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Nr. 6.
AechW Heil 15. Zumr
18V.
Amtliches.
Hersfeld, den 14. Januar 1895.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. Januar 1882 Nr. 119, im Kreisblatt Nr. 2, betreffend Erfahrungen bezüglich der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen, noch im Rückstände sind, werden hieran mik Frist bis zum 20. b. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
I I. Nr. 119/82. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs Rath.
Hersfeld, den 2. Januar 1895.
In Gemüßheit des § 25 bezwse. 45 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in dem Zeitraum u o m 1. Januar 1875 bis einschließlich 31. Dezember 1875 geboren sind,
2 . dieses Alter bereits überschritten , aber sich noch nicht vor ein^rErsatz- »Behörde zur M u st e r u n g b e z w s e. A u s - Hebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über i h r M i l i - tairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben,
sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I., zur Rekrutiruugs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits er- gangene Bestimmungen über ihr Militairverhältniß ent- halten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monate folgende Bekanntmachung < in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen:
„Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei dem Orts- vorstande zur Rekrutirungs-StammroUe zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem
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(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
willenlos.
Kriminalerzählung e von
Ernst Kronb « rg.
(Fortsetzung.)
Mehr der Ton als die Worte selbst ließen den Verbrecher erbeben. Einige Sekunden schaute er unter sich, dann aber nachdem er mit einem flüchtigen, forschenden | Blick die noch immer in ihrer Ohnmacht Verharrende gestreift, athmete er tie^ auf und hob entschlossen den Kopf.
„Ich weiß nicht, was Ihr von mir wollt, alter : Smiles?" entgegnete er rauh. „Es ist wahrlich weit gekommen mit der „Nassen Sieben", wenn der Herbergs- . O vater schon schuftigen Polizeispitzeln Unterschlupf und Beistand gewährt
»Das ist meine Sache und geht Euch nichts an, Freund!" schnitt ihm Smiles kaltblütig das Wort ab. «Ihr sollt uns verkünden, wie Ihr zu jener jungen Taine gekommen seid? Wird's bald?"
!Aber Bigg schob die Achseln in die Höhe und lachte dann plötzlich, laut auf. „Auf die einfachste Art von der Welt —" höhnte er; „diese junge Dame ist meine mir angetraute Frau, und ich glaube wohl das Recht zu haben —"
»Ihr lügt!" unterbrach in diesem Augenblick Frank Gardener den Verworfenen. Er zitterte vor Aufregung am ganzen Körper; kalter Schweiß rann ihm von der : Stirn und die Augen waren weit aus ihren Höhlen
anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober-Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufzustellenden Rekrutirungs-Stamm- rollen pro 1 875 sind mir nebst den beiden Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutirungs-Stamm- rollen der Jahre 1 8 7 3 und 1874 bis spätestens zum 5. Februar d. Js. unter der Bezeichnung Militaria einzureichen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände rc. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig- freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militairpflichtige Alter eintreten bezwse. eingetreten sind, und ihrer activen Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des § 93 pos. 2 der Wehrordnung vom 22. November 1888 sich bei der Ersatz Commission ihres Gestellungsortes schristlK^ oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Schließlich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die vorbezeichneten Stammrollen sauber aufgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig a u s g e f ü l l t werden; auch muß, wenn z. B. ein Militairpflichtiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist — Ferner muß bei jedem einzelnen Militairpflichtigen in der dazu bestimmten Rubrik durch Eintragung der Worte: „ja" oder „nein" angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so ist ebenfalls anzugeben, ob Bestrafung desselben erfolgt ist oder nicht und eventuell weshalb nicht.
J. II. Nr. 1. , Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i u i tz, G Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 11. Januar 1895.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 9. November 1894
I. il Nr. 3089, im Kreisblatt Nr. 133, betreffend die
hervorgetreten. — „Ihr lügt, Ihr lügt!" wiederholte der maßlos Erregte nochmals in keuchendem Tone.
Dann schnellte er auf die von den Negern auf den Boden Niedergelegte zu und trotz der Abwehr der schwarzen Gesellen sank er neben der Ohnmächtigen auf die Knie nieder.
„Liebe, gute Elly!" rief er, während das lange von ihm verhaltene innere Schluchzen nun zum elementaren Ausbruch kam. „Schlage die Augen auf, Gott hat ein Wunder gethan und Dich, mein Lieb, das ich schon als todt betrauert, zu neuem Leben zurückgerufen-- nun komm' zu Dir, Geliebte, sage es jenem Unhold, der seiner gerechten Strafe nicht entgehen soll, daß Du ihn nicht kennst, es frevle Anmaßung ist, was er behauptet!"
„Hollah, alter Smiles!" ließ sich Bigg, der inzwischen die Hände in die Hosentaschen gesteckt hatte und nun mit völlig wiedergewonnener Sicherheit dicht an den Richterstuhl des Herbergsvaters herantrat. „Ich muß gestehen, meine Verwunderung wird immer größer. Bin ich in der „Nassen Sieben" oder im Gerichtshause auf Bowerystreet? Verdammt schönes Abenteuer das, heute Nacht! Erst stöbern mich die Kerle in dem Spielsaal auf, verfolgen mich auf Mord und Tod, schleichen mir bis in die „Nasse Sieben" nach, belauschen mein Thun und Lassen und statt Ihr, Smiles, die Kerle ausknüpft, gerathe ich selbst in Gefahr, mit meinem Weibe gleich jungen Hunden in den schlammigen Fluthen ersäuft zu werden."
Aber Smiles lachte nur wieder und schaute dazu
Nachweisung über die Belegungsfähigkeit der Gemeinden, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. Mts. erinnert.
II. Nr. 3089/94. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtliches.
Aus dein Reichstag.
Berlin, 11. Januar. Heute wurde die erste Lesung der Um- sturzvo rlage fortgesetzt. Abgeordneter v. Wolzlegier (Pole) betonte, daß der Aufruf zum Kampf für Religion, Sitte und Ordnung in der polnischen Bevölkerung lauten Wiederhall gesunden habe; es gebe zwar auch eine polnische Sozialdemokratie, aber diese sei nur entstanden auf dem Boden der deutschen sozialdemokratischen Bewegung. Die vorgeschlagenen Gesetzänderungen hätten indessen soviel Bedenkliches, daß die Polenfraktion ihr im Ganzen nicht zustimmen könne, doch sei sie einer Kommissionsoerathung nicht abgeneigt. — Preußischer Minister des Innern v. Köller: Wenn man überzeugt sei, daß in unseren öffentlichen Zuständen Wandel geschaffen werden müsse, dann dürfe man nicht mit der schon aus früheren Jahren stammenden doktrinären Streitfrage, ob Ausnahmegesetz oder gemeinsames Recht, die Zeit verlieren. Man dürfe mit gesetzgeberischen Maßregeln nicht warten bis die erste Bombe geplatzt und bi« un, schulviges Blut ^ji^f«T («L Leider sei eS nicht richtig, daß, wie man vielfach behaupte, die Regierung zu schwarz sähe; durch die Glorifikation von Verbrechen sei im Lande schon soviel Unglück angerichtet worocn, daß dagegen auf dem Wege der Gesetzgebung einge- schritten werden müsse. Der Minister bekämpfte die während der Debatte gegen die Vorlage vorgebrachten Einwürfe, und begründete die Nothwendigkeit der Vorlage mit thatsächlichem Material au« sozialdemokratischen Reden und Zeitungen der jüngsten Zeit, in denen Meineid und Diebstahl verherrlicht, Monarchie, Ehe und Familie angegriffen, Glaube und Religion beschimpft, Vaterlandsliebe und Patriotismus lächerlich gemacht würden, ohne daß man dagegen hätte strafrechtlich einschreiten können. Diesem Treiben könne die Regierung nicht mit verschränkten Armen zusehen. Es komme daraus an, daß alle staatSerhaltend'u Parteien sich zusammenthun, um Rechte, Ordnung und Sitte zu schützen und dem deutschen Volke seine heiligsten Güter zu wahren. — Abgeordneter Lieberina n n vonSonneberg (Antisemit): Das Reichsftrafgcsetzbnch bedürfe allerdings einer gründlichen Umformung, aber die vorliegende Fassung deS Gesetzentwurfs sei unannehmbar. Hoffentlich werde bei der Kommissionsberathung etwas Brauchbares geschaffen werden. Der Redner sprach sich für eine Verschärfung deS MilitärstrafgesetzbuchS nud für die Abwehr der AuS- breituilg von Umsturzidcen im Soldatenstande aus, wendete sich dann gegen die Juden und rief schließlich die gebildeten und besitzenden Klassen auf, damit sie zur christlichen Weltanschauung zurückkehren mögen. — Abgeordneter Freiherr von Hodenberg (Welse) sprach geg^n daS Gesetz; gegen den Umsturz helfe nur die Rückkehr auf den Boden des Recht«, auf den Boden der zehn Gebote, aber nicht bloS im privaten, so ideni auch im politischen Leben. — Abgeordneter
den Verbrecher mit einem Blick an, daß dieser auch seine Keckheit plötzlich wieder vergaß und scheu unter sich blickte.
So schauerlich weckte das Lachen des Alten das schlummernde Echo im unterirdischem Gewölbe, daß trotz der großen Zahl Anwesender Todtenstille in demselben herrschte; nur das aus tiefinnerster Brust hervordringende Röcheln des neben der noch immer ohnmächtigen Elly niedergeknieten Frank wurde hörbar.
Gewaltsam schüttelte Bigg den grauenvollen Eindruck, welchen des Alten Lachen auf ihn gemacht hatte, ab. Mit einem Achselzucken wollte er zurücktreten.
„Gut denn," brummte er höhnisch, „dann such' ich mir ein anderes Quartier — — bin das Auslacken nicht gewöhnt! Die „Nasse Sieben" sieht mich nicht wieder!"
Smiles verharrte einen Augenblick noch unbeweglich auf seinem Stuhle; dann sprang er von diesem empor und trat mit rollenden Augen an Bigg heran, es scheinbar nicht gewährend, daß dieser ihn mit halb furchtsamen, halb tückischen Blicken anstarrte. „Freundchen, wenn man leugnen will, so muß man'« besser verstehen, als Ihr," sagte er dann anscheinend im harmlosesten Tone von der Welt. „Ihr habt freilich ein Weib mit in die „Nassen Sieben" gebracht, aber die ist gestern Früh an hochgradiger Schwindsucht gestorben, und Ihr habt ihr — zu welchem Zwecke kann ich mir an den Fingern abzählen — den Kopf abgeschnitten. Verdammt schlauer Einfall von Euch, nun diese junge Dame dort," damit wies er auf die Ohnmächtige, „für Euer todtes