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Nr. 22. LmerW Jen 21. Februar 1895.
Amtliches.
Hersfeld, den 18. Februar 1895.
Nach einer Mittheilung des Kommandos des Hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 zu Castel muffen junge Leute, welche bei diesem Truppentheil als Freiwillige zum Rekruteneinstellungstermine einzutreten wünschen, sich unter Vorzeigung ihres Meldescheines am 1. Juli d. Js. Vormittags 11 Uhr auf dem dortigen Dienstzimmer, Castel, Witzstraße, an der Wilhelmskaserne persönlich melden. Mit Rücksicht auf den großen Andrang von Freiwilligen bei dem Bataillon können nur diese Meldungen Erfolg haben.
I. II. Nr. 371. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 15. Februar 1895.
Der seitherige Bürgermeister Johannes Wenzel zu Malkomes ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt, bestätigt und heute verpflichtet worden.
J. A. Nr. 438. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Zugelaufen: ein schwarzer Dachshund. — Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Ausbach. Gefunden: eine Peitsche. — Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu BeierShauseu.
Uichtamiltches.
Audienz M Aubcs der Lmbvirthe bei öl Mchstiit Kein Kaiser.
Am Montag früh 10 Uhr empfing Se. Majestät der Kaiser in Gegenwart des Ministers des Innern und des Land- wirthschaftsministers die Abordnung des Bundes der Landwirthe, bestehend aus den Herrn v. Plötz, Dr. Rösicke, Dr. Suchswald, Lutz, Frhr. v. Ketteler-Harkotten, Lücke und Düring. Nachdem Se. Majestät sich die Herrn hatte vorstellen lassen, verlas Herr v. Plötz folgende Adresse: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
(Nachdruck verboten.)
Zwischen Vater miil Schi.
Familienroman von P. H e n k e s.
(Fortsetzung.)
„Meinen Sie?" entgegnete der Fuhrherr, während ein finsterer Schatten über seine Stirn huschte, „Sie glauben wohl, weil es mir ein klein wenig besser geht als den meisten übrigen Menschen? Und weil ich durch redliche Arbeit ein tüchtiges Vermögen erworben habe..... Aber was ist Geld und Gut? Es kann einem den Mangel an anderem, ungleich Besseren nicht ersetzen!" „Nun, Sie haben doch immer einen Sohn . . . . ."
„Schweigen Sie mir von dem," unterbrach sie Eich- mann, während seine Stirn sich immer mehr verfinsterte. „Sie wissen wohl, daß ich auf diesen nicht stolz sein kann !"
„Ach, das möchte ich nicht sagen," erwiderte das junge Mädchen, während ein lebhaftes Roth ihre Wangen verdunkelte. „Gewiß, Ihr Sohn ist vielleicht ein wenig leicht, wie viele junge Herren. Aber was Sie ihm zur Last legen, das glaube ich nicht. Er hat sich nimmermehr an meines Vaters Leben vergriffen!"
Eichmann seufzte betrübt. „Wer weiß es," versetzte er dann. „Ich will es auch hoffen, daß er an dieser Schandthat unbeteiligt war, obwohl der Verdacht gegen ihn spricht. Aber was er mir angethan hat in jener Nacht, das kann er durch zehnmal so lange Haft nicht vergessen machen. Er soll nur wieder heimkommen, dann sprechen wir ein anderes Wort."
Im Vertrauen auf Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Huld und Gnade nahen sich die Vertreter von zweimal Hunderttausend deutschen Landwirthen, um von Neuem au den Stufen. Eurer Majestät Thrones das Gelübde unwandelbarer deutscher Treue niederzulegen. Die Treue zu Eurer Majestät und zu unserm angestammten Fürsten ruht, wie die Gottesfurcht und Heimaths- liebe tief und fest in den Herzen derer, die die vaterländische Scholle bebauen. Sie treibt uns, Eurer Majestät Gehör zu erbitten für die Noth der deutschen Landwirthschaft.
Unsere Lage ist leider von Jahr zu Jahr eine trübere geworden. Und heute sind wir dahin gekommen, daß selbst in gut geleiteten Wirthschaften, auf besten Böden ein Betriebsverlust sich einstellt. Auch schuldenfreie Besitzer müssen deshalb bei einer Fortdauer der jetzigen schwierigen Lage ihrer Zukunft mit Sorgen entgegensehen. Aus dem Empfinden dieser Gefahren ist der Bund der Landwirthe entstanden zu einer Zeit, in der immer schwerere Wolken für die Landwirthschaft sich aufthürmten. Wir waren seitdem bemüht, in ernster Arbeit zu ermitteln, auf welche Weise die heutige Nothlage der deutschen Landwirthe beseitigt werden könnte. Eure Majestät wollen geruhen, dies aus den Druckschriften Allergnädigst zu entnehmen, welche wir ehrfurchtsvoll überreichen zu dürfen bitten. Mancher der hierin enthaltenen Vorschläge wird der Verbesserung noch bedürfen. Doch darüber können wir nicht im Unklaren fein, daß all unser Schaffen und Können ein vergebliches bleibt, wenn unserer Arbeit nicht der besondere Schutz Euerer Majestät gesichert ist.
Euere Majestät! Der deutsche Bauernstand ringt um seine Existenz. Mit ihm steht und fällt die Zukunft des deutschen Vaterlandes. Und so bitten wir. denn für die bedrohte deutsche Landwirthschaft um Allerhöchst deren mächtige Hülfe.
S. Majestät nahm die Adreffe entgegen und erwiderte Folgendes:
Dem Beispiel der Ostpreußischen Landwirthe, welche im Oktober v. Js. zu Mir kamen, folgend, sind auch Sie nun erschienen, um Mir Ihre Wünsche vorzutragen. Ihr Empfang ist Ihnen Beweis, wie ernst es Mir um das Wohl und'Wehe Meiner Bauern zu thun, und daß Mein Wort, daß Meine Thür jedem Unterthanen offen stehe, keine leere Formel ist. In dem Eifer, sich selbst zu helfen und den auf der Landwirthschaft lastenden Druck allen Kreisen des Volkes klar zu machen, haben sich Mitglieder Ihres Bundes in dem verflossenen Jahre zu einer Agitation in Wort und Schrift verführen lassen,-, die, über
Er sah nicht das rasche bange Zusammenzucken des jungen Mädchens, sondern stand auf und strich mit der Hand über die Stirn.
„Ja, ja, mein liebes junges Fräulein," versetzte er dann, als er plötzlich unvermittelt in das betrübt darein- schauende Gesicht Mariannens sah. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und wenn man auch möchte, man kann nicht immer lachen."
Aber die Leute sagen, Sie hätten noch nie lachen können, Herr Eichmann," entgegnete sie zaghaft. „Und das ist doch nicht recht, denn in der Schule, da haben wir gelernt, daß . . ."
Sie unterbrach sich plötzlich und schaute verschämt vor sich nieder. „Aber da hätte ich bald eine rechte Dummheit gesagt . ." murmelte sie.
Eichmann war dicht an sie herangetreten und sah mit seltsam warmem Blick in ihr wie mit Blut über- gossenes liebliches Gesicht.
„Nun aber heraus mit der Sprache und Farbe bekannt!" meinte er gut gelaunt. „Was haben Sie in der Schule gelernt?"
„Ach, ich bin ein recht thörichtes Ding," sagte sie, immer verwirrter werdend, „das fuhr mir nur so heraus, ich weiß garnicht, wie ich dazu kam!"
„Sie entrinnen mir nicht. Frisch Farbe bekannt!" drängte der Fuhrherr.
Aber Sie dürfen mir nicht böse sein, ich meinte es auch garnicht so," zögerte das junge Mädchen. „Einer unserer Lehrer hat einmal gesagt, Jemand, der garnicht
den Rahmen des Zulässigen hinausgehend, mein landes- väterliches Herz tief kränken mußten. An dem heutigen Tage jedoch haben Sie, gleich wie meine Ostpreußen, dieses Vorgehen wieder gut gemacht. Aus der bevorstehenden Berufung des Staatsro^hes, dem alle einschlagenden Fragen zur Berath- werden vorgelegt werden, mögen Sie ersehen, wi' ,H hoffe, unter Mitwirkung von Landwirthen aller^^nde, Ersprießliches für die Hebung der Landwirthsch'aft zu erwirken. Mein landesväterlicher Rath geht deshalb dahin, daß die Herren jeder sensationellen Agitation sich enthalten und mit Vertrauen der Arbeit des Staatsrathes folgen mögen. Wir wollen Gott bitten, daß diese Bemühungen zum Heil der Landwirthschaft ausschlagen und daß Ihnen ein gutes Jahr bescheert fein möge.
Sodann sprach Se. Majestät noch mit mehreren Herren der Abordnung, ließ sich vortragen, welche Wünsche man hinsichtlich etwaiger gesetzlicher Maßregeln zur Beseitigung des Nothstandes der Landwirthschaft hege, und wies darauf hin, daß zur Zeit ebenso wie bei uns auch in anderen Staaten die Lage der Landwirthschaft leider einL. ungünstige sei. Se. Majestät sprach die Hoffnung aus, daß in dem demnächst zu berufenden Staatsrathe die Fragen eingehend erörtert werden würden und verband ^amit den lebhaften Wunsch, daß sich die Lage der bedrückten Landwirthschaft baldigst verbessern möge.
Aus dem Reichstag.
Im Reichstage wurde am Montag die zweite Berathung des Etats des ReichSamtS dcS Innern fortgesetzt. Auf Anfrage des Abg. Frei» Herrn v. Hehl (natlib.) erklärt der StaatSminister v. Bottich er, daß das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb eine einheitliche Regelung der Bezeichnung des Rauminhalts der Echankgefäße ermöglichen werde. Ferner erklärt der StaatSminister v. Bötticher infolge einer Anregung der Abgg. Hammacher (natlib.) und v. Leipziger (kons.), er hoffe die Gehälter der technischen Hilfsarbeiter im NormalaichungSamt bei einer Besserung der Finanzlage aufbessern zu können. Abg. LingenS (Ctr.) fragt nach dem Stande der Untersuchung über die Ansteckungsgefahr aus Kirchhöfen. Der Direktor des ReichSgesundheitSamtS Köhler stellt die Veröffentlichung der Unter- suchungsergebnisfe für das nächste Jahr in Aussicht. Die Abgg. LangerhanS (frf. VolkSP.) und Schröder (frf. Ver.) sprechen sich für die Feuerbestattung aus. Zum Kapitel ReichSversicherungS- amt beantragen die Abgg. Auer (fozd.) und Genossen, die ReichS- regierung um die Vorlage eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch welchen jeder Versicherte nach vollendetem 70. Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Altersrenten und diejenigen Versicherten, welche nicht mehr im Stande sind, die Hälfte ihres JahreSarbeitSverdiensteS zu erwerben, Invalidenrente erhalten sollen. Hierzu stellen die Abgg. H i tz e (Etr.) und Genossen den Abänderungsantrag, unter Ablehnung deS AntrazcS Auer die ReichSregierung zu ersuchen, die Vorlage der in
lachen könne, sondern nur ernst und gedrückt in die Welt schaue, der könne auch kein guter Mensch sein . . . Aber nicht wahr, jetzt sind Sie mir böse, und es ist doch so undankbar von mir, daß ich so etwas sage, der Sie uns doch so viel zu Gute gethan haben!"
Betroffen hatte Eichmann zuerst dareingeblickt. Jetzt sank seine mächtige Gestalt förmlich zusammen und sein Blick verlor sich in die mit bittendem Ausdruck auf ihn gehefteten Augen des jungen Mädchens.
„Ich weiß es wohl, daß mich die Leute meines Ernstes wegen bereden," versetzte er dann leise, wieder auf dem Sessel Platz nehmend; „aber liebes Fräulein, alles verstehen heißt alles verzeihen.
Auch ich war einmal heiter und glücklich und es wurde mir nicht schwer zu lachen. Das war damals, als ich, nachdem ich kurz zuvor des verstorbenen Vaters Geschäft übernommen, mein junges Weib Elisabeth heimgeführt hatte. Wie schön die Welt mich da an- muthete! Aber es ist niemand ungestraft glücklich auf dieser Welt! Wir waren gerade ein Jahr zusammen, da schenkte uns der Himmel einen Knaben. Mein junges Weib aber mußte die Geburt des Sohnes mit dem Tode bezahlen!"
Gänzlich in die Erinnerung versunken, haschte er unwillkürlich nach der Hand des dicht vor ihm stehenden jungen Mädchens und hielt diese fest.
„Sehen Sie, Fräulein Marianne, das ist ein gar eigen Gefühl, Jemand lieb zu haben und von ihm scheiden zu müssen. An Sie ist es ja auch herangetreten,"