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Se. Majestät der Kaiser und Se. königliche Hoheit Prinz Heinrich gaben dem König das Geleit zum Bahnhof und verabschiedeten sich daselbst von ihm auf das Herzlichste.

Dem Bundesrath liegt nunmehr das ge- sammte, im Reichsamt des Innern vorbereitete Material für Einführung der Sonntagsruhe in der Industrie mit Ausnahme der die Nahrungsmittel- und Saisonindustrie betreffende Bestimmungen vor. Die Vorarbeiten für die Aufstellung der letzteren werden demnächst beendet, die entsprechen­den Entwürfe werden dann unverzüglich dem Bundesrath zugehen.'

Dem Vernehmen nach werden im Reichs- gesundheitsamte eingehende Unter­suchungen über die Nebertragungsfähigkeit ansteckenderKrankheiten durch Leichen und Kadaver aufgestellt.

Der Süddeutschen Tabakzeitung zufolge ist der neue Tabaksteuergesetzentwurf soeben den Einzel­regierungen zugegangen; er schließt sich in seinen Grundzügen dem letzten Entwurf an, bringt jedoch als Erleichterung die Pauschalirung der Groß­betriebe wie im Brauereigewerbe, so daß jeder Betrieb beim Jahresbeginn angiebt, wie viel und in welcher Preislage er zu fabriciren beab­sichtigt. Anstatt der 45 Millionen Mark des letzten Entwurfs fordert die Regierung 30 Mil­lionen, weshalb die Sätze der Fabrikatsteuer um etwa ein Drittel gegenüber dem letzten Entwurf herabgesetzt werden. Der Zollschutz bleibt wie bisher 40 Mk. für den Doppelcentner unter Beseitigung der Jnlandsteuer.

Ueber das Befinden des Zaren ist am Freitag Abend 10 Uhr in Petersburg folgendes Bulletin ausgegeben worden:Die Ngcht zum 19. verlief fast schlaflos. Se. Majestät stand Morgens wie gewöhnlich auf. Die allgemeine Schwäche, sowie die Thätigkeit des Herzens sind unverändert. Das Oedem der Füße, welches früher eingetreten war, hat zugenommen. Der allgemeine Zustand ist unverändert. Seyben, Sacharjin, Hirsch, Popow, Weljaminow."

Das am Sonnabend Abend 8 Uhr 40 Minuten ausgegebene Bulletin über das Befinden des Zaren lautet:Im Laufe der verflossenen 24 Stunden schlummerte der Kaiser etwas und verließ im Laufe des Tages das Bett. Der Zu­stand, die Kräfte und die^Herzthätigkeit sind die­selben. Das Oedem ist nicht stärker ge­worden. Lerchen, Sacharjin, Hirsch, Popow, Wel­jaminow."

DieKölnische Zeitung" meldet aus Peters­burg unterm 20. d.: Die Prinzessin Alix von Heffen wird mit dem Großfürsten und der Groß­fürstin Sergei heute Nachmittag von Warschau weiterfahren und voraussichtlich Montag Abend in Livadia eintreffen. Es wird hier nach wie vor an der Ueberzeugung festgehalten, daß die Reise die baldige Trauung der Prinzessin mit dem Großfürsten - Thronfolger ermöglichen soll.

zu thun als das Natürlichste erschien. Wie könig­lich in ihrer Würde einer edlen Frau, die stets das Gute gewollt und gethan, erschien die kleine, schüchterne Veronika von damals der stolzen Gräfin Vilborg jetzt. Wie gern hätte sie ihre Grafenkrone, ihr einst vor der Welt glänzendes Leben hingegeben, hätte sie solchen Adel sich er­werben können. Zu spät. Der einzige Seelenadel, den sie noch erwerben konnte, war, daß sie strebte, das Gute zu v e r st e h e n , daß sich um sie her vollzog.-------

Als Vilborg am Morgen nach jenem Auftritte seine Frau suchte, hoffend, daß über Nacht ihr Widerstand gebrochen und sie, überzeugt von der Nothwendigkeit, an Hohenhaus geschrieben habe, und Hertha nicht fand, wohl aber Spuren der Unordnung ihre hastige Abreife verriethen, stand er einen Augenblick rathlos da. Dann ballte er in teuflischer Wuth die Faust gegen ihr Bild.

Sie soll es bereuen, ja bei Gott, sie soll es bereuen," knirschte er und schloß sich in sein Zimmer ein, um die Waffe zu schmieden, mit der er ihr den letzten Stoß versetzen wollte.

Unter dem Einfluß eines regnerischen Sommers erlosch Herthas Lebenskraft schneller, als man erwartete. Sie war eine stille Kranke, Das einzige Gefühl, dessen sie sich in ihrer geistigen Gebrochenheit noch bewußt wurde, war das der Dankbarkeit für den Frieden, der sie umgab. Daß ihr Kind mit ihr seine'Mutter verlieren sollte, beklagte sie kaum. Was hätte sie dem Kinde auch sein können? Ein unerfreulicher Schatten, eine lebende Mahnung an eine gräß­liche Zeit, die durch ihren Tod ihm für immer

Die Prinzessin Ludwig von Battenberg, welche ihre Schwester bis Warschau begleitet hat, führt von dort direkt nach Darmstadt zurück.

Aus einer schon etwas zurückliegenden Peters­burger Meldung derKöln. Ztg." geben wir folgende Angaben hier wieder:Sämmtliche Mitglieder der kaiserlichen Familie sind bereits nach Livadia unterwegs. Die Königin von Griechenland mit der Großfürstin Konstantin reisten gestern (Mittwoch) dorthin ab und nahmen den Pater Johann von Kronstadt mit. Ihn kommen zu lassen, rieth Pobedonoszew dem Zaren, um für seine Genesung zu beten, und der Zar willigte schließlich ein.

Eine Petersburger Meldung des Londoner S t a n d a r d" will wissen, daß ein Minister noch vor wenigen Tagen eine Menge Schriftstücke aus Livadia erhalten habe, zu welcher der Zar eine große Anzahl eigenhändiger Bemerkungen gemacht habe. Der Zar sei also noch immer im Stande, die Angelegenheiten seines Reiches zu leiten, und er habe auch bis jetzt in der peinlichen Aufsicht über Alles, was vorgeht, nicht nachge- laffen. Alles das geschehe freilich gegen den Rath der Aerzte und läßt den erlauchten Patienten nicht zur Ruhe kommen, deren er so dringend bedürftig ist.

In Pariser ärztlichen Kreisen will man, nach einer Meldung desHamb Corresp.", wissen, daß die Verantwortung für die Verschlimmerung in dem Befinden des Zaren Prof. Sacharjin treffe, der seit Januar den Zaren mit Strychnin be­handelt haben soll, was die Entwickelung der Herzkrankheit beschleunigte.

Vom Kriegsschauplatz in Ostasien liegen keine Nachrichten von größeren kriegerischen Unter­nehmungen vor; zwar verlautet, daß die Japaner die Stadt Witsju auf Korea erobert haben und nunmehr dicht vor Mukden stehen, doch fehlt bisher noch eine Bestätigung dieser Nachricht. Dagegen bestätigt es sich, daß in der Mongolei ein Aufruhr tobt, die Rebellen sollen ziemlich gut bewaffnet sein. Ueberhaupt scheint sich die innere Lage Chinas immer mehr zu verwirren, und es ist mit Freude zu begrüßen, daß Deutschland durch ein verhältnißmäßig starkes Geschwader vertreten sein wird. Indessen ist nicht daran zu denken, daß die europäischen Mächte sich zu einer poli­tischen Aktion etwa zu Gunsten der Unabhängig­keit Koreas vereinigen werden, wie es englische Organe gerne gesehen hätten, vielmehr hat Deutschland es abgelehnt, sich an einem solchen Eingreifen in den Verlauf des Krieges zwischen Japan und China einzumischen, und damit ist die englische Einmischungsabsicht als gescheitert anzusehen.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, den 22. Oktober 1894.

* Im Laufe der letzten Wochen sind an ver­schiedenen Orten einzelne falsche Z i u s - verborgen bleiben konnte. Ja, so war es das Beste, es war gut, daß es so kam.Er wird unser Kind," hatten Thilo und Veronika gesagt, und sie wußte, daß diese Menschen im weitesten Sinne Wort halten würden. Eine tiefe innere Ruhe kam über sie, sie war mit dem Leben fertig, nur der Gedanke an ihren Mann schreckte sie bisweilen noch. Er hatte bisher nichts von sich verlauten lassen. War das ein gutes oder ein schlimmes Zeichen? Brütete er einen Plan, mit dessen Ausführung er sie von neuem quälen wollte, oder hatte er sich mit seiner gewohnten Gleichgültigkeit in die Trennung von Frau und Kind gesunden, war vielleicht froh, daß sie von ihm gegangen, da er danach seinem wüsten Treiben keine Beschränkung mehr aufzuerlegen brauchte? Indessen, was auch von seiner Seite kommen mochte, sie würde es ja nicht lange mehr kränken. Aber wenn er seine Ansprüche auf das Kind geltend machte?Er wird ihn uns lassen," tröstete Thilo, wenn sie ihren Befürch­tungen Worte gab, und Hertha lächelte bitter, denn das, was Thilo nicht aussprach, wußte sie und wußte auch, daß er Recht hatte. Sobald Graf Vilborg Geld brauchte, würde er sein Kind zu der beliebigen Summe dem überlassen, der sie ihm zahlte.

Eines Tages erhielt Thilo mit den Postsachen die alljährliche Auffordernng des Regimentes, bei dem er Dienst gethan, sich an dessen Frühjahrs­rennen zu betheiligen. Ihn gelüstete jetzt nicht nach Sport, am allerwenigsten in einem Regi­ment, in dem auch Vilborg stand. Er sah die Namen der Pferde durch, die rennen sollten, und runzelte die Stirn, als er Vilborgs vielge-

scheine von Schuldverschreibungen der 3 pro- zentigen Anleihe des Deutschen Reichs zum Vorschein gekommen, durch welche denjenigen Personen, die solche in Zahlung angenommen haben, Verluste entstanden sind. Die Reichs- schuldenverwaltung macht hiermit besonders darauf aufmerksam, daß für falsche Zins scheine in keinem Falle von ihr Ersatz ge­währt wird. Das Publikum kann sich vor Verlusten der erwähnten Art dadurch schützen, daß dasselbe die Annahme von Zinsscheinen bei Zahlungen ablehnt, da dieselben nicht dazu be­stimmt sind, als Zahlungsmittel im Privatverkehr zu dienen. Die Zinsscheine haben lediglich den Zweck, von den dazu bestimmten Kassen eingelöst zu werden.

* Nach dem Wildschadengesetze hat der Be­schädigte, welcher auf Grund dieses Gesetzes Ersatz für Wildschaden fordert, diesen Anspruch bei der für das geschädigte Grundstück zuständigen Orts-Polizeibehörde binnen drei Tagen, nachdem er von der Beschädigung Kennt­niß erhalten hat, anzumelden. Darauf hat die Orts-Polizeibehörde zur Ermittelung und Schätzung des Schadens Termin anzube- raumen und auf Grund des Ergebnisses der Vorverhandlungen einen V o r b e s ch e i d zu er­theilen, gegen den innerhalb zwei Wochen die Klage bei dem Kreisausschuß, in Stadtkreisen bei dem Bezirksausschuß stattfindet. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Ober-Verwaltungs- gericht durch Urtheil vom 9. April d. I. ausge­sprochen, daß die Klage des in Anspruch Ge­nommenen wegen des polizeilichen Vorbescheides sich nur gegen die Beschädigten, auf deren Antrag der Vorbescheid erlassen und denen ein Anspruch zugesprochen worden war, richten kann, nicht aber gegen die Polizei - verwaltung.

* (P a ck e t e m i t Fischlaich n a ch Oesterreich-Ungarn betreffend.) Vom 1. November ab werden im Verkehr mit Oester­reich-Ungarn dringendePackete mit befruchtetem Fischlaich bis zum Gewicht von 5 kg zur Beförderung zugelassen. Die Sendungen müssen frankirt sein. Die außer dem Porto und dem etwaigen Eilbestellgeld im Voraus zu entrichtende besondere Gebühr beträgt, wie bei dringenden Packeten des inneren deutschen Verkehrs, 1 M. für jedes Stück. Ueber die sonstigen Versendungsbedingungen ertheilen die Postan­stalten auf Verlangen Auskunft.

* Es kommt häufig vor, daß auf Gepäckschein befördertes und mit den Personen angekommenes Reisegepäck vom Eigenthümer nicht gleich abgesordert wird und deshalb von der Bahn in Verwahrung genommen werden muß. Es wird hierbei vielfach außer Acht gelassen, daß für Reisegepäck, welches länger als 24 Stunden nach der Ankunft lagert, für jeden Tag und jedes Stück 50 Pfg. Lagergeld tarifmäßig erhoben

nannten RennerAdda" mit angeführt sah. Außerdem fand er ein Schreiben seines Geld­maklers, worin dieser unter vielen Entschuldigungen anfragte, ob der Herr von Hohenhaus möge es ihm nur ja nicht verübeln, undes ihrer lang­jährigen Bekanntschaft zu gute halten, er habe ja doch schon zu des Herrn Vaters Zeiten die Geldgeschäfte immer besorgt, und da er bis­her in dieser Weise noch keine Aufträge erhalten, so möge der gnädige Herr ganz gehorsamst ver­zeihen, wenn er sich anzufragen erlaube, ob er die von dem Bankhause Levy uud Comp. präsen- tirten Wechsel für den Herrn Grafen Vilborg annehmen und im Konto des gnädigen Herrn verrechnen sollte, oder ob der gnädige Herr die­selben anders zu decken wünsche?

Thilo starrte in das Blatt und begriff zuerst nicht, was sein so vielfach verschnörkelter Inhalt besagen wollte. Wechsel für den Grafen Vilborg? Er Wechsel für diesen ausgestellt? Nein, er hatte das Geld ja immer baar an Hertha geschickt. Aber? o, das war ein furchtbarer Gedanke, hatte Hertha ihnen nicht damals gesagt, er "verlangte etwas von mir, was ich nicht mehr thun konnte und wollte, und da, da war das Schreckliche geschehen, das sie ans seinem Hause getrieben hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Von Solingen haben sich ein in Konkurs gerathener Tischler und seine Frau heimlich ent­fernt, ohne ihre s i e b e n K i n d e r, die 1 bis 9 Jahre alt sind, mitznnehmen. Die armen hülflosen Kleinen mußten von der Armenver- ivaltung in Obhut genommen werden.