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Hersskliler Kreisdllltt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJlluftrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 139. Donnerstag den 39. Dovember 1894.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Vom 1. November d. Js. ab ist durch einen Erweiterungsbau die Königliche Frauenklinik und die Entbindungs- und Hebammen-Lehranstalt in Marburg in die Lage versetzt, eine größere Zahl Kranker und Schwangerer aufzunehmen, als bisher.

Im Interesse kranker Frauen, armer, der Unter­kunft bedürftiger schwangerer Personen, sowie auch des Unterrichts für angehende Aerzte und der Ausbildung von Hebammen wird hiermit auf die nachstehenden günstigen Aufnahmebedingungen der Anstalt ausdrücklich hingewiesen.

Unbemittelten Schwangeren und unterleibs- kranken Frauen der Provinz Hessen-Nassau werden zur Abhaltung der Niederkunft nicht allein un­entgeltliche Aufnahme in die Anstalt von der Zeit ihrer Arbeitsunfähigkeit oder vom achten Monat der Schwangerschaft gewährt, sondern auch die Kosten der R ü ckreise vergütet, sofern sie durch Bescheinigung der zuständigen Ortsbehörde nach­weisen, daß ihnen zur H i nreise nach Marburg die bestimmungsmäßig zu gewährende Fahrpreis- Ermäßigung zu Theil werden konnte.

Unterleibskranke Frauen haben außerdem vor Uebermeisung in die Anstalt bem Direktor durch Zeugniß eines Arztes oder einer Hebamme den Nachweis zu erbringen, daß sie mit einem Frauen­leiden behaftet sind.

Cassel, am 7. November 1894.

Der Regierungs-Prästdent. gez. H a u s s o n vi ll e.

* *

Abschrift erhalten Ew. zur

7 Hochwohlgeboren gefälligen Kenntnißnahme mit dem Ersuchen er- gebenst, die qu. Bekanntmachung, soweit dies

(Nachdruck verboten.)

Auf dunkler Bahn.

Novelle von Carl Cassan. (Fortsetzung.)

Was ging nun in Erik vor, daß er so fülltet dazu blickte, wenn Capitän Lynkström da war._

Inzwischen rüstete sich dieser aber zur Abreise.

Höre, Tyndal," sagte er eines Tages in Eriks Gegenwart,Du hast einen Schatz an dem Mädel im Hause! Hüte ihn wohl!"

Meinst Du?"

Wahrhaftig! Wenn die Kleine wollte, ich heirathete sie vom Fleck weg!"

Du, alter-Seebär!" erwiderte aber da der alte Tyndal spöttisch,was willst Du mit einer solchen schönen, jungen Frau anfangen? Corne- lie ist nicht für Dich gewachsen."

Lynkström aber lachte, zeigte seine weißen Zähne und sagte:Ich fühle mich noch sehr jung. Doch ich will mich bescheiden."

Damit ging er.

Am andern Tage erschien ganz unerwartet Haus, herzlich begrüßt von allen Mitgliedern des Hauses.

Gut, daß Du da bist, Junge!" sagte Papa Tyndal und Erik umarmte den Bruder.

Haus war größer und stärker als Erik, auch

unentgeltlich geschehen kann, alsbald in den Kreis­blättern gefälligst veröffentlichen zu lassen.

Der Regierungs-Prästdent. H a u s s o n v i l l e. An den Kgl. Polizei-Präsident hier und sämmtlichen Königl. Landräthe des Bezirks. A. II. 10385.

* *

*

Hersfeld, den 26 November 1894.

Wird veröffentlicht.

I. 5841. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, _____________Geheimer Negierungs-Rath.

Die mit einem competenzmäßigen Einkommen von 1030,45 M. einschließlich der Feuerungs­vergütung mit 90 M. und ausschließlich freier Wohnung verbundene Schulstelle in Frielingen wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. Dezember d. Js. ab vakant.

Bewerber um dieselbe wollen ihre bezüglichen Meldungsgesuche nebst den erforderlichen Zeug­nissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Kühn in Frie­lingen oder dem unterzeichneten Landrathe einreichen.

Hersfeld, am 26. November 1894.

Der Königliche Schulvorstand von Frielingen.

Namens desselben:

Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

I. I. Nr. 5856._____________'______________

Hersfeld, den 27. November 1894.

Die Herren Standesbeamten des Kreises werden angewiesen, die Standes-Haupt- und Neben- Register für die nächstfolgenden Jahre durch einen schriftlich bevollmächtigten, zuverlässigen Boten bis zum 1 5. Dezember d. Js. hier abholen zu lassen.

I. A. 2797H- Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

zwei Jahre älter; er hatte bei blondem Haar und Bart dunkle Augen. Er hatte Cornelie 1 überhaupt im Leben nur einige Male gesehen, denn er war meistens auf Seereisen gewesen.

Wer ist denn das?" wies er auf Cornelie und fragte so in seiner ungeschminkten See­mannsweise.

Kennst Du Deine Pflegeschwester Cornelie nicht?" fragte dagegen Papa Tyndal.

Die kleine rauhe Katze, die Du damals nach Bergen in die Pension schicktest? Ist es die?" Eben die!"

Hans sah sie jetzt genauer au und sagte dann: Sollte man das für möglich halten! Sie ist schön wie eine Fee geworden."

Dann reichte er der verlegen erröthenden Cor­nelie freundlich die Hand.

Junge," sagte er am anderen Tage zu Erik, Du bist schon drei Wochen hier und hast noch nicht um Cornelie gefreit, Du liebst sie also nicht. Ein hübsches Mädchen! Welcher Wuchs, welche Büste, welches Feuer in den Augen! Hole mich der Teufel! Hab' schon viel von Frauenschönheit gesehen, aber so was übersteigt allen Glauben! Weißt Du was? Aber hier in meinem Herzen regt es sich gewaltig, ich liebe Cornelie, und wenn sie will, nehme ich sie zur Frau!"

Sooo?" sagte Erik erstaunt.

Die nächste Nacht that er aber kein Auge zu.

Politische Nachrichteil.

Berlin, 27. November.

Gestern früh unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n einen gemein­samen Spazierritt. Nach Rückkehr von demselben hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Geheimen Civilkabinets, des kommandirenden Admirals, des Staatssekretairs des Reichs-Marine- amts und des Chefs des Marinekabinets. Um 10 Uhr 15 Minuten hatte der Justizminister die Ehre, von Sr. Majestät empfangen zu werden. Heute Vormittag hörte Seine Majestät der Kaiser von 9 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Militairkabinets sowie des Chefs des In­genieur- und Pionierkorps, Generalinspekteurs der Festungen, Generals der Infanterie Golz. Abends 7 Uhr fand in der Jaspisgallerie des Neuen Palais eine größere Tafel statt.

Was die Nachrichten der letzten Tage befürchten ließen, ist eingetroffen: aus Varzin liegt die telegraphische Meldung vor, daß die Frau Fürstin B i s m a r ck heute Morgen 5 Uhr aus dem Leben geschieden ist. Das ganze deutsche Volk nimmt den innigsten Antheil an dem schweren Schicksalsschlage, der seinen großen alten Staats­mann und Mübegründer des Deutschen Reiches getroffen hat. Seine Gefühle der Liebe und Verehrung wenden sich in dieser Trauerstunde in herzlichster Wärme dem Manne zu, der so Un­vergleichliches für Deutschland gethan hat, und den, wie wir des gewiß sein müssen, der Schmerz um den Verlust seiner Lebensgefährtin jetzt tief niederbeugt. Ist es doch bekannt, welch' reichen Antheil die Gattin des Fürsten Bismarck an fwuem inneren Leben hatte, in wie idealem Maße sie ihm Stütze und Gefährtin war. Auch ihr

Sein schlafendes Herz war doch zur ersten Liebe erwacht, die aber mit all' der Schüchternheit, die ihr in solchen Fällen eigen ist, gepaart auftrat.

Am andern Tage kam aus Götaklar die Nach­richt) daß ein Wallfisch aus den Strand geworfen worden sei.

Hans erklärte sogleich, Tante Clariffa einen Besuch machen und den nächstfolgenden Tag bei Lynkström, der in Götaklar ein Haus besaß, bleiben zu wollen; das war der Vorwand, die Hauptsache war, den Wallfisch zu sehen.

Willst Du nicht auch hin?" fragte Corne­lie Erik.

Ich liebe es nicht zu sehen, wie man das arme Thier zu Tode hetzt!" entgegnete er sanft.

So bist Du meiner Meinung; ich habe das Schauspiel hier in Omka gesehen und verzichte ein für alle Mal darauf."

Nun war Erik mit Cornelie allein. Die Zeit wollte er benutzen, sie über seine endlich erwachte Liebe aufzuklären. Sollte er das Mädchen dem rauhen Bruder Hans überlassen? Nein, nein, er mußte ihm zuvorkommen, yimat er wußte, daß er Cornelie» mit jedem Tage mehr liebte und Hans ein wetterwendisches Herz besaß.

Er fand heute Cornelie in der Laube allein und sing an von seinen Fahrten zu erzählen. Da unterbrach ihn plötzlich Cornelie und sagte:

Lieber Erik, Du darfst es mir nicht übel nehmen, ich verstehe so Manches von den See-