei allerdings wünschenSwertb, daß Matrikulaibeiträge und Ueber.- weisungen ba'ancirten, aber eine Dotation darüber hinaus sei nicht zweckmäßig Abg. S ch L d l e r (Ctrch erkennt an, daß die j tz'ge Vorlage gegen die vorjährige wesentliche Vorzüge habe, es seien aber doch noch in vielen Punkten Bedenken zu überwinden. Indessen, die innere Verbindung zwischen dem Reich und den BundeSstaat.» mache eine durchgreifende R gelang des Finanzwesens nothwendig, und von diesem GlsicktSpunkte aus stehe seine Partei der Vorlage nicht rein ablehnend, er persönlich sogar freundlich gegenüber. Memingiscker StaatSminister v. Heim tritt mit Rücksicht auf die finanziellen Bedürfnisse der kleinen BundeSstaaten für die Vorlage ein. Abg. Pöhlmann (ReickSp.): Ein Theil seiner Partei befürchte, es könnten in Folge der Clevererhöbung die Kleinbetriebe von den großen Fabriken N»f- gesogen werde»; definitive Ctellungnabme zu der Vorlage sei <rß dann möglich, wenn z» ersehen sein werde, daß diese B> denken wegge^äumt werden könnten. DaS sei nur bei der Kommissionsberathung möglich. Abg. G all er (südd. Volksp.) ist von der Notbmendigkeit der Vorlage nicht überzeugt, umsoweniger, als durch sie die kleinen und mittleren Betriebe bedroht winden. Abg. Frhr. v. Hammerstein (tonf.): Von einer ReichSeinkommensteuer und einer ReichSerbsckosts- steucr müsse allerdings abgesehen werden, aber er sei nicht der Meinung des Reichsschatzsekretärs, daß die Biersteuer nickt in Betracht zu ziehen sei. Die Biersteuer sei schon deshalb zu empfehlen, weil der Verbrauch des Bieres eine steigende Tendenz zeige, was beim Taback nicht der Fall sei. Die neue Tabacksteuer würde einen bedeutenden Rückgang im Konsum und eine Verschiebung der Fabrikation billiger Cigarrensorten von Norddeutsckland nach Süddeutschland herbeisühren. Abg. v. E l ni (sozb.)r befürchtet von der Vorlage eine Gefährdung der Kleinbetriebe, berechnet die Zahl der vorauSsicktlich'ir Arb-iterent- lassungen aus 35000 und spricht sich für eine ReichSeinkommensteuer auS. Meiningischer StaatSminister v. Heim hebt hervor, daß im Falle der Ablehnung der Vorlage eine Vermehrung der bireften Steuern
Zwischen Vater nni> Sahn.
Familienroman von P. HenkeS.
(Fortsetzung.)
Er ging eine Weile im Zimmer auf und nieder, während der Athem keuchend, stoßweise über seine Lippen drang. Dann blieb er plötzlich vor dem jungen Mann stehen.
„Du bist also heimgekehrt," versetzte er kurz und unfreundlich; „das heißt, Du bist zur Arbeit zurückgekehrt, zur Läuterung, denn so lange Du Dich nicht gebessert hast, bist Du mein Sohn nicht mehr. Eine Zufluchtsstätte will ich Dir nicht verweigern, aber hoffe nicht, daß ich auch im Geringsten mit Dir Nachsicht üben werde. Du bist vorläufig nichts anders, als was jeder Schreiber in meinem Kontor ist. Wehe Dir, wenn Du Deine Pflicht nicht thust. Das Haus aber hast Du weder bei Tag noch bei Nacht zu verlassen. Thust Du es dennoch wider meinen Willen," setzte er nach kurzen« Stillschweigen hinzu, während sein unablässig dräuender Blick auf der zitternden Gestalt seines Sohnes gehaftet blieb, „dann nehme ich meine Hand von Dir und lasse Dich nach Amerika spediren! Dort magst Du dann untergehen oder Dich durchbringen! Nun gehe!" brach er ab, Jenem, der den Mund zu einer Erwiderung öffnen wollte, das Wort abschneidend. „Begieb Dich auf Dein altes Zimmer zurück; essen werden wir zukünftig nicht zusammen. Ich werde der Haushälterin den Auftrag geben, daß Du auf Deinem eigenen Zimmer speisen kannst. Gute Nacht!"
unabweisbar wäre. Abg. B r ü n i n g s (natlib.) führt aus, daß die Werthsteuer für den Tabackbau zweckmäßiger sei, als die jetzige Gc- wichtsteucr. Abg. Schneider (freis. Volksp.) betont, es könne hier nicht blos von einer neuen Belastung die Rede sein, die Vorlage bedeute vielmehr eine Schraube ohne Ende. Abg. Schulz-Lupitz «Reichsp.) bemerkt, daß wohl ein Theil seiner Partei den vom Abg. Pöhlmann dargelegten Standpunkt einnehme, daß aber ein anderer Theil dem vorliegenden Entwurf seine Zustimmung gebe. Darauf wurde die Vorlage einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Finanzgesetz.
Politische Nachrichten.
Berlin, 24. Februar.
Bei dem am Sonnabend vom Staatsminister Ober- Präsidenten Dr. von Achenbach den Mitgliedern des Brandenburgischen Provinzial-Landtages gegebenen Diner, welchem auch Se. Majestät der Kaiser bei- wohnte, erwiderte Allerhöchstderselbe auf das vom Ober- Präsidenten auf Se. Majestät ausgebrachte Hoch: „Die eben vernommenen Worte Ihres verehrten Herrn Ober- Präsidenten haben aufs Neue die Gesinnungen der Treue und Anhänglichkeit Meiner Märker zum Ausdruck gebracht. Von ganzem Herzen danke Ich Ihnen dafür. Solche (Besinnungen sind in Ja schweren Zeiten doppelt werth und sind für Mich in Meinem dornenvollen Amt eine Erquickung und Unterstützung. Denn sie bedeuten das Vertrauen, welches Sie in Ihren Markgrafen setzen und das Vertrauen bedeutet hinwiederum die Lust zur Mitarbeit und zur Unterstützung; und das ist es, was Mir Meine Aufgabe am meisten zu erleichtern im Stande ist, wenn Mein ganzes Volk sich entschließt, auch mit der That seinem Landesvater fördernd zur Seite zu stehen. Die Fragen, welche im Augenblick die Gemüther bewegen, betreffen vorwiegend den Bauernstand. Wie dieselben angefaßt werden sollen, ist Ihnen zur Genüge aus Meinen letzten Auslassungen bekannt. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß es Mir gelingen wird, dauernd Nützliches für Sie zu schaffen, und mit ganzer Kraft will Ich dafür eintreten. Ich möchte aber dringend davor warnen, überspannte Hoffnungen zu hegen oder gar die Verwirklichung von Utopien zu verlangen. Kein Stand kann beanspruchen, auf Kosten der anderen besonders bevorzugt zu werden; des Landesherr«« Aufgabe ist es, die Interessen aller Stände gegeneinander abzu- wägen und miteinander zu vermitteln, damit das allgemeine Interesse des großen Vaterlandes dabei gewahrt
Ohne eine Wort zu äußern, mit heraufgezogeneu Schultern, den Kopf auf die Brust herabgesenkt, schlich Max aus dem Zimmer. Aber als er die Thür hinter sich ins Schloß gezogen hatte und nun auf dein schwach beleuchteten Korridor stand, da flackerte es grell in seinen Augen auf und ein haßverzerrter Ausdruck bemächtigte sich seiner Mienen.
„Wie einen Hund hat er mich ausgenommen . . . wie ein Hund soll ich es in Zukunft haben . . ." zischte er. „Ist das ein Leben? . . ."
Aber als er die Schritte des Vaters nahe bei der Thür hörte, zuckte er schnell wieder zusammen und in ängstlich geduckter Haltung schlich er die Treppe nach seinem Schlafstübchen hinauf.
Am nächsten Morgen nahm Eichmann feinen Sohn mit ins Kontor hinunter und führte ihn durch die Reihen gaffender Commis zu dem alten Buchhalter.
„Mein Sohn wird von heute an wieder im Geschäfte thätig sein, Stobbe," sagte der Fuhrherr. „Ich mache Sie dafür verantwortlich, daß dem jungen Menschen nichts, auch nicht das Geringste durch die Finger geht."
Damit wandte er sich und ging in sein eigenes Kontor.
Von dieser Stunde an begann in eintöniger Weise das altgewohnte Leben im Vaterhause für den Zurückgekehrten wieder. Aber er hatte es schlimmer, wie vordem. Während ihm der Vater früher zuweilen Erholungen gegönnt, ihn wohl auch dahin oder dorthin zu einem geselligen Vergnügen mitgenommen hatte, gab es außer der kurzen Erholung nächtlichen Schlafes für ihn jetzt nur noch Stunden harter, ruheloser Arbeit.
bleibe. Auf dem heutigen Tage ruht noch ein Schimmer des Tages von Friesack. Möge uns der Blick auf jenen ernsten, schlichten, erzgerüsteten Mann daran erinnern, daß nur im Zusammenwirken von Fürst und Volk der Erfolg verbürgt ist. Im Begriff, in die Feier der 25= jährigen Wiederkehr der Neuerrichtung des geeinten Vaterlandes einzutreten, mögen wir dessen eingedenk sein, wie nur die gemeinsame Arbeit aller deutschen Stämme und ihrer Fürsten das Reich gebaut. Unvergänglich ist dabei. der Ruhm der Brandenburger, vor allem an jenem glorreichen 16. August. In Erinnerung hieran und mit dem alten Rufe, mit dem die reisigen Schaaren Berlins einst den Hohenzollern zu manchem Strauß gefolgt sind: „Berlin alleweile vorne voran" erhebe ich Mein Glas und leere es auf das Wohl der Mark und Meiner Brandenburger."
S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r begiebt sich Montag den 25. d. M. Abends mittels Sonderzuges von hier nach Wien zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für Se. Kaiserliche Hoheit den Erzherzog Albrecht. Die Ankunft in Wien Nordbahnhof erfolgt Dienstag Vormittag 11 Uhr.
Zur Herausgabe der neuen Agende für die evangelische Landeskirche ist nunmehr durch Allerhöchsten Erlaß an den evangelischen Oberkirchenrath die Genehmigung ertheilt worden.
Die Begründung einer großen Mittel st andes- Partei nach dein Muster des Bundes der Landwirthe wurde am Freitag auf der Delegirten-Versammlung der Berliner Innungen angeregt und beschlossen, eine umfangreiche politische und wirthschaftliche Agitation zu entfalten. Am 1. März soll eine große öffentliche Versammlung stattfinden.
Bei bem Festmahl des Handelstages erwiderte Minister v. Bötticher auf den Toast des Vorsitzenden Frentzel: „Wenn auch Unzufriedenheit herrscht, so dürfen wir doch nicht an der Zukunft verzweifeln. Es heißt nicht verzweifeln, sondern mitarbeiten. Unzufriedenheit, welche Lärm schlägt, weil es Einzelnen schlecht geht, darf nicht über uns kommen. Möge Jeder den Kopf oben behalten. Der Handelstag lebe hoch!"
Nach einem Erlaß der Ministerien der Finanzen und des Innern an die Regierungspräsidenten kann die Betriebs st euer auch nach dein 1. April d. Js. zu den Kreisabgaben herangezogen werden, da durch die Bestimmung im § 13 des Gesetzes wegen Aufhebung direkter Staatssteuern vom 14. Juli 1893, wonach das Aufkommen
Achtes Kapitel.
Das Frühjahr, auf welches der alte Müller gehofft und das ihm von dem quälenden Husten die Erlösung bringen sollte, war noch gar fern; da trat der Tod an den Alten heran — mitten in einem stickenden Hustenanfall begriffen, fühlte der Lebenszähe es, wie eine erkältende Hand sich um seine Kehle legte und ihn nicht zu Athem kommen ließ. Dafür rann das schwarze, dickliche Lebensblut über die Lippen des ohnmächtig vom Stuhl herabgesunkenen Mannes — und der herbeigerufene Arzt stellte fest, daß das Slerbestündlein des nicht Sterbenwollenden herbeigekommen war.
9lad) drei Tagen wurde Müller begraben.
Beim Begräbniß waren natürlich die ^Verwandten nahezu vollzählig versammelt. Auch Frau Lchwark war gekommen, um ihrer Zweitältesten Tochter Luise, welche dein Dahingeschiedenen schon seit Jahr und Tag die Wirthschaft geführt hatte, in der schweren Stunde bet= zustehen und zugleich zu erfahren, was für eine Bewandt- niß es denn mit bem Testament des Todten, das gleich nach dessen Bestattung eröffnet werden sollte, hatte; Marianne hatte bei den jüngeren Geschwistern in Pinkom bleiben müssen.
Besonders wichtig machten sich natürlich die beiden Vettern, welche mit ihrer ganzen Familie erschienen waren |unb in ihren abgetragenen, altmodischen Hoch- zeitsröcken mit den fuchsig gewordenen Cylindern auf dem Kopfe, eine ziemlich heitere Figur spielten.
Nach bem Begräbniß versammelte sich die ganze Verwandtschaft wiederum in der Sterbestube des Verblichenen.