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Nr. 66.
Sommveud den 9. Inni
1894.
Politische Nachrichten.
Berlin, 7. Juni.
Heute früh um 91 /2 Uhr empfing S e. Dl ajestät der Kaiser den Kriegsminister General der Infanterie Brousart von Schellendorff zum Bor- trage, arbeitete hierauf mit dem Chef des Militair- knbinets und sprach alsdann den Generaladjutanten, Generallieutenant v. Winterfeld. Se. Majestät erfreut Allerhöchstsich auch heute des allerbesten Wohlseins; die Wunde ist nunmehr völlig ver- baudsfrei. Kurz vor 1 Uhr empfing Se. Majestät die Deputation Allcrhöchstseines englischen Regiments Royal Dragoons im Beisein des Militair- attachks der hiesigen großbritannischeu Botschaft Oberst Smaine, welche sich zu diesem Zweck mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 11 Uhr 5 Minuten von Berlin nach der Wildparkstation, beziv. dem Neuen Palais begehen hatte.
D i e l a n d w i r t h s ch a s t l i ch e 21 u S = st e l l n n g wurde am Mitt-woch Mittag durch den Prinzen Heinrich mit folgender Rede eröffnet: „Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, Allerhöchstwelcher den hier in seiner Landeshauptstadt versammelten deutschen Land- wirthen durch mich seinen kaiserlichen Gruß und seine besten Wünsche entbieten läßt, habe ich das Präsidium über die Gesellschaft der deutschen Landwirthe übernommen. Es gereicht mir zu ganz besonderer Freude, diese großartige Ausstellung persönlich eröffnen zu dürfen. Aus allen deutschen Gauen sehen wir hier vereint, was der Fleiß des deutschen Ackerbauers, sowie des Züchters, des Industriellen und des Maschinenfabrikanten üum Wohl und Nutzen der deutschen ^Landwirth- schaft zu leisten und zu bieten im Stande gewesen ist. Es ist gewißlich, daß die deutsche Landwirthschaft schwer und mit Opfern heutzutage um ihre Existenz zu kämpfen hat (Bravo!), jedoch möchte mir jene Ausstellung dort dafür Zeugniß sein, daß der deutsche Landwirth nicht muthlos verzagt (Bravo!), sondern seinen Beruf, jenen edlen, für das deutsche Vaterland so unentbehrlichen Beruf, bestrebt ist zu fördern. (Bravo!). Es ist die Gesellschaft der deutschen Landwirthe nicht ein Mittel allein für materielle Verdienste zur Erreichung derselben, sondern sie ist vielmehr eine Verbrüderung, ein Bündniß des deutschen Landmirths im engeren vaterländischen Sinne. Der Gedanke, daß der Fleiß eines Einzelnen, auch des Geringsten, dem ganzen deutschen Vater- lande zum Frommen und Nutzen gereicht, legt eine besondere Weihe auf diese Wettbewerbung. Kaum ist ein anderer Beruf so angewiesen auf Frieden und gesicherte Zustände, als wie gerade die Landwirthschaft. (Bravo!) Ich meine, ein jeder Deutsche sei sich eins, daß selbst mit Aufbringung von Opfern dieser Frieden gewahrt werden möge und müsse; jeder Deutsche ist sich in diesem Bewußtsein Eins mit seinem erhabenen Herrscher, den deutschen verbündeten Fürsten und freien Städten. Wir können diesen Gefühlen nicht schöneren Ausdruck geben, als in dem alten, mohlerprobten deutschen Ruf: Se. Majestät der Kaiser lebe hoch!'hoch! hoch!"
M i n i st e r v o n Heyd e n dankte hierauf und bat den Prinzen Heinrich, dem Kaiser
das Gelübde der unverbrüchlichen Treue der Landwirthe auszusprechen. Die Ausstellung zeige das Fortschreiten der Landwirthschaft in der Produktion, sie müsse aber besser rechnen lernen und namentlich mit der Verschwendung des Düngers ein Ende machen. Zum Schlüsse brächte der Minister ein Hoch auf die in Liebe und Treue mit dem Herrscherhause vereinte Landwirthschaft aus. Nach einer Begrüßungsansprache v. Armin's und des Oberbürgermeisters Zelle erfolgte ein Hoch auf den Prinzen Heinrich, worauf dieser die Ausstellung für eröffnet erklärte.
Der Großherzog von Baden hielt auf dem Kriegertage des Oosgaumilitairverbandes in Baden-Baden eine Ansprache, in welcher er für den Toast des Verbandsvorsitzenden dankte und dann ausführte: „Ich komme auf die Zeit meines Eintritts in die Armee zu sprechen, weil die Erinnerung daran für die jüngere Generation eine Mahnung enthält. Es war 1842, als ich das Offizierspatent erhielt, und schon wenige Jahre später war Alles zerstört, was vorher geschaffen wurde, weil sich ein Geist kunogab, der sich nicht vereinbaren wollte mit der staatlichen Ordnung. Der Geist der Unterordnung ist absolut nöthig, und da fange ich bei mir an. Man muß sich unterzuordnen wissen unter die große Gemeinschaft. Nur wenn man selbstlos ist, vermag man etwas für das Ganze zu leisten." Der Großherzog ging dann auf 1870 über und mahnte, die Gefühle, die uns damals zum Siege geführt, zu erhalten. Er beharre auf dem Worte, das er einmal gesprochen, trotzdem es vielfach mißverstanden worden sei: „Man müsse den Weg der Ehre gehen." Der Großherzog schloß mit einem Hoch auf das Vaterland.
Dem Vernehmen der „Bert. Pol. Nachr." nach giebt der deutsche Fleischer - Verband seine Bemühungen, eine eigene F ! e i s ch e r e i - Beruf s g e n o s s e u s ch a f t zu erhalten, nicht auf. Der Verband will nunmehr gemeinsam mit der Nahrungsmittel-BerufSgenossenschast, welcher gegenwärtig die Fleischer angehören, vorgehen. Auf Anrathen des Reichs VersichernngSamtes hat der Bundesrath einen hierauf bezüglichen Antrag des deutschen Fleischer-Verbandes bereits einmal abgelehnt. Es dürften sich die Aussichten für einen solchen Antrag inzwischen auch kaum ge- beffert haben. Seine endgültige Erledigung dürfte er erst dann finden, wenn über die Ausdehnung der UnfallversicherungSpflicht auf das Handwerk und über die für die Handwerksversicherung zu wählende Organisation die Entscheidung gefallen ist.
(C h o l e r a.) Bei einem Flößer, der von dem Floßmeister an der Schleuse von Plehnen- d o r f Montag Mittag als krank gemeldet wurde, ist die Krankheit im bakteriologischen Institut zu Dauzig als Cholera asiatica koustglirt worden. Auch bei einem zweiten am Dienstag erkrankten Flößer hat die Untersuchung das Vorhandensein asiatischer Cholera ergeben. Die Plehnendorfer Schleuse ist für den Traftenverkehr geschloffen morden, und eine Anzahl bereits ausgerüsteter UebermachungSdampfer wird eine sanitätliche Kontrolle der auf der Weichsel lagernden Kähne und Traften einrichten. Der SlaatSkommissar, Oberpräfident v. Goßler, hat bei dem Herrn Minister telegraphisch die sofortige Eröffnung
sämmtlicher Cholera-Ueberwachungsstationen der Weichsel beantragt. — Bei einem in S ch i l l n o erkrankten 4jährigen Knaben Will). Sonnenberg ist ebenfalls asiatische Cholera bakteriologisch festgestellt.
Wie aus N e w - D o r k unterm 7. d. Mts. gemeldet wird, griffen strikende Arbeiter gestern das Little'sche Kohlenbergwerk bei Pekin in Illinois an. Die Eigenthümer leisteten Widerstand. Zwei Personen wurden gelobtet und mehrere verwundet, darunter 3 Mitglieder der Familie Little. Die Sinkenden steckten die Gebäude des Bergwerks sammt dem Pulvermagazin in Brand und zogen sich zurück. Das Magazin explodirte alsbald.
Der Präsident von Salvador, General Carlos Ezeta, dessen vollständige Niederlage bereits gemeldet wurde, hat sich an Bord eines deutschen Dampfers begeben, gerade als derselbe aus La Libertad abfahren wollte. General Ezeta war vor vier Jahren durch eine Revolution an die Spitze der Regierung von Salvador gelangt. Damals war General Menandez Präsident, dessen Willkürregiment große Erbitterung im Lande erregt hatte. Mehr als 200 politische Gegner desselben waren binnen 4 Monaten erschossen worden. Es war am 22. Juni 1890, als General Melesio Marcial während eines im Palais des Präsidenten gegebenen Balles in den Ballsaal eindrang, um den General Ezeta, der mit 600 Mann aus Santa Ana eingetroffen war, zum Präsidenten zu proklamiren. Zwischen Marcial und dem Befehlshaber der Regierungstruppe», General Martinez, kam es zu einem Streit, in Folge dessen Marcial erschossen wurde, worauf Ezela's Truppen den General Martine; gefangen nahmen und die Kasernen besetzten. So wurde Ezeta Präsident. Im Sommer vorigen Jahres bildete sich eine Verschwörung gegen ihn, die dann zum offenen Aufstande überging. Schon vor einigen Wochen ist der Bruder des Präsidenten, General Antonio Ezeta, in einem der Gefechte gefallen.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
Hersfeld, 8. Juni 1894.
* (Personal-Veränderungen.) Ernannt: Der Gerichtsassessor von Warnstedt zum Amtsrichter in Corbach, der Rechtskandidat Vormbaum zum Referendar, der Stadtfecretär Fischer in Hanau zum 3. Stellvertreter des Standesbeamten daselbst, die Bureau-Assistenten Philipp Biehl und Heinrich Ludwig Hoffmann bei der Königlichen Polizei-Direktion zu Cassel zu Polizei-Secretäcen, der Förster Mittnacht in HundelShausen zum Revierförster. — Zügeln s sen: der Gerichtsassessor Clemen aus Rinteln, zur Zeit in Berlin, zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht in Rinteln. — Versetzt: der Förster Mücke von Görzhain nach Roßberg vom 1. Juli 1894 ab.
* (Trichinen- und Finnenschau in Preußen 1890/92 ] Nach den amtlichen Ergebnissen würben im Jahre 1890 in ganz Preußen 5,59 Millionen, 1891 6,55, 1892 6,23 Millionen Schweine untersucht, wovon im Jahre 1890 1 756 als trichinös und 5 420 als finnig/ 1891 2187 als trichinös und 7 689 als sinnig, 1892 2 085 als trichinös und 9 385 als finnig befunden