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Htrsselier limsblatt
Mit wöchentlicher Gratis-Veilage „MnstrirLes Eonntagsblatt".
Ur. 133.Donnerstag den 18. Oktober 1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 15. Oktober 1894.
Die Wählerlisten für den Vollzug der Ergän- zungswahlen für den Kreistag im II., III., IV., VI., IX. und X. Wahlbezirke der Landgemeinden und im Verbände der Großgrundbesitzer sind aufgestellt und liegen in meinem Bureau zu Jedes- manns Einsicht offen.
I. A. 2632. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 6. Oktober 1894.
In Folge der in letzterer Zeit niedergegangenen starken Regengüffe haben sich die Fluthgräben im Anschluß an Straßen- und Wegekanäle derartig mit Gerölle aufgesandet, so daß eine baldigste Ausräumung stattfinden muß, damit für den bevorstehenden Winter bei Schneeabgang ein freier Durchfluß und nicht etwaige Auseifung der Straßenbahn herbeigeführt wird.
Ebenso ist seitens der Interessenten eine Reinigung der von denselben benutzt werdenden Straßenüberfahrt-Kanäle, welche die Zugänglich- keit nach Grundstücken und in Orten nach Gehöften vermitteln, dringend nöthig.
Schließlich ersuche ich noch die Gemeinde-Vorstände gefälligst zu veranlassen, daß auch in den Orten selbst die Seitenkandeln und Wegezüge allwöchentlich nach Bedürfniß gereinigt werden, da durch Unterlassung dieser Leistung in den Ortschaften sehr oft und mit Recht über das Vorhandensein von Schmutz Klage geführt wird rc. ic.
Der Landesbauinspektor, gez. Xylander. An das Königliche Landrathsamt hier.
* *
Hersfeld, den 12. Oktober 1894.
Die Herrn Ortsvorstände des Kreises erhalten
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Erinnerung
Eine Erzählung von
E. von der Decken.
(Fortsetzung.)
„Hertha," begann er etwas verlegen, als sie nach Tisch ihren Kaffee wieder ziemlich schweigsam eingenommen hatten. „Du weißt, daß seit dem Verkaufe des Gutes, zu dem ich mich damals in der allgemeinen Geldkrisis gezwungen sah, unsere Einkünfte bedeutend geringer geworden sind. Ich habe mich daher genöthigt gesehen, öfters Geld aufzunehmen, — gegen Wechsel, weißt Du,---
„Ja," unterbrach ihn Hertha, die bis dahin mit aufeinander gepreßten Lippen dageseffen und ihre Erregung nur mül)fam bemeistert hatte, „ich weiß, seit Du spielst, machst Du auch Wechselschulden."
Darauf, seine Handlungsweise so unumwunden beim Namen genannt zu hören, war Vilborg nicht vorbereitet.
„Wechfelschulden?" erwiderte er verwirrt. „Nun ja doch — Wechselschulden. — Aber Du weißt, es ist die einzige Art — —"
„Denke nicht, Konstanz," unterbrach ihn Hertha scharf, „daß ich mich noch einmal dazu hergeben
die Auflage, die vorstehend erwähnten Arbeiten, soweit solche von den Gemeinden auSzuführen sind, alsbald ausführen zu lassen, im Weiteren auch den betreffenden Pflichtigen aufzugeben, die Ihnen obliegende Reinigung der Straßenüber- sahrt-Kanäle -vorzunehmen, sowie Seitenkandeln und Wegezüge allwöchentlich nach Bedürfniß zu reinigen.
Als Termin, bis zu welchem die Ausräumung der Fluthgräben und Ueberfahrtkanäle rc. erfolgt sein muß, wird der 25. Oktober d. J. bestimmt.
J. I. 5194. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath
Hersfeld, den 12. Oktober 1894.
Der seitherige Bürgermeister Heinrich G ö r k zu Eitra ist als solcher auf acht weitere Jahre gewählt, bestätigt und verpflichtet worden.
I. A. Nr. 2619. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 16. Oktober.
Wie aus Cronberg im Taunus gemeldet wird, ist S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r dort am Sonntag Morgen 81 ■ 2 Uhr angekommen und wurde von Ihrer M a j e st ä t der Kaiserin Friedrich empfangen und nach Schloß Friedrichshof geleitet. Später unternahmen die Majestäten einen gemeinsamen Spaziergang. Zum Luncheon, um l'/4 Uhr, war auch Seine Hoheit Prinz Karl von Hessen geladen. Nachmittags machten beide Majestäten eine gemeinsame Spazierfahrt. Um 8l*/4 Uhr fand auf Schloß Friedrichshof Abendtafel statt. — Am Montag Morgen 9 Uhr 50 Min. trat Seine
werde, Thilo von Hohenhaus um Geld zu bitten. Die Art, wie er uns damals Hülfe leistete, war so freundschaftlich, so bedingungslos, daß ich in der That nicht niedrig genug empfinde, um ihn noch einmal um ein Gleiches anzugehen."
„Aber Hertha, ich muß Geld haben, die Wechsel können nicht mehr verlängert werden. Ich habe alles aufgeboten, um den Mann dazu zu bewegen, — er thut es nicht mehr."
„Das thut mir leid. Da mußt Du eben sehen, wie Du Dir hilfst."
„Verdammt!" fuhr Vilborg auf. „Könnt ihr Weiber denn niemals etwas von Geschäften verstehen? — Willst Du mir etwa sagen, w i e ich mir helfen soll? — Wer leiht denn noch Geld, wenn es der Jude auf Wechsel nicht mehr thut, und der thut es nicht mehr, — ich sage Dir ja, — der thut es nicht mehr!"
Hertha saß regungslos da und sah vor sich nieder. Keine Muskel bewegte sich in ihrem bleichen Gesicht.
„Himmel und Hölle, — hörst Du mich nicht?!" kreischte Vilborg jetzt außer sich vor Wuth. „Ich frage dies Weib, ob es keine Ohren hat, mich zu hören!"
Er trat mit geballten Fäusten dicht vor die junge Frau.
„Zurück," rief Hertha und schnellte von ihrem Sitze auf, als wollte sie ein giftiges Insekt von
Majestät der Kaiser die Fahrt nach Darmstadt an. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich gab Sr. Majestät das Geleit zum Bahnhöfe. Das Publikum bereitete den Majestäten überall stürmische Ovationen. — In Darmstadt traf Seine Majestät der Kaiser um 11 Uhr Vormittag ein und wurde vom Großherzog von Hessen auf dem Bahnhöfe empfangen. Nachdem Se. Majestät die Ehrencompagnie abgeschritten hatte und die Vorstellungen erfolgt waren, nahm Se. Majestät den Parademarsch der Ehrenwache ab und fuhr darauf mit dem Großherzog in einem offenen Vierspänner, von einer Dragonerescorte begleitet, durch die festlich geschmückte Stadt zum Residenzschlosse. Auf dem Wege bildeten sämmtliche Kriegervereine und Schulen Spalier, und eine tausendköpfige Menge begrüßte Se. Majestät den Kaiser enthusiastisch. Mittags 12 Uhr fuhr Se. Majestät, von dem Flügeladjutanten Oberst von Scholl begl-'i^t . in einem offenen Zweispänner nach dem Mausoleum und legte an der Grabstätte des Großherzogs Ludwig IV. eine Blumenspende nieder. — Um 5 Uhr Nachmittags fand im Kaisersaal des Residenzschlosses Gala- t a f e l statt. Der Großherzog toastete auf den Kaiser. Dieser erwiederte sofort in herzlicher Weise mit einem Trinkspruch auf den Großherzog und sein Land. Nach der Tafel begaben die Herrschaften sich zur F e st v o r st e l l u n g in das Hoftheater, wo „Madame Sans-Gene“ gespielt wurde.
Zu der Fahnenweihe am Donnerstag werden folgende regierende deutsche Fürsten in Berlin anwesend sein: die Großherzoge von Baden, Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin, die Fürsten zur Lippe, Reuß ä. L., von Waldeck und Pyrmont und Schaumburg-Lippe. Außerdem kommt der Erbprinz Reüß j. L. hierher. Mit
sich schleudern. Die ganze Vornehmheit ihrer Natur, die bis jetzt unter ihrer Eitelkeit begraben lag, erwachte in diesem Augenblicke und schreckte vor solcher Zügellosigkeit zurück, wie vor einem Pesthauche.
Einige Sekunden standen sich die Gatten gegenüber, Aug' in Auge und im Herzen tödtlichen Haß.
Vilborg wandle sich ab.
„Gut," sagte er mit leise zischender Stimme. „Dann bleiben m i r noch meine Pistolen und Ihnen, Gräfin Vilborg und Ihrem Kinde der Bettelstab und die Unehre."
Ohne noch einen Blick auf seine Gattin zu werfen, verließ er das Zimmer.
Zwei Tage danach fand Thilo von Hohenhaus unter seinen Postsachen einen Brief von Hertha. Er erbrach ihn hastig, und seine Hand zitterte, während er ihn las. Eine Weile maß er mit großen Schritten den Raum, dann öffnete er die Thür zu dem Nebenzimmer und trat bei seiner Frau ein. — Sie saß am Fenster mit einer Handarbeit beschäftigt. Ohne ein Wort zu sagen, legte er Herthas Brief vor sie hin.
„Was wirst Du thun?" fragte Veronika erschrocken, nachdem sie den Brief gelesen.
„Nichts, was Dil nicht billigst," antwortete er, heftete dabei aber seine Augen mit einem so angstvoll forschenden Blick auf das Gesicht seiner