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Hersselittt Krr MM.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJlluftrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 88.

Dienstag den 31. Juli

1894.

Doniitiiltiits-LilladliU.

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mit der wöchentlichen Gratis-Beilage

,,Jlluftrirtes Sonntags-Bllitt^ für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land- briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zustäudigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Aufgang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Haselwild und Wachteln auf den 20. August 1894, auf Hasen, Aner,- Birk- und Fasanenhenneu auf den 15 Septem­ber 1894 festgesetzt.

Cassel, den 19. Juli 1894.

Der Bezirksausschuß zu Cassel. (Unterschriften)

* *

*

Abschrift erhalten Euer Hochmohlgeboren zur gefälligen weiteren Veröffentlichung.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses

H a u s s o n v i l l e.

An die Königlichen Herren Landräthe des Be­zirks. I. B. A. Nr. 1576.

* * *

Hersfeld, den 27. Juli 1894.

Wird veröffentlicht.

I. Nr. 3960. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Negierungs-Nath.

(Wadjb'Hcf verboten.)

3n Haide und Moor

Erzählung

von

Hans Wa rriH g.

(Fortsetzung.)

Die beiden Mädchen Grita und Anne standen dicht neben einander. Bei dieser übermüthigen Rede wandten sich die beiden Köpfe, der blonde und der braune, langsam einander zu. Aus Gritas hoch geröthetem Gesicht sprühten zornige Augen, Annes Gesichtchen war tief erblaßt, ihr Blick schwer und traurig. Für die Unbe- tOeiligten mochte in dem verständnißvolleu Blicke, den die beiden Mädchen wechselte», wohl etwas komisches liegen; ein leises Kichern ließ sich ringsum hören, das sich aus Rücksicht und Respekt für Grita nicht recht hervorwagte. In diesem kritischen Moment flog wieder die Dielenthür auf, eine Schaar jubelnder junger Bursche, voran der Schmied-Mikeles mit seiner Ziehharmonika, drang herein. Im Nn waren die Spinnrocken zur Seite geräumt, die Bänke aus dem Wege gerückt, und Bursche und Mädchen hatten sich zu Paare» ver­eint. Es ging dabei auf keine sehr ceremonielle

Hersfeld, den 21. Juli 1894.

Die Herren Staudesbeamten des hiesigen Kreises benachrichtige ich hierdurch davon, daß die seitens des Königlichen statistischen Büreans festgestellten, Copialienentschädignngen für die im , Etatsjahre 1893/94 ausgestellten und eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefülle zur Zahlung angewiesen sind, wobei ich bemerke, daß, wenn die Abholung bei den Königlichen Steuerkassen nicht binnen 4 W ocheu erfolgt, die Zustellung durch die Post portofrei stattfinden wird.

J. A. Nr. 1899. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Negierungs-Nath.

Der Herr Minister des Innern hat durch Er­laß vom lOten d. M. dem Ausstellungs-Comite der Noro - Ostdeutschen Gewerbe - Ausstellung in Königsberg die Erlaubniß ertheilt, in Verbindung mit der im Sommer 1895 stattfindenden Aus­stellung eine öffentliche Ausspielung von Au>->- Uellungs-Gegenständen zu verunstalten und die Loose 300 000 Stück zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Cassel am 19. Juli 1894

Der Negierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.

In Folge eines Erlasses des Herrn Ministers für Laudwirthschaft, Romainen und Forsten vom 23sten Juni d. J. ist die Einfuhr von Wieder­käuern und Schweinen aus dem Königreich der Niederlande wegen der stärkeren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche daselbst bis auf Weiteres verboten. Cassel am 23. Juli 1894.

Der Negierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

UichtamMches.

f Die ekstatischen Händel.

Die guten Zeiten, in denen der Europäer in behaglicher Nuhe die um Monate hinter den

Weise zu, die übliche» Verbeugungen und Knixe erließ man sich. Es genügte, daß der Bursche seiner Erwählten einen kurzen Wink zu- kommen ließ, nach welchem sie schon scharf aus­geschaut haben mochte, dann war sie sofort an seiner Seite. Im nächsten Moment war die große Diele ein Chaos sich drehender, durcheinander wirbelnder Gestalte». Füßescharren Stampfen hin und wieder ein lauter Jauchzer, meistens von Männerstimmen ausgestoßen. Dazwischen gab die Ziehharmonika sich redlich Mühe, in dem Lärm des Tanzes hörbar zu bleiben, und als ihr dies nicht gelingen wollte, setzten ein paar kräftige Stimmen ein:

Der Herr Präzcntor an8 Plebischksi Ist gefahren nach der Stobt, Graue Erbsen in der Lischken,

Die er selbst gedroschen hat."

erklang es im Dreiachtel-Takt, etwas eintönig, aber mit scharf pointirtem Rhythmus lind der Takt wurde eingehalten, dafür sorgten die Tänzerinnen, die sich sittsam mit nnstörbarem Ernst wie bei schwerer Arbeit im Kreise drehten. Die Bursche dagegen erlaubten sich manche Ausschreitung, sie krümmten sich und hoben die Beine hoch, sie stampften und johlten, sie wiegten sich keck in den

Ereignissen herhinkenden Nachrichten vernahm, wie hinten weit in der Türkei die Völker auf einander schlagen," sind längst vorbei. In dem Maße, in dem sich der Verkehr zu Wasser und zu Lande, mit Dampfkraft und Elektrizität, durch das geschriebene, gedruckte und gekabelte Wort entwickelt hat, scheint unser Planet kleiner ge­worden zu sein. Wir nehmen jetzt Antheil an Dingen, die uns früher ganz fremd waren; was uns ehedem zur Befriedigung der Neugier und zur Unterhaltung in müßigen Stunden diente, das vermag jetzt unsere eigensten Interessen zu berühren. Die Halbinsel Korea liegt noch weit, weit hinter der Türkei im fernsten Asien, und doch braucht man nur ein größeres Blatt es braucht noch gar kein Weltblatt zu sein in die Hand zu nehmen, um entweder im Leit­artikel oder doch gleich dahinter auf die kore­anische Frage zu stoßen.

Im Jahre 1885, als China wegen Tonking mit Frankreich im Streite lag, kam der Vertrag von Tentsin zwischen China und Japan zu Stande. Korea war bis dahin Vasallenstaat Chinas, fortan sollte jedoch auch Japan bei Rege­lung der höchst verlotterten inneren Zustände der Halbinsel mitzusprechen haben. Allein China strebte von Neuem die volle Oberhoheit über Korea an, ließ die Dinge hier laufen, wie sie wollten, und aus den Reformen wurde nichts. In einer südlich von der koreanischen Hauptstadt Söul gelegenen Gegend brach ein blutiger Auf­stand aus, der durch die grausame Mißwirthschaft koreanischer Beamten hervorgerufen war. Japan machte jetzt sein Verlangen nach Reformen in Verwaltung und Heerwesen mit Entschiedenheit geltend; China forderte, daß Japan seine Truppen aus Korea zurückziehen solle, bevor über die Reformen verhandelt werde. Japan ist darauf nicht eingegangen, die Versuche der europäischen Diplomatie, einen Ausgleich herbeizuführen, sind gescheitert. Nach den letzten Nachrichten ist be­reits Blut geflossen, indem die Japaner bei Söul

Hüften und versuchten im wilden Umschwung ihre Tänzerin hochzuheben. Aber den wenigsten gelang dies. Es wäre leichter gewesen, einen jungen Baum zu entwurzeln, als diese gedrungenen, hand­festen Gestalten schweben zu machen.

Man hatte allgemein als selbstverständlich an­genommen, daß Endrick und Grita den ersten Tanz zusammen tanzen würden. Aber Grita hatte seine Aufforderung nicht abgewartet, sie tanzte mit einem jungen Jägerburschen, den sie sich heran- gewinkt hatte. Anne hatte sich unterdeß in eine ferne dunkle Ecke gedrückt, sie fühlte noch immer ihr Gesicht vor Scham brennen, sie wollte es vor allen diesen dreiste» Blicken verbergen. Wenn sie sich doch unbemerkt dem Ausgange zuschleichen könnte, sie wollte fort, nur hinaus and diesem Lärm und Trnbel, nur hinaus in« Dunkel! Da plötzlich legte sich ein Arm fest um ihre Taille, sie wußte, wer eS war, auch ohne aufzublicken. Und ehe sie sich frei machen und ihm sagen konnte, sie wolle nicht tanzen, am wenigsten mit ihm, hatte Endrick sie bereits in den Wirbel des Tanzes hineingezogen und drehte sich mit ihr im Kreise, ihr Sträuben unberück­sichtigt lassend. An ein Entkommen ans seinem Arm war nicht zu denken, so fügte sie sich, um