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Nr. 23. SsimW Kn 23. Ftlrmr M.
D»Mtck-IMNß.
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Amtliches.
Hersseld, den 21. Februar 1895.
Zur Abhaltung des diesjährigen Ersatzgeschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:
Freitag den 8. März d. J.
von Morgens präcis 71 /2 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus der Stadt Hersfeld, sowie den Landgemeinden Allmershaüsen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Vingartes, Eichhof, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Hilperhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar und Meisebach.
Sonnabend den 9. März d. J.
von Morgens präcis 7*/2 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Reilos, Nohrbach, Noßbach, Rotensee, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Wilhelmshof, Wippershain, Niederaula, Allendorf, Asbach, Beiershausen, Engelbach, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Heddersdorf und Holzheim.
Montag den 11. März d. J.
von Morgens präcis 7 ’ /2 Uhr ab Musterilng der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederjossa, Reckerode, Neimboldshausen, Notterterode, Solms, Stärklos, Willingshain, Friedewald, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen und Kleinensee.
(Nachdruck verboten.)
3mifi6tn Sottr inii Schn.
Familienroman von P. H e n k e S. (Fortsetzung.)
Siebtes Kapitel.
Gegen die Abenddämmerung traf Eichmann vor dem Villachen ein. Von weitem her hatte er schon das durchdringende Jauchzen heller Kinderstimmen gehört, und als er nun über das Gitter hinüberschaute, da nahm er Marianne wahr, die mit leuchtenden Augen und rothgefärbten Wangen sich mit ihren Geschwistern im Garten haschte. Die Knaben hatten es besonders auf e abgesehen; sie wollten sie, von allen Seiten heran- ü rmend, durchaus fangen, aber mit gewandten Biegungen, ei welchen die jugendschönen Formen ihres schlanken Körpers besondes zur Geltung kamen, wußte Marianne, laut auflachend, immer geschickt wieder auszuweichen.
Da aber stürmten die Brüder vereinigt mit Hellem Schlachtruf von allen Seiten zugleich auf das Mädchen in, und als dieses, zurückschnellend, an einem jungen, dünnen Baumstamme sich festhalten wollte, da knickte durch den jähen Anprall das Bäumchen und das junge Mädchen wäre sicherlich zu Boden gestürzt, wenn in demselben Augenblicke Eichmann nicht, durch die Gartenthür tretend, auf sie zugeeilt wäre und mit starkem Arm sie aufgefangen hatte.
„Nein, wie ungeschickt!" murmelte das roth gewordene junge Mädchen und blickte den so unvermuthet an sie Herangetretenen verwirrt an. „Ich sah Sie gar
Dienstag den 12. März d. J.
von Morgens präcis 71/2 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Widdershausen, Wöl- fershausen und sämmtlichen Gemeinden rc. des Amtsgerichtsbezirks Schenklengsfeld.
Mittwoch den 13. März d. I.
von Morgens prircis 8'/.2 Uhr ab Loosung und Zurückstellung derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der aus- gebildeten Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familien- Verhältnisse eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen (§. 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888).
Das Ersatz-Geschäft wird wie bisher im hiesigen städtischen Ruthhaussaale vorgenommen.
Die Herren Ortsvorstünde der Stadt- und Landgemeinden des Kreises werden angewiesen:
1. die militairpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:
a. die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich den 81. Dezemb ^ 1375 geborenen, foweL sie nicht bereits in das Militair eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten- haben,
b. die in den Jahren 1874, 1873, 1872 oder früher geborenen, welche in den Ersatz-Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählig geblieben oder gar nicht erschienen sind und demnach über ihr Militairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vorbezeichneten MusterungSterminen vorzuladen,
2. dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militairdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermin ebenfalls einfinden;
3. in den Terminen sich persönlich einzu- finden und so lange zur Stelle zu sein, bis sämmtliche Militairpflichtige der betreffenden Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Verhinderung ist für die Anwesenheit des Vicebürger- meisters Sorge zu tragen. Als Aufenthaltsort der Ortsvorstände wird die Amtsstube der städtischen Baudeputation im Rathhause, soweit dieses Zimmer
nicht kommen . . . jetzt werden Sie wohl gewiß zanken — das arme Bäumchen!"
„Daran ist nicht viel verloren!" lachte der Fuhrherr. „Wer im Leben einem so leichten Anprall nicht zu widerstehen vermag, taugt nichts! . . . das ist auch eine Lehre, Fräulein Marianne. Auf einen jungen, schwanken Stamm, der die Stütze selbst braucht, ist kein Verlaß. Aber ein knorriger Baum, der mit weit ausgebreitetem Gezweig Früchte zeitigt und Schatten spendet, bietet, ohne zu wanken und zu brechen, Schutz!"
„Jä, wenn man nur immer so einen alten Baum zur Stelle wüßte," scherzte das junge Mädchen, noch immer verlegen.
„Nun, alt braucht er nicht gerade zu sein, aber fest, stark und erprobt!"
Da lachte das junge Mädchen wieder. „Man muß halt vorsichtig sein, damit man immer schön den richtigen trifft . . . und der ist gar schwer zu finden, wenn man so von wilden Buben von allen Seiten bedrängt wird!
Der Fuhrherr gab nicht gleich eine Antwort; er ging neben ihr der Hausthür zu, während die Kinder schon vorangestürmt waren, es der Mutter verkündend, daß Besuch gekommen sei.
„Wenn ich nun einen starken Schutz und Schirm für Sie müßte, Fräulein Marianne," fragte dann Eichmann, 'plötzlich wieder stehen bleibend und ihr tief in die Augen schauend.
„Sie?" versetzte Marianne arglos. „Sie können doch nicht immer da sein, wenn es mir einfällt, mich von den Jungen haschen zu lassen.
nicht anderweitig nöthig ist, zur Verfügung stehen;
4. für die rechtzeitige Gestellung der Militairpflichtigen rc zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Militairpflichtige, welche ohne genügenden E n t sch u ldigu n g s g ru nd im Musterungstermine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrer Namen im Muste - rungslokalenichtanwesendsind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vortheile der Loosung entzogen werden. Ist die Versäumniß in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann ihre alsbaldige Einziehung zum Militairdienst alsunsichere Heerespflichtige erfolgen.
Reklamationen Militairpflichtiger um Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militairdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie des Landsturmes zweiten Aufgebots um Zurückstellung im Falle eine^RobÄmachung des Heeres sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstaude anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschriebenen, in L. Funk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) dahier stets vorräthigen Fragebogens sorgt. Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es nicht, da — wie schon erwähnt — diejenigen Personen (Eltern, Geschwister rc.), zu deren Gunsten eine Zurück stellung rc. vom Militairdienst beansprucht wird, im Musterungstermine mit zu erscheinen haben, wobei in Betreff ihrer Erwerbsfähigkeit rc. die nöthigen Feststellungen durch den betreffenden Militairarzt,' deffen Ausspruch allein maßgebend ist, bewirkt werden.
Sämmtliche Reklamationen sind umgehend an mich einzureichen.
Militairpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben auf ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle an dem betreffenden Militairpflichtigen
Da nickte der Fuhrherr langsam mit dem Kopfe. — „Nun freilich, da haben Sie recht, Fräulein Marianne," versetzte er. „Ach was, es war ja auch nur Scherz!"
Er trat auf die Wittwe zu, welche in diesem Augenblick zu seiner Begrüßung herbeikam, blieb aber nicht lange, sondern kehrte schon bald und wie es schien in plötzlich unwirsch gewordener Stimmung dem Villachen den Rücken.
Während seines kurzen Aufenthalts hatte er es plötzlich vermieden, noch einmal das Wort an Marianne zu richten, die ihm nun, als er beim Abschied sich begnügte, ihr kurz die Hand zu reichen, ohne ein Wort dabei zu äußern, befremdet und verschüchtert nachschaute»
„Sollte ich ihn durch meinen Scherz gekränkt haben! frug sie die Mutter, der die überhastete Verabschiedung des Fuhrherrn ebenfalls ausgefallen war. „
„Ach was, Du faßt das nicht richtig an, meinte die Wittwe, ihrer Tochter dabei einen freundschaftlichen Stoß versetzend, „das mußt Du doch schon lange ge- merkt haben, was mit ihm los ist! Hub als Marianne sie verwirrt ansah, dunkelroth dabei im Gesicht werdend, fügte die Wittwe hinzu: „Der ist doch in Dich bis über die Ohren verliebt ... den kannst Du um'n kleinen Finger wickeln, wenn Du nur willst!"
„Aber Mutter, wo denkst Du hin . . . so ein ernster, gesetzter Mann!" flammte das junge Mädchen auf . . . „der denkt doch nicht an so 'was!"
Die Wittwe nickte nur vielsagend mit dem Kopfe und schwieg.
Eichmann hatte sich inzwischen direkt nach Hause be-