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Unser Kranker thut ganz recht, daß er Ihnen dankbar die Hand küßt."

Also war es dieser Engel, der mich dem Leben erhalten hat," sprach Robert, sich müh- sam aufrichtend und Hanna mit leuchtenden Augen betrachtend.O Dank Dir, mein süßes Lieb, nicht nur für mein Leben, sondern für das Glück, daß ich Dich Wiedersehen durfte, Dich, die mir das teuerste auf Erden ist."

Ah," machte der Arzt,ein Wiedersehen zweier Glücklichen nach langer Trennung. In diesem Fall fühle ich mich etwas über­flüssig, habe ohnehin hier nicht mehr viel zu thun. Blos ein wenig mehr Ruhe möchte ich anempfehlen, die entgegengesetzte Aufregung greift die Nerven unnütz an. Schwester Sophie, im Notfall etwas Eis auf den Kopf und damit Gott befohlen."

Wenn Sie erlauben, Herr Doktor, be­gleit' ich Sie," sagte diese,ich will ich will das Eis holen. Weiß der liebe Gott, wo ich das bei der Hitze werde auftrei- ben können."

Indem sie Hanna zuwinkte und zum Zeichen, daß sie schweigen und die Glück- scligkeilsausbrüche Werdenaus mäßigen solle, folgte sie dem Arzt auf dem Fuße.

Draußen aber blieb sie stehen und faltete fromm die Hände.

Lieber Gott, vergieb mir, wenn ich unrecht gethan habe, die beiden allein zu lassen," betete sie.Aber ich erfülle damit nur eine Pflicht der Dankbarkeit. Er hat mir ja das Leben ge­rettet und sie, die ich eigentlich hüten sollte, liebt ihn von gan- ^m Herzen, so daß sie aus Sehnsucht nach ihm fast zu Grunde gegangen ist. Dn all­gütiger Herrgott hast sie ja zu- sammen geführt, da stände es mir ja schlecht an, wollte ich trennend zwischen sie treten.

Langsam schritt sie über die Plattform, und stieg die Treppen hinunter zu den Fieberkranken, die von der Etappenstraße nach den Seen eingetroffen waren. Auf dem Dache des Lazaretts war es still geworden in der brütenden Tagessonne, nur die Palmen rauschten leise in dem heißen Passatwinde und das leise Knistern ihrer Blätter und grü­

neu Wedel reichte hin, das Flüstern glückseliger Liebe zu übertönen, mit dem die Wieder- vereinten sich der Trennung Leid klagten und

von der Zukunft Wonne träumten.

XVII.

Vierzehn Tage später konnte Werdenau sein Schmerzenslager verlassen. So lange noch die Gefahr eines Rückfalls drohte, weilte Hanna bei ihm, dann übernahm Sophie den regelmäßigen Pflegedienst, während Hanna nach Bagamoyo znr Oberin des Samariter- hanses reiste, um ihr eine öffne Beichte über das Vorgefallene abzulegen.

Die würdige Dame verschloß sich mcht der Erkenntnis dieser heiklen Lage ihrer Untergebenen. Die Furcht Hannas, daß man sie in Bagamoyo znrückbehalten würde, er- füllte sich nicht.

Kehren Sie getrost auf Ihren Posten zu­rück," lautete der endgiltige Bescheid.Wenn ^hr Patient völlig genesen, soll Ihre Ange- ügenheit geregelt werden und ich gebe ^hnen mein Wort, daß ich keinen Machtspruch ge- brauchen werde, der Sie nnbcr Ihren

Willen von ihm trennt. Beten Sie zu Gott, daß er Sie erleuchte, damit Sie nach seinem Willen handeln und Ihr Gewissen nicht Schaden leide. Bis dahin mögen Sie streng Ihre Pflicht erfüllen, denn so ist es Brauch unter dem roten Kreuz."

Hanna gehorchte, obwohl mit großer Selbstüberwindung. Ihre zarte Gesundheit hatte gelitten. Die Aufregung, die Rückfahrt nach Pangani, welche sie auf einer Segeldau bei bewegter See machen mußte, sachten das au, welches schon lange durch ihre Adern schlich. _ Eine Zeit lang mußte auch sie das Bett hüten, nun war Schwester Sophie ge­zwungen, ihre Aufmerksamkeit zwischen zwei Krankenlagern zu teilen. Durch große Ga­ben Chinin wurde der tückische Feind aus Hannas Körper vertrieben.

Bald vermochte sie wieder in Werdenaus Zelt zu erscheinen, dessen Genesung auch in erfreulicher Weise fortschritt. Verlangte er doch unaufhörlich nach ihr und sie folgte nach des Doktors Wunsch

dem Rufe des Kranken, ihr eignes Leiden hel­denmütig bekämpfend. Für sich selbst hoffte sie schon längst nichts

Der Viktoria-Terminus in Bombay.

ffidit nur auf dem Festland- werden stolze EisenbahnpalLste erbaut, sondern auch bereits auf meerumsäumten Inseln.

m mnmbeM ist der Sitz der Präsideutschast der indo-britischen Reichs und hat nächst Caleutla den Rils, der erste ostindische Handelsplatz

Bombay Mr. N Präsideutschast umfasst 323 903 Quadratkilometer und etwa 19 Millionen Einwohner. Sie hat einen Knegshafen, Forts, 8 oenckiturm Das Bahuho sgebäude Bombays ist, wie unser Bild zeigt, von geradezu überwältigender Schönheit, trotzdem m allen

ebenso auch einen L.euch«urm. Einrichtungen als äußerst zweckentsprechend zu bezeichnen.

mehr. Der Gedanke, daß sie je Roberts Gat­tin werden könne, lag ihr trotz seiner schwär- Menschen Liebe unendlich fern. Sie wider- sprach ihm nicht, um feine Genesung nicht aufzuhalten, aber in ihrer Seele tönte der Schwur noch, den sie einst ihrem verstorbenen Gatten geleistet.

Freilich hatte sie auf das Vermögen ver- zichtet und war dadurch Herrin ihres Willens und ihrer Hand geworden und dennoch fühlte sie Gewissensbisse. Der Schatten des Rachsüchtigen drängte sich zwischen sie und ihre Liebe. Wie schwer wurde ihr das Ent- sagen gemacht? Um vor sich selbst und ihren sündigen Wünschen zu entfliehen, hatte sie ein Leben des Glanzes mit dem steter Arbeit und "Entbehrungen eingetauscht, hatte das schöne Vaterland verlassen und war in diese Gegend voll sengender Glnt und entnervender Rieber geflüchtet.

6 Gott hatte es wohl anders bestimmt. Er hatte den Geliebten ihr wieder Angeführt, I haue sie begnadet, den tödlich Verwundeten

zu retten und sein Herz vor ihren Blicken aufgeschloffen. Und dennoch zweifelte und bangte sie und betete, der Allmächtige möge den Kelch des Glückes an ihr vorübergehen lassen.

Darum achtete sie ihrer Schwäche nicht und ging mit Selbstverleugnung allen Pflich­ten nach, welche ihr das schwere Amt der Schwestern vom roten Kreuz auferlegte. Sie suchte die Kranken in den erbärmlichen Neger- Hütten auf, sie pflegte die vom Wundtyphus ergriffnen Krieger im Lazarett und wachte bei den Blatterkranken in den Baracken am Panganifluß. Aber die Ansteckung mied die Pflichteifrige, Hanna erstarkte mitten in der Gefahr. Sah sie auch blaß und angegriffen aus, sie fühlte sich kräftiger als je und schwächer dem Geliebten gegenüber, der aus der kurzen Stunde, welche sie ihm schenken durfte, Genesung und neue Lebenslust schöpfte.

Eines Tages hatte sich Hanna auf den Weg nach dem Krankenhause gemacht, als ihr

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ein großer, wohlgenährter, ganz in weißes Linnen gekleideter Mann entgentrat, der, den Tropenhelm militärisch berührend, sie begrüßte.

Dürfte ich Sie, teure Schwester, nach dem Wege zum Militärlazarett fragen?" sprach er mit tiefer Stimme, welche sie aus ihrem Sinnen anfschreckte, so daß sie den Mann überrascht und doch mit Heller Freude in den Blicken anschaute.

Sie wüuschen wahrscheinlich Herrn von Werdenau zu sprechen," fragte sie dagegen.

Getroffen, fromme Dame," antwortete der Weißgekleidete verwundert,aber woher vermuten Sie?"

Nun alle Welt fragt ja nach dem Be- sieger der Massai."

So? Es soll ihm aber schlecht bekommen sein. Der arme Mensch wurde verwundet. Gespickte Leber und dergleichen. Ich er- fuhr die Geschichte in Dar-es-Salaam und

bin sofort hergedampft.

(Schluß folgt.)