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Ktlsseliitl Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 90.Sonnabend den 4. August 1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 30. Juli 1894.

Zufolge Mittheilung höheren Orts versuchte der ain 26. Januar 1872 in Bruchmühlen ge­borene Handlungsgehülfe Louis Weber, welcher sich zur Zeit ohne feste Beschäftigung im Haus­halte seines Vaters, des Tischlergesellen Karl Weber, in Hannover aufhält, eine größere An­zahl von Personen der verschiedensten Berufs­arten zur Auswanderung speciell nach den deutschen Schutzgebieten zu veranlassen.

Der Genannte hatte sich zunächst an die Deutsch-Ostasrikanische Gesellschaft in Berlin ge­wendet, von dieser aber den Bescheid erhalten, daß die Voraussetzungen für die Verwirklichung seines Planes in Ostafrika nicht gegeben seien. Ueberdies ist Weber nach dein Ergebniß der angestellten Ermittelungen für das von ihm be­absichtigte Unternehmen gänzlich ungeeignet.

Die Ortspolizeibehörden haben, falls über das Treiben des rc. Weber etwas bekannt werden sollte, mir alsbald Bericht zn erstatten, auch ge­gebenen Falles vor einer auf Anregung des Ge­nannten beabsichtigten Auswanderung zu warnen. I. 1. Nr. 3961. Der Königliche Land rath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 26. Juli 1894.

Die Nummerliste der verloosten und zum 1. November 1894 gekündigten Kurmärkischen Schuld­verschreibungen liegt im Geschäftslokale des Unter­zeichneten sowie in denjenigen der Königlichen Stenerkassen des Kreises znr Einsicht der Interessen­ten offen.

Hierbei wird zugleich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden doiu 2. d. M. (abgedruckt im Regierungs - Amtsblatt für 1894 Seite 155) besonders aufmerksam gemacht.

I. I. Nr. 3943. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des diesseitigen Kassenbezirks werden ersucht, die in diesem Monat anstehenden Steuer-ErhebungS- Termiue rechtzeitig bekannt machen zu lassen.

Für die Stadt Hersfeld wird bis zum 4. und am 6. d. Mts. erhoben.

Hersfeld, am 1. August 1894.

Königliche Steuerkasse. Wilkening.

Politische Nachrichten.

Berlin, 2. August.

S e. Majestät der Kaiser ist in bestem Wohlsein am Mittwoch Vormittag um 11 Uhr in Wilhelmshafen eingetroffen. Das Wetter war auf der Fahrt von Bergen bis Wilhelms- Hasen so vortrefflich, daß kaum Schwankungen auf dem Schiffe zn bemerken waren. Seine Majestät wurde in Wilhelmshafen von dem Ge- schwader empfangen.

Die drei ältesten Söhne des K a i s e r - p a a r e s , der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Adalbert haben in dem Lieutenant im

l. Garde-Regiment von Rauch I einen zweiten Militärgouverneur neben dem Major von Falkenhayn erhalten. Herr von Rauch soll die Stellung bereits Mitte August antreten.

Der königliche Hof legte für Se. kaiserl. und k ö n i g l. H o h e i t den Erzherzog Wilhelm von O e st e r r e i ch die Trauer auf vierzehn Tage an.

Die v o m Kaiser gestiftete Gedenk­tafel für die auf derBrandenburg" Ver­unglückten hat folgende Inschrift:Dem An­denken der in treuer Pflichterfüllung an Bord Meines SchiffesBrandenburg" tu der Strander Bucht am 16. Februar 1894 Gebliebenen ge­widmet. Wilhelm, Deutscher Kaiser, König von Preußen." Die große Gedenktafel wird, wie derHannov. Cour." meldet, aus karrarischem Marmor bestehen und eine Umfassung von griechischem Marmor erhalten, der von deutschen Kriegsschiffen vor einigen Jahren in die Heimath mitgebracht wurde und aus dem bereits mancherlei Schmuck für die Garnisonkirche hergestellt ist. Ueber der Widmung wird in Emaillearbeit der Brandenburgische Aar, wie die Flagge des PanzerschiffesBrandenburg" ihn zeigt, ange­bracht werden. Die geschmackvoll entworfene Gedenktafel, deren Ausführung der Bildhauerei Schlauch u. Rößler, A. Müllenhoff's Nachf., Sophienblatt, übertragen ist, wird von einem- Eichenkranz in Marmor umrahmt.

Wie aus M ü n ch e n gemeldet wird, verlieh Se. königl. Hoheit der P r i n z r e g e n t von Bayern dem Staatssekretair des Reichs- Marineamts, Vizeadmiral H o l l m a n n , das Großkreuz des königlich bayerischen Militairver- dienstordens.

Wie derGlückauf" meldet, hat der Minister für Handel und Gewerbe aus Anlaß der letzten Grubenunglücke in Karmin und Pontypridd für jeden Ober-Bergamtsbezirk Preußens die Bildung von besonderen bergtechnischen K o m - Missionen angeordnet, denen die Aufgabe zufüllt, im allgemeinen eine Fortsetzung der früheren Grubenuntersuchungen vorzunehmen. Insbesondere sollen die maschinellen Einrich­tungen, die Wetterversorgung, die Beaufsichtigung der Wetterführung und die zweckentsprechende Vertheilnng der Wettermenge, die Fürsorge für die Unschädlichmachung des Kohlenstaubes, die Untersuchung der Grubenbaue auf Schlagwetter und die Frage, ob die Anwendung der Schieß- arbeit in zweckentsprechender Weise geregelt ist, zum Gegenstand eingehender Begutachtung ge­macht werden.

Das kürzlich erschienene 128. Heft derPreu­ßischen Statistik" beschäftigt sich mit den Heil­anstalten während der Jahre 1889 1891. Darnach belief sich in sämmtlichen allgemeinen Heilanstalten des preußischen Staates im Jahre 1891 die Zahl der Betten auf 75 256, die der Verpflegten auf 468 132 Köpfe, sodaß auf eine Anstalt durchschnittlich 52,3 Betten und auf je ein Bett 6,2 Verpflegte entfielen.

[21 uswärtiger Handel im 1. Halb- jähr 1894.] Die Waareneinfuhr nach Deutsch­land betrug von Januar bis Ende Juni 148 253 300 Doppelcentner mit 2191472 000 Mark Werth gegen 133673257 Doppelcentner mit 2017 742 Mark imVorjahre, demnach mehr 14580047 Doppel-

centner und 173730000 Mark; die Waarenaus- fuhr 104454042 Doppelcentner mit 1508983000 Mark gegen 99832051 Doppelcentner mit 1 657898000 Mark, demnach mehr 4621991 Doppelcentner und weniger 148915000 Mark. Läßt man die Edelmetalle bei der Waarenbe- werthung außer Betracht, so ergiebt sich für die Waareneinfuhr im ersten Halbjahr 1894 ein Werth von 2098941000 Mark gegen 1 947 650000 Mark im Vorjahre, also mehr 151 291000 Mark; bei der Ausfuhr ein Werth von 1 449 970000 Mark gegen 1546101000 Mark, also 96131000 Mark weniger. Die Einfuhr der Edelmetalle ist von 70 092 000 Mark auf 92^31000 Mark gestiegen, und die Ausfuhr der Edelmetalle ist von 111 797 000 Mark auf 59 013 000 Mark gefallen. Die Passiv- Handelsbilanz hat sich von 401 549 000 Mark des ersten Halbjahrs 1893 auf 648971000 Mark des ersten Halbjahrs 1894 geändert.

In Lyon begannen am Donnerflag die ge­richtlichen Verhandlungen gegen C a s e r i o , den Mörder des Präsidenten Carnot. Man nimmt an, daß das Urtheil heute, Freitag, Abend gefällt werden wird. Die Lyoner Behörden haben, um etwaigen Ordnungsstörungen oder Attentaten vor- zubeugen, große Vorsichtsmaßregeln getroffen. Besonders werden die Bahnhöfe überwacht, da aus Lugano und Mailand die Abreise vieler Anarchisten nach Lyon gemeldet wurde. Caserio erhält einen Dolmetscher; zu der Absicht seines Vertheidigers, auf Unzurechnungsfähigkeit zn plaidiren, hat er seine Zustimmung nicht gegeben. Er verharrt im klebrigen in der von Anfang an zur Schau getragenen Gleichgültigkeit.

In Paris haben die Behörden angeordnet, daß bei den Reisen des Präsidenten Casimir- Perier von seinem Landgut nach der Haupt­stadt zu den Sitzungen des Ministerraths die größten Sicherheitsmaßregeln für die Person des Präsidenten zur Anwendung kommen.

Tokio, 1. August. Die japanische Regie­rung hat die Vertreter der auswärtigen Mächte benachrichtigt, daß zwischen China und Japan der K r i e g s z u st a n d b e st e h t.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

Hersfeld, 3. August 1894.

* Das Reichs-V ersicherungsamt hat den Vor­ständen der Jnvaliditätö- und Altersversicherungs- anstalten das Ergebniß der Rentenvertheilung für 1893 mitgetheilt. Danach sind für beide Renten rund 28 Millionen gezahlt worden, wo­von 22,7 auf die Altersrenten und 5,3 auf die Invalidenrenten entfielen. Während 1892 auf die Altersrente 94 pCt. und auf die Invaliden­rente nur 6 pCt. des gesummten Rentenbetrages entfielen, hat sich dieses Verhältniß für 1893 bereits dahin geändert, daß nur noch 81 pCt. von den Altersrenten, aber bereits 19 pCt von den Invalidenrenten beansprucht wurden.

* Falsche Zmeiinark st ü ck e befinden sich im Geschäftsverkehr. Sie sind aus einer Zinklegirung hergestellt, tragen das Bildniß Kaiser Wilhelm L, das Münzzeichen A und die Jahreszahl 1876. Sie sind leichter als die echten und fühlen sich fettig an.

t Hersfeld, 3 August. Nachdem er uns des Sommers Freud' und Hitze in vollem Maße hat kosten lassen, hat der Juli mit einem kühlen