Börse, wird nach seiner Durchberathung in einer Konferenz von Kommissarien des Reichsamts des Innern, des Reichsschatzamts, der Reichsbank und des preußischen Handelsministeriums zunächst dem preußischen Staatsministerium unterbreitet werden. Erst nachdem dieses Stellung zu der Sache genommen, wird die Einbringung des Gesetzes im Bundesrath erfolgen. Es ist unter diesen Umständen nicht wahrscheinlich, daß der Reichstag sich schon bald mit diesem Gegenstand befassen dürfte. Inzwischen kann mitgetheilt werden, daß die Einführung der Börsenregister nicht, wie die Börsenenquete - Kommission vorgeschlagen hatte, nur für die Produktenbörse, sondern auch für die Fondsbörse in Aussicht genommen und in Folge dessen der Betrag für die Eintragung von 500 Mk., wie ursprünglich vorgeschlagen war, auf 300 Mk. und für die jährliche Wiederholung von 300 auf 50 herabgesetzt worden ist. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit, welche die Emission neuer Werthe in wirthschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht hat, wird beantragt, die Emissionsbanken bei Unrichtigkeit des Prospekts für Dolus und grobes Verschulden haftbar zu machen, und ebenso die Unvollständigkeit des Prospekts mit Strafe zu verfolgen, wenn erhebliche Thatsachen fortgelassen sind, und diese Unvollständigkeit auf wissentlichem Verschweigen oder böswilliger Unterlassung einer ausreichenden Prüfung beruht.
Die Ansprache Sr. Majestät des Kaisers bei der gestrigen Vereidigung der Marinerekruten, wird von der „Kieler Ztg.", in folgendem Wortlaut mitgetheilt: „Der Eid ist heilig und heilig ist die Stätte, da Ihr ihn schwört. Das zeigt der Altar und das Kruzifix; es bedeutet, daß wir Deutschen Christen find, daß wir allezeit erst Gott die Ehre geben bei jedem Geschäft, das wir treiben, zumal bei dem höchsten, bei der Ausbildung zum Schutze des Vaterlandes. Ihr tragt des Kaisers Rock, Ihr seid dadurch den anderen Menschen vorgezogen und gleichgestellt den Kameraden der Armee und Marine; Ihr nehmt eine besondere Stelle ein und nehmt Pflichten auf Euch. Von manchen werdet Ihr um den Rock, den Ihr tragt, beneidet; haltet ihn in Ehren und beschmutzt ihn nicht, und das könnt Ihr am besten, wenn Ihr an Euren Eid denkt. Ihr zumal, Ihr-Seeleute, die Ihr so oft die Gelegenheit habt, die Allmacht Gottes bei den verschiedensten Gelegenheiten auf dem Wasser kennen zu lernen. Worin liegt das Geheimniß, daß wir. oft in geringerer Anzahl dem Gegner überlegen sind? In der Disziplin. Was ist Disziplin? Das einheitliche Zusammenwirken, der einheitliche Gehorsam. Daß unsere alten Vorfahren schon darauf hielten, beweist das eine Beispiel: Wie sie einst gegen die Römer in den Krieg zogen, stiegen sie über die Berge und sahen sich plötzlich den gewaltigen Heeresmassen gegenüber. Da wußten sie, was für ein schwerer Augenblick ihnen bevorstand. Sie gaben Gott die Ehre, indem sie zuerst beteten und dann, mit Ketten zusammengeschlossen, Mann an Mann sich lauf den Feind warfen und ihn
Freund gewesen! Mit Verlaub, das wollt' ich | Euch längst sagen! So, nun ist's heraus, ehrlich i norwegisch!"
„So? Seid Ihr nicht auch jung gewesen? Ihr Klugredner, ich kündige Euch die Freundschaft und schieß Euch nieder wie einen reudigen Köter," schrie jetzt Hans wüthend.
Und er zog den Revolver.
Aber Lynkström behielt ihn im Auge, entwand ihm die Waffe mit Leichtigkeit — denn er war riesenstark und sehr gewandt — und warf sie durch das Ochsenangenfenster der Kajüte in die brandende See. Dann rief er:
„Hank!"
Ein stämmiger Matrose dieses Namens erschien.
„Laß diesen jungen Herrn" — er zeigte auf den bleichen Hans — „hinabdefördern in sein Boot oder nebenbei, 's kommt auf eins heraus!"
Hank verschwand, aber in der nächsten Sekunde fühlte sich Hans Tyndal von vier paar kräftigen Fäusten gepackt, ein klatschendes Geräusch und er schwamm dicht bei seinem Boote in der See. Er hatte Noth, das Boot zu erreichen und zu lösen, denn auf Folknigs Schipp ertönte der Ruf:
„Ahoi! Alle Mann auf Deck! Die Anker hoch!"
Und dahin schoß das Fahrzeug wie ein Schwan, getrieben von der klatschenden Fluth.
Fluchend kam Hans Tyndal zu sich; ihm war ganz recht geschehen.
„Maulwurf, Maulwurf," murmelte Hans,
besiegten! Nun, die wirklichen Ketten brauchen mir nicht mehr, wir haben eine kräftige Religion und den Eid. Bleibt dem treu und denkt daran, mögt Ihr im Inlands oder Auslande sein! Haltet Eure Fahne hoch, die hier schwarz-weiß- roth vor Euch steht, und denkt an Euren Eid, denkt an Euren Kaiser!"
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hersfeld, den 5. Dezember 1894.
* Nach § 97 der Civilprozeßordnung können Rechtsan walte durch das Prozeßgericht auch von Amtswegen zur Tragung derjenigen Kosten verurtheilt werden, welche sie durch grobes Verschulden veranlaßt haben. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht durch Beschluß vom 13. Oktober d. I. ausgesprochen, daß die durch persönliches grobes Verschulden eines General-Substituten des Rechtsanwalts veranlaßten Kosten dem vertretenen Rechtsanwalt aufzuerlegen sind.
* (Preußische K l a s s e n l o t t e r i e.) Die Kgl. Lotterie-Direktion hat die Lotterie-Einnehmer angewiesen, alle die Personen zur Anzeige zu bringen, von denen sie erfahren, daß dieselben in auswärtigen Lotterien spielen. Die Direktion geht dabei von der Ansicht aus, daß das Spielen in auswärtigen Lotterien, abgesehen von dem Strafbaren der Handlung, um so weniger zu dulden ist, als gerade die preußische Klassenlotterie nach dem jetzigen Plane, der bei allen Kollekteuren zu haben ist, mindestens so viele Aussichten auf einen Gewinn bietet, wie alle andern Lotterien, da jedes zweite Loos gewinnen muß und die kleine Preiserhöhung für die Loose durch die nach dem neuen Plane vorgesehene Erhöhung der einzelnen Gewinne zum Ausgleich gebracht wird.
* Die Nachricht, daß die antisemitischen Abgeordneten Leuß und Dr. König ihr Mandat niedergelegt hätten, bezw. niederlegen würden, wird, wie ein Berliner Blatt meldet, von unterrichteter Seite in Abrede gestellt. Der erstere (Leuß) fühle sich in der gegen ihn schwebenden Untersuchung schuldlos, Dr. König aber sei in der Lage, seine Knappschaftsarztstelle durch eine Vertretung verwalten zu lassen.
(:) Hersfeld, 4. Dezember. Im Nathhaus- saale fand gestern Nachmittag die regelmäßige Sitzung des ständigen Bürgerausschusses statt. Zur Verhandlung kamen folgende Gegenstände. Es hatte sich erwiesen, daß der s. Z. zur Ausführung von Verdichtungen der Wasser- leitungscöhren im Hählgänsergrund bewilligte Verlag von 500 Mk. nicht ausreicht, weshalb der Stadtrath eine von der Baudeputation geforderte Erhöhung desselben um 600 Mk. genehmigt hatte, welcher Beschluß die Zustimmung des Bürgeraus- schusses erfuhr. — Es lag sodann die Rechnung des städtischen Holzmagazins vom Jahre 1893/94 vor, von welcher man Kenntniß nahm. — Gegen die Fluchtlinienpläne innerhalb der Stadt, die öffentlich ausgelegt worden sind, waren von verschiedenen Grundstücksbesitzern Einsprachen erhoben
„klebend am Schmutz? Bei Gott, das soll keiner von Knud Tyndals Hans sagen dürfen! Von heute an beginne ich ein anderes Leben! Der Kapitän Lynkström ist zwar ein sehr grober Kerl, wenn man ihn reizt, aber er hat mich richtig beurtheilt."
Er reiste sogleich nach Trontjom ab und die Zeitungsberichte meldeten in Tyndals Haus, daß die „Emfrida", Hansens Schiff, glücklich in See gestochen sei.
Erik schwankte umher wie ein Schatten. Papa Tyndal sah es und das Herz krampfte ihm zusammen.
„Mein Sohn, mein guter Junge," sagte er eines Tages, „was ist's, das Dich quält? Sag' es mir, dem Vater, der seit der Mutter Tode alle Sorgen mit Dir getheilt hat!"
„Ja, Vater," entgegnete er müde, „es ist wegen Cornelie! Ich habe an sie mein Herz verloren; ich fühle, daß ich ihr Bild nie, nie vergessen werde!"
„Schlimm, ja recht schlimm! Ich freilich hatte sie selbst für Dich bestimmt, die Rose von Tyn- dals Haus! Und was schwer wiegt, der größte Theil unseres Vermögens sammt der Kassette mit den Juwelen ist gewissermaßen durch Cornelie uns verloren. Nun sie aber Lynkström vorgezogen hat, mein guter Junge, muß es eben anders auch gehen! Laß aber deshalb den Kopf nicht hängen! Die Zeit mildert den herbsten Schmerz! Das Geschehene läßt sich nun nicht
worden, welche der Stadtrath anerkannt und Abänderung der Pläne beschlossen hatte. Hierzu wurde die Zustimmung ertheilt, ebenso zu einem Beschlusse desselben, betreffend die Festsetzung der Fluchtlinie des Weges hinter'm Vereinsgarten. — Vom Stadtrathe war auf eine Eingabe des Gast- wirths Konstantin Otto die bessere Beleuchtung des Weges unterhalb der Gasfabrik sowie der Neustadt beschlossen und die dazu nöthigen Mittel bewilligt worden. Mit dem Beschlusse erklärte man sich einverstanden. — Weiter lag der Rechnungsabschluß der städtischen Gasanstalt vom abgelaufenen Geschäftsjahre vor. Der Stadtrath hatte auf den Vorschlag der Direktion derselben die Ermäßigung des Gaspreises von 21 auf 15 Pfg. für Koch-, Heiz- und Kraftzwecke und denjenigen Konsumenten, welche jährlich mehr als für 1000 Mark Gas verbrauchen, einen Rabatt von 10°/0 statt wie seither 5°/0 zu gewähren beschlossen. Der Beschluß des Stadtrathes fand Annahme und ging der Bürgerausschuß von der Ansicht aus, daß den Gaskonsumenten, welche die Summe von 500—1000 Mk. für Gasverbrauch bezahlen, ein Rabatt von 5°/0 gewährt werde. Dabei beantragte derselbe zugleich die Ermäßigung des Gaspreises für den gewöhnlichen Verbrauch, von 21 auf 20 Pfg. — Das Gesuch des Kaufmanns Wilhelm Bächstädt um verkäufliche Ueberlassung eines kleinen Theiles der städtischen Trift im Zinkengraben, vor seinem Garten daselbst, war vom Stadtrathe zum Preise von 40 Pfg. für den qm genehmigt worden und lag zur Zustimmungs- ertheilung vor, welche gegeben wurde. — Ebenso hieß man einen Stadtrathsbeschluß gut, wonach dem Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach eine Entschädigung von 150 Mk. für Wasserüberlassung bewilligt worden war. — Einem Gesuch um Pachtüberschreibung und Verlängerung von städtischen Grundstücken ertheilte man die Zustimmung und genehmigte die Verlängerung des mit einigen hiesigen Branntweinhändlern wegen Entrichtung der städtischen Branntweinabgabe abgeschlossenen Vertrages.
Hersfeld, 5. Dezember. Wie der „Reichsanzeiger" mittheilt, hat der Finanzminister die Provinzialsteuerdirektoren veranlaßt, die H ande l s- kreise darauf aufmerksam zu machen, daß auch die Zulassung des in Büchsen verpackten amerikanischen Schweinefleisches, wie „Corned Brown," von der Beibringung des vorschriftsmäßigen Untersuchungszeugnisses abhängig sei, da die Einfuhr von Schweinefleisch jeder Art, also auch von dem einem Kochprozeß unterworfen gewesenen, nur unter dieser Voraussetzung statthaft sei.
§ Hersfeld, 5. Dezember. Wie schon bekannt, trifft im Laufe dieser Woche der große Central- Cirkus (Direktion L. Straßburger) hier ein, um im Bolender'schen Saale mehrere Vorstellungen zu geben. Demselben geht ein guter Ruf voraus. So wird u. A. aus Eschwege vom 22. v. Mts. geschrieben: Im großen Stadtparksaale eröffnete am Dienstag Abend der Central-Cirkus Straßburger einen Cyclus von Vorstellungen, die, nach der Eröffnungsvorstellung zu urtheilen, recht ge-
mehr ändern, und wir müssen uns in das Unvermeidliche fügen!"
Aber Erik fand keinen Trost.
Wirr lief er durch Haus und Garten, suhr auf die See hinaus nach dem Mövenfels, wo sie gestanden wie die Nonne, die an der Albis einst dem Drusus Unglück kündete, ging nach dem Walde, wo er sie zuerst am Steg des Wildbaches begrüßt; es war überall noch sommerlich schön, aber — sie war nicht dort. Da fielen ihm die Verse eines Liedes ein:
„Mir ifT« als säh ich sie dort schweben, Schaut ihrer Augen dunkle« Paar;
O wonnevollcs LiebeSleben,
Du wandeltest mich wunderbar.
Hier will ich an den Weiden lauschen, Sie kommt wohl gleich mit leichtem Schritt! Doch nein, nur leis die Zweige rauschen, O Wind, nimm meinen Gruß ihr mit!
Ich sehe, wie in alten Zeiten
Herzklopfend im Gebüsch versteckt,
Sie drüben jetzt vorüberschreiten;
Vorbei, ein Schein hat mich geneckt!"
So gings noch ein paar Tage fort, dann faßte er einen männlichen Entschluß:
„Papa" sagte er, „es wird Zeit, daß ich etwas ergreife. Hab' da einen Antrag von Stewards Sons in London, soll für ihre Rechnung den Vulcano fahren; paßt mir aber nicht!"
(Fortsetzung folgt.)