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Hexssezsel im^Utt
Mit wöchentlicher GraLis-BeUage „Jllnftrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 91.
Dienstag den 7. August
1894.
Politische Nachrichten.
S e. M a j e st ä t der Kaiser, welcher am Sonnabend Abend 11 Uhr 40 Minuten von Cassel in W i l h e l in s h a v e n eingetroffen ist, hat sich sofort an Bord der „Hohenzollern" begeben. Werft und Hafen waren elektrisch beleuchtet. — Am Sonntag früh kurz nach 8 Uhr ist Se. Majestät an Bord der „Hohenzollern" nach Cowes abgereist. S. M. Kreuzer „Prinzeß Wilhelm" folgte der „Hohenzollern".
Verschiedene Zeitungen brachten die Nachricht, daß eine Umbewaffnung der deutschen Armee mit einem neuen Gewehr bevorstehe. Diese Nachricht scheint, wie im „Reichs Anz." bemerkt wird, auf die Thatsache zurückzuführen zu fein, daß seitens der Heeresverwaltung fortgesetzt alle aus dem Gebiet des Waffenwesens zur Kenntniß gelangenden Neuerungen eingehend geprüft werden. — Aus diesen Versuchen aber auf die Absicht zu schließen, die Armee demnächst umbewaffnen zu wollen, entbehrt der Begründung und ist nicht gerechtfertigt.
Die znr Zeit an der amerikanischen Westküste befindlichen Kreuzer „A l e x a n d r i u e," „A r - cona" und „Marie" haben den Befehl erhalten, sich, sobald sie seeklar sein werden, znm Schutze der deutschen Interessen, auf den o st a s i a t i s ch e n Kriegsschauplatz zu begeben.
Laut telegraphischer Meldung ans T i e n t s i n sind bei dem Untergänge des chinesischen Transportschiffes „Kau-Schung" in dem Kampfe mit der japanischen Flotte am 25. Juli über 150 Chinesen von dem gerade in der Nähe befindlichen deutschen Kanonenboot „Iltis" gerettet worden. fL e x H u e n e.] Der aus dem Ertrage der Getreide- und V i e h z ö l l e für das Etatsjahr 1893/94 auf Preußen entfallende Antheil
zRachdrmt verboten.)
In Haids und Mssr
Erzählung
von Hans Warring.
(Fortsetzung.)
„Jetzt werden mir mit dem Schmutzwetter endlich fertig sei«, — wir bekommen Frost," sagte endlich Mikelis, dem das Schweige« peinlich mürbe, unb er deshalb nach bem ersten besten Stoffe griff. „Wie ich herkam, war der Nebel über dem Moor ganz dünn geworden, daß der Mond durchscheinen konnte. Wenn das Moor erst hält, — «a nachher giebt es einen nahen Weg nach der Grenz, Endrick!"
„Es wird auch Zeit, — man wird ganz steif vom Stillesitzen."
„Na der Löb Hirsch wird nicht auf sich warten lassen, wenn der Weg wieder besser wird."
„Paß' auf, morgen ist er hier, der alte Spitzbub!"
„Er ist noch lange nicht der Schlimmste, er läßt mit sich handeln. Ich reite lieber für ihn als für jeden anderen."
„Unb über's Moor willst? Es ist jetzt schon zwei.Jahre her, daß da nichte pasfirt ist, — paß' aus, in diesem Winter muß Einer dran glauben."
„Da kommst Du schon wieder mit Deinem Un sinn, Urte!" sagte Endrick ungeduldig.
ist auf die Summe von 44 876 509 Mark ermittelt worden. Nach Abzug des der Staatskasse verbleibenden Ertrags von 15 Millionen Mark ist der auf Grund der Lex Huene den Communal- verbanden zu überweisende Betrag auf 29 876 509 Mark festgesetzt worden. Diese Summe verteilt sich auf die preußischen Provinzen wie folgt: Ostpreußen 1 612 073 Mk., Westpreußen 1 204 993 Mark, Stadt Berlin 2 515224 Mark, Provinz Brandenburg 2 430 144'Dtt, Pommern 1 559 702 Mark, Posen 144 171 Mk, Schlesien 3 724 342 Mark, Sachsen 2 942 158 Mk., Schleswig-Holstein 1 659 656 Mk., Hannover 2 513 580 Mk., Westfalen 2 086 800 Mark, Hessen-Nassau 1 744 582 Mk., Rheinprovinz 4 380 314 Mark, Hohenzollernsche Lande 61 770 Mark.
D i e Veröffentlichung vertraulicher A k t e n st ü ck e ist in letzter Zeit zu einer Spezialität der sozialdemokratischen Presse geworden. Sie setzt sich damit aufs Schroffste zu den Blättern aller politischen Ordnungsparteien in einen Gegensatzj der ihre Moral in einem sehr häßlichen Lichte erscheinen macht. Und zwar in zwiefacher Hinsicht. Sie handelt unmoralisch, indem sie alle Mittel anwendet, um Aktenstücke in die Hand 'zu bekomme«, deren Bewahrung Beamten und Angestellten zur selbstverständlichen Pflicht gemacht war. Natürlich können es nur Anhänger oder heimliche Freunde der Partei sein, die sich zum Vertrauensbruche und zur Verletzung ihrer Dienstpflicht verleiten ließen, oder die als feile Diebe sich durch Einschleichen in den Besitz solcher Papiere zu setzen wußte«. Zweitens aber handelt die sozialdemokratische Presse unmoralisch, indem sie die unrechtmäßig erworbenen Aktenstücke in die Oeffentlichkeit bringt, um Kapital daraus für ihre Propaganda zu schlagen und sich vor der Oeffentlichkeit solcher Schelmenstücke zu rühmen; die Bekanntgabe wird
„Das ist kein Unsinn! Daß das Szibber Moor kein gewöhnliches Moor ist, das hab ich schon von meiner Mutter, und die hat es von ihrer Mutter, und die wieder von ihrer, und so fort hundert und hundert Jahre zurück. Die alle haben es gewußt, daß in dem Moor die schwarze Zauberin, die Ragana, haust. Und daß sie tief drunten ihr Schloß hat, kann mir auch keiner bestreiten."
„Ich hab' sie noch nie gesehen und ihr schloß ebenso wenig."
„Dafür kannst Gott bauten, sonst möchtest Du hier nicht am Feuer sitzen. Und jedes zweite Jahr muß die Ragana einen haben, einen Menschen für ihren Dienst, unb wenn sie in zwei Jahren keinen bekommen hat, holt sie sich im dritten zwei."
„Na meinetwegen, mich kann sie haben," sagte Endrick lachend. „In einem Schloß wohnt es sich gewiß besser wie in einem Bauernhaus."
„Red' nicht so, Endrick, das thut nicht gut! Die Ragana ist ein schauderhaft böses Weib, und häßlich wie ein Teufel. Es wird Dir nicht gefalle«, wenn Du ihr schön thun mußt."
Die Männer lachten unb machten ihre Späße, die Alte ereiferte sich und wurde nicht müde allerlei alte Erinnerungen beraufzubeschwöcen, welche die Wahrheit ihrer Erzählungen darthun sollten. Anna aber hörte kaum mehr, was die Drei sprachen. Sie mußte immer wieder an das Eine denken:
in der Regel damit eingeleitet, daß „ein günstiger Wind die Papiere auf ihren Redaktionstisch geweht habe." Eine Partei, die mit solchen Mitteln arbeitet, stellt sich damit außerhalb des Bodens des politischen Anstands und der Sittlichkeit, und sie muß es sich folgerichtig gefallen lassen, wenn man sie nicht als mit andern Parteien auf gleicher Stufe stehend behandelt. Die Kritik, mit welcher die sozialistische Preffe ihre Veröffentlichungen zu begleiten pflegt, macht wiederum nur die ganze Verwerflichkeit ihrer Grundsätze erkennen. So theilt sie neuerdings einige Erlasse des Regierungspräsidenten von Hannover, des Grafen Wilhelm Vismarck, mit, in denen darauf hingewiesen wird, daß den Veranstaltungen der sozialdemokratischen Partei nicht mit mehr Nachsicht begegnet werden dürfe, als denen der wel- sischen. Der „Vorwärts" vernimmt daraus mit Entrüstung, daß Sozialdemokraten und Welsen anders behandelt werden als Konservative und Nationalliberale, und schließt: „Es giebt blos ein entweder — oder. ^Entweder man verbietet ohne Unterschied der Partei derartige Veranstaltungen, also auch patriotische Sedan-, Kaiser- Geburtstagsfeste und dergleichen, oder mau läßt Welsen und Sozialdemokraten ungeschoren." In der Sedan- und der Kaiserfeier spricht sich das nationale und monarchische Vollgefühl der Staatsbürger in ihrer Gesammtheit aus; in sozial- demokratischen Festlichkeiten der Wunsch einer Minderheit nach Umsturz der staatlichen Ordnung, in wölfischen der nach Aenderung des gegenwärtigen Bestandes der Monarchie. Eine Partei, die in ihrem Hauptblatt solche Forderungen auf- stellt, beweist von Neuem, daß -die Begriffe der Vaterlandsliebe und des Patriotismus ihr gänzlich fremd sind.
Laut Meldung an des Oberkommando der Marine hat beim M i n e n e x e r z i r e n der 3.
er wollte wieder reiten. Sie war so froh gewesen, daß er dieses gefährliche Handwerk aufgegeben, unb nun sah sie, daß es nur der schlechten Wege wegen geschehen war, die ein rasches Fort- kommen mit schwer bepackten Pferden unmöglich machten. „Ich will ihn warnen, — ihn bitten," dachte sie, „vielleicht trifft sich bald eine Gelegenheit dazu."
Am nächsten Tage, einem Sonntage, kam aus dem Szibber Hof eine Botschaft an Anna. Grita ließ ihr sagen, sie möchte in ihren freien Nach- miltagsstunden zu ihr kommen, sie hätte allerlei mit ihr zu besprechen. Endrick runzelte die Stirn.
„Ihr habt ja Freundschaft auf Tod und Leben geschlossen," sagte er spottend. „Was mag sie von Dir wollen?"
„Das kann ich nicht wissen, aber hingehen möcht' ich doch."
„Meinetwegen — aber bleib' nicht zu lange weg, Du weißt, die Kälber müssen ihren Trank zur rechten Stunde haben."
Also nur der Kälber wegen! Wenn die nicht wären, könnte sie ganz wegbleibe«, er würde sie nicht vermissen. Sie ahnte nicht, welch' eifersüchtiges Herzwch ihm Gritas Botschaft verursacht hatte — mit welcher Angst er voraussah, man wolle Anna ihm und seinem Dienste ah wendig machen. Er wollte sich einreden, daß dabei nichts anderes mitspielte als fein wirth-