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Hkrsftl-kl Kreistlitt.

Mit wSchentlicher Gratis-VeilageMuftrirtes Sonntagsblatt".

Mr. 117. Souuakend deu 6. Oktober

1894.

Veftellnng««

auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtcs Sonntagsblatt" für das IV. Quartal 1894 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 3. Oktober 1894.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen Kreises, mit Ausnahme der­jenigen zu Beiershausen, Friede­wald, Hilperhausen, Kemnierode, Petersberg, Neimboldshausen, Rothen - see, Stärklos und Wehrshausen, werden hierdurch an Einreichung der Gemeinde­rechnungen für das Etatsjahr 1893/94 mit Frist bis zum 30. b. Mts. erinnert.

A. 2539. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Im Anschluß an das Ausschreiben vom 26. v. Mts. I. Nr. P. 10215, betreffend Recherchen nach einem Unbekannten, angeblichen Hafner Georg Haupt aus Salmünster, wird weiter mitgetheilt, daß derselbe am 27. v. Mts. in einem hiesigen Gasthause noch zwei weitere Diebstähle ausführte. In. diesem Falle hat sich der Thäter unter dem Namen Georg Gleber, Hafner aus Frankfurt am Main einlogirt und Gästen gegenüber ge­äußert, daß er bei einem Handwerksmeister Namens Wurm zu Frankfurt a./M., Steingasse in Arbeit stehe.

Die gestohlenen Gegenstände sind folgende: Ein hellgrauer Sackrock, ein graues Barchent­hemd, eine halblange Tabakspfeife nebst gestricktem Tabaksbentel. Außerdem befand sich in dem Rocke ein Loosungsschein auf den Tapezierer Karl Eberlin, geb. am 13. Juni 1873 zu Stettin lautend und ein Annahmeschreiben znm frei­willigen Eintritt bei dem Thür. Ulanen-Regiment Nr. 6 hierselbst. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Unbekannte diese Papiere als Legitimation benutzt.

Um Anstellung von weiteren Nachforschungen «ventl. um Festnahme des Flüchtigen und Nach­richt hierher wird ergebenst ersucht.

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*

Das Ausschreiben vom 7. Dezember v. Js. I. Nr. P. 11837/93, betreffend Festnahme des Schlafstellendiebes, angeblichen Schriftsetzers Wil­helm Weinert aus Münster, ist erledigt.

Hanan, am 2. Oktober 1894.

Nr. ?. 10451. Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtliches.

^ Stadt und Land in dev Statistik.

Um die Entvölkerung des platten Landes zu beweisen, wurde kürzlich von verschiedenen Seiten auf den Rückgang des Antheils der Landbevölkerung an der Gesammtbevölkerung des deutschen Reiches aufmerksam gemacht. In der That ergiebt sich ein trübes Bild, wenn man die Zahlen betrachtet, welche die Statistik einerseits für die Stadtbe­völkerung, d. h. alle Einwohner von Orten mit mehr als 2000 Seelen, andererseits für die Land­bevölkerung liefert. Danach ist der Antheil der Stadtbevölkerung seit 1870 ständig von 36 auf 43,7 pCt. der Gesammtbevölkerung im Jahre 1885 gestiegen, der Antheil der Landbevölkerung von 64 auf 56,3 pCt. gefallen. Während also von 100 Seelen noch 6* in Orten von wemD? als 2000 Einwohnern wohnten, waren bei der Zählung 1885, also fünfzehn Jahre später, nur noch 56 Landleute unter 100 Seelen der Ge- sammtzahl. In den fünf folgenden Jahren bis 1890 hat sich der Stand nicht wesentlich ver­ändert, man zählte nach dem Statistischen Jahr­buch für 1893 am 1. Dezember 1890 42,8 pCt. Städte- und 57,2 pCt. Landbewohner.

Indessen auch wenn man nur die Prozentzahlen bis 1885 ins Auge faßt, ist doch mit ihnen eine fortschreitendeEntvölkerung" des platten Landes noch keineswegs erwiesen. Eine Entvölkerung läge nur vor, wenn nicht sowohl der Prozentan­theil, als vielmehr die absolute Zahl der Land­bewohner abgenommen hätte. Das ist aber nicht der Fall. Zählt man alle Seelen in Orten von mehr als 2000 der Stadtbevölkerung zu, so steht diese der Landbevölkerung wie folgt gegenüber: 1875 16,6 zu 26 Millionen, 1880 18,7 zu 26,5 Millionen, 1884 20,4 zu 26,3 Millionen, 1890 23,2 zu 26,1 Millionen Seelen. Die Zahl der Landbevölkerung ist sich also innerhalb dieses fünfzehnjährigen Zeitraums annähernd gleich ge­blieben. Ferner darf nicht außer Acht gelassen werden, daß nach obiger Theilung alle Bewohner in Orten von mehr als 2 000 Einwohnern der Stadtbevölkerung zugerechnet werden und daß bei dem allgemeinen Wachsthum unserer Bevölkerung bei jeder Zählung mehr kleinere Ortschaften in die Klassen der-Land- und Kleinstädte hinein­rücken. So wurden z. B. gezählt in Landstädten mit 25 000 Einwohnern am 1. Dezember 1875 5,3 Millionen, am 1. Dezember 1885 * aber 5,8 Millionen. Die Bevölkerung der Kleinstädte mit 520000 Einwohner hob sich im gleichen Zeit­raum von 5,1 auf 6 Millionen Seelen.

Nach der Statistik besteht also der Zug vom Lande nach den Städten nicht darin, daß die Dichtigkeit der Landbevölkerung abnimmt, sondern darin, daß das Land seinen Geburtenüberschuß an die Städte abgiebt. Das allgemeine Wachs­thum unserer Bevölkerung wird von den Städten aufgesoge», besonders von den Großstädten. Die Zahl der Einwohner von Städten mit mehr als 20000 Seelen nahm von 1875 bis 1885 von 6,1 aus 8,6 Millionen zu und ist seitdem weiter bedeutend gewachsen. Mag man auch sagen, daß sich der Staat die Pflege des gewerblichen In­

teresses, das hauptsächlich in den so große stetig wachsende Menschenmassen ernährenden Städten seinen Sitz hat, ebenso r -legen sein lassen müsse, als die Fürsorge für die Landwirthschaft, so bleibt doch andererseits das Anschwellen der Großstädte mit ihrem Massenproletariat eine ungesunde Er­scheinung, deren Heilung an die Weisheit und Kraft der Staatsleiter die höchsten Anforderungen stellt.

Politische Nachrichten.

Berlin, 4. Oktober.

Se. Majestät der Kaiser nahm, wie derR.-A." aus Rominten meldet, am Mittwoch den Vortrag des Staatssekretairs des Reichs« Marineamts entgegen und empfing den Botschafter, General der Infanterie v. Werder.

^^Lie verlMM^mkrd Se. Majestät der Kaiser WW'JagWWWM^.püsstock voraussichtlich vom 5. bis 12. d. M. verweilen und dann am 13. Oktober wieder im Neuen Palais eingetroffen sein. In Wiesbaden wird der Aufenthalt des Kaisers nur ein ganz kurzer fein; desgleichen in Darmstadt, an beiden Orten dürfte, wie bereits gemeldet, Se. Majestät am 16. d. M. verweilen und bereits am Abend dieses Tages nach dem Neuen Palais zurückkehren. Am 17. wird in der Ruhmeshalle die Nagelung von 132 für die vierten Bataillone bestimmten Fahnen, und am 18. Oktober vor dem Denkmale Friedrichs des Großen die Weihe derselben in besonders feier­licher Weise stattfinden. Zu dieser Feier sind Einladungen an sämmtliche regierende deutsche Fürsten ergangen, insoweit dieselben nicht selbst- ständig den Truppen Fahnen zu verleihen be­rechtigt sind (Baiern, Sachsen, Württemberg). Sofern diese Fürstlichkeiten picht durch Unpäßlich­keit an ihrem Erscheinen verhindert sein werden, dürften dieselben der feierlichen Fahnenweihe vollzählig beiwohnen und theils im Neuen Palais, theils im Stadtschlosse zu Potsdam Wohnung nehmen. Auch der König von Serbien, welcher am 16. d. Wien verläßt und am 17. Oktober hier einzutreffen gedenkt, wird der Feier bei- wohnen und für die Dauer seines Verweilens am hiesigen Hofe im Potsdamer Stadtschlosse wohnen. Nach der feierlichen Weihe der 132 Fahnen soll, wie verlautet, im Marmorsaale des Reuen Palais eine größere Galatafel statt- finden.

Ihre Majestät die Kaiserin gedenkt Allerhöchstsich morgen von der Wildparkstation nach Eberswalde und von dort nach Hubertusstock zu begeben. Die Ankunft in Eberswalde wird wenige Minuten später als jene S r. M a j e st ä t des Kaisers daselbst erfolgen, und werden dann beide Majestäten die Fahrt nach Jagdschloß Hubertusstock gemeinschaftlich unternehmen.

Die seit einigen Tagen in U o k o h a m a ver­sammelten deutschen Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, sich nach den nordchinesischen Häfen zu begeben.

Die Konferenz, betreffend die Berathung von Maßregeln zur Bekämpfung des unlauteren Wett­bewerbes bezw. gegen den Verrath von Geschäfts- und Fabrikgeheimniffen hat am Mittwoch Vor­mittag 10 Uhr unter dem Vorsitz des Direktors