Erscheint wöchentlich drei M>1> Dicnst<iq, Donnerstag und Sonnabend. 2lbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel.
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Hklsfeliter Kreistilltt.
Mit wöchentlicher Gratis Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Nr. 60.
Sonnabend den 36. Mai
1894.
Bestellungen
auf das Kerchlder $WjM
mit ber wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 24. Mai 1894.
Die Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, welche mit Einzahlung der Umlage-Beiträge für die Hess. Nass. landwirthschastliche Verufsge- nossenschaft für das Jahr 1893 noch rückständig sind, werden an die Ablieferung der Gelder mit Frist bis s p ä t e st e n s zum 1. I u n i d. I. erinnert.
Der Sectionsvorstand:
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
A. 1208.
Hersfeld, den 24. Mai 1894.
Für den am 1. Oktober 1876 geborenen Klempnerlehrling Johannes Heinrich Bieder zu Niederaula ist um Entlassung aus bem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
J. I. Nr. 2959. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Der „Deutsche Verein zur Förderung der Luftschifffahrt" in Berlin beabsichtigt im Laufe der nächsten Monate zu wissenschaftlichen Zwecken einige kleinere Luftballons mit selbstschreibenden meteorologischen Apparaten in solche Höhen aufsteigen zu lasien, welche dein Menschen in Folge der Lustverdünnung nicht mehr zugänglich sind.
Es wird dabei vorausgesetzt, daß die Ballons und Apparate aufgefnnden und in einem guten Zustande zurückgeliefert werden, so daß die Aufzeichnungen erkennen lassen, welche Verhältnisse in den hohen Schichten der Atmosphäre geherrscht haben. .
Das Unternehmen, dessen Kosten aus den von Seiner Majestät dem Kaiser Allergnädigst bewilligten Mitteln best ritten werden, ist von großem wissenschaftlichen Werthe; es ist deshalb zu erwarten, daß dasselbe von allen verständigen Leuten so viel als möglich gefördert werde. Zu diesem Zwecke wird Folgendes bekannt gemacht:
1 • Ueberall, wo im.....Kreise ein solcher sreifliegender, von Menschen nicht bemannter Luftballon bemerkt wird, suche man die Stelle zu rri eichen, wo derselbe zur Erde herunt^rkommt.
Vom Ballon hängt an einer Schnur ein kleiner Haken herab, welcher, wenn er irgend wie sestge- halten wird, eine Borrichtung in Thätigkeit setzt, mittels welcher die Ballonhülle kurz vor der muiduug auseinander gerissen wird, sodaß die wssüllung von selbst entweicht. Trotzdem ver- werde man sorgfältig jede Annäherung mit offenem
Feuer, oder mit einer brennenden Cigarre oder Pfeife, um eine Explosion des Gases zu vermeiden.
2. Sobald man den Luftballon greifen kann, halte man ihn fest, vermeide aber sorgfältig jedes Zerren an dein unterhalb desselben hängenden, in ein Korbgeflecht eingeschlossenen Apparate. Dieses Korbgestell hake man zunächst aus dem oberen Haken vorsichtig aus und stelle es, vor Beschädigungen sorgfältig geschützt, an einem trockenen Ort bei Seite. Sobald als möglich trage man dasselbe unter Vermeidung von starken Erschütterungen nach Hause. Jeder Versuch, den Apparat zu öffnen, oder sonst sich in denselben Einblick zu verschaffen, verdirbt die Aufzeichnungen und bringt den Verlust der unter Nr. 5 zu erwähnenden Belohnung mit sich. Den Ballon selbst rolle man, nachdem das Gas vollständig entleert ist, fest zusammen und trausportire ihn, wenn möglich in einen Verpackungsplan eingeschlagen, nach dem nächsten Orte, wo derselbe an einer trockenen Stelle aufzubewahren ist
3. Sofort nach Bergung des Apparates unb Ballons gebe man folgende Depesche, welche auch am Ballon angebracht ist, auf das nächste Telegraphenamt :
Professor Aßmann Grünau (Mark)
Ballon mit Apparat gefunden bei..... Genaue Ortsangabe, Kreis, nächste Bahnstation. Name.
Die verauslagten Gebühren werden zurückerstattet.
4. Darauf erstatte man dem Gemeindevorsteher desjenigen Ortes, auf dessen Gebiet der Ballon gefallen ist, hiervon Meldung und lasse die Namen Desjenigen oder Derjenigen, welche den Ballon zuerst aufgefangen haben, fesistellen.
5. Der oben genannte Verein zahlt Demjenigen oder Denjenigen, welche den Ballon in gutem Zustande und den Apparat völlig unbeschädigt und u n e r ö f f n e t zurück- liefern, durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes eine Belohnung von „Fünfzig Mark."
Für Beschädigungen, welche der Ballon bei der Landung ohne Schuld der Hülfeleistenden erlitten hat, werden die letzteren nicht verantwortlich gemacht.
6. Ballon und Apparat sind so lange sorgfältig aufzubewahren, bis dieselben durch einen Beauftragten von Berlin aus abgeholt werden.
Nichtamtliches.
t lw ikutsdini Arirserßiinör.
Den Schwarzsehern, die an der Zukunft unseres Volkes verzagen möchten, weil in den parlamentarischen Erörterungen die Kämpfe zwischen einzelnen wirthschaftlichen Interessen zur Zeit vorwiegen und eine in demokratischen und sozial- demokratischen Farben schillernde Agitation die Liebe zum Vaterlande, den Gehorsam gegen Kaiser und Landesherren zu untergraben sucht, solchen Schwarzsehern kann empfohlen werden, den eben erschienenen 22. Jahresbericht des deutschen Krieger- bundes aufzuschlagen. Sie werden in diesem, nach guter deutschen Soldatenart klar, frisch unb anspruchslos geschriebener Rechenschaftsbericht er
kennen, daß es auch an herzerfreuenden Lichtseiten im öffentlichen Leben der Gegenwart nicht fehlt. Der deutsche Kriegerbund mit seinen mehr als 700 000 Mitgliedern und mit ihm das gesammte deutsche Kriegerwesen, dem Alles in Allem an einundeinviertel Millionen alte Soldaten angehören, ist zu einem der vornehmsten und wirksamsten Werkzeuge geworden zur inneren Bekämpfung derSozialdemokratie. In den Vereinen wird nicht allein die Erinnerung an die glorreichen Kriegs- und Siegeszeiten der deutschen Heere gepflegt — „Hurrah- patriotismus" nennen das in ohnmächtigem Aerger die Herren Sozialdemokraten — sondern auch werkthätige Kameradschaft und Nächstenliebe. Auf Grund der trefflichen Erziehung, die die Erfüllung der Wehrpflicht unserer männlichen Bevölkerung giebt, schließen die Kameraden, die des Königs Rock in Ehren getragen, sich zu einem Bunde fürs Leben zusammen, in welchem der Unterschied der Stände, der BernfsaMen sich ausgleisit und Alles zusammen wirkt, einander zu helfen und zu unterstützen in Tagen der Sorge, und sich miteinander zu erfreuen an den Segnungen, die dem deutschen Volke durch die thatkräftige Hohen- zollernpolitik zu Theil geworden sind.
Der deutsche Kriegerbund wächst mit Macht; treten ihm doch alljährlich neue Reihen von Männern bei, die ihre Dienstzeit im Heere abgeleistet haben. Seine straffe, mustergiltige Organisation macht ihn geschickt zur Lösung der Aufgaben, die er sich gestellt hat, und die hingebende Thätigkeit, die von allen Kameraden gefordert und willig geleistet wird, macht ihn auch tüchtig dazu. Alle einzelnen Wohlfahrtseinrichtungen aber, Alles, was zur Erhaltung des Zusammenschlusses unter den Kameraden, für ihr geistiges und wirthschaftliches Fortkommen aufgewendet wird, ist, wie die Leitung des Bundes selbst bezeugt, im Grunde nur Mittel zum Zweck. Unb zwar ist dies ein hoher und idealer Zweck: die Zusammenfassung der königstreuen und monarchisch gesinnten ehemaligen Soldaten aus allen Ständen, ihre Erhaltung in dieser Gesinnung, und mit ihrer Hilfe der geistige Kampf gegen die vaterlandslose Sozial- d e m o k r a t i e.
Politische Nachrichten.
Berlin, 24. Mai.
Wie ans Pröckelwitz gemeldet wird, gedachte S e. M a j e st ä t der Kaiser heute Abend von dort abzureisen und morgen früh auf der Wildparkstation bezw. im Neuen Palais wieder einzutreffen.
Wenn jetzt, wie bereits vor vierzehn Tagen, wieder das Gerücht auftaucht, daß eine K o n - v e r t i r u n g der 4 p r o z. preußischen K o n s o l s bevorstehe, so darf, nach den „Berl. Pol. Nachr.", auf6 Bestimmteste auf Grund von Erkundigungen an zuständiger Stelle versichert werden, daß innerhalb der Regierung eine solche Maßregel nicht einmal in Erwägung genommen ist. Wer die Bedeutung und Wirkung der Kon- vertirung der gedachten Anleihen ernstlich erwägt, wird sich auch selbst sagen müssen, daß an eine solche Maßregel garnicht zu denken ist. Man