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^i (jjrint wöchk-.Uich brei Mal Tienft.ifl, Dounerslaii und Ssnnabcnd. AboainnnnieprkiS vikitkljähilich 1 Mark 40 Ps^. excl.
Postausschlag.
Die JnscrtionSgebühren betragen für ben Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hersfel-er Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Sonntaasblatt".
Mr. 39. Donnerstag den 3. April 1894.
Bestellungen auf das ImMer Kwölalt mit her wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" für das 2. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. April 1894.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit her Erledigung meiner Verfügung vom 24. September 1886 Nr. 134, im Kreisblatt Nr. 114, betreffend die Erreichung eines Verzeichnisses über die Hand- und Spanndienstpflichtigen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis z u m 8. d. Mts. bei Reibung von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. A. 92r. 134 86. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Negierungs-Rath.
Hersfeld, den 2. April 1894.
Der Anstreicher Johannes M ü h l i n g, 42 Jahre alt, und der Schlosser Jacob Diebel, 23 Jahre alt, beide dahier, haben um Ertheilung von Reisepässen behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
I. I. Nr. 2108. Der Königliche Landrath Freiherr von L- ch l e i u i tz , |
Geheimer Regierungs-Rath.
(Nachdruck »erboten.)
Im Strome des Lebens.
Roman von Jenny Piorkowska.
(Fortsetzung.)
„Würden Sie sich wohl der Mühe unterziehen und den Thee einschenken?" wandte sich Rodegg lächelnd zu mir, „sonst muß ich dies selbst besorgen, heule soll er mir darum aber auch doppelt gut schmecken."
Zum ersten Mal in meinem Leben unternahm ich mit vor Angst zitternden Fingern dieses Amt; schweigend folgten Rodeggs Blicke meinen Be- wegnugen; schweigend tranken mit unseren Thee, dann wandte er sich wieder seinen Briefen zu, während ich mich wieder in mein Buch vertiefte.
„Tante Aurelie läßt Sie grüßen," hub Herr von Rodegg nach einiger Zeit an. „Sie scheint sehr besorgt um Ihr Befinden. Gut, daß sie verhindert ist, selbst zu kommen; sie würde, fürchte ich, nicht wenig verwundert sein, wenn sie uns so behaglich hier zusammen am Theelisch sehen könnte. Die Binde an meinem rechten Arme ist wohl noch der einzige sichtbare Beweis unseres Unfalls."
„'h‘ie geht es heute mit Ihrem Arme?" wagte ich schüchtern zu fragen — oas erstemal, daß ich mich überhaupt danach erkundigte, und wie vorsorglich und aufmerksam war er während meines Krankseins gegen mid) gewesen! — Dessen wohl
Hersfeld, den 3. April 1894.
Bei der am 2. b. Mts. vorgenommenen Leerung der dem hiesigen Waisenhaus gehörigen Armen- büchsen fanden sich folgende Beträge in denselben: Im Gasthaus zum Deutschen Haus — Mk. 10 Psg. „ „ „ Löwen . . — „ 20 „
Im Vorsaale des hiesigen Kgl.
Amtsgerichts . . . . 1 „ 20 „ zus. 1 „ 50 „
Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheinler Negierungs-Rath.
Gefunden: ein Notizbuch und ein russischer Reisepaß. Meldung des Eigenthümers bei dem OrtSvorstand zu Eitra.
Politische Nachrichten.
A b b a z i a , 2. April. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute Vormittag eine Promenade am Strande und wohnten sodann einem mehrstündigen Segel- manöver S. M. Schulschiffs „Moltke" bei.
Se. Majestät der Kaiser hat am 1. April folgendes Telegramm an den Fürsten Bismarck gesandt:
„Euerer Durchlaucht spreche Ich Meinen herzlichsten Glückwunsch aus. Flügeladjutant Gras von Moltke ist beauftragt, Ihnen in Meinem Namen einen Küraß zu überreichen. Der feste Stahl, der dazu bestimmt ist, sich um Ihre Brust zu legen, mag als Symbol deutschen Dankes gelten, der sich in fester Treue um Sie schließt, und dem auch Ich einen beredten Ausdruck Meinerseits verleihen möchte.
Wilhelm L R."
eingedenk glitt ein Lächeln über seine Züge, als er erwiderte:
„Er macht mir noch viel Schmerzen und ist noch gar nicht wieder recht brauchbar; ich hätte Ihrer Tante gern gleich heute noch geantwortet, aber es ist wohl besser, ich schone den Arm noch ein wenig."
Dunkelroth vor Verlegenheit fragte ich, ob ich ihm nicht behilflich sein, ob ich nicht für ihn schreiben könnte; anfangs lehnte er mein Anerbieten ab; ich sei noch Reconvalescentin und müsse mich schonen, aber lachend entgegnete ich, ich fühlte mich so wohl wie je, und fünf Minuten später saß ich an seinem Schreibtisch und ließ mir seinen Brief an Tante Aurelie dictiren.
Damit fertig, fragte ich, ob ich noch mehr für ihn schreiben könnte.
Ein Geschäftsbrief müsse allerdings spätestens morgen früh expedirt werde», meinte er; so griff ich nach einem zweiten Bogen und schrieb, was mir dictirt wurde.
Es war ein Geschäftsbrief voll juristischer Ausdrücke, aber ich nahm mich zusammen und schrieb mit so schneller, leichter Hand, als ich vermochte.
„Was nun?" fragte ich, als ich auch damit fertig war, mit vor Eifer hochrothen Backen.
„Sind Sie noch nicht abgespannt?"
„O, nein!"
Und ohne ein weiteres Wort hub er an, mir
Daraus hat Fürst Bismarck mit folgendem Telegramm geantwortet:
„Euerer Majestät sage ich meinen ehrfurchtsvollsten Dank für den gnädigen Glückwunsch und für die huldreichen Worte, in denen Euerer Majestät Gnade für mich Ausdruck findet. Den neuen Waffenschmuck werde ich als ein Symbol dieser Gnade anlegen und meinen Kindern als dauerndes Andenken an dieselbe vererben.
von Bismarck."
Wie verlautet, würden Ihre Majestäten der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Auguste Victoria zu einem zweitägigen Aufenthalte in Venedig eintreffen. Man glaubt, daß sich der König und die Königin in Begleitung des Ministerpräsidenten CriSpi ebenfalls nach Venedig zur Begrüßung der Deutschen Majestäten begeben werden. Wie es heißt, werden in Palazzo Reale bereits die Appartements zum Empfange des Deutschen Kaiserpaares vorbereitet.
Zahlreiche Blätter widmeten dem Geburtstage des Fürsten Bismarck Gratulationsartikel; so schrieb die „M a g d e b u r g i s ch e Zeitung": „Wieder einmal feiern wir morgen den Geburtstag des alten Reichskanzlers. Von überall her wird berichtet, daß das deutsche Volk in allen patriotischen und nationalen Kreisen in diesem Jahr mit ganz besonders festlichen Veranstaltungen den Ehrentag des Mitbegründers des Deutschen Reiches begehen will, der fast allein noch aus der großen Zeit der Erhebung des Vaterlandes in unserer Gegenwart emporragt. Immerdar wird unser Volk mit Verehrung auf diesen Mann blicken, der ihm für alle Zeiten als ein Denkmal seiner wiedererrungenen nationalen Einheit und Größe dastehen wird. Mit besonderer Freude wird man diesmal den Gedenktag begehen, da die schmerzliche Wunde in dem Herzen des Volks
französisch zu dictiren.
Dank Mademoiselle Lebruns strengem Unterricht war ich auf ein französisches Dictat gut eingeübt und wurde meiner Aufgabe nun auch gerecht, obwohl es kein Leichtes war, Rodeggs schnellen Worten zu folgen.
Mein weiteres Anerbieten, ihm zu helfen, lehnte er dankend ab.
„Ja, ja," sagte er lächelnd, „nicht wahr, das Eisenbahnunglück war ein schlimmes Ding? Da hält es Sie nun hier in dem düsteren stillen Hause als Gefangene fest, und nicht genug damit, müssen Sie auch noch meinen Secretär ab- geben. Mein Arm, fürchte ich, hält mich noch eine Weile hier zurück; darunter sollen Sie aber nicht zu leiden haben. Ich werde suchen,' bald eine paffende Reisegesellschaft für Sie zu finden!"
„O, darum machen Sie sich keine Sorge!" entgegnete ich hastig; „ich habe durchaus keine Eile, fortzukommen; es gefällt mir sehr gut hier, und gerne bleibe ich bei Ihnen, bis Sie selbst mich begleiten können."
Von dem Tage an stand ich mit meinem Wirthe auf bestem Fuße. Er erzählte mir von seinen Abenteuern in fernen Landen; er verstand sich mit mir zu unterhalten, daß ich ganz vergaß, daß ich mit ihm, vor dem ich anfangs solche Scheu gehabt, und nicht mit einem Altersgenossen von mir sprach.
Eines Tages wanderte ich allein durch den