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Mr. 47.

Dienstag den 34. April

1894.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. April 1894.

In Gemäßheit des Bundesrathsbeschlusses vorn 8. März d. J. ist von dem Herrn Minister für Landwirthschast, Domainen und Forsten u. A. ungeordnet worden, daß der Nachrichtendienst in Viehseuchen-Angelegenheiten in den preußischen Regierungsbezirken fortan nach folgenden Be­stimmungen gehandhabt wird.

1. Die Ortspolizeibehörde hat jeden in ihrem Bezirke festgestellten ersten Ansbruch von

Rotz (Wurm) der Pferde, Esel, Maulthiere und Maulesel,

Maul- und Klauenseuche des Rindviehs, der Schafe, Ziegen und Schweine, und Lungenseuche des Rindviehs

(§ 10, Ziffer 3, 4 und 5 des Viehseuchen- gesetzes vom 23. Juni 1880, Reichs-Gefetz- blatt S. 153)

sofort den Polizeibehörden aller dem Seuchen- orte benachbarten dentschen Gemeinden auf mündlichem oder schriftlichem Wege mitzu- theilen, welche ihrerseits den Seuchenausbruch auf ortsübliche Weise zur Kenntniß der Orts- einwohner zu bringen haben.

2. Ist nach erfolgtet Feststellung der Maul- und Klauenseuche in einem Ort der beamtete Thierarzt zur Feststellung weiterer Infektionen von bisher noch nicht betroffenen Gehöften nicht zugezogen worden (§ 15 des Vieh- seuchengcsetzcs), so hat die Ortspolizeibehörde demselben von jedem solchen Falle sofort Mittheilung zu machen.

Indem ich den Herren OrtSvorständen Vor- stehendes zur strengsten Beachtung bei dem zu­künftigen Ausbruche einer der ermähnten Seuchen mittbeile, mache ich noch besonders daraus auf­merksam, daß durch obige Vorschriften die gesetzlich

^Nachdruck verboten.) Im Strome des Lebens.

Roman von Jenny Piorkowöka. (Fortsetzung.)

10.

An demselben Abend fand das lang projectirte und vielbesprochene Maskenfest statt.

Es war fast neun Uhr, als ich Lisette klingelte, mir bei der Toilette zu helfen; gegen sonstige Gewohnheit mußte ich zweimal nach ihr klingeln, und als sie endlich kam, bemerkte ich sofort, daß irgend etwas Außergewöhnliches sie erregt haben mußte. Sie war so nervös, daß sie bei jedem Tone zusammenschreckte, und als ich ihrem Auge begegnete, senkte sie schnell den Blick. Endlich war ich fertig, und als ich vor den Spiegel trat, mußte ich mir selbst sagen, .daß ich wohl schwer­lich zu erkennen war. Ueber das duftige weiße Spitzeukleid trug ich einen meißseidenen Domino mit schweren weißen Frauzeu. Die Larve von Silbergaze mit den langen weißen Spitzen be­deckte mein Gesicht vollständig; und durch die hohen Stiefelabsätze und die lange Schleppe am Kleid erschien ich bedeutend größer als sonst. Da plötzlich bemerkte ich an den weißen Schnüren, womit das Kleid geschürzt war, eine kleine blaue Schleife.

begründeten Verpflichtungen zur Anzeige von Seuchenausbrüchen u. s. w. (§ 9 des Reichsvieh- seuchengesetzes vom 23. Juni 1880) in keiner Weise eine Abänderung erfahren.

I. 2395. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zur Bekämpfung der Kinder- und Wöch - u e r i n n e n st e r b l i ch k e i t wurden vom Ver­eine der Medizinalbeamten des Regierungsbezirks Düsseldorf die Flugblätter:

I) R e g e l n für d i e P f l e g e u n d Er­nährung der Kinder i nt ersten Lebensjahre und für diePflege der Wöchnerinnen;

2) V e r h a l t u n g s - R e g e l n bei Masern, Scharlach und Diphtherie, herausgegeben.

Beide Flugblätter enthalten nach dem Gutachten der Wissenschaftlichen Deputation in ungemein faßlicher Form und a:bra.igtcfter Kürze alles Wesentliche, was für obigeZwecke inBetracht kommt.

Dieselben wurden durch Ministerial-Erlaß zur möglichst weiten Verbreitung empfohlen, wobei vorzugsweise die Betheiligung der Standesbeamten, Hebammen, Frauenvereine, Lehrer und Aerzte in das Auge zu fassen sei.

Diese Flugblätter sind bei L. S ch w a n n in Düsseldorf erschienen, inzwischen in Hundert- tausenden von Exemplaren verbreitet und eben­daselbst zum Preise von 1,20, bezw. 0,80 Mk. für 100 Stück außer Porto, bei Bezügen von mindestens 1000 Stück mit entsprechenden Frei-Exemplaren, zu beziehen.

Cassel am 29. März 1894.

Der Regierungs-Präsident. H a u s s o n v i l l e.

Hersfeld, den 19. April 1894.

Indem ich auf die vorstehend abgebructte Be­

Ich habe die Schnüre damit befestigt, die sind so schwer, daß sie ohne die Schleife das Kleid herunterziehen," erklärte Lisette auf meine Frage.

So nehmen Sie doch wenigstens ein weißes Band dazu."

Aber, Fräulein, gerade die kleine blaue Schleife fielst so nett aus."

Mir selbst war an dem Tage zu wenig an den Aeußerlichkeiten gelegen, als daß ich weiter auf die Entfernung der blauen Schleife bestanden hätte.

Um nicht sofort als Bewohnerin des Hauses erkannt zu werden, schlüpfte ich auf Lisettes Anrathen durch eine Seitenthüre hinaus, um zur Vorderseite des Hauses wieder einzutreten.

Als ich die Terrasseustufen Hinausstieg, bemerkte ich dicht hinter mir einen schwarzen Domino; ich wollte ihm schnell enteilen, aber als ich den Ge­sellschaftssaal betrat, folgte er mir um wenige Schritte. Aller Augen waren auf uns gerichtet, und verschiedene Ausrufe der Verwunderung: Was für ein geisterhaftes Paar!" Wer mögen die wohl fein ?" und dergleichen mehr drangen an mein Ohr.

Außer Tante Aurelic, welche ohne Maske die Honneurs machte, erkannte ich kaum eine Seele; da waren wenigstens ein Dutzend verschiedene

kanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten Hinweise, erhalten die Herren Ortsvorstände die Auflage, die erwähnten Flugblätter alsbald auf Gemeindekosten in einer Anzahl Exemplare zu beschaffen und die Verhaltungs-Regeln bei Masern rc. bei jeder e r st e n ErkrankungSanzeige in jeder Familie den Angehörigen, evtl. anch den Lehrern zu übergeben, das Flugblatt über die Regeln für die Pflege und Ernährung der Kinder im l. Lebensjahre rc. aber den Herren Standes­beamten zur Verfügung zu stellen, welche bei jeder Anmeldung einer (Lebend-)Geburt, dem An­zeigenden ein Exemplar einzuhändigen haben.

Bis z u m 4. M a i d. I ist mir berichtlich anzuzeigen, wieviel Exemplare des Flugblattes beschafft worden sind.

I. 2364. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 21. April 1894.

Die Herren Ortsvorstände zn Kleiuensee, Wid- dershauseu, Leimbach, Heringen, LengerS und Philippsthal werden unter Hinweis auf die Ver­fügung vom 25. April 1884 Nr. 5384, Kreis­blatt Nr. 51, darauf aufmerksam gemacht, daß am 1. Mai d. J. die Begehung der Landesgrenze stattzufinden hat.

I. 2439. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Der Herr Ober-Präsident hat zu der von dem Pferdemarkt-Komits in Fritzlar gelegentlich des diesjährigen PferdemarktS daselbst beabsichtigten Verloosung von Pferden, Wagen, Fahr- und Reit- Requistten rc. im Gesammtwerthe von 14 900 Mk. die Genehmigung ertheilt.

Der Vertrieb der Loose, deren nicht mehr als 7000 Stück zu 3 Mark ausgegeben werden dürfen,

Masken, die ich nach Haltung und Bewegung für Rodegg hätte halten können, und Vetter Hugos Größe war so vielfach vertreten, daß an ein Er­kennen desselben nicht zu denken war. Eben folgte mein Auge den beiden Damen, die Arm in Arm durch den Saal schritten, mit musterndem Blick, ob die im Costüm der Maria Stuart nicht Josephine sei, als ein Herr, ein altdeutscher Ritter, zu mir trat und auf eben diese Masken zeigend, meinte:

Diese zwei sind, glaube ich, die elegantesten Costüme im ganzen Saal."

Wer sind sie?"

Fräulein Josephine und ihre Cousine."

Welche Cousine?"

Die mit dem jungen Franzosen verlobt ist ein ganz hübsches Mädchen, aber so reizend wie heute habe ich sie noch nie gesehen."

Wissen Sie, wer Rodegg ist?" fragte ich.

Noch habe ich ihn nicht ausfindig gemacht, aber wenn Sie Fräulein Josephine im Auge be­halten, werden Sie ihn bald siudeu sicherlich ist er nicht weit von ihr! Ihr Kavalier be­hält sie scharf im Auge," fuhr die Maske fort, indem sie sich neben mir auf das Sopha niederließ.

Die Richtung seiner Augen folgend, fiel mein Blick auf den schwarzen Domino, der wenige Schritte hinter mir stand, jetzt näher kam und