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Htrslel-el Kreisbllltt.
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Mr. 45.
Donnerstag den 19. April
1894.
Amtliches.
Berlin, den 2. November 1893. Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe II. zu den Schuldverschreibungen der Preußischen kouso- lidirleu 4°/otigen Staatsanleihe von 1884.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen derPreußischeu kousolidirten 4 prozeutigen Staatsanleihe von 1884 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1894 bis 31. Dezember 1903 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 1. Dezember 1893 ab von der Controlle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Bormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jedeit Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Controlle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Controlle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Forniulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamts Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ift-ba§ Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Warte oder Empfangsbescheinigung ist bei
(Rachinuck verboten.)
Jm Strome des Lebens.
Roman von Jenny Piorkowöka.
(Fortsetzung.)
Endlich kündete das Rollen der Wagen die Rückkehr der Anderen an, und fünf Winuten später trat Rodegg bei uns ein.
„Sie werden gewünscht, Fräulein Altener," sprach er zu dieser; „Fräulein Josephine hat sich den Fuß verstaucht; Sie sind wohl so gut und bringen ihr etwas Leinwand und Arnika."
„Warum kamen Sie heute früh nicht mit?" wandte er sich darauf zu mir, nachdem jene das Zimmer verlassen hatte.
„Weil ich nicht wollte," lautete meine trotzige Antwort.
„Das ist kein Grund — Sie hätten mitkommen sollen, — schon allein, um nicht Veranlassung zu unnützem Gerede zu geben, das . . ."
„Ah, finde ich meine Nichte endlich hier?" erklang da Tante Aurelies milde Stimme, die mich wie ein seines Gift durchdrang; „nun hast Du Deinen kindischen Eigensinn endlich bereut . . ."
„Bitte, Tante, erspare mir derartige Verwürfe in Gegenwart eines Fremden," fiel ich ihr scharf ins Wort.
„Rodegg ist kein Fremder."
„Dir vielleicht nicht — aber mir," entgeg nete ich.
* ^ *
der Ausreichung der neuenZinsscheinezurückzugeben.
Jn Schriftivechsel kann die Controlle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht e i n l a s s e n.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben ge- nannten Provinzialkasson beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheiue wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Controlle der Staatspapiere oöer an eine der genannten Provinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I 2338 * * *
Cassel, den 10. November 1893.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Forniulare von der hiesigen Negieruugs - Hauptkasse und den Steuerkassen unseres Bezirks verabreicht werden.
Königliche Regierung. (Unterschrift.)
Hersfeld, den 17. April 1894.
Diejenigen Herren Bürgermeister der Schulge- meinden des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. März d. Js.
„Was machen wir heute Abend?" bemerkte Fräulein Mornau mit einem Blick aus dem Fenster, als wir zusammen im Wohnzimmer saßen.
„Es wird uns bei diesem trüben, regnerischen Wetter wohl nichts anderes übrig bleiben, als uns die Zeit mit Lectüre zu vertreiben," gab Eins zur Antwort.
„Ich schlage vor, wir amüsiren uns einmal mit Sprüchwörtern aufführen," bemerkte ein Anderes.
„Ach ja!" rief Martha, in die Hände klatschend; „aber dazu brauchen wir allerhand Costüme! Ob Rodegg uns erlauben wird, in seinen Schränken und Garderoben herumzuwühlen?"
„Wenn Josephine ihn darum bittet, giebt er sicher seine Erlaubniß dazu — ihr kann er nichts abschlagen!" bemerkte Fräulein Mornau lächelnd.
Vetter Hugo biß sich finster auf die Lippen, während Josephine mit kokettem Lächeln sagte: „O, so sprecht Ihr nur, weil Ihr Euch genirt, selbst darum bitten zu müssen" Damit stand sie auf und verließ das Zimmer, um ihre Mission zu erfüllen.
Ich hatte der Unterredung schweigend zugehört; jetzt aber lag es mir wie ein Alp auf der Brust; ich hielt es nicht mehr in der beengenden Stuben- luft aus, und mich von meinem Platz am Fenster erhebend, wollte ich einen Gang durch den Garten machen, blieb aber in der Thüre mit meinem Armband an Marthas spitzenbesetztem Kleide hängen, — in derselben Minute kam Rodegg mir
I. 1949, im Kreisblatt Nr. 38, betreffend die Versicherung der Schulgebäude gegen Feuerschaden, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 25. D. Mts. erinnert.
J. I. Nr. 1949. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheinier Regierungs-Rath.
Politische Nachrichten.
Berlin, 17. April.
Se. Majestät der Kaiser befindet sich seit Sonntag Abend auf Jagdschloß Kaltenbronn, geht täglich auf die Auerhahnbalz, wird jedoch morgen nach Karlsruhe zurückkehren und dann von da Atlerhöchstsich nach Koburg zu den Hochzeitsfeierlichkeiten begeben.
Aus Abbazia, 16. April, wird gemeldet: Ihre Majestät Kaiserin Auguste Victoria ist heute Nacht 1 Uhr an Bord der Jacht „Christabel", welche von dem „Moltke" gefolgt war, nach Venedig abgefahren. Die Rückkehr Ihrer Majestät ist für Mittwoch in Aussicht genommen.
Die R eis e b esti mmu n g en I h rer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten sind nunmehr dahin getroffen worden, daß Anfangs Mai die kaiserliche Familie wieder im Neuen Palais vereint sein wird.
Es bestätigt sich, wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, daß eine R e i ch s a n l e i h e im Betrage von 160 Millionen in den nächsten Tagen aufgelegt werden soll.
Das Gesetz über d i e Abzahlungsgeschäfte hat nach den Beschluffen des Reichstags in dritter Lesung eine gegen die ursprüngliche Vorlage etwas veränderte Fassung erhalten. Die Hauptbestimmung ist geblieben, wonach, wenn der
entgegen. Vielleicht war es die Berührung seiner kalten Hand bei dem Bemühen, mir behilflich zu sein, was mich doppelt ungeduldig machte, so daß ich in der nächsten Secunde heftig sagte: „So zerbrechen Sie es doch, sonst bekommen Sie es nimmermehr los!"
„Ah, das geheimnißvolle Armband, von dem Du uns niemals sagen willst, woher Du es hast?" meinte Martha.
„O, es ist eine wahre Plage; überall bleibe ich damit hängen!" rief ich, ihrer Worte nicht achtend.
„Darf ich dann fragen, weshalb Sie es tragen?" fragte Rodegg kühl.
„Weil ich es nicht losbekommen kann," antwortete ich in gereiztem Tone.
„Kann ich Ihnen denn nicht behilflich fein?" fragte da Blanchard, zu uns tretend.
„Ach ja! zerbrechen Sie es, wenn es nicht anders geht; dieses Band ärgert mich, so lange ich es trage!"
Aber mehrere Minuten lang bemühte auch er sich vergebens.
„Ich habe vielleicht mehr Kraft," sagte Rodegg; und bei einem zweiten Versuch zerbrach das Schloß unter seinem kräftigen Druck; doch ein Aufschrei entrang sich meinen Lippen, als das Band in Stücken zu Boden fiel.
„Sie sind verletzt!" rief Blanchard, erschrocken meine blutende Hand erfassend.'
„Nur ein wenig geritzt," versetzte ich erregt.