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Herssel-el Kreisblitt.

Mit wSchentlicher Gratis-BeilagsWrrftrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 103.

Dienstag den 4. September

1894.

Bestellungen auf das Hersfelder Krvislilait

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage

Jllustrirtts Sonntags-Blatt" für den Monat. September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Königl. Ober-Prasidium her Provinz Hessen-Nassau.

Cassel, den 13. August 1894.

Auf den gefälligen Bericht vom 4. d. Mts. A. II. 7393 dessen Anlagen anbei zurückfolgen, genehmige ich hiermit, daß der Festausschuß der für den 4. August 1895 geplanten Erinnerungs­feier der Theilnehmer an dem Feldzuge 1870/71 innerhalb des Regierungsbezirks Cassel eine ein­malige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den­jenigen Theilnehmern des Feldzuges 1870/71, welche ihre Betheiligung an der Erinnerungsfeier zusagen, in der Zeit bis zum 1. Juli k. I. durch polizeilich legitimirte Sammler veranstalten und im Nebrigen die auf Grund einer beabsichtigten öffentlichen Aufforderung von sonstigen patriotischen Männern eingehenden freiwilligen Gaben ent­gegennehmen darf.

Eure Hochgeboren ersuche ich ergebenst, hiernach das Weitere gefälligst zu veranlassen.

Der Ober-Präsident.

In Vertretung, gez. P o t e n. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Grafen Clairon d'Haussonville Hochgeboren hier. Nr. 4548. * * *

(Nachdruck verboten.)

N Mckind von Schönßmn.

Von F. P.

(Fortsetzung.)

Marie Scharfenberg, damals wohl Mitte der Dreißiger, aber schon fast so aussehend, wie jetzt, bat, ihr das Kind zu lassen. Wenn das Dorf ihr ein wenig Unterstützung gäbe, wolle sie es aufziehen. Man wollte erst nicht recht, aber, als Marie Scharfenberg versprach, sie wolle dem Kinde alle Liebe einer Mutter erweisen, da that man ihr den Willen. Und die Marie hat Wort gehalten. Von Stund an wurde sie ein stilles, zurückgezogenes, fast menschenscheues Wesen, das sich nur noch um das Kind kümmerte, und ihm viel Gutes erwiesen hat. Und sieh Margarethe, das Kind bist Du. Der Zertrümmerer ihres Glückes aber, der Fremde aus dem Wirthshause, ist der Bauer Borgmann.

Margarethe hatte bei dieser Erzählung still weiter geweint, und, tief erschüttert, stand sie schließlich auf, dankte dem alten Schoner und ging wieder in ihrer Großmutter Haus. Sie konnte es nicht übers Herz bringen, die zu ver­lassen, welche soviel gelitten und ihr soviel Liebe erwiesen hatte.

3.

Als die alte Scharfenberg auf den Hof der

Cassel, den 17. August 1894.

Abschrift lasse ich Euer Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veran- lassung ergebenst zugehen.

Der Regierungs-Präsident. H a u s s o n v i l l e. An die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 7951.

* *

Hersfeld, den 31. August 1894.

Wird den Ortspolizeibehörden zur Kenntniß- nahme mitgetheilt.

I. 4526. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Berlin, 2. September.

Am Sonnabend früh 5 Uhr 50 Minuten fuhr Se. Majestät der Kaiser von der Wild­parkstation über Berlin nach Jakobsdorf, woselbst die Ankunft um 8/4 Uhr erfolgte. Alsdann stieg Se. Majestät zu Pferde und begab Aller- Höchstsich zu den Manövern des Gardekorps, welche in der Gegend von Trepplin stattfanden. Nach Beendigung des Manövers kehrte Seine Majestät über Berlin nach der Wildparkstation zurück und traf vor 5 Uhr wieder im Neuen Palais ein.

Ein aus Grund eines Ministerialerlasses seiner­zeit eingesetzter Ausschuß war mit der Aufgabe betraut worden, zu ermitteln, unter welchen Vor­aussetzungen es angängig und durchführbar sein würde, im Interesse der Sonntagsruhe eine vollständige Einstellung d e s G ü t e r - Verkehrs an Sonn- und Festtagen eintreten zu lassen. Der Ausschuß ist nun, der Voss. Ztg." zufolge, zu folgenden Ergebnissen

Vorgmann'schen Bauerstelle trat, stand dort der Planwagen eines umherziehenden Kaufmanns. Dem armen Pferde sah man es an, daß es schwer hatte ziehen müssen, um das Gefährt durch den Schnee hindurchzubringen, und nun stand's hier draußen, freilich mit einem Futtersack vor dem Maul, aber frierend und ermüdet.Ha," mur­melte die Alte vor sich hin,der lotterige Bayer fährt auch mal wieder herum; hat seinen Gaul ja schändlich abgejagt. Er selbst wird sich aber wohl da drinnen gütlich thun. Weiß gar nicht, was der hochmüthige Bauer immer mit diesem Plunderjochen zu schaffen hat."

Sie hatte richtig vermuthet. Während das arme Pferd da draußen fror, saß der Kaufmann drinnen in der warmen Stube bei dem Bauer, und trank und redete zwischendurch mit unan­genehmer Stimme zu den höchst mißvergnügt dreinschauenden Bauern. Und der hatte Ursache genug, mißvergnügt zu sein, denn nicht blos schmerzte ihn sein krankes Bein infolge der scharfen Kräuter der Alten sehr, sondern auch der fahrende Kaufmann war ihm sehr ungelegen gekommen. Der alle Herbach nämlich hatte nicht blos für Schoners jene Karte über ihren Sohn, sondern auch einen Brief für den Bauer Borg­mann ins Dorf gebracht, einen großen, mit ge­richtlichem Siegel verschlossenen Brief aus Neu­stadt in Bayern. Dieser Brief, den der Bauer wohl zehnmal um- und umwendete und von allen

gekommen: Nach Durchführung jener Maßregel würden im Güter- und Bahnbewachungsdienste 52 278 Personen Ruhe erhalten, also 25 239 mehr als bisher. An Löhnen ohne Gegenleistung erwachsen 2 309 390 M. Hierzu kommen an einmaligen Ausgaben für Erbauung von Dienst­wohnungen, Neubeschaffung von Lokomotiven 1 848 192 M., an dauernden Ausgaben 8496688 M. Ferner ist eine entsprechende Vermehrung der Güterwagen nothwendig. Es müßten an offe­nen Wagen 10300 mit einem Aufwande von 26265000 M., 4200 bedeckte Wagen für 12600000 M. beschafft werden. Die Kosten für Herstellung von Geleisen für die neuen Wagen in Zeiten schwächeren Verkehrs würden etwa 2 000 000 M. betragen. Hierzu kämen ferner noch für etwa 2000 Wagen Aufstellungsgeleise (400000 M.), 120 Spezialwagen (672000 M.), 170 Kalkwagen (484 500 M). Daneben würden in Folge der Sonntagsruhe noch für die Be­nutzung fremder Wagen Mehrausgaben an Wagen­miethen um jährlich rund 133000 M. entstehen.

Nach den Mittheilungen des Königlich.Preußi­schen Statistischen Bureaus belief sich am Ende des Etatsjahres 1892/93 das Sparver­wögen auf 3 406,68 Millionen Mark, und zwar hatte es sich gegen das am Ende des Vor­jahres, wo es 3 261,65 Millionen Mark betrug, durch Zuschreibung von Zinsen um 92,07 Mill., durch neue Einlagen um 874,35 Millionen ver­mehrt; dagegen waren 821,39 Millionen Mark Rückzahlungen zu gewähren; der Zuwachs belief sich also auf 145,03 Millionen Mark. Der Zu­wachs war größer als im Vorjahre, wo er sich auf 124,84 Millionen Mark belief. Die Zahl der Sparkassen vermehrte sich um 33, näm­lich von 1412 aus 1445, die Zahl der Spar- stellen im Ganzen von 3 621 auf 3 701, also

Seiten betrachtete, ehe er ihn erbrach, enthielt folgenden Aufruf an ihn:

Aus Nashville im Staat Tennessee ist hier­orts angefragt worden über das Verbleiben der Musikerfrau Gertrud Eberhard, geb. Borgmann, die vor etwa siebzehn Jahren von dort verzogen ist, ohne über ihr Reiseziel Auskunft zu geben. Es handelt sich um den Nachlaß ihres kürzlich in Nashville verstorbenen Ehemannes. Aus den hiesigen Kirchenbüchern ergibt sich, daß sie der Vater der gesuchten Gertrud Eberhard, geb. Borg­mann, sind. Sie werden daher aufgefordert, über den Aufenthalt oder Verbleib Ihrer Tochter hierher Nachricht zu geben."

Kaum hatte der Bauer diesen Brief zum zwei­ten Mal gelesen, als der Kaufmann zu ihm ins Zimmer trat und sogleich fragte:Na Borg­mann, was hast Du denn da für eine allmächtige Epistel? Zeig mal her!" Und er entriß dem noch in tiefes Sinnen versunkenen Mann den Brief. Da freilich erwachte dieser aus seinem Nachdenken und forderte heftig die Rückgabe. Aber der Kaufmann hatte sich schon aus dem Bereich der Hand des Bauern zurückgezogen und las, während dieser, durch sein krankes Bein an den Stuhl gefesselt, fluchte und wetterte, er solle den Brief nicht lesen. Je weiter aber der Kauf­mann las, desto höher zog er die Augenbraune in die Höhe, zum Schluß schnalzte er mit der Zunge und sagte so höhnisch, wie nur möglich: