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Ur. 138.
Dienstag den 27. November
1894.
Amtliches.
Der Herr Minister des Innern hat durch Erlaß vom,30ften v. M. dem Vereine für Pferderennen und Pferdeausstellungen in Preußen zu Königsberg i/Pr. die Erlaubniß ertheilt, bei Gelegenheit der im Frühjahr nächsten Jahres dort stattfindenden Pferdeausstellung eine öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden rc. zu ver- anstalten und die Loose — 160000 Stück zu je 1 Mark — im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. Cassel am 14. November 1894.
Der Negierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.
Des Kaisers und Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 29. August d. Js. dem Domkapitel zu Trier die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zum Besten der Wiederherstellung des dortigen Domes eine Geldlotterie zu veranstalten und die Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben. , . ,
Die Lotterie besteht aus 110000 Loösen, eingetheilt in ganze, halbe, viertel und achtel Loose und 17265 in zwei Klaffen vertheilten Gewinnen von insgesammt 2067000 Wark. Der Preis eines für beide Ziehungen gültigen ganzen Voll- Looses beträgt 32 Mark, der Preis eines ganzen Klassen-Looses 16 Mark neben der Neichsstempel- abgabe. Cassel am 14. November 1894.
Der Negierungs-Präsident. I. V.: v. P a w e l.
Die bisher noch üblich gewesene Bezeichnung „Ständisches Bauamt" in Cassel, Eschwege, Frankenberg, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Marburg, Rinteln, Roten- burg und Ziegenhain hat eine Umwandlung in „Landes-Bauamt" erhalten.
Cassel am 12. November 1894.
Der Landes-Direktor:
Riedesel, Freiherr zu E i s e n b a ch.
Politische Nachrichten.
Berlin, 25. November.
S e M a j e st ä t der Kaiser ist gestern Abend 103/4 Uhr wohlbehalten aus Letzlingen auf der Wildparkstation bezw. im Neuen Palais wieder eingetroffen. — Am heutigen Todtensonntage begaben sich beide Kaiserlichen Majestäten nach der Friedenskirche in Potsdam, wohnten dem Gottesdienste bei und legten einen kostbaren Kranz am Sarge weiland Seiner Majestät des Kaisers Friedrichs III. nieder.
Gutem Vernehmen nach besteht die Absicht, dem Reichstag zunächst nur die sogenannte U m - burzvorlage zugehen zu lassen. Der Etat würde dann erst später und gleichzeitig mit ihm der Gesetzentwurf, betreffend die Erhöhung der Reichseinnahmen (Tabäcksfabrikatsteuerf, einge- dracht werden.
Trotz der nichts weniger als günstigen Finanz- oge Preußens sollen, wie die Nordd. Allg. Ztg. lou, in den nächsten Haushaltsvoranschlag nicht "deträHtliche Summen zu l a n d w i r t h s ch a f t - . ^ b n Verbesserungen, besonders auch den östlichen Provinzen, eingestellt werden. Höhe der betreffenden Summen steht noch G^, da noch diesbezügliche Verhandlungen
zwischen dem landwirthschaftlichen und dem Finanzministerium schweben.
In der Tagespreffe ist in letzter Zeit gelegentlich die Verwendung von Mais als Pferde- f u t t e r in der Armee bemängelt worden. Zur Klarstellung dieser Frage schreibt der Reichsan- zeiger : Die reglementarischen Bestimmungen führen — neben Heu und Stroh — speziell als Körner- futter nur den Hafer auf, gestatten aber ausnahmsweise auch die Verwendung anderer Futtermittel. Solche Ausnahmen sind z. B. zulässig, wenn die Pferde eines Truppentheils besondere Anstrengungen zu erwarten oder zu ertragen haben, wenn sie in Folge von Krankheiten oder aus sonstiger Veranlassung in ihrem Ernährungs- und Kräftezustand zurückgekommen sind und dergl. mehr. In solchen Fällen dürfen für einzelne nicht abgehobene Rotationstheile — Hafer, Heu oder Stroh — Geldabfindungen gewährt werden, welche zur Beschaffung anderer nicht reglementsmäßiger Futter- oder Streumittel Verwendung finden können. Die Entscheidung hierüber steht den betreffenden Truppenbefehlshabern zu, welche ja auch die jedesmal vorliegenden Verhältnisse am besten beurtheilen können. Mehrausgaben dürfen der Reichskasse dabei nicht zufallen. An Stelle des Hafers wird nun unter solchen Verhältnissen den Pferden meistens Mais gegeben, weil dieser gefahrloser als Roggen, Gerste und andere Ersatzmittel zu verfüttern ist. Daß im Allgemeinen ein solcher Ersatz nur von Nutzen sein kann, wenn der Mais billiger als der Hafer ist, liegt auf der Hand. Es kann indessen in vereinzelten Fällen auch vorkommen, daß Mais — von den Truppen- lheilen bei vorhandenen Ersparnissen auf lange Lieferungsfristen kontraktlich gekauft — bei plötzlich eintretendem Weichen der Haferpreise zu einer .Zeit verfüttert wird, in der ein Vortheil damit nicht mehr zu erzielen ist. Dann wird eben wieder zur Haferfütterung übergegaugen und Mais nur gerade soviel angekauft, als zum allmählichen Uebergang erforderlich ist. Uebrigens ist der Verbrauch von Mais in der Armee verhältnißmäßig gering. Für das Etatsjahr 1893 94 z. B. war der Bedarf des preußischen Kontingents an Körner- futter auf 177 302 Tonnen beziffert; thatsächlich sind mährend dieses Zeitraums 7348 Tonnen — also etwa der 24. Theil — Mais beschafft worden.
Die allgemeine Konferenz der deutschen S i t t l i ch k e i t S v e r e i n e hat schon jetzt eine von dem Lic. P. Weber in München-Gladbach und zahlreichen anderen Herren unterzeichnete Petition an den Reichstag gerichtet, die sich auf den in der vorigen Session nicht zur Verabschiedung gelangten Gesetzentwurf über Abänderungen von Bestimmungen des Strafgesetzbuches (lex Heinze) bezieht und für eine Reihe von Artikeln des Strafgesetzbuches schärfere Fassungen vorschlägt, auch das Gerichtsverfassungsgesetz bezüglich des Ausschlusses der Oeffentlichkeit geändert wissen will.
In der Pfalz ist es, wie die „K. V. Z" meldet, bei den G e m e i n d e r a t h s w a h l e n an zwei Orten zu blutigen Ausschreitungen gekommen. In Haßloch wurde in einem Streite, welcher der Wahlbewegung folgte, ein Familienvater erstochen, und in Weidenthal, einem Orte mit konfessionell gemischter Bevölkerung von 1500 Seelen, kam es zu einem förmlichen
Straßenkampfe, nachdem die Katholiken bei den Wahlen gesiegt hatten.
Laut Verordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten darf im Bereich der allgemeinen Bauverwaltung bei der Vergebung von Leistungen und Lieferungen (Submissionen), wenn der überschlägliche Werth den Betrag von 5000 M. nicht ü b e r st e i g t, die Vergebung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit in engerer Bewerbung erfolgen, sofern besondere Gründe für die Ausschreibung zu engerer Bewerbung vorhanden sind. In diesem Falle sind jedoch mindestens d r e i B e w e r b e r zur Abgabe von Angeboten aufzufordern.
Ueber . die bereits gemeldete Ermordung der deutschen Forscher Dr. Lent und Dr. K r e t s ch m e r am Kilimandscharo bringt das „Neue Wiener Tageblatt" einen ausführlichen Bericht des provisorischen Leiters der wissenschaftlichen Station in Maro.gu, Steiner. Steiner war mit Kretschmer zusammen Ende Juli in Marangu eingetroffen. Am 24. September marschirten Dr. Lent und Dr. Kretschmer aus der Station aus, um über die Ausläufer des Mawenst (einer Kili- mandscharospitze) durch die Landschaft Kerna- Rombo nach Useri zu gelangen. Am 25. September um 12 Uhr Mittags, nachdem die Forscker ihr Lager in den Rombobergen in der Landschaft Leikturn aufgeschlagen hatten, waren einige Schwarze bemerkt worden, die das Lager umschlichen. Plötzlich tauchte ein Schwärm von mehreren hundert Urombas auf, der mit Kriegsgeheul die Weißen umzingelte. Dr. Lent schrie ihnen in ihrer Sprache zu, er sei in friedlicher Mission gekommen und wolle keinen Krieg. Da antwortete ihm ein Häuptling: ^,Aber wir wollen Krieg!" Ein Uromba verlangte von Dr. Lent das Taschentuch; er warf es ihm zu. Ein Anderer verlangte seinen Hut, als Dr. Lent zögerte, traf ihn ein Steinwurf. Die Schwarzen riefen, er solle sein Gewehr wegwerfen, wenn er keinen Krieg wolle, und solle ihnen die Hand reichen. Dr. Lent that auch dies, doch als er ihnen die Hand entgegenstreckte, durchbohrte ein Speer seine Brust, — er sank, die Arme ausbreitend, todt zu Boden und zugleich schwirrte ein Hagel von Speeren auf das Lager nieder. Dr. Kretschmer gab einen Schuß ab. doch fiel er, von mehreren Speeren durchbohrt, ebenfalls nieder. Schwerverwundet, auf den Knien liegend, feuerte Kretschmer noch einen Schuß auf die Wilden ab, doch ein Speerstich ins Genick streckte ihn nieder. Die Eingeborenen schrieen den noch un= verwundeten Begleitern der beiden Getödteien zu: „Geht weg! Wir wollen nur die Europäer tödten, nicht Euch!" Sechzehn Schwarze flüchteten sich auch. Bei dem Gemetzel fielen außer Dr. Lent und Dr. Kretschmer, Abdallah, der Bey des Dr. Lent, Muando sein Koch, und elf schwarze. Fünf Tage nach der Ermordung der beiden Forscher machte sich eine neue Expedition auf den Marsch. Sie bestand aus Lieutenant Eberhardt, Stabsarzt Widemann, dem Ober-Lazarethgehilfen Wülfing und Steiner, ferner aus 14 bewaffneten Sudanesen. In Kinabo kamen 2000 bis 3000 Wadschagga als Hilfstruppen hinzu. Am 30. September erfolgte der Angriff auf die Urombas, wobei viele der-