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Hersfeliiel KreisNatt.

Mit wSchentlicher Gratis-BeilageMustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 124.

Dienstag den 23. Oktober

1894.

Bestellungen

auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilaqe Jllnstrirtes Sonutlilssblatt" für die Monate November und Dezem- , ber werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, ? Landbriesträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Cassel, den 11. Oktober 1894.

Der Herr Minister des Innern hat dem Verein ' Wiesbadener Damenheim - Auguste - Victoria - Stift die Erlaubniß ertheilt, eine öffentliche Verloosung von Werthgegenständen zu veranstalten und die aus- zugebenden 200 000 Loose zu je 1 Mark in den Pro- i vinzen Hessen-Nassau, Sachsen, Hannover, Branden- [ bürg sowie im Stadtkreise Berlin zu vertreiben.

Euer Hochgeboren roo[len bajür Sorge Hochwohlgeboren

| tragen, daß dem Vertrieb der Loose in Ihrem | Kreise ein Hinderniß nicht entgegengestellt wird. | Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel. | An sämmtliche Königlichen Landräthe und den Herrn Polizei-Präsidenten hier. A. II. 9465.

* * *

Hersfeld, den 19. Oktober 1894.

Vorstehendes wird zur Kenntniß der Ortspolizei-

( behörden und Gendarmerie des Kreises gebracht. Der Vertrieb der Loose ist nicht zu beanstanden, z I. 5279. Der Königliche Landrath

. Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

rinnernn$.

Eine Erzählung von

E. von der Decken.

(Fortsetzung.)

Hertha! rief Thilo aus, und ein zweiter Blick in die traurig veränderten Züge ließ ihn fast freudig hinzusetzen:Gott sei Dank, daß Du gekommen bist."

Das war zuviel für die Unglückliche. Sie lehnte in den Wagen zurück und schluchzte laut. Nun kam ein blonder Kinderkopf über dem Spritzleder zum Vorschein und musterte neugierig den Fremden. Um Hertha Zeit zu lassen, ihre Fassung wieder zu gewinnen, ging Thilo an die andere Seite des Wagens und begrüßte den | keinen Mann, der sich auch bald, warm in ein | Tuch gehüllt von dem neuen Onkel aus dem I Wagen heben ließ.

Komm," sagte er,wir gehen voraus und | "lachen der Mama das Einfahrtsthor auf."

Er schritt rasch mit dem Kinde davon, nachdem | er dem Kutscher noch zngerufen, langsam zu k fahren.

Hersfeld, den 15. Oktober 1894.

Der bisherige Bürgermeister Johannes Mohr zu Conrode ist als solcher auf weitere acht Jahre gewählt, bestätigt und heute verpflichtet worden.

I A. 2636. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtliches.

Unsere Kaiserin

begeht am heutigen Tage ihren 36v Geburts­tag, und das Lebensjahr, welches an diesem Tage für die hohe Frau abschließt, ist für sie und ihre Familie des Glückes und Segens voll gewesen. Das preußische und das deutsche Volk sind ge­wohnt, mit Stolz auf das vornehmste Heim des Landes und Reiches zu blicken, darin Jedermann das Vorbild eines deutschen Hauses und einer deutschen Familie erkennt. Den Ruhm dafür, dem Volke ein solches Vorbild zu bieten, theilt der Kaiser mit seiner Gemahlin, die mit nimmer rastender Sorge im Heimwesen waltet. Die aufblühende Kinderschaar, welche dieses Heimwesen belebt, erfreut sich der Obhut des treuesten Mutter­auges. Wo die Kaiserin sich im Kreise ihrer jugendlichen Sprossen zeigte, überall war und ist sie des lebhaftesten, freudigsten Antheils sicher von Jung und Alt, ohne Unterschied der Stände. Nur einmal in diesem Jahre hat sich die Kaiserin auf kurze Wochen von ihren Kindern getrennt; das war, als sie im Juli den Kaiser an Bord derHohenzollern" begleitete, der seiner Gemahlin die majestätische Schönheit des nordischen Meeres und der nordischen Landschaft zeigen wollte.

Bei voller Erfüllung der Mutterpflichten im eigenen Heim entzog sich die Kaiserin aber auch den anderen nicht, die ihr die Stellung als Landes­mutter auserlegen. Ihr reger persönlicher Antheil

So war Hertha für einen Augenblick selbst den fragenden Blicken des Knaben entzogen, und als der Einspänner langsam durch das geöffnete Thor einfuhr, standen Thilo und ihr kleiner Sohn be­reits am Eingang und salutirten mit komischer Feierlichkeit. Die beiden Diplomaten hatten ihren Zweck erreicht; Hertha dankte ihnen mit einem Lächeln. Jetzt erschien auch Veronika auf der Rampe, und ein Augenblick der Wahrnehmung genügte, um aus ihrem Herzen die ganze Fülle feinfühligen Mitleides hervorquellen zu lassen, die es in seiner schönen Tiefe barg.

Willkommen zu Hause, Hertha," sagte sie und öffnete selbst das Spritzleder, um der Ankom­menden beim Aussteigen behülflich zu sein. Jetzt, wo sie sich geborgen fühlte, verließen Hertha die Kräfte. Ihre Kniee versagten den Dienst, und um sie vor dem Zusammenbrechen zu bewahren, umschlang Veronika sie mit beiden Armen und führte sie behutsam ins Haus

Die Tage in Ottmannsdorf vergingen still und gleichmäßig. Die alte Friederike, die . bis jetzt einen anderen Posten im Hause bekleidet hatte, wurde ihrem ursprünglichen Berufe, für den sie so recht eigentlich geschaffen war, miedergegeben, und Herthas kleiner Knabe ihrer Obhut unter­

an der Aufgabe des Vaterländischen Frauenver- eins, am Evangelisch-kirchlichen Hilfsverein, an den Bestrebungen der inneren Misston stellte zu wiederholten Malen die hohe Frau in der Weise an die Oeffentlichkeit, wie das dem Wesen einer trefflichen, im edelsten Sinne des Wortes vor­nehmen Frau entspricht: als allzeit bereite Helferin und Trösterin für die leiblich und geistig Armen; manche Kirchenweihe, manche Eröffnung von An­stalten, die der Pflege und dem Wohl Bedürftiger dienen, hat durch die persönliche Theilnahme der Kaiserin eine besondere Bedeutung erfahren.

So erkennen die Deutschen und namentlich die deutsche Frauenwelt, deren Zierde die Kaiserin ist, in deren Ehrentag auch einen eigenen, den sie in Liebe und Ehrfurcht mitbegehen. Mögen die Wünsche von Millionen treuer Herzen, die sich an diesem Tage für die Kaiserin zu Gott drängen, reiche und segensvolle Erfüllung finden!

Politische Nachrichten.

Berlin, 22. Oktober.

Am Sonnabend Vormittag nahm S e. M a j e st ä t der Kaiser den Vortrag des Chefs des Miliiair- kabinets entgegen und empfing um 12 Uhr Mittags eine Deputation- des Bundes der Landwirthe der Provinz Ostpreußen. Hierbei waren der Präsident des königl. Staatsministeriums, der Minister für Landwirthschaft, Domainen und Forsten und der Chef des Geheimen Civilkabinets zugegen.

Nach einer Meldung desRheinischen Kuriers" aus Cronberg ist Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich am Sonnabend nach Rumpenheim ab­gereist, wo Ihre königl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Karl vonHessen von einem Prinzen entbunden worden ist.

Der König Alexander vonSerbien ist am Sonnabend Abend kurz vor 9 Uhr mit seinem Gefolge und dem Ehrendienst von der Wildparkstation über Berlin nach Wien abgereist.

stellt. Nun hörte man frohes Lachen und Jauchzen und das Tappeln kleiner Füßchen in den langen Gängen des bisher so stillen Hauses. Friederike und ihr kleiner Pflegling waren offenbar die beiden Glücklichsten seiner Bewohner.

Trotz aller Liebe, mit der man sie umgab, und trotz des Doktors Bemühungen ihre Lebens­kräfte noch einmal zu heben, erholte Hertha sich nicht mehr. Der vorrückende Frühling fand sie dauernd an ihr Krankenlager gefesselt. Thilo und Veronika täuschten sich auch nicht mehr dar­über. Sie sahen sehr bald, daß hier nicht mehr zu heilen war. Ihr stolzes Selbst war herab­gewürdigt, und das war der Todesstoß, an dem dies Herz verblutete. Alles was noch geschehen konnte, war, das Ende dieser gebrochenen Frau still und friedlich zu gestalten. Das zu thun, hatten die beiden Gatten sich gelobt, als Hertha in einem wilden Schmerzensausbruche, in dem sie in abgeriffenen Worten man wußte nicht, waren Fieberphantasien, war es Wirklichkeit ihr Leben der letzten Jahre an der Seite ihres Mannes geschildert hatte. Es bedurfte zu diesem Gelöbniß nicht der Worte. Ein Blick stillen Einverständnisses genügte diesen beiden verwandten Naturen, denen das Beste im Leben