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und blieben eine halbe Stunde lang unsichtbar. Endlich kam eine zum Vorschein, bestieg rasch den Hügel, unter welchem die Röhre ausmündete, sah sich aufmerksam nach allen Richtungen um und flog nun gemächlich nach den Wiesen hin.

Auf Sylt legt man künstliche Bauten an, indem man auf niedrigen, mit Rasen überkleideten Dünenhügeln wage- rechte Röhren bildet, die sich im Mittelpunkte des Hügels neuartig durchkreuzen und so zur Anlage der Nester dienen. Jede Niststelle wird mit einem aus Rasen bestehenden, genau schließenden Deckel versehen, der sich abheben läßt und Untersuchung des Nestes gestattet, die Niststelle selbst mit trockenem Geniste und Moose belegt, damit die an­kommenden Vögel die ihnen nötigen Stoffe gleich vorfinden mögen. Diese Baue werden von den Brandgänsen regel­mäßig bezogen, auch wenn sie sich in unmittelbarer Nähe von Gebäuden befinden sollten; ja, die Vögel gewöhnen sich nach und nach so an die Besitzer, daß sie sich, wenn

sie brüten, unglaublich viel gefallen lassen. Stört das Weibchen nicht, so legt es 712 große, etwa 70 lange und 50 mm dicke, weiße, glatt- und festschalige

man mm Eier

man

und beginnt dann eifrig zu brüten. Nimmt man ihm, wie es auf Sylt geschieht, die Eier weg, so zwingt es, daß es 2030 legt. Nach und nach umgiebt es das

Gelege mit Daunen und deckt auch beim Weggehen stets das Nest mit ihm sorgfältig zu. Es liebt die Eier sehr und weicht nicht vom Neste, bis man es fast greifen kann. Die, die in den künstlichen Nestbauen auf Sylt brüten, find so zahm, daß sie beim behutsamen Aufheben des er­wähnten Deckels sitzen bleiben und erst seitwärts in eine Nebenhöhle schlüpfen, wenn man sie berührt. Bei Be- fichügung der Baue pflegt man vorher den einzigen Aus­gang zu verstopfen, damit die Gänse nicht herauspoltern und scheu werden. Nach beendeter Musterung der Nester öffnet man die Hauptröhre wieder; bann aber kommt keine der Brutgänse zum Vorschein; jede begiebt sich vielmehr wieder auf ihr Nest. Die, die eine kurze, hinten geschlossene Höhle bewohnen, lassen sich auf den Eiern leicht ergreifen, verteidigen sich dabei aber mit dem Schnabel und fauchen dazu wie eine Katze ober stoßen, mehr aus Aerger als Angst, schackernde Töne aus. Nach vollendeter Brutzeit, die 26 Tage währt, führt die Mutter ihre Jungen der nächsten Stelle des Meeres zu, verweilt unterwegs aber gern einige Tage auf den am Wege liegenden füßen Ge- wäffern. Die wandernde Schar kann man leicht erhäschen, während dies fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn die Familie bereits tieferes Wasser erreicht hat; denn die Jungen tauchen vom ersten Tage ihres Lebens an vor­trefflich. Uebrigens versucht die Mutter, ihre Kinder nach besten Kräften zu verteidigen, indem sie entweder dem Feinde kühn zu Leibe geht, oder ihn durch Verstellung zu täuschen sucht.

Für die Bewohner von Sytt und anberen Inseln der Nordsee ist die Brandgans nicht ganz ohne Bedeutung. Die Eier, die man nach und nach dem Neste entnimmt, werden, obgleich ihr Geschmack nicht jedermann behagt, geschätzt, und die Daunen, die man nach vollendeter Brut­zeit aus den Nestern holt, stehen denen der Eiderenten kaum nach und übertreffen sie noch an Sauberkeit. Das Wildbret der alten Vögel wird nicht gerühmt, weil es einen ranzigen oder thranigen Geschmack und widerlichen Geruch hat.

Junge eingefangene Brandganse lassen sich bei ent­sprechender Pflege ohne sonderliche Mühe großziehen, werden sehr zahm und erlangen auch in der Gefangenschaft ihre volle Schönheit, schretten aber doch nur selten zur Fortpflanzung.

Mt der vorstehenden, anziehend und fesselnd ge­schriebenen Schilderung, welche einen hochintereffanten Einblick in das Natur- und Geistesleben der Tierwelt ge­währt, bieten wir den Freunden der letzteren eine Leseprobe aus der jetzt vollständig vorliegenden dritten Auflage von Brehms Tierlebeu." Es ist das ein Werk, welches uns ein großartiges Naturbild liefert, erhaben, reizend und un­erschöpflich bildend, und benen eine Quelle edlen Genusses, welche sich des Besitzes dieses wahren Hausschatzes er­stellen. Wie kein andres naturwissenschaftliches Buch hat eS die höchste Anerkennung der Wiffenschaft und den Beifall der gesamten gebildeten Welt gefunden und ist in seiner großen Verbreitung in mehr als 120,000 Exemplaren wie in nicht weniger als neun Uebersetzungen von geradezu bahnbrechendem Einfluß auf die Volkstümlichkeit der Natur- wiffenschasten gewesen.

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Waudwirtfchast

Legt Lhampignonbeete anj

Man sollte nicht denken, daß eine so beliebte Delikateste, i wie Champignon es sind, so wenig gezüchtet würde, zumal ihre Kultur bei einiger Aufmerksamkeit nicht nur sehr interessant, sondern auch äußerst lohnend ist; namentlich für Landwirte in der Nähe von Städten kann dieselbe äußerst rentabel fein. Champignons sind immer gesucht und infolgedessen stets hoch im Preise, doch wandert das meiste Geld dafür ins Ausland, Frankreich allein erhält jährlich viele 100000 Mark aus Deutschland für Cham­pignons. Die Wiener Schwammzüchter können mtt Recht Virtuosen in ihrer Kunst genannt werden, denn nicht leicht

anderswo findet man zu jeder Jahreszeit schönere Cham­pignons in den Gemüsekellern und auf den Marktplätzen als gerade in Wien. Dies veranlaßte diePraktische Gartenbau-Gesellschaft" in Frauendorf (Post Vilshofen in Niederbayern) von einem der größten Gemüsegärtner Wiens eine Partte ganz vortrefflicher Brut kommen zu lasten, die

Wiener ßyampignonörul.

bei richtiger Anwendung (Kulturanleitung liegt jeder Be­stellung bei) ganz enorme Erttäge dieses so wohlschmeckenden Speiseschwammes liefern wird. Diese echte Brut, mit völlig produktionsfähigem Schwammweiß durchsponnen, empfiehlt genannte Gesellschaft zu Originalpreisen. 1. in Steinen ca. I Kilo schwer, teils mehr, teils weniger, zu 1,50 Mk. per Vs Kilo; 2. aus den Steinen her­gerichtete Pflanzenbrocken, fertig zum Legen 1,75 Mk., per V- Kilo.

Eine Kulturanweisung, wie auf die einfachste Weise Champignons gezogen werden, wird jedem Auftrag gratis beigefügt. Ein Versuch mit diesen Steinen wird unbedingt unsere Empfehlung rechtfertigen.

Ist es nötig, neben Stalldünger auch noch Thsmasschlacke zn benutzen?

Es ist vielen Landwirten heute noch wiederholt vor- zuführen, daß durch die Benutzung der jetzt so billigen Phosphorsäuredünger, Thomasmehl oder Superphosphat, eine notwendige Unterstützung des stickstoffhaltigen Stall­düngers gegeben wird, um einerseits die Hörner ertrage höher und höher zn treiben, anderseits den Leguminosenbau sicher zu stellen. Klee, Wicken und Lupinen können dann doppelt so oft gebaut werden; wie auch Erbsen und Bohnen ohne Stallmistdüngung vorzügliche Ernten liefern.

Nur durch doppelt hohe Ernten, sowohl in Getreide und Hackfrüchten, als im Futtergewächsbau, und damit vergrößerter und vollernährter Viehzucht, bleibt der Land­wirt noch konkurrenzfähig und im Stande, eine Rente zu erzielen.

Es ist richtig, daß der Stalldünger auch heute noch der Hauptdünger ist und dies stets bleiben wird. Allein schon der Umstand, daß guter Stallmist von sämtlichen wichtigen Pflanzennährstoffen größere oder geringere Mengen enthält, und daß durch ihn das Feld nicht nur gedüngt, sondern zugleich auch physikalisch verbeffert wird, giebt ihm vor den künstlichen Düngern einen bedeutenden Vorzug. Aber grabe die Phosphorsäuredünger liefern ja die sichern Klee-, Luzerne- und Wickenernten; sie machen die Wiesen aus dürftigen Graswiesen zu üppigen Kleewiesen; sie liefern so große Futtermaffen, daß darauf ein doppelt großer Viehstand und Stalldüngergewinnung sicher be­gründet werden kann. Auch bestehen viele Gutswirl- schaften, welche ihren Ueberschuß von Klee-, Wicken- und Lupinenernten einfach einpflügen, weil mit dieser Grün­düngung der Stalldünger in jeder Beziehung billigst ersetzt werden kann.

Für den Betrag der Fuhrlohnkosten des Stalldüngers wird bie Phosphorsäuredüngung und die Kleesaat bestritten, sowie die Gründüngung ausgeführt, und werden große Ackerflächen so zwischenhinein mit stickstoffhaltigem Dünger versehen, um so die Getreide-, Oel- und Hackfrüchte zu vollstem Ertrag zu bringen.

Daraus ergiebt sich die unbedingte Notwendigkeit, wenn man volle Ernten allerwärtS erzielen will, die dem Stalldünger fehlende Menge Phosphorssure in Form von Phosphorfäure-Dünger dem Boden zuzuführen, und hierzu ist die gute Thomasschlacke, ihrer großen Löslichkeit, ihrer gleichmäßig 3 Jahre andauernden Wirkung und ihres sehr billigen Preises wegen, grade vo^üglich geeignet.

Sollen reiche Ernten erzielt werben, so muß dem Boden alles in ausreichendem Maße wieder ersetzt «erden. Das ist aber nur möglich, wenn der Stalldünger in Ver­bindung mit geeigneten künstlichen Düngern benutzt wird; eine weitere Zufuhr von Phosphorsäure ist bei allen Kulturen unbedingt nötig und nützlich gesund«: worden, ebenso wie in kali- und kalkarmen Böden auch Kali- und Kalkdüngung stattfinden muß, die Pflanzen zu vollem Wachstum zu ernähren.

Bekämpfung des Lrbsenkäfers.

Von Prof. Dr. Frank-Berlin.

In manchen Gegenden mit viel Erbsenbau ist der Erbsenkäfer (Bruchut Pisi) zu einer wahren Kalamität geworden. Er ist bekanntlich ein Samenkäfer, der in einem großen runden Loch in dem Erbsensamen fitzt und deren Keimfähigkeit beeinträchtigt, besonders aber die Speiseerbsen minderwertig und schwer verkäuflich macht.

Unter Berücksichtigung seiner Lebensweise läßt er sich durch erprobte Mittel bekämpfen. Das hängt so zusammen. Wenn die Erbsen eingeerntet werden, befindet sich der Käfer, der schon auf dem Felde entstanden ist, bereits in dem Samen, wo er dermalen in seiner Verwandlung be­

griffen ist. In den Speichern schlüpft er in der Zeit

vom Herbst bis zum nächsten Frühjahr aus und ver­

kriecht sich dann in den Aufbewahrungsräumen, um von dort aus im nächsten Frühlinge wieder nach den Feldern zu fliegen, wo er die Erbsenpflanzen auf- sucht, um in deren junge Hülsen seine Eier zu legen, worauf dann die Larven sich in die Samen einfressen. Es kommt vor, daß noch im Frühlinge Käfer in den Erbsen stecken und dann gleich mit der Saat auf die Felder gelegt werden, was für den Käfer noch bequemer ist. Es geschieht aber auch, daß schon im Herbst viele Käfer ausfchlüpfen, die dann während des Winters in Verstecken in den Speichern verweilen. Bringt man im Winter Erbsen, welche Käfer enthalten, aus dem Speicher ins warme Zimmer, so schlüpfen oft schon in wenigen Tagen die Käfer aus, die Samenschale über ihrer Wiege, wie einen runden Deckel, abhebend. Offenbar hängt also die Zeit des Ausschlüpfens sehr von der Temperatur ab.

Darum ist es am besten, das Vertilgungsverfahren möglichst bald nach dem Einernten der Erbsen vorzunehmen. Es beruht darauf, daß durch trockene Räume, welche die Samen nicht beschädigen, die Käfer getötet werden. Ein Darrprozeß, den man z. B. im Backofen vornehmen kann, wobei die Erbsen einige Stunden trocken auf 5060» C. erhitzt werden, hat den gewünschten Erfolg. Die Keim­fähigkeit der trockenen Erbsen wird nachgewiesenermaßen erst bei höheren Temperaturen gestört. Man hat auch zu dem gleichen Zweck Behandlung der Samen mit Schwefel­kohlenstoff empfohlen: 50 ccm werden auf 1 hl Samen genommen, in einem verschließbaren Gefäß die Erbsen damit begossen und etwa 10 Minuten lang darin gelassen. Bei dieser Operation muß man mit Licht und Feuer fern bleiben. Die so behandelten Samen werden hierauf an der Luft ausgebreitet, damit der Schwefelkohlenstoff sich verflüchtige; die Käfer sind dann getötet, die Keimfähigkeit der Erbsen wird aber in dieser kurzen Zeit der Behand­lung nicht beschädigt. Für Speiseerbsen dürfte indes der Darrprozeß, als der appetitlichere, vorzuziehen sein.

Sollte man neues Saatgut für die Erbfen beziehen, so überzeuge man sich, ob es käferfrei ist, was sich ja leicht konstatieren läßt.

Vor allen Dingen kommt es aber darauf an, daß in der Gegend, welche vom Erbsenkäfer verseucht ist, der Kampf ein gemeinschaftlicher wird. Es müssen alle Be­teiligten in dem gleichen Sinne vorgehen. Denn wenn Einzelne in ihren Speichern die Käfer ungestört auskommen lasten, so werden die letzteren sich im nächsten Jahre von dort aus überall nach den Feldern verbreiten, und die wirklich ausgeführten Maßregeln der Anderen werden zum Teil illusorisch. Behörden und Vereine sollten in dieser Richtung ihren Einfluß geltend machen, damit die ver­seuchten Gegenden diesen allgemein schädlichen Feind los werden.

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Tränkung der Viehes.

Zu der wiederholt erörterten Frage, ob es ratsam ist, das Vieh vor oder nach dem Füttern zu tränken, bemerkt Herr Prof. Dammann: Was die gesundheitliche Seite dieser Frage anlangt, so ist zu erwiedern, daß beide Ver- fahrungsweisen, die eine sowohl wie die andere, den Tieren bekömmlich sind, wenn sie sich an dieselbe gewöhnt haben. In dieser Beziehung ist ein Unterschied nicht zu verzeichnen. Die wirtschaftliche Seite der Frage, ob der Nutzeffekt der Nahmng bei dem einen oder dem andern Verfahren höher oder niedriger sich stellt, ist bisher zuverlässig noch nicht entschieden worden. Man könnte wohl den Gedanken auf- werfen, ob nicht durch das Saufen unmittelbar nach der Futteraufnahme der Magensaft zu sehr verdünnt, und dadurch weniger wirksam werde; und wenn es sich um große Quantitäten Waffer handelt, wird auch kaum be- zweifelt werden können, daß die Verdauung im Labmagen durch sie verlangsamt wird. Ob dadurch aber auch der Mtzeffekt der Nahmng wirklich eine Störung erleidet, steht noch sehr dahin. Das Tränken vor dem Fressen oder nachdem ein kleineres Quantum Heu verabreicht worden ist, möchte demjenigen, der die beregte Befürchtung hegt, deshalb theoretisch wohl das richtigste erscheinen. Aber erfahrungsgemäß find die Tiere vor oder nach dem Beginn des Fütterns fetten sehr durstig und trinten weniger als nach demselben; und so dürfte es doch wohl vorzu­ziehen sein, dem heute zumeist gebräuchlichen Verfahren zu folgen, das Getränk erst einige Zeit nach der Aufnahme des Kraftfutters den Tieren zu verabfolgen. Im Uebrigen mag bemerkt sein, daß die in neuerer Zeit sich mehr und mehr einbürgernden automattschen Tränken, welche ständig Waffer zur freiwilligen Aufnahme, je nach Bedürfnis und Neigung, zur Verfügung stellen, für Rindvieh, welches den Tag über im Stalle sich aufhält, nur empfohlen werden können. Voraussetzung ist nur, daß das Waffer nicht zu