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Itrsftlhn Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 103. Sonnabend den 8. September 1894.
Amtliches.
Hersfeld, den 3. September 1894.
Die Herren OrtSvorstände haben den in dem nichtamtlichen Theil des heutigen Blattes veröffentlichten Artikel „Zur Obsternte" thunlichst zur Kenntniß der Gemeinde-Einwohner zu bringen.
J. I. 4560. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gesunden: ein Sack mit Salz. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Gittersdorf.
Nichtamtliches.
f Flottenparade vor dem Kaiser
Wie Theile des Heeres alle Jahre vor dem obersten Kriegsherrn in Parade und Manövern zu zeigen haben, ob sie die Zeit der militairischen Ausbildung auszunutzen verstanden haben und ob sie den höchsten Anforderungen gewachsen sind, so sind auch für die Flotte, seitdem sie sich kräftig entwickelt hat und zu ansehnlicher Stärke fortgeschritten ist, Paraden und Manövern vor dem Kaiser eingeführt worden. Eine solche Flotten- parade in großem Stil wird, wie schon kurz gemeldet, am Donnerstag den 13. September vor Swinemünde stattfinden. Bei der wachsenden Theilnahme, die alles, was zu unserer Marine gehört, mehr und mehr in den weitesten Kreisen des Vaterlands findet, wird man dem bevorstehenden maritimen Schauspiel die lebhafteste Aufmerksamkeit zuwenden.
An dem genannten Tage wird sich Kaiser Wilhelm an Bord der Jacht „Hohenzollern" am Bollwerk (im Swinemünder Hafen) einschiffen und gegen 10 Uhr zu der auf der Rhede zu Anker liegenden Flotte fahren: alle Schiffe haben über die Toppen geflaggt und empfangen den obersten Kriegsherrn mit dem Kaisersalut von je 33 Schuß.
Die auf der Rhede vor Swinemünde liegende Flotte besteht im Ganzen, die Kaiserliche Macht „Hohenzollern" ungerechnet, aus 17 größeren und 35 kleineren, zusammen 52 Schiffen mit einer Besatzung von zusammen 470 Offizieren, 200 Seekadetten und nahezu 9000 Mann. Wir lassen hier die Namen der Schiffe folgen. Die Flotte besteht aus:
1) den 12 Panzerschiffen „Wörth", „Brandenburg", „König Wilhelm", „Deutschland", „Friedrich der Große", „Baden", „Sachsen", „Bayern", „Württemberg", „Hildebrand", „Frithjof" und „Beowulf";
2) den 4 Schulschiffen „Stein", „Stosch", „Moltke" und „Gneisenau", welche zu den Manövern vereinigt sind und sonst alleinsegelnd der Ausbildung der Seekadetten, Kadetten und Schiffsjungen obliegen;
3) der Kreuzer-Korvette „Prinzeß Wilhelm", welche, wie die Avisos „Wacht", „Meteor" und „Grille", das Panzerkanonenboot „Brummer" und der Transportdampfer „Pelikan" zum Aufklärungsdienst Verwendung finden;
4) den Flottillenfahrzeugen „Blitz" und „D 2" und den aus je einem Torpedo-Divisionsboot und 6 Torpedobooten bestehenden 4 Torpedoboots- Divisionen.
Die Flotte ist eingetheilt in zwei Geschwader, von denen jedes wieder in zwei Divisionen zerfällt und zu denen 11 Panzerschiffe, 4 Schulschiffe und 2 Avisos gehören, ferner in zwei Torpedoboots-Flottillen und in die Aufklärungsschiffe. Dazu tritt noch das Flaggschiff des kommandirenden Admirals S. M. S. „Wörth", welches als solches einem Verbände nicht zugetheilt ist.
Außer dem kommandirenden Admiral Freiherrn von der Goltz befinden sich noch vier andere Admirale in Befehlshaberstcllen auf der Flotte, und zwar: der Vize-Admiral Koester als Chef des 1. Geschwaders und gleichzeitig der I. Division an Bord S. M. S. „Baden", der Kontre-Admiral Thomsen als Chef des II. Geschwaders und gleichzeitig der III. Division an Bord S. M. S, „Stein", der Kontre-Admiral von Diedrichs als Chef der II. Division an Bord S. M. S. „König Wilhelm" und der Kontre-Admiral Oldekop als Chef der IV. Division an Bord S. M. S. „Hildebrand".
An den beiden folgenden Tagen, am 14. und 15. September, finden von Swinemünde aus taktische Uebungen einzelner Geschwader und der gesammten Flotte statt, denen sich in den darauffolgenden Tagen Uebungen anschließen, welche der freien Ostsee als Manöver-Terrain bedürfen.
Die Kaisermanöver des Landheeres bilden für den Landestheil, wo sie stattfinden, immer den größten Anziehungspunkt. Alt und Jung, Hoch und Niedrig strömt aus der Provinz zusammen, um Zeuge des glänzenden militärischen Schauspiels zu sein, das sich vor den Augen des Kaisers entrollt. In der Natur der Sache liegt es, daß sich das Interesse für die vor dem Kaiser statt- findende Flottenparade nicht auf eine Provinz allein beschränkt. Es sind Alle in dem ganzen Vaterland in ihrem Herzen verwachsen mit der Flotte, aber nur selten findet man Gelegenheit, sein Jntereffe hierfür durch persönliche Anschauung zu bethätigen. Mit desto größerer Genugthuung wird man es begrüßen, daß diesmal umfassende Veranstaltungen getroffen sind, um möglichst weiten Kreisen die Theilnahme an der bevorstehenden Flottenparade am 13. September zu erleichtern. Wie wir hören, werden von Berlin, Magdeburg und Halle a. S. aus Sonderfahrten nach Swinemünde, ferner von Berlin und Breslau aus Sonderfahrten nach Stettin veranstaltet, zu denen kombinirte Eisenbahn- und Schiffskarten mit Berechtigung zur Rückreise zu ermäßigten Preisen ausgegeben werden; in Stettin und Swinemünde werden Dampfer bereit liegen, um das Publikum in die Nähe der Parade zu bringen. Ganz Deutschland wird in Gedanken der Parade einer so stattlichen Flotte beiwohnen; glücklich werden sich diejenigen schätzen dürfen, die Augenzeuge werden sein können.
S«r Obsternte.
Die meisten Kreise unseres Bezirkes sehen auch in diesem Jahre wieder einer verhältnißmäßig reichen Obsternte entgegen und man vernimmt vielfach schon Befürchtungen, welche von einer
Entwerthung des Obstes munkeln. Es gilt deshalb, rechtzeitig die Wege zu betreten, welche eine werthentsprechende Benutzung des Obstes uns ermöglichen. Meist ist der Rohverkauf die geld- bringendste Verwerthung und jede Unterstützung, die zur Erleichterung des Rohverkaufs des Obstes uns geboten wird, müssen wir mit Freuden begrüßen, besonders aber dann, wenn solche eine direkte Verbindung zwischen Produzent und Käufer erstrebt.
So soll denn auch hier zweier Einrichtungen gedacht werden, welche dies Ziel erstreben. Es sind dies die Obstmärkte und die Zentralstelle für Obstverwerthung in Frankfurt a. M. Die Obstmärkte, welche auch für das laufende Jahr in verschiedenen Städten Deutschlands vorgesehen sind, bezwecken einen direkten Verkauf von Obst nach angebotenen Mustern und werden wir nicht versäumen, die uns bekannt werdenden Termine der vorgesehenen Obstmärtte in den Spalten dieser Zeitung zur Veröffentlichung zu bringen.
Eine bedeutend ausgedehntere Thätigkeit als die Obstmärkte, deren Arbeit sich immer nur auf wenige Tage beschränkt — entfaltet die Zentralstelle für Obstverwerthung in Frankfurt a. M. und zwar auf die Weise, daß sie den Käufern, die ihr kundgegebenen Stellen mittheilt, an welchen sie Obst erhalten können und den Verkäufern Kunden für dasselbe nachweist.
Will sich ein Verkäufer der Vermittelung der Zentralstelle bedienen, so genügt es, wenn er dieser das Quantum und die Obstart, die er zu verkaufen hat, mittheilt. Der eigentliche Kaufakt ist dann später eine Sache, die sich zwischen Käufer und Verkäufer allein abspielt. Kosten und Gebühren erwachsen durch die Vermittelung nicht, nur wird als Gegenleistung gewünscht, daß die geschehenen Abschlüsse mit Angabe des Quantums und der Obstart der Zentralstelle mitgetheilt werden.
Obwohl die Zentralstelle in diesem Jahre noch am Anfänge ihrer Thätigkeit steht, konnte sie doch schon Ende Juni mit Genugthuung konstatiren, daß, abgesehen von den ihr noch nicht angezeigten, erfahrungsgemäß den größeren Theil ausmachenden Abschlüssen, bis jetzt ein Umsatz von mehr als einer Million Kg. Obst (Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Preiselbeeren, Stachelbeeren rc.) durch sie vermittelt worden ist.
Die Obstzüchter haben in zahlreichen Briefen der Zentralstelle ihre wärmste Anerkennung für ihre Leistungen in Bezug auf die Obstverwerthung ausgesprochen und im Einzelnen konstatirt, welche große Vortheile sie der Vermittelung verdanken. Desgleichen sprechen viele Briefe von großen Konsumenten ihren Dank dafür aus, daß sie der Zentralstelle für den Bezug besserer Qualitäten und vortheilhafterer Preise verpflichtet sind.
Dazu kommt noch, daß die Zentralstelle ihre Thätigkeit und Vermittelung allen Interessenten, dem Käufer sowohl, wie dem Verkäufer, durchaus kostenlos und gebührenfrei zur Verfügung stellt, dergestalt, daß nicht einmal Ersatz der eigenen baren Auslagen beansprucht wird. Nach dem Organisationsplane ist und soll das Unternehmen lediglich ein gemeinnütziges und den deutschen Obstbau förderndes sein, mit absolutem Ausschluß jedweden pekuniären Interesses. Die-