Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Diensiaq, Donnerstag und Sonnabend. AbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Psg, excl.

Postaufschlag.

Die ZiisertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., int amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechenden Rabatt.

Herssel-kl Kreisdliitt

Mit wöchentlicher Graiis-GeilageMuftrirtes SonntaHsblatt".

Nr. 132. Sonnabend den 10. November 1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 8. Oktober 1894.

Für die den Herren Bürgermeistern der Land- gemeinden des hiesigen Kreises übersandten For­mulare zumStatut über die Erhebung der direkten Gemeindesteuern", sowie dasHilssbuch zur AuS- .sührung des Kommunalabgaben - Gesetzes von Bullermann" sind im Ganzen von jeder Gemeinde einschließlich der hier vorgelegten Portokosten 1,64 WK. anher zu zahlen, mit Ausnahme der Gemeinden Philippsthal und Roßbach, welche das letztbezeichnete Buch nicht empfingen, und deshalb nur 81 Pfg. für die Statuten-Exemplare zu ent­richten haben. Die Herren Bürgermeister wollen für baldige Berichtigung sorgen.

J. I. 5642. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunven: ein Regenschirm und ein gußeisernes Ofenbein. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Beierdhausen.

Nichtamtliches.

Aus Deutfch-Ostafrrku.

Ueber die Kämpfe bei Kilma enthält dasDeutsche Kolonial-Blatt" einen ausführlichen Bericht des Kaiserlichen Bezirksamtmanns Freiherrn von Eberslein, datirt aus Kilwa vom 12. September, welchem Folgendes entnommen ist: Am 5. b. M. kam die Nachricht hier an, daß die Mawudji- Sklavenhändler mit Massen bewaffneter Maschinga- leute auf dem Marsch zur Stadt in Lingaura, fünf Stunden von hier, eingetroffen seien und die Telegraphenleitung durch den zum Anhang des Hassan bin Omar gehörenden Omari Muenda jenseits des Madingeraflusses zerstört sei. Auf die ersten Nachrichten vom Anmarsch der Mawudji- leute wurde das Fort in Gefechtsbereitschaft ge­setzt und der Kriegszustand erklärt. Am 7. d. M. gegen 3 Uhr Morgens wurde gemeldet, daß die Aufständischen vom Singino in die Ebene hinter der Stadt abstiegen. Um sichere Meldungen zu erhalten, wurde Feldwebel Görn nach dem Posten

? am Singinowcge mit dem Befehl gesandt, dort bis zum Tagwerden zn bleiben, mir Meldung durch die ihm beigegebenen Makranleute zu schicken, sich aber, sobald die ersten Schüsse gefallen wären, zusammen mit dem Posten nach dem Fort zurück- zuziehen. Um 4 Uhr Morgens erschien der Mo'addin auf der am Fort gelegenen Moschee und rief zum Gebet. Einige wenige Leute sah | ich in die Moschee gehen. Nach dem Gebet sprach ich mit dem Mo'addin von der Bastion aus, worauf er nach Hause ging. Bald darauf hörte ich viele «Stimmen in der Moschee und rief sie an, worauf entgegnet wurde:Herr,, wir beten!" darauf gegen 5 Uhr fielen die ersten i ^qfünc aus der Moschee, die sofort von dem Posten erwidert wurden. Das Feuer aus der Moschee M wurde bald stärker und das Fort auch von den

> beiden anderen naheliegenden Moscheen beschossen. A ®a® 8buer wurde von den je mit einem Europäer

und vier Soldaten besetzten Bastionen erwidert.

^ Die durch das Geschützfeuer aus der Moschee |

vertriebenen Angreifer fanden gute Deckung hinter der Moschee, welche Stellung sie in Folge des Feuers einer in den Lazarethgarten entsandten Patrouille bald verließen. Gleichzeitig wurde von großen feindlichen Trupps das vom Zollamts- afsistenteu Fink mit vier Soldaten und bewaff­neten Zollbootsleuten vertheidigte Zoll- und danebenliegende Pulverhaus wie das Gebäude der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ange­griffen. Die Heftigkeit des Feuers ließ erkennen, daß die Aufständischen es auf Einnahme des Pulverhauses und l ; großen Waaren-Lagerräume der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft abgesehen hatten. Durch die geschickt vom Lazarethgehilfen Thelips geführte Patrouille wurde der Feind zum Verlassen seiner Stellung gezwungen und aus dem Araberstadttheil auf das von drei Soldaten besetzte Polizeihaus, die ihn sofort mit Schüssen empfingen, geworfen und so allmählich aus der Stadt gedrängt. An der Stadtgrenze wurde Lazarethgehilfe Thelips verwundet (linkes Waden­bein oberhalb des Knöchelgelenks durchschossen) und von der Patrouille zum Fort zurückgetragen. Feldwebel Görn vertrieb zusammen mit bem Bauleiter Heinrich den in den Hütten zähen Widerstand leistenden Feind aus dem Bereich des Pulverhauses und kam dann zur Ergänzung der Patronen nach dem Fort zurück. Ich gab nun dem Feldwebel Görn den Befehl, vorsichtig vor- zugehen und zu versuchen, die sich allmählich zu­rückziehenden feindlichen Trupps aus der Stadt zurückzudrängen. Feldwebel Görn stieß auf hart­näckigen Widerstand und konnte nur langsam, von Deckung zu Deckung vorlaufend, vorwärts kommen, wobei es ihm gelang, dem in dichten Haufen in den engen Straßen weichenden Feind große Verluste beizubringen und aus der Stadt zurückzudrängen. Bei diesem .Vorwärtsgehen wurden zwei Soldaten verwundet. Feldwebel Görn und die vier bei ihm gebliebenen Soldaten vereinigten sich mit einigen zwanzig Leuten des Akida Makran und warfen die Aufständischen aus den Negerhütten im Nordwesten der Stadt auf das alte Pulverhaus zurück, große Trupps flohen aus der Stadt. Einige über die Stadt fort nach den Hügeln geschossene Chrapnels richteten große Verwirrung an. Ein Treffer wurde beobachtet und auch später zwei Todte aufgefunden. Um 8 Uhr wurde die Meldung über den Angriff telegraphisch nach Dar-es-Salam übermittelt. Um 9 Uhr war die Stadt vom Feind verlassen, gegen 9*/., Uhr fielen östlich der Station am Strande die letzten Schüsse. Die Verluste des Feindes sind groß gewesen. Beim Absuchen der Stadt und nächsten Umgegend wurden 37 Todte aufgefunden, die in allen Straßen und auf den Abmarschwegen gefundenen Blutspuren lassen auf fortgetragene Todte und Verwundete schließen. Die Stärke der Angreifer ist auf etwa 1000 Mann zu schätzen, denen unsererseits, im Ganzen also 12 Europäer, 49 Soldaten, 20 Bootsleute und 48 Einheimische gegenüberstanden. Unserer­seits wurden 2100 Gewehrpatronen, 3 Kartätschen, 5 Granaten und 4 ShrapnelS verschossen.

Politische Nachrichten. '

Berlin, 9. November.

S e. M a j e st ä t der Kaiser nahm am

Mittwoch früh den Vortrag des Chefs des Ge­heimen Civil-Kabinets Dr. von Lucanus entgegen und begab sich um 9 Uhr Vormittags zu einer Felddienstübung des Lehr-Jnfanterie-Bataillons und des Leib - Garde-Husaren-Regiments. Um 12*/ 2 Uhr wurde der Bischof Komp von Fulda vom Kaiser empfangen.

Gestern früh unternahmen Ihre M a j e st ä t en der Kaiser und die Kaiserin einen gemeinsamen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Nach Rückkehr von demselben hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Kriegs­ministers und arbeitete daran anschließend mit bem Chef des Militairtabinets. Danach empfing der Kaiser den Präsidenten des Evangelischen Ober-Kirchenraths D. Dr. Barkhausen; Mittags hatte der italienische General und Vizepräsident der Kommission für internationale Erdmeffung, Ferrero, die Ehre des Empfanges.

Zum ersten Male fanden gestern in den Garnisonkirchen Ansprachen an die Rekruten über die Bedeutung des Fahneneides im Beisein der Generalität und der Offiziere' statt. Heute findet ein gleiches für die Cavallerie und Artillerie statt. Der Tag der Vereidigung ist noch unbestimmt.

| Eine aus Mitgliedern der wirthschaftlichen ; Vereinigung des Reichstages, des Bundes der ! Landwirthe, des Vereins deutscher Spiritusfabri­kanten zusammengesetzte Kommission durchberieth den Entwurf einer Branntweintaxe mitReinigungs- zwang. Es wurde durchweg eine Einigung er- : zielt. Die wchlußredaction wurde Diest-Daber und Lücke.Patershausen übertragen. Von den Absichten der Reichsregierung, die Produktion einzuschränken und dadurch eine Export-Erleichte­rung herbeizuführen, wurde Kenntniß genommen.

Im nächsten preußischen Haushaltsvoranschlag ist, wie dieNordd. Mg. Ztg." hört, wiederum eine nicht unerhebliche Vermehrung der R i ch t e r st e l l e n vorgesehen.

Der fommanbirenbe Admiral der Marine, Ad­miral Freiherr v. d. G o l tz, ist durch Allerhöchste Kabinetsordre mit der Vertretung der kaiserlichen Marine bei der Beisetzung des Kaisers A l e x a n d e r III. beauftragt worden. Zu seiner Begleitung find befohlen: Kapitain zur See Fischel, Chef des Stabes des Manvöver- geschwaders, Kapitainlieutenant v. W i tz l e b e n, Lieutenant zur See Freiherr v. d. G o l tz, sowie ein Deckoffizier von S. M. MachtHohenzollern "

Aus Petersburg wird derKöln. Ztg." gemeldet, die dortige deutsche Kolonie be­absichtige einen Kranz aus Lorbeer, Myrten und Eichenlaub von getriebenem Silber mit ver­goldeten Knospen und Blättern auf das Grab des Kaisers Alexander niederzulegen.

Aus L i v a d i a wird unterm 7. b. gemeldet: Der Sarg traf gestern Abend nebst den für die Aufbahrung der Leiche erforderlichen Gegenständen ein. Ferner trafen die zur Ehrenwache bestimmten Palastgrenadiere ein und drei Schiffe aus Odessa mit den Truppen, welche zu der Zeremonie der Ueberführung der Leiche befohlen sind. Die Kirche in Livadia ist für die Ausstellung der Leiche prachtvoll mit Pflanzen und Blumen geschmückt. In JM t a lind großartige Trauerbogen errichtet, auch wird ein besonderer, reich geschmückter Steg für die Einschiffung der Leiche hergestellt. Die Einschiffung wird morgen stattfinden; am Nach-