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Ur. 137.
Sonnabend den 34. November
1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. November 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 11. Oktober d. Js. I. I. Nr. 5156, im Kreisblatt Nr. 126, betreffend die Viehzählung vom 2. November d. Js. noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist b i s zum 3 0. d. M t s. erinnert.
J. I. 5156. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 22. November 1894.
Den Herren Lokalschulinspektoren des Kreises wird in den nächsten Tagen eine Anzahl Exemplare der Schrift:
Gustav Adolf, König von Schweden zum 300 jährigen Geburtstage des Königs
von F. von Stenglin zugehen.
Diese Schrift ist vom Herrn Minister.der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- heiten zur unentgeltlichen Vertheilung in den evangelischen Volksschulen an jenem Gedenktage (9. Dezember d. Js.) bestimmt worden und ersuche ich die Herren Lokalschulinspektoren ergebenst, die Vertheilung durch die Herren Lehrer nach Befinden bewirken lassen zu wollen. Ueber die bewirkte Vertheilung ersuche ich, mir bis zum 15. Dezember d. Js., ein Verzeichniß der mit je einem Exemplar bedachten Schüler und Schülerinnen einsenden zu wollen.
I. I. 5733. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat^__
Hersfeld, den 17. November 1894.
Nachstehend veröffentliche ich einen Aufrufs des Vereins für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche, in welchem die Bedeutung und die Ziele dieses Vereins besprochen werden, um Interessenten den Beitritt zu dem Verein zu ermöglichen.
J. I. 5747. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Verein für religiöse Runst in der evangelischen Kirche.
Einer Anregung des Kirchentages zu Elberfeld vom Jahre 1851 verdankt unser Verein seine Entstehung. Die Erkenntniß, welch' große Macht die bildenden Künste besitzen, auf das menschliche Gemüth zu wirken, und der Wunsch, in höherem Maße als bisher die Ausschmückung evangelisch- gottesdienstlicher Stätten mit Kunstwerken religiösen Inhalts herbeizuführen, wirkten zusammen, um dem Verein seine nächsten Ziele vorzuschreiben. Es galt die Beschäftigung der bildenden Künste mit religiösen Aufgaben zu fördern und so die Kunst zum Dienst der Kirche und des christlicken Lebens heranzuziehen. Getragen von der Begeisterung einer Zeit, welche sich des wieder- erwachten Glaubenslebens freudig bewußt war, und gestützt von dem Wohlwollen der Behörden, muen dem Unternehmen allseitiger Beifall und »er Erfolg gewiß. In der That' brächte bereits as erste Jahrzehnt seines Bestehens dem Verein mannigfache Gelegenheit, seine Bestrebungen zu
bethätigen. Es ist durch seine Unterstützung und Vermittelung eine Reihe meist vortrefflicher Altarbilder, deren Originale der Verein erwarb, in Stadt- und Dorfkirchen entstanden und die Anschaffung einer namhaften Menge verschiedenster dem gottesdienstlichen Gebrauche oder dem Schmuck des Kircheninnern dienender Gegenstände mit Rath und That gefördert worden. Allein den vielverheißenden Anfängen entsprach nicht der Fortgang. Andere, für den Augenblick wichtigere Aufgaben traten auf den Plan. Vor den das Leben und die Zukunft der evangelischen Kirche berührenden Verfassungsfragen, angesichts politischer Kämpfe nach innen und außen, mußte die stillere Arbeit unseres Vereins in den Hintergrund treten. Auch in der Folge noch durfte es das evangelische Volk als ein dringenderes Bedürfniß empfinden, sich in dem neu erbauten Haufe einzurichten und heimisch zu machen, als an seine äußere Ausschmückung und Verschönerung zu denken. Indessen die Zeit scheint gekommen, wo auch dieser Wunsch wieder mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden muß. Die bildende Kunst will und darf hinter ihrer Schwester, der Tonkunst, nicht zurückbleiben, welche ihre Aufgabe am heiligen Schmuck der Gottesdienste immer kraftvoller erfaßt. Schon hat sich der neuerdings in mannigfacher Weise belebte religiöse Sinn in zahlreichen Kirchenbauten, namentlich in den größeren Städten, geäußert und fährt fort, sich allenthalben in gleicher Weise zu bethätigen. Die moderne Baukunst hat dadurch Anregung und Gelegenheit zu Leistungen größten Stiles empfangen. Aber die anderen bildenden Künste sollten nicht dahinter zurückstehen! Vielfach fehlt es in den neuen Kirchen an dem erfreuenden und erhebenden Schmuck der Wände und Fenster; den Geräthen und der sonstigen Ausstattung des Heiligthums an würdiger Gestaltung; oft mußte man sich einstweilen mit dem Nothwendigsten begnügen und die Sorge für Schöneres und Weihevolleres einer besseren Zukunft überlassen. Daneben entbehren nur zu häufig auch ältere Kultusstätten noch einer ihrer Bestimmung würdigen Ausschmückung; mehr wie früher regt sich pietätvoller Sinn, um die künstlerischen Stiftungen gläubiger Vorfahren dem drohenden Verfall zu entreißen oder führt erstarktes Ge- meindebewußtsein zu dem Verlangen, in der Schmückung geheiligter Orte sich selbst einen kraftvollen und bleibenden Ausdruck zu geben. Zu allen solchen Zwecken sich mit Rath und That in den Dienst von Gemeinden und Privaten zu stellen und die erfahrungsmäßig oft erwünschte Handreichung zu leisten, bei deren Ausbleiben auch gute Absichten leicht wieder zurücktreten oder zu unzulänglichen Resultaten führen: das ist das Bestreben und die Hoffnung unseres Vereins.
Seine Aufgaben sind noch heute die gleichen, wie zur Zeit seiner Begründung. Daß Kirchen, Schulen und verwandte öffentliche Orte, an denen das christliche Volk sich zu ernstem Thun versammelt, mit Kunstwerken geschmückt werden, welche in Bild und Form von unserem evangelischen Glauben Zeugniß ablegen, daß die zum Gottesdienst gehörigen Utensilien und Gerälhe überall eine möglichst würdige künstlerische Ausstattung empfangen, und daß durch Hervorrufung und Verbreitung evangelisch-christlicher Darstellungen
in Kupferstich, Holzschnitt oder anderen vervielfältigenden Kunstarten auch in Schule und Haus dem gläubigen Gemüthe Anregung und Befriedigung geboten werde, — das hat er schon damals als feine Ziele bezeichnet. Wer auf solche Weise mehr empfängt, ob die Kirche oder die Kunst, mag dahin gestellt bleiben: sicher ist, daß, wie ja bisher noch jede echte Kunst Gottesdienst war, eine heilige Kunst, wie wir sie erstreben, doppelt im Stande sein wird, ihrer volksthümlichen Mission zu genügen und gleichzeitig der Erweckung und Pflege christlicher Anschauungen und Empfindungen zu dienen.
Wir richten deshalb an alle unsere evangelischen Mitbürger und insbesondere an die Herren Geistlichen, Kirchenpatrone und Gemeindekirchenräthe die Bitte, sich in allen Fällen eines Bedürfnisses der angedeuteten Art an uns zu wenden. Wir sind bereit auf jede Weise, durch Rath, durch Nachweisung geeigneter Künstler oder Fabrikanten, durch Vermittelung von Aufträgen und, so weit wir dazu im Stande sind, auch mit Unterstützungen zu helfen, sei es bei der Stiftung oder Erhaltung von Gemälden, Statuen, Reliefs, sei es bei der Ausstattung der Kirchen selbst, der Anlage von Altären, Kanzeln, Taufsteinen, gemalter Fenster, sei es bei der Anschaffung von Paramenten, Altar- unv sonstigen Kirchengeräthen.
Gleichzeitig aber fordern wir hierdurch dringend zu einem vermehrten Beitritt zu unserem Verein auf. Nur wenn uns durch größere Einkünfte die Möglichkeit zu einer Erweiterung unserer Wirksamkeit gewährt wird, dürfen wir hoffen, den sich an uns Wendenden mehr als dies bisher leider hat der Fall sein können, auch mit der That zu Hülfe zu kommen. Im Hinblick auf die oben angedeuteten Ziele des Vereins wird Jeder, der sich entschließt, durch seinen Beitritt unsere Bestrebungen zu unterstützen; das Bewußtsein haben können, daß auch seine Gabe über kurz oder lang dem Gemeindeleben und der evangelischen Kirche zu Gute kommt.
Der Jahresbeitrag für Mitglieder beträgt mindestens 3 M. Dieselben empfangen in der Regel alle zwei Jahre ein würdiges Vereinsblatt. Zugleich werden wir fortfahren, unseren Mitgliedern die in Stuttgart erscheinende vortreffliche Monatsschrift „Christliches Kunstblatt für Kirche, L-chule und Haus" in monatlichen Heften zu liefern. Auswärtige Mitglieder haben jedem Jahresbeitrag 50 Pf. als Portovergütung beizu- fügen und erhalten dafür das christliche Kunstblatt, sowie die Jahresberichte unter Kreuzband frankirt zugesandt.
Beitritts-Erklärungen zum Verein bitten wir an den mitunterzeichneten Schatzmeister, alle Anträge anderer Art aber an den unterzeichneten Vorsitzenden, Berlin W., Köthenerstraße Nr. 38 zu richten. Berlin, im Juni 1894.
Der Vorstand.
D. Dr. Barkhausen, Präsident des Evangelischen Oberkirchenraths, Vorsitzender. Graf Unruh, Direktor im Ministerium des Königl. Hauses. E r nst , Verlagsbuchhändler, (Wilhelm- straße 90), Schatzmeister. PaülHändler, Pros., Historienmaler. D. vr. Kleinert, Prof., Ober- Konsistorialrath. Dr.Nie. M ülle r,Prof. der Theologie. Oldenberg, Prediger. O rt h, Geh. Baurath.
D r. Reicke, Konsistorial-Assessor.