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HerssMl Kreistlatt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJünftrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 108.

Sonnabend den 15. September

1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 14. September 1894.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 14. August 1891 I. Nr. 8179, im Kreisblatt Nr. 99, be- treffeud gewerbliche Anlagen und die in denselben beschäftigten Arbeiter, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 18 d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, _____Geheimer Regierungs-Rath.

Die mit einem competenzmäßigen Einkommen von 1026,35 Mk. einschließlich 90 Mk. Feuerungs­vergütung und ausschließlich freier Wohnung ver­bundene 1. Schulstelle in Niederaula wird in Folge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. Oktober d. Js. ab vakant.

Bewerber um dieselbe wollenihre Meldungs­gesuche nebst den erforderlichen Sitten- und Be­fähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten einreichen.

Hersfeld, am 12. September 1894.

Namens des Königlichen Schulvorstandes von Niederaula:

Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

I. I. Nr. 4692.

Nichtamtliches.

f Die Rede des Kaisers und die Kresse.

Die Rede des Kaisers vom 6. September hat überall einen tiefen Eindruck gemacht, und dieser Eindruck spiegelt sich in den Blättern aller Parteien wieder. Es wird von Interesse sein, einzelne Stimmen davon kennen zu lernen.

DieKreuzzeitung" nennt die Rede unstreitig eine der bedeutendsten Kaiserlichen Kundgebungen. Der Zusammenhang der Rede ergebe, daß der Kaiser die ablehnende Haltung nicht allein des Adels, sondern der Konservativen überhaupt zu der Handelsvertragspolitik der letzten vier Jahre im Auge gehabt habe. Selbstverständlich habe der Kaiser ihnen nicht etwa das verfassungsmäßige Recht, oder besser die sittliche Pflicht, gesetz- gebrische Pläne nach ihrer gewissenhaften Ueber­zeugung zu bekämpfen, verschränken wollen. Nicht sowohl die ablehnende Haltung des Adels könne das landesväterliche Herz in so hohem Grade bekümmert haben, als die Form, in der sich mehr­fach diese Gegnerschaft äußerte.Und da gilt es offen zu bekennen, daß diese hier und da selbst jenes Maß überschritten hat, das dieHitze des Streites" noch entschuldigen kann."'

Seine Majestät so schreibt das Blatt weiter - schließt den ersten, sagen wir es kurz heraus, strafenden Theil seiner Rede mit den hochherzigen Worten:Als ausgelöscht betrachte ich alles, was geschah." Es ist ein schönes Vorrecht des Fürsten, die Vergangenheit in seinem Herzen aus- zuloschen. Nicht zum ersten Mal hat unser Kaiser- licger Herr davon Gebrauch gemacht. Wir nennen es einVorrecht", denn wir anderen sind nur

zu geneigt, in dem Bestreben, den politischen| Gegner zu überzeugen, den Streit nicht ein- schlasen zu lasten. Um so ernster und nachdrück­licher sollten wir jenes versöhnende Wort Seiner Majestät auf uns wirken lassen . . . Der Ruf Sr. Majestät:Auf zum Kampfe für Religion, für Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes" wird, davon sind wir überzeugt, nicht nur bei demAdel deutscher Nation", an den er sich zunächst richtete, willige Ohren finden, sondern alle treuen Unterthanen werden sich um dieses von Kaiserlicher Hand erhobene Banner in hingehender Begeisterung schaaren.Ehrlos, wer seinen König verläßt" das ist eine so ernste Mahnung an alle in persönlicher Treue dem Monarchen ergebene Konservativen, daß sie nie­mals ungehört verhallen kann. Mag auch die Vergangenheit ihnen manche Seufzer abgerungen haben, mag auch die Gegenwart noch so schwer auf ihnen lasten: ihr König wird an ihre Ehre nicht umsonst appellirt hob;..

DiePost" hebt hervor:

Se. Majestät der Kaiser hat den Ruf zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie ausgegeben. Dieser Aufruf zum Kampfefür Religion, für Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Um­sturzes" wird mächtigen Wiederhall erregen, faßt er doch das Gefühl zusammen, das während der letzten Monde in der Nation immer mehr zum Durchbruch gekommen ist; wo noch Ungewißheit und Unsicherheit geherrscht haben mögen, macht er ihnen ein Ende. Se. Majestät der Kaiser hat alte Traditionen seines Hauses wachgerufen, auf die wir Preußen mit Stolz zurückzublicken ge­wohnt sind. Ihnen entspricht es, daß der Souverain selbst die Parole dieses Kampfes aus- giebt. demgegenüber wird auch das Volk den Beweis nicht schuldig bleiben, daß die Treue der Väter ihm nicht verloren gegangen ist, und in freudiger Nachfolge der Welt zeigen, daß ein monarchisch gefestigtes Staatsleben, wie das unserige, dem Wühlen der Sozialdemokratie und den Teufeleien des Anarchismus gewachsen ist."

ImH a m bur gi sch e n Correspon- d e n t e n" lesen wir:

»In kräftigen Worten hat der Hohe Herr be­tont, wie er seinen Pflichten landesherrlicher Fürsorge gerade für diejenigen Provinzen, in denen er gegenwärtig weilt, treu und eifrig nach- gekommen sei, wie er aber auch das Recht, daß man seine Absichten nicht verkenne ober mißdeute, sondern sie mit Hingabe unterstütze, in Anspruch nehme. Im Osten Preußens hat der Widerstand gegen den russischen Handelsvertrag sich am hart­näckigsten gezeigt, und Männer, die nach Tradi­tion und Lebensstellung sonst dem Thron am nächsten stehen, hatten an der Spitze der Gegner der kaiserlichen Politik gestanden. An sie vor­nehmlich ist das ernste Kaiserwort gerichtet, das in die Verheißung ausklingt, die Vergangenheit solle vergessen sein, und in die Mahnung, fest, treu, entschlossen zum Kaiser zu halten in dem Kampfe gegen den Umsturz für eine friedliche und gedeihliche Entwickelung. Von den Führern der preußischen Konservativen wird man ayf diese klare Ansprache eine ebenso klare Antwort erwarten müssen, sie kann entscheidend für den Gang der Dinge in Preußen und im Reiche werden."

Politische

Berlin, 13. September.

Aus Swinemünde wird vom heutigen Tage gemeldet: Se. Majestät der Kaiser ist heute früh kurz nach 8 Uhr mittels Hofzuges hierselbst eingetroffen. Die Bevölkerung und die in großer Zahl hierher gekommenen Fremden begrüßten Se. Majestät mit begeistertem Jubel. Eine große Menschenmenge ist aus allen Theilen Deutschlands herbeigeströmt, um der Besichtigung der Flotte durch Se. Majestät den Kaiser beizuwohnen. Bei herrlichstem Wetter fuhren Dampfer auf Dampfer, von Schaulustigen dicht besetzt, an den mit Fahnenwimpeln reich geschmückten Schiffen vorüber zum Hafen hinaus, um die etwa 1'/, Seemeilen seewärts ankernde Flotte zu besichtigen und alsdann beim Herannahen der kaiserlichen JachtHohenzoll.ru" rechts von der Flotte Ausstellung zu neljLjt. Kurz vor 10 Uhr ver­kündeten Böllerschüsse der Festungsgeschütze, daß dieHohenzollern" mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord den Hafen verlasse. Zuerst langsam, dann immer schneller bewegte sich dieHohen­zollern", von dem auf den Molen zahlreich ver­sammelten Publikum mit brausendem Jubel be­grüßt, aus dem Hafen und fuhr an zahllosen Vergnügungsdampfern vorüber der Flotte zu, welche das Kaiserschiff mit gewaltigem Donner der Kanonen begrüßte.

Ihre M a j e st ä t d i e Kaiserin traf heute früh kurz vor 61 /.2 Uhr von Königsberg auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ein und setzte nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Potsdam fort Gegen ?*/♦ Uhr traf Ihre Majestät auf der Wildparkstation ein, woselbst sich zur Be­grüßung der kaiserlichen Mutter die Prinzen- Söhne, der Kronprinz und die Prinzen Eitel- Friedrich und August Wilhelm eingefunben hatten.

Die in den Veröffentlichungen des kaiserlichen Statistischen Amts enthaltenen Nachweisungen über die Dampfkessel-Explosionen im Deutschen Reiche während des Jahres 1893 geben für jeden einzelnen Fall eine eingehende, durch Zeichnungen und Maße erläuterte Be­schreibung der Dampfkeffel und eine Darlegung der Umstände unter Angabe der muthmaßlichen Ursachen der Explosion. Im gedachten Jahre fanden 10 Dampfkessel-Explosionen statt. Bei diesen verunglückten 21 Personen, von denen 6 so­fort getobt et wurden oder binnen 48 Stunden verstorben; 5 Personen wurden schwer, 10 leicht verwundet. Der Art der Keffel nach explodirten 1 liegender Einflammrohrkessel, 2 liegende Zwei- flommrohrkessel, 1 liegender Walzenkeffel mit 1 Siederohr, 2 liegende Walzenkeffel mit 2 Siede- rohren, 4 Keffel mit liegenden Siederöhren. Die muthniaßlichen Ursachen der Explosionen waren in 4 FällenWassermangel", in 2 Fällenmangel­hafte Schweißstelle einer Siederöhre" und je in 1 FallKesselstein",örtliche Blechschwächung, alter Bruch",mangelhafte Beschaffenheit der ausgeplotzten Siederöhre",mangelhafte Kon­struktion". Während der 17 Jahre 1877 bis 1893 erfolgten im Deutschen Reich 254 Dampf­kessel-Explosionen. Hierbei verunglückten zusammen 652 Personen, von denen 214 getödtet, 125 schwer und 313 leicht verwundet wurden.