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Ur. 69.

Kouuadeud den 16. Juni

1894.

t Per Klishbkßaild frni^iis 1893.

Nach der int Jahre 1893 zum dritten Mal im Reiche vorgenommenen Erhebung der landwirth- schaftlichen Bodcubenntzuug waren in Preußen von der Gesammtfläche des Staates 8192505 ha beforstet. Die letzte im Jahre 1883 vorgenommene gleiche Aufnahme berechnete einen Waldbestand van 8 153947 ha, sodaß sich in dem zehnjährigen Zeitraum ein Mehr von 38558 ha Waldflüche herausstellte, und $mar betrug die lediglich auf die Krön-, Staats- und Gemeindeforsten entfallende Zunahme 109 283 ha, während die Instituten-, Genossenschafts- und Privatforsten eine Abnahme von 70725 ha zeigen. Das Anwachsen der Waldfläche dürfte neben anderen forstlichen und kulturellen Gründen wesentlich darin zu suchen sein, daß die Laudwirthschaft in ihrer augen­blicklichen schwierigen Lage, besonders bei den hohen Arbeitslöhnen und den Anbau nicht lohnen­den Preisen, vielfach Böden siebenter und achter Klasse an die Staats-Forsiverumlluug, der in den Etats größere Summen als früher zur Aufforstung zur Verfügung stehen, zu diesem Zweck abgegeben hat. Die gleichen Umstände dürften die Besitzer von Privatforsten theilmeise veranlaßt haben, Wald­flächen nach bem Abtriebe der Bestände anderweit zu benutzen oder unbebaut liegen zn lassen. Dem- gemäß minderte sich der Privakforstbesitz, welcher für 1883 einen Flächeninhalt von 4 382 252 ha nachwieS, um 50740 ha. Den grüßsteu Privat- sorstbesitz umfaßte im Jahre 1893 der Regierungs­bezirk Frankfurt mit einer Fläche von 447262 ha. Hieran schloffen sich Liegnitz und Potsdam mit 395 354 bc-tro. 317 315 ha. Im Regierungsbezirk Arnsberg nahmen die Privatforsten eine Fläche von 214215 ha ein; hieran reihten sich Breslau mit 201 240, Magdeburg, Münster mit 162 862, bezw. 132 246, Bromberg und Merseburg mit 121 932 bezw. 104 747 ha. In den Regierungs­bezirken Stettin, Köln, Kassel, Schleswig einschl. Helgoland, Kumbinueu, Minden, Koblenz und Trier befand sich eine Waldfläche 98 416, 95 327, 82499, 77318, 67 355, 63881, 60725 und 53712 ha im Privatbesitz. Am geringsten ver­treten waren die Privatforsten in den Regiernngs- bezirken Stade, Wiesbaden, Sigmaringen und Anrich. Hier bestockten sie 1893 nur eine Fläche von 19518 bezw. 18897, 17 488 und 20670 ha.

Vergleichen wir die Besitzstandverhältnisse von 1893 mit denen von 1883, so gehörten von den Forsten an

1883

1893

der Krone ....

59449

65246

dem Staat (einschl. Staats anMilsorsten. . .

. 2409738

2465331

den Gemeinden . . .

977058

1024951

den Stiftungen . . .

88445

83101

den Genossenschaften .

237005

222364

den Privaten . . .

. 4382252

4331512

Der größte Theil der

Forsten (52,9

pCt.) be-

fand sich mithin im Privatbesitz. Die Staats- sorsieu umfaßten 80,1, die Gemeindeforsten 12,5,

die Genossenschaftsforsten 2,7, die StiftungSforsten 1,0 und die Krouforsten 0,8 Hunderttheile. Die Staatssorstcu befinden sich vornehmlich in Brandeu- bnrg, Ost- und Westpreußen mit einem Flächen­inhalt von 387 154 bezw. 368 598 unb-302 572 ha; demnächst folgen Hessen - Nassau mit 261 905

und Hannover mit 238 722 ha. Gar keine Staatsforsten befanden sich in Hoheuzollein. Der größte Antheil von Gemeindeforstbesitz entfiel auf das Rheinland und Hessen-Nassau mit 329 538 bezw. 219 766 ha. Der Forstbesitz der Genossenschaften (ausschließlich derjenigen, an denen der Staat beseitigt ist) erreichte 1893 mit 79 528 ha in Hannover seinen größten Umfang; hieran schlössen sich Westfalen mit 46 900 und Hessen-Nassau mit 30 023 ha. Die Stiftungen traten als Eigenthümer von Forsten und Holzungen im Jahre 1893 vornehmlich hervor in Branden­burg und Schlesien mit 15 302 bezw. 13 617 ha.

Politische Nachrichten.

Berlin, 14. Juni.

S e. M a j e st ä t der Kaiser verblieb am gestrigen Nachmittag im Arbeitszimmer des Neuen Palais und erledigte Reaiernngsangelegenheiten. Abends 8 Uhr entsprach Allerhöchstderselbe einer Einladung des großbrUanuischen Botschafters am hiesigen Hofe, Sir Edward Malet, zum Diner in dessen Villa zu Potsdam und kehrte von dort um 11 Uhr nach bem Neuen Palais zurück. In den heutigen Morgenstunden arbeitete Se. Majestät zunächst allein, nahm um 9 Uhr den Vortrag des Kriegsministers entgegen und arbeitete hierauf längere Zeit mit dem Chef des Militair- kabinets. Um 11 Uhr hatte der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am könig­lich sächsischen Hose Wirkliche Geheime Rath Gras Karl v. Dönhoff die Ehre, von Sr. Majestät empfangen zn werden. Zur Frühstückstafel bei Ihren Kaiserlichen Majestäten waren der Groß- Herzog und die Fran Großherzogin von Mecklen­burg-Schwerin geladen, welche kurz nach 1 Uhr zu einem Besuche der Majestäten im Neuen Palais eintrafen.

Die, wie erwähnt, am 23. b. M zusammeu- tretende Kommission für Arbeiter- st a i t st i k wird sich, denBert. Pol. Nachr." zufolge, in erster Reihe mit Regelung der Arbeits­zeit in Bäckereien und Konditoreien beschäftigen und über das dem Reichskanzler zn erstattende Gutachten Beschluß zu fassen haben. Durch die amtlicherseitS vorgenommenen Ei Hebungen wäre festgestellt, daß 53 pEt. derjenigen Bäckereien und Konditoreien, auf welche die Erhebungen sich erstreckten, mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 12 Stunden einschließlich der Pausen und Nebenarbeiten auskommen; dagegen hatten 28,6 pCt. eine 12 bis 14 ständige, 17 pEr. eine mehr als 14 ständige, 13,2 pCt. eine 14 bis 16ständige, 3,1 pCt. eine 16 bis 18 ständige und 0,17 pEt. eine mehr als 18 ständige Arbeitszeit. Ferner wurde ermittelt, daß in 78 pCt. der Betriebe vor Festtagen und bei besonderen Gelegenheiten über das gewöhnliche Maß hinausgearbeitet wirb. Betreffs der Beschäsliguugödauer der Lehrlinge ergab sich, daß bei 45 pCt. der befragten Be­triebe die Lehrlinge 12 Stunden und weniger, bei 31,6 pCt. über 12 bis 14, bei 21,9 pEt. über 14 und bei 1,5 pCt. über 18 Stunden zu arbeiten hatten. Außerdem soll sich die Kommission mit der Arbeitszeit in der Mühlen- industrie und bem Handelsgewerbe befassen.

Nach der im Reichü-Eisenbahnamt ausgestellten,

imR.-A." mitgetheilten N a ch w e i s u n g der auf deutschen Eisenbahnen aus - schließlichBayerns im Monat April b. I. beim Eisenbahnbetriebe (mit Ausschluß der Werkstätten) vorgekommenen U n - fälle waren im Ganzen zn verzeichnen: 8 Ent­gleisungen und 2 Zusammenstöße auf freier Bahn, 11 Entgleisungen und 5 Zusammenstöße in Sta­tionen und 192 sonstige, meist geringere Unfälle. Dabei sind im Ganzen, und zwar größtentheils durch eigenes Verschulden, 198 Personen zu Schaden gekommen, sowie 20 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 68 unerheblich beschädigt worden. Von den beförderten Reisenden wurden 5 gelobtet und 11 verletzt. Von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlichen Eisenbahn­betriebe 19 gelobtet und 136 verletzt, von Steuer- u. s. w. Beamten 1 gelobtet und 2 verletzt, von fremden Personen (einschließlich der nicht im Dienst befindlichen Bahnbeamten und Arbeiter) 9 gelobtet und 15 verletzt. Außerdem wurden bei Nebenbeschäftigungen 3p Beamte und Bahn­arbeiter verletzt.

Der Ersatz der Südwest-Afrikanischen S ch u tz t r u p p e ist am Mittwoch in Berlin eingetroffen und hat in der Stärke von 13 Unter­offizieren, 200 Gefreiten und Gemeinen im städtischen Ordonnanzhause in der Neuen König­straße Quartier genommen. Die Mannschaften sind durchwegs Kavalleristen, den verschiedensten Regimentern ungehörig und auf fünf Jahre ver­pflichtet. Die Einkleidung der Leute erfolgte am Donnerstag; dieselben erhalten vier Uniformen, davon drei Anzüge für den Kolouial-Jnfauterie- dienst, sowie einen Reiterauzug aus Gummistost in hellgrauer Farbe. Die Reiterstiefel sind aus gelbem Leder, die Reitschäfte werden an die Stiefel augefchuallt. Am Freitag Mittag verläßt die Abtheilung Berlin und begiebt sich nach Kurhaven, von wo sie nach zweitägigem Aufenthalt nach ihrem neuen Bestimmungsort eingeschifft wird.

Amtlicher Rachweisnug zufolge sind in der Zeit vom 1. Oktober 1893 bis zum Ende Mai 1894 an Branntwein 2 948 337 Hektol, gegen 2 740 856 im gleichen Zeitraum des Vorjahres hergestellt. Nach Entrichtung der Verbranchs­abgabe. wurden 1 543 354 Hektoliter gegen 1545 874 in den freien Verkehr übergeführt.

Fremdenhaß und Spiouenfnrcht haben in Frankrei ch schon öfter recht hübsche Blüthen getrieben. Heute aber soll, wie Hirsch'S T. B. meldet, von einem Abgeordneten Pluserat in der Kammer ein Antrag eingebracht werden, mit dem verglichen alles bisher Dagewesene blaß und farblos erscheint. Die Berheirathung mit Ausländerinnen soll allgemein verboten und jeder Franzose, der mit einer Ausländerin verheiralhet ist, für unfähig erklärt werden, die Angelegen­heiten des Staates zu leiten. Der Abgeordnete ist der Ansicht, daß sich eine große Zähl weib­licher Spione in den französischen Salons ans- halten.

Nach M a d r i b hat der Kommandant von M e l i l l a gemeldet, daß er eine Zusammenkunft mit Muley Araaf gehabt, wobei dieser erklärte, die Kabylen befänden sich in Ruhe. Dagegen werden aus der Umgegend von Tanger zahl­reiche Diebstäble gemeldet. Der Beamte der französischen Briespost wurde angegriffen und