waltungsbezirken insbesondere den gestellungs- pflichtigen Mannschaften und deren Angehörigen bekannt machen zu lassen und daß dieses geschehen, bis zum 20. März d. Js. hierher zu berichten.
J. II. Nr. 767. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungö-Rath.
Auetions Anzeige.
Mittwoch, den 9. Mai d. Js. von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 Gestüt- pferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens bedeckt) Fohlen und 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche 4 jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 7. und 8. Mai von 7 bis 10 Uhr Vormittags unter dem Reiter, sowie sämmtliche an denselben Tagen von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Listen über die zur Auetion gelangenden Pferde werden am 25. April zum Versand 2C. fertig gestellt sein und auf Ansuchen zugeschickt werden.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhof Trakehnen wird am 7., 8. und 9. Mai gefolgt fein.
Trakehnen, den 6. März 1894.
Der Landstallmeister, gez. v. Frankenberg.
Politischc Nachrichtcu.
Aus A b b a z i a , 29. März, liegen folgende Meldungen vor: Se. MajestätderDeutsche Kaiser begab sich heute früh 8 Uhr in der Uniform seines österreichischen Husarenregiments mit Gefolge nach der Station Mattuglie, um den Kaiser Franz Joses zu begrüßen. Das Wetter ist prächtig. Unter der Bevölkerung und den Kurgästen herrscht freudige Erregung. — S e. Majestät Kaiser FranzJosef, welcher preußische Uniform trug und den Schwarzen Adlerorden angelegt hatte, und Se. Majestät Kaiser Wilhelm sind um 9 Uhr 35 Minuten hier eingetroffen. Der Statthalter Ritter v. Rinaldini, sowie die beiderseitigen Gesolge fuhren den Majestäten voran, welche von der dicht gedrängten Menge unter brausenden Hurrahrufen enthusiastisch begrüßt wurden. Im Hotel Stesani wurde Kaiser Franz Josef vom Erzherzog Josef begrüßt und von dem Kontreadmiral Seemann, dem Brigadier Speß, dem Kommandanten des Schulschiffs „Moltke", Kapitain zur See Koch, dem Landeshaupt' wann Campitelli, dem Direktor der Kuranstalten Silberhuber, dem Direktor der Kurkommission Oberst Wachter, sowie dem Sanitätsreferenten Regierungsrath Glar empfangen und begab sich darauf in seine Gemächer. Das Schulschiff „Moltke" hat Flaggengala angelegt; alle Dampfer, Jachten und Boote im Hasen sind festlich beflaggt. — Der Hofzug lief präzise 9 Uhr in den Bahnhof Mattuglie. Als Se. Majestät der Kaifer Franz Josef dem Wagen entstieg, eilte Se. Majestäl der Kaiser Wilhelm ihm entgegen und die Majestäten umarmten und küßten sich zwei Mal auf das Herzlichste. Nach der Begrüßung der Gefolge traten die Majestäten aus dem Bahnhöfe, um die bereit stehenden Wagen zu besteigen. Die aus dem Platz vor dem Bahnhöfe und auf den überhangenden Felswänden zu Taufenden versammelte Bevölkerung brach in diesem Augenblicke in lebhafte „Evviva-", „Zivio-" und „Hoch-" rufe aus. Die 'Majestäten traten alsdann über Volosca durch die mit Fahnen, Guirlanden und Blumen geschmückten sowie von Landleuten und Fischern dicht besetzten Straßen, auf den, ganzen Wege begeistert begrüßt, die Fahrt nach Abbazia an. Gleich nach der Ankunft in Abbazia machte Se. Majestät der Kaiser Franz Joses Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin in der Villa Amalia einen Besuch. Später stattete der Kaiser der Groß- herzogin von Toscana einen Besuch ab.
Wie aus Wien gemeldet wird, widmen die heutigen Morgenblätter in der österreichischen Hauptstadt der heute stattsindenden Kaiser- begegnung in Abbazia sehr warme Betrachtungen, welche in der Betonung der unerschütterlichen Festigkeit des österreichisch-deutschen Verhältnisses und der rein friedlichen Bedeutung des Dreibundes gipfeln, dessen friedenerhaltender Charakter auch bei bisher mißtrauischen Elementen einer wachsenden Würdigung begegne.
Ueber die diesjährigen Kaiser
manöver wird dem „B. T." von wohlinfor- mirter Seite mitgetheilt, daß die Paradeüber das 1. Armeekorps südlich von Königsberg auf dem Exercierplatze der Garnison abgehalten werden wird, die Parade über das 17. Ä r m e e k o r p s zwischen D a n z i g und Marienburg auf dem westlichen Ufer der Weichsel. Als Paradefeld für letzteres Korps war erst die Fläche zwischen Danzig und Oliva vorgeschlagen worden, in unmittelbarer Nähe der See und zugleich in Verbindung mit der in Aussicht genommenen Flottenrevue, doch wurde hiervon Abstand genommen, weil der Kaiser im Schlosse zu Marienburg absteigen und in demselben auch das Paradediner für das 17. Korps geben wird. Nach den beiden Korpsmanövern gegen markirten Feind finden die dreitägigen Manöver der beiden Korps gegen einander in dem von Marienburg, Elbing, Preußisch Holland, Mohrungen, Christburg und Stuhm begrenzten Distrikt statt.
Die amtlichen Verordnungsblätter des Reichs veröffentlichen die zwischen der deutschen und russischen Regierung getroffene Vereinbarung über die Grundsätze, nach welcher jeder Theil zur Wieder-Ueber nähme seiner aus dem Gebiete des anderen Theils lebenden Angehörigen verpflichtet sein soll.
Die Rückkehr des S e e s v l d a t e n - D e t a ch e - m e n l s aus Kamerun steht demnächst bevor. Der Dampfer „Admiral" hat nach einer telegraphischen Meldung am 20. März mit den nach Kamerun gesandten 120 Mann Marine- Infanterie die Rückreise nach der Heimath angetreten. Das Schiff trat seine Reise am 10. Januar von Kuxhaven aus an und traf bereits am 28. Januar in Kamerun ein; somit hatte die Reise gerade 18 Tage gedauert. Wenn die Rückfahrt mit derselben Geschwindigkeit gemacht wird, so kann die Ankunft an der deut- schen Küste am 7. oder 8. April erwartet werden.
Aus Provinz und Nachvargebiet.
Hersfeld, 30. März 1894.
* Hinsichtlich der Rekrutirung d e tz Heeres für 1 8 94/95 ist durch Allerhöchste Ordre vom 15. März Folgendes bestimmt: I. Entlassung der Reservisten. 1. Der späteste Entlassungstag ist der 29. September 1894. Das Nähere bestimmen die Generalkommandos, für die Fußartillerie die General- inspeklion der Fußartillerie. 2. Bei denjenigen Truppentheilen, welche an den Herbstübungen Theil nehmen, hat die Entlassung der zur Reserve zu beurlaubenden Mannschaften, unter Berücksichtigung der in Ziffer 1 getroffenen Festsetzung, in der Regel am zweiten, ausnahmsweise am ersten oder dritten Tage nach Beendigung derselben bz. nach dem Eintreffen in den Standorten stattzufinden. Abweichungen hiervon können das Kriegsministerium und in Bezug auf einzelne Mannschaften die Generalkommandos verfügen. 3. Die zu halbjähriger aktiver Dienstzeit im Mai bz. November eingestellten Trainsoldaten sind am 31. Oktober 1894 bz. am 30. April 1895, die Traingemeinen, sowie die Oekonomie- Handwerker am 29. September 1894 zu entlassen. — II. Einstellung der Rekruten. Die Einstellung zum Dienst mit der Waffe hat nach näherer Anordnung des Generalkommandos bei der Kavallerie baldmöglichst nach dem 1. Oktober 1894, jedoch grundsätzlich erst nach dem Wiedereintreffen in den Standorten von den Herbstübungen, bei den Trainbataillonen zum Herbsttermin am 3. November 1894 und für die Trainsoldaten zum Frühjahrstermin am 2. Mai 1895 zu erfolgen. Die Rekruten für die Unterosfizierschulen sowie die als Oekonomie- handwerker ausgehobenen Rekruten sind am 2. Oktober 1894 einzustellen. Für die Rekruten aller übrigen Truppentheile hat das Kriegs- ministerium den näheren Termin der im Laufe des Monats Oktober 1894 stattsindenden Einstellung festzusetzen. — Mit der Entlassung der Reservisten im Herbst d. I. ist die zweijährige Dienstzeit im Sinne des Artikel II § 1 des Gesetzes vom 3. August 1893 durchgeführt.
* (PersonalVeränderungen.) Ernannt: der Schutzmann Breitenbach zum Schutzmann - Wachtmeister bei der Königlichen Polizeidirektion in Hanau, der Stellenanwärter Fuchs zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht in Schwarzenfels. — Entlassen: der Gerichtsvollzieher v. Adlersseld in Bieder aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts in Cassel behufs
Uebertritts in den zu Breslau, der Gerichtsdiener Herber in Burghaun auf Grund rechtskräftigen Disciplinarurtheils.
* Nach meteorologischen Beobachtungen haben wir bis zum 6. April andauernde Trockenheit zu erwarten, während sich vom 6. bis 9. April schwache Niederschläge ein- stellen werden.
§ Hersfeld, 30. März. Am nächsten Sonntag vollendet der Altreichskanzler Fürst B i s m a r ck sein 79. Lebensjahr. Ueberall im deutschen Vaterland wird dieser Tag in besonders festlicher Weise begangen werden. Aus zahlreichen Orten liegen "Nachrichten über geplante großartige Festlichkeiten vor.
Hersfeld, 30. März. Außer den z. Zt. zwischen Frankfurt a/M. und Berlin über Eisenach- Halle bereits bestehenden Durchgangs - (O-) Zügen Nr. 5 und 6 werden vom 1. Mai b. I. ab auch die Nacht-Schnellzüge Nr. 1 und 2 der gleichen Strecke, die anschließenden Schnellzüge Nr. 201 und 202 der Linie Leipzig-Corbetha und die Schnellzüge 13 und 18 zwischen Berlin und Leipzig in O-Züge umgewandelt. Bei Benutzung dieser Züge ist daher ebenfalls außer dem tarifmäßigen Fahrgeld eine Platzgebühr von 2 Mark zu entrichten.
t Hersfeld, 30. März. Aus den verschiedensten Gegenden werden schon wieder verheerende Waldbrände gemeldet und die jetzige Witterung ist nur zu sehr geeignet, die Gefahr der Waldbrände zu erhöhen. Da sollte ein Jeder, welcher den Wald durchschreitet oder sonst in demselben zu thun hat, recht vorsichtig mit brennenden Cigarrenstummeln und dem Wegwerfen von brennenden Streichhölzchen sein, denn die meisten Waldbrände sind aus diese Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit zurückzuführen.
t Hersfeld, 30. März. Die Postschalter werden vom 1. April ab wieder Morgens von 7 Uhr ab dem Publikum geöffnet sein.
V Meteorologische Station Gershausen, 27. März. Der Winter ist nun vorüber, und der Wechsel der Witterung während desselben war kein mannigfacher. Trübes wolkiges Wetter mit viel Regen war am meisten vorherrschend. Die empfindlichste Kälteperiode war vom 3.—14. Januar. Der während dieser Zeit herrschende Ostwind hatte eine furchtbare Schärfe, und es würden schlimme Folgen eingetreten sein, wenn er lange angehalten hätte. Sonst war während des ganzen Winters die Hauptwindrichtung die von Westen. Eine Hauptsturmperiode mit Westwind war vom 7.—11. Februar. Schnee ist wenig gefallen, und hat der spärliche Schneefall keine guten Folgen für das Wachsthum der Pflanzen bei eintretender Trockenheit; denn bei vielem Schnee und abwechselndem Regen, wird der Grundwasserbestand des Erdreichs ein nachhaltigerer, als dies bei Regen allein der Fall ist. Schneewasser durchdringt den Erdboden mehr als Regenwasser und widersteht auch der Verdunstung mehr als das letztere. Wer nun glaubt, das Erdreich sei von dem vielen Regen reichlich durchwässert, irrt gar sehr, zumal noch obendrein fast immer eine hohe Temperatur war, welche die Verdunstung beförderte. Während des Haupt- wachsthums der Pflanzen wird auch in diesem Jahre periodisch wieder Trockenheit herrschen, und ist ei daher im Hinblick auf die Futtervor- räthe für den Winter geboten, in diesem Frühjahr- mehr Kartoffeln zu bauen, als sonst, denn sie kommen bei trockener Witterung besser fort, als die Sommergetreidearten. — Die Gewitter werden in diesem Jahre strichweise wieder sehr heftig werden, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn der Winter schon Gewitter brächte, der Sommer dann in der Regel deren schwere im Gefolge hatte, und in diesem Winter waren 3 Gewitter. Versäume es daher niemand seine Früchte zu versichern, denn dadurch kann sich ein Land- mann auf einige ehrliche Weise vor Verarmung schützen. Als vor einigen Jahren die Gemarkung Wippershain und im vorigen Jahr die der Stadt Hersfeld verhagelte, war vorher an dieser Stelle aus baldige Hagelwetter aufmerksam gemacht worden. Nun denkt wohl mancher, die Versicherungen sind zu theuer, dem ist aber abzuhelsen, wenn der, welcher versichern will, den redlichen Gedanken hat, sich durch die Versicherung nicht bereichern zu wollen, sondern dadurch nur soviel zu erzielen, daß er nicht verarmt. Mau nehme daher als Versicherungssatz pro ha Winterfrucht 300 und pro ha Sommerfrucht 200 Mark. Diese Sätze erfordern keine zu hohe Prämienzahlung und bringen doch so viel Entschädigung, daß der Versicherte bei Hagelschaden nicht ver-