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MschnM wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag Wd Sonnabend.

AbonnenwntspreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postansschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Cpaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Herssel-er Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilagsJlLnstrirtes Sonntagsblatt".

Ur. 94.Dienstag den 14. August 1894.

Amtliches

Hersfeld, den 8. August 1894.

Zufolge höherer Verfügung wird den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern des Kreises hierdurch mitgetheilt, daß die Gemeinden und Gntsbezirke auf Grund des §. 1 der Königlichen Verordnung vom 22. Januar d. I. (Ges. S. S. 5) verpflichtet sind, vom I. April 1 895 ab in ihren Bezirken die Einzelerhebung und Bei- t r e i b u n g der sämmtlichen direkten Staats- steuern, der Domnineu-, der Rentenbauk- und Grnndsteuerentschüdigungsrenten, sowie die Ab­führung der erhobenen Beträge au die zuständige Staatskasse zn bewirken.

J. T. Nr. 3885. Der Königliche Landrath

Freiherr v o u S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 11. August 1894.

Von dem Negierungs-Büceau-Diätar Hacker in Königsberg i. Pr. wird ein Handbuch zum Com- munalabgabengefetz vom 14. Juli 1893, enthaltend die in diesem und in der ministeriellen Aus- sührungsanmeisung vom 10. Mai d. Js. in Be­zug genommenen Gesetze und Verordnungen, Heransgegeben zum Preise von 3,50 Mk. gebunden, brochirt 3 Mk.

Da das fragliche Gesetz, sowie die AusführungS- a »Weisung vielfach auf anderweile bestehende Ge­setze rc. verweisen, zu deren Beschaffung die Gemeinden auf leichterem Wege als durch vorer­wähntes Handbuch kaum in der Lage sein dürften, so halte ich die von 2C. Hacker in übersichtlicher Weise zum Abdruck gebrachte Zusammenstellung für zweckentsprechend und kann deshalb die An- schaffnng dieses Handbuchs den Ortsvorständen nnr empfehlen.

(Nachdruck verboten.) In Hnide nnd Msov.

Erzählung von HanS Wa tritt ß. (Fortsetzung.)

Angesichts dieses Jammers, vergaß auch Endrick seinen Groll. Er stand neben ihr, bleich bis in die Lippen hinein. Dann hob er sie auf, leise und sorgsam, und trug sie auf seinen starken Armen ins Haus. Anna ging hinter ihm her, und da sah sie, wie ein verhaltenes Schluchzen seinen Körper erschütterte und wie Thränen über seine braunen Wangen strömten.

O Gott sei Dank, er hat doch ein Herz, er ist noch nicht ganz hart geworden!" dachte sie. Aber eine starke Hand muß an sein Herz pochen, ehe es antwortet."

Der herbeigerufene Arzt zuckte die Schulter, er meinte, auf eine Besserung der Lähmung sei bei dem Alter der Frau kaum mehr zu rechnen, geradezu tödtlich aber sei der Zufall nicht.

Gottes Strafgericht Gottes Strafgericht!" rief Urte, als der Arzt, nachdem er seine Weisungen gegeben, wieder fortgefahren war.Jetzt sitzt sie im selben Stuhl, in dem der arme Ansatz Jahre seines elenden Lebens zugebracht hat!"

So schweig doch! An ihren angstvollen Augen

Die Bestellung hat event, bei dem Negierungs- Büreau-Diütar Hacker in Königsberg i. Pr. (Landrathsanit) direct zu erfolgen.

J. I. Nr. 4164. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Cassel, den 9. August 1894.

Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling Heinrich Berthold Wippermann von Schachten inzwischen aufgegriffen worden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 26. v. Bits. II. Nr. 3291 als erledigt hierdurch zurückziehe.

Der Landes-Direktor.

An Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. II. 3505.

Hersfeld, den 11. August 1894.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königl. Gendarmerie mit Bezug auf das Ausschreiben vom 30...Juli d. J. I. 3936 - Kreisblatt Nr. 89 zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

I. 4175. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , ___________________Geheimer Negierungs - Ratfl__

Des Kaisers und Königs Majestät haben der Stadtgemeinde Schneidemühl mittelst Aller­höchster Ordre vom 12ten d. Bits, zu gestatten geruht, eine Geldlotterie zu Gunsten ihrer durch das Brnnnenungtück im vorigen Jahre geschädigten Einwohner zu veranstalten und die Loose im ge- sammten Staatsgebiete zu vertreiben.

Die Nachgeordneten Polizei-Behörden wollen dafür Sorge tragen, daß dem Vertriebe der Loose im diesseitigen Bezirke ein Hinderniß nicht entgegengestellt wird.

Cassel am 1. August 1894.

Der Regiernngs-Präsident. J. V.: v. Pawel.

sieht mau, daß sie jedes Wort versteht," sagte Anna.

~Na, ich geh' schon zur barmherzigen Schwester taug' ich nicht!" brummte die Alte. Arbeiten will ich, aber die Kuralene pflegen, das kann und will ich nicht!"

Das sollst Du auch nicht, je weniger sie Dich sieht, um so besser wird es sein! Geh' sie hat Furcht vor Dir, sie zittert, sobald sie Dich sieht oder hört," sagte Endrick.

Die Alte ging brummend davon.

Anna, wirst Du barmherzig gegen sie sein? Sie hat Dir freilich auch das Leben schwer ge­macht"

Wie könnt' ich jetzt daran denken? Ich will sie in Acht nehmen, so gut ich's versteh."

Ja, sei Du ihre Pflegerin! Ich weiß Nie­mand auf der Welt, zu dem ich solches Vertrauen habe, wie zu Dir."

Ueber das Gesicht des Mädchens ging ein leises Zucken, dann sagte sie ruhig:

Ich dank Dir! Ich will thun, was ich kann." Aber in der Wirthschaft werd' ich Dich schwer vermissen."

Ich denk, ich werd' auch da meine Obliegen­heiten erfüllen können. Wenn ich draußen fertig bin, komm ich in die Stube mit meinem Wollen. Das wird der Kranken gefallen, sie hat es immer gern gehabt, wenn ich spann."

Politische Nachrichten.

Berlin, 12. August.

Nach telegraphischer Meldung aus Cowes nahmen an dem am Freitag Abend zu Ehren Seiner M a j e st ä t des Kaisers ver- anstalteten Diner zu 36 Gedecken außer Ihrer Btajestät der Königin Victoria und dem Prinzen von Wales auch der Herzog von Kork, Prinz Heinrich von Battenberg und der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt Theil. Das Gefolge Sr. Majestät und die Offiziere der deutschen Schiffe wohnten am Freitag Nachmittag einem von der Königin veranstalteten Gartenfest in New- Forest bei.

Wie verlautet, wird die Rückkehr S r. M a j e - stät des Kaisers nach dem Neuen Palais voraussichtlich am Freitag den 17. d. erfolgen. Am darauf folgenden Tage, den 18. August, findet vor Sr. Majestät b^rnntlich die Herbstparade des Gardekorps auf dem Tempelhofer Felde statt.

Zur gutachtlichen Berichterstattung über die Wirkungen der Aufhebung des Identitäts­nachweises sind seitens des Ministers für Handel und Gewerbe die Handelskammern und kaufmännischen Korporationen aufgefordert worden. Seitens der landmirthschaftlichen Verwaltungen ist an die landmirthschaftlichen Provinzialvereine die gleiche Aufforderung ergangen.

Die Geschäfte der Amtsgerichte in St ras- s a ch e n gestalteten sich in den drei vergangenen Jahren wie folgt. Die Zahl der anhängigen Privalklagesachen stieg von 69 380 in 1891 auf 71 250 in 1892 und auf 74269 in 1893, die der anhängigen Anklagesachen wegen Vergehen von 227 374 auf 242 552 und 245 830, die der anhängigen Anklagesachen wegen Uebertretungen

Was möchte aus der Mutter werden, wenn sie Dich nicht hätt'!" sagte Endrick in dieser Zeit oft zu Anna.

Und in der That, Anna war die Einzige im Hause, die feinfühlig genug war zu verstehen, was der Kranken wohl oder weh that. Endrick hatte den besten Willen, aber der Verlust des Geldes war ihm zu nahe gegangen er konnte ihn nicht verschmerzen. JmNier wieder sing er davon zu sprechen an, obgleich gerade dieses Thema eine unheilvolle Wirkung auf die Gelähmte ausübte. Ihre Augen das Einzige, das in ihrem Gesichte Leben behalten hatte, flackerten dann in namenloser Angst und richteten sich mit stummem Flehen auf Anna. Sie allein verstand sie zu beruhigen. Nur wenn das Mädchen neben ihr saß, schloß sie die Augen zum Schlummer, war sie fern, dann schien sie von quälender Angst ge­hetzt, kalte Schweißtropfen traten ihr auf die Stirn und jedes Glied ihres armen gelähmten Körpers zitterte und bebte.

Sie kann garnicht mehr ohne Dich leben, wenn Du fort gingst, möcht' sie Dir nachsterben," meinte Urte.

Wir möchten Alle ohne die Anna nicht fertig werden," entgegnete Endrick.Die ganze Wirth­schaft ging zu Grund ohne sie."

Die Alte mußte ihm widerwillig recht geben. Ja, in diesen Tagen zeigte es sich, was für ein