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Herssel-tt Kreisblutt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllnstrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 134.

Donnerstag den 15. November

1894.

Amtliches.

Cassel, den 1. November 1894.

Es ist von mir die Wahrnehmung gemacht morden, daß Standesbeamte gegen Anzeigepflichtige, welche die in den §§ 17, 22 bis 24 und 56 des Gesetzes vom 6. Februar 1875 vorgeschriebenen Fristen nicht innegehalten haben, eine Strafanzeige nicht gestellt haben.

Ich mache darauf aufmerksam, daß es gemäß § 68 a. a, O. nicht Sache der Standesbeamten ist, zu entscheiden, ob der Anzeigepflichtige ent­schuldbar ist oder nicht, daß in solchen Fällen vielmehr eine Strafanzeige unbedingt zu erfolgen hat. Die Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen der Strafbarkeit sowie der Feststellung der straf­fällig gewordenen Person ist Aufgabe der zur Aburtheilung von Uebertretungen zuständigen Behörden. Die Strafanzeige des Standesbeamten hat nur den Thatsachenbericht zu. enthalten.

~ Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, die Standesbeamten des dortigen Bezirks auf diese Vorschriften nachdrücklich hinzuweisen und bei Vornahme der Standesamtsrevisionen auf die Befolgung derselben gefälligst Ihr Augenmerk zu richten.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks und die Herren Oberbürgermeister hier und in Hanau. A. I. 7165.

* * *

Hersseld, den 12. November 1894

Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

A. 2784. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Gesühnt.

Erzählung von

F. von P ü ck l e r.

(Fortsetzung.)

Willkommen daheim, meine Käthe!" sagte dann im Wohnzimmer der Altmüller und legte den Arm um die junge Frau, welche halb scheu, halb zutraulich ihr Köpfchen an seiner Schulter durg;möchtest Du hier recht, recht glücklich werden und nie bereuen, daß Du mein Weib geworden bist."

O, Wilhelm," stammelte die junge Frau demüthig,ich habe Dir ja Alles zu verdanken."

Das ist es nicht," woran Du denken sollst," sagte er liebevoll,Dankbarkeit verlange ich nicht ~ nein, viel, viel mehr, ich verlange Deine Liebe, Käthe!"

»Dein ist mein Herz auf ewig!" erwiderte sie erröthend.

Die dunklen Tannen rauschten geheimnißvoll, das Plätschern des Gebirgsbaches drang herein A den offenen Fenstern und plötzlich schauerte Käthe angstvoll zusammen.

. "Was war das?" flüsterte sie mit klopfendem Herzen,ich meinte ein häßliches Lachen gehört zu haben oder täuschte ich mich?"

»Ja, es muß eine Täuschung gewesen sein,

Hersfeld, den 13. November 1894.

Die Herren Ortsvorstände zu Ausbach, Biede- bach, Conrode, Dünkelrode, Goßmannsrode, Harn- rode, Heenes, Hilperhausen, Kleinensee, Kruspis, Landershausen, Malkomes, Mecklar, Mengshausen, Motzfeld, Oberhaun, Rohrbach, Sieglos, Untergeis und Wehrshausen haben die Herren Ausschuß- vorsteher ihrer Gemeinden an die a l s b a l d i g e Erstattung der Anzeige anher über die erfolgte Einreichung der Protokolle über die Wahlen der Schiedsmänner und Stellvertreter an das Land- gerichts-Präsidium in Cassel in meinem Bauten zu erinnern, mit Frist bis zum 18. d. Mts., wobei auf meine bezügliche Verfügung vom 22. Sep­tember d. Js. I. Nr. 4883, im Kreisblatt Nr. 115, Bezug genommen wird.

I. Nr. 4883. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten

Berlin, 13. November.

Heute früh 7'/, Uhr unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin einen gemeinsamen Spazierritt durch das Katha- rinenholz und das Bornimer Amt nach dem Bornstedter Exerzierplatz und von dort durch den Park von Sanssouci nach dem Neuen Palais zurück. Um 9 Uhr hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militairkabinets und empfing darnach den Präsidenten des Ober-Landes- gerichts in Celle, Schönstedt, und den preußischen Gesandten am grobherzoglich Weimarischen Hose, Raschdau.

Die preußische G e n e r a l s y n o d e hat am 10. November, am Geburtstage Luthers, die

Kind," entgegnete beruhigend der Altmüller,wer sollte wohl jetzt am Abend in unsere Einsamkeit kommen? Du wirst ein Käuzchen haben schreien hören, das klingt so schrill und häßlich."

Und dennoch hatte Käthe recht gehört! Dort aus den dunklen Tannen lugte jetzt ein mensch- licher Kopf hervor, röthlich blonde Haare hoben sich trotz des dämmrigen Dunkels scharf von dem Hintergründe ab; böse Augen blitzten hinüber nach der traulichen Altmühle, und drohend hob sich eine Hand empor:Fluch Euch und aber­mals Fluch! Ihr sollt an Eure Feindin, die Grete, denken, denn ich hab' mir's zugeschworen, daß Ihr untergehen sollt und ich will nicht meineidig werden."

Wieder klang halblaut ein böses Lachen. Die vor Neid und Eifersucht halb wahnsinnige Grete zog sich in den Tannenwald zurück und wartete, bis Alles in der Mühle still und dunkel geworden war. Dann erst schlug ihre Stunde! Sie zog langsam ein Feuerzeug aus der Tasche und probierte, die Hand vorhaltend, eines der Zünd­hölzchen ; es flammte hell auf und beleuchtete die verzerrten Züge der blonden Schulzentochter.

Haha, ich stecke Euch die Hochzeiksfackel an," triumphierte sie vor sich hin,es wird sich so leicht Niemand rühmen, eine ähnliche bekommen zu haben, aber das Glück muß man zu erhöhen suchen."

Schwach und undeutlich klang jetzt die Dorf­

neue Agende mit allen gegen eine Stimme angenommen, nachdem die Vertreter sämmt­licher verschiedener Richtungen innerhalb der Landeskirche kurze Zustimmungserklärungen abge­geben hatten. Die neue Agende bietet eine reiche Auswahl von liturgischen Formen für den Gottesdienst und kirchliche Amtshandlungen, worin der freien Bewegung der Besonderheiten des Be- kenntnisses innerhalb der Landeskirche Rechnung getragen ist. Die Streitfrage, wie das aposto­lische Glaubensbekenntniß in die Liturgie einzu- schalten sei, ist dergestalt gelöst worden, daß, wo das Singen des Lulherschen Glaubensliedes üblich ist, diese Sitte geschützt bleibt; wo aber das Singen seither nicht Sitte geworden, ver­bleibt es bei der Verlesung durch den Geistlichen. Die Mitglieder der Generalsynode sangen, nach­dem das Ergebniß der Abstimmung festgestellt war, den ChoralversLob, Ehr und Preis sei Gott." Der Präsident Graf Zieten-Schwerin setzte sofort den Kais.? von dem erfreulichen Aus­gang der Verhandlungen telegraphisch in Kenntniß, und Seine Majestät antwortete darauf:

An den Vorstand der Generalsynode, Ber­lin: Die Meldung der einmüthigen Annahme der Agendenvorlage seitens der Generalsynode hat mich mit Freude und Dank erfüllt. Ich hoffe zu Gott dem Herrn, daß die neue Agende durch freiwillige Aneignung seitens der Ge­meinden zur Festigung unseres theuren evange­lischen Glaubens und zu reicherer und tieferer Erbauung der Gemeinden dienen werde. Das walte Gott!

(gez) Wilhelm. R.

Nach einer Entscheidung des Ministers der Unterrichts- rc. Angelegenheiten ist im Geltungs- I bereiche der Provinzial-Schulordnung vom 11. De- ! zember 1845 der Lehrer nicht geborenes

uhr herüber, es war elf Uhr, und langsam erhob sich das schreckliche Weib; sie war völlig ruhig, eiskalt und entschlossen, ihr Fuß trat geräuschlos auf, damit auch nicht ein Zweig unter ihr knacke.

Jetzt war sie an der Thür, sie wußte, daß im Innern des Hauses oben an der Decke eine Leiter hing, nur konnte sie nicht genau unterscheiden, wo der Hofhund lag. Halt, jetzt bellte er drüben und raffelte an der Kette; man hatte heute in der Hochzeitsfreude wohl vergessen, ihn loszu­machen, denn für gewöhnlich lief er Nachts frei um die Mühle her, um etwaige Diebe abzuhalten.

Nun hatte die rachsüchtige Grete gewonnenes Spiel, lautlos öffnete sie die Thür, schlich in den Flur und langte geschickt die Leiter herunter; ihre Kräfte schienen sich zu verdoppeln, die Mus­keln spannten sich, sie hielt den Athem an. End­lich vermochte sie die Leiter anzulegen, stieg daran in die Höhe und begann unter das Schindeldach Stroh und Heu zu stopfen, dasselbe sodann mit Streichhölzern in Brand setzend. Es war eine ziemlich mühsame entsetzliche Arbeit, doch endlich war dieselbe vollbracht, und als die trockenen Schindeln zu knistern und zu prasseln begannen, stieg die Grete hastig herab und schleppte die Leiter fort weit fort in die dunkeln Tannen- büsche.

Es mochte Mitternacht vorüber sein, da schrak I Käthe jäh aus unruhigem Schlummer in die Höhe. !Horch, Wilhelm, was mag das sein?" rief sie